{"id":10220,"date":"2002-11-07T15:03:08","date_gmt":"2002-11-07T14:03:08","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10220"},"modified":"2012-05-29T13:20:49","modified_gmt":"2012-05-29T11:20:49","slug":"10220","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/11\/10220\/","title":{"rendered":"IWF: Kann ein Tiger zum Vegetarier werden?"},"content":{"rendered":"<p>IWF (Internationaler W&auml;hrungsfond) und Weltbank (WB) wurden 1945 in Bretton Woods gegr&uuml;ndet. Angeblich wollen beide Institutionen die Wirtschaften und W&auml;hrungen der sogenannten Entwicklungsl&auml;nder durch langfristige Kredite st&uuml;tzen und die Armut dort bek&auml;mpfen. Dass das nicht so ist, zeigen viele Beispiele, egal ob in Lateinamerika, Asien oder Afrika. Beide, IWF und WB, sind nur zwei verschiedene Institutionen, die letztendlich die Interessen der Banken und Konzerne aus den Industriestaaten durchsetzen.<\/p>\n<p>  von Mar&eacute;n Wiese, Rostock<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nIn der UNO (den Vereinten Nationen) besitzt jedes Land eine Stimme &#x96; die Stimme der jeweils Herrschenden. Bei IWF und WB entscheiden die wirtschaftlich st&auml;rksten Staaten: Die USA verf&uuml;gen im IWF &uuml;ber 17,5 Prozent der Stimmen, Deutschland und Japan &uuml;ber jeweils 6,1 Prozent, Britannien und Frankreich haben je 5,1 Prozent. Das sind knapp 40 Prozent der Stimmen &#x96; unter Kontrolle dieser f&uuml;nf Staaten. 138 Entwicklungsl&auml;nder zusammen m&uuml;ssen sich hingegen mit insgesamt 34, 1 Prozent zufrieden geben. Bei der WB gelten &auml;hnliche Regelungen. Die USA haben au&szlig;erdem als einziges Land ein Vetorecht, da alle wichtigen Entscheidungen mit 15 Prozent der Stimmen verhindert werden k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>   Strukturanpassungsprogramme<\/p>\n<p>  Damit einem &#x84;Entwicklungsland&#x93; ein Kredit von IWF oder WB gew&auml;hrt wird, muss es sich bereit erkl&auml;ren die Bedingungen (&#x84;Konditionalit&auml;ten&#x93;) von IWF oder WB zu akzeptieren. Das sind durchschnittlich 111 f&uuml;r jedes Land. Der IWF verlangt sogar, dass die L&auml;nder Ma&szlig;nahmen akzeptieren, die weiter gehen als die offiziellen Regeln der WTO (Welthandelsorganisation). <br \/>  Ein Ma&szlig;nahmenkatalog, der als &#x84;Standardl&ouml;sung&#x93; f&uuml;r die betroffenen Staaten entwickelt wird, beinhaltet in der Regel vier immer wiederkehrende Stufen. Es beginnt mit Privatisierung von &ouml;ffentlichem Eigentum, gefolgt von der &#x84;Liberalisierung der Kapitalm&auml;rkte&#x93;, die verbunden ist mit K&uuml;rzungs- und Sparpolitik. Dann kommt die &#x84;marktbindende Preisbildung&#x93; mit der Folge, dass die Preise f&uuml;r Nahrungsmittel, Medikament und andere lebensnotwendige Dinge f&uuml;r die Masse der Menschen steigen. Die vierte und letzte Stufe bezeichnen IWF und WB selbst als &#x84;Strategie zur Reduzierung der Armut&#x93; &#x96; der Freihandel nach den Regeln von WTO und WB.<\/p>\n<p>  Die Politik von IWF\/WB konkret<\/p>\n<p>  Das alles funktioniert auch meist ganz gut, indem zum Beispiel f&uuml;hrende Politikergr&ouml;&szlig;en bestochen werden. So berichtete ein argentinischer Senator gegen&uuml;ber einem US-Journalisten, dass er Ende 1998 einen Anruf von George W. Bush (junior) erhielt, der ihm sagte, er solle die Pipeline zwischen Argentinien und Chile an Enron verkaufen. Enron war aber nur bereit ein F&uuml;nftel des markt&uuml;blichen Preises zu bezahlen. Daf&uuml;r w&uuml;rde aber ein guter Teil des Geldes (meist etwa zehn Prozent) auf ein Schweizer Konto dieses Senators landen. Der Ex-Weltbank-Vize-Chef,  Joe Stiglitz, bezeichnete diese Stufe als &#x84;Korruptisierung&#x93;.<br \/>  Die Folgen sehen wir dann auch in der T&uuml;rkei, wo bis Ende 2002 im &ouml;ffentlichen  Dienst und bei staatlichen Unternehmen 61.000 Stellen gestrichen werden sollen.  Am Ende befindet sich das jeweilige Land in totaler Abh&auml;ngigkeit von IWF und WB. <br \/>  Den Verantwortlichen dieser Organisationen ist es egal, ob Menschen bei dieser Politik leben oder sterben. Es z&auml;hlt einzig der Profit. Sie reformieren  zu wollen, w&auml;re als wenn ein Tiger zum Vegetarier gemacht werden sollte.<br \/>  Statt neuer Kredite mit neuen Bedingungen m&uuml;ssen die Schulden der &#x84;Dritten  Welt&#x93; sofort und bedingungslos gestrichen und die Zinszahlungen an die Banken  eingestellt werden. Um das zu erreichen und um Privatisierungen und den Ausverkauf  von &ouml;ffentlichem Eigentum zu stoppen, ist es notwendig den Kampf international  zu f&uuml;hren und die anti-kapitalistische Bewegung weiter aufzubauen. <br \/>  Der systematischen Ausbeutung der Welt durch die Banken und Konzerne muss  ein Ende gesetzt werden. Deshalb geh&ouml;ren IWF, Weltbank und WTO abgeschafft.  Um die Macht der Banken und Konzerne zu brechen, m&uuml;ssen diese in Gemeineigentum  &uuml;berf&uuml;hrt und unter demokratische Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitenden Menschen gestellt werden. Der Kampf f&uuml;r eine Welt ohne Ausbeutung, Hunger und Kriege beginnt schon heute. F&uuml;r die SAV bedeutet das, den Kampf f&uuml;r eine sozialistische Demokratie zu f&uuml;hren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>IWF (Internationaler W&auml;hrungsfond) und Weltbank (WB) wurden 1945 in Bretton Woods gegr&uuml;ndet. 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