{"id":10213,"date":"2002-10-28T16:41:30","date_gmt":"2002-10-28T15:41:30","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10213"},"modified":"2012-05-29T13:21:15","modified_gmt":"2012-05-29T11:21:15","slug":"10213","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/10213\/","title":{"rendered":"Profite und Konkurrenz behindern den Kampf gegen Aids"},"content":{"rendered":"<p>In den n&auml;chsten zehn Jahren wird Aids in Schwarzafrika mehr Menschen t&ouml;ten als alle Kriege des 20. Jahrhunderts zusammen. Dies k&ouml;nnte durch billige Medikamente und Aufkl&auml;rung in der Bev&ouml;lkerung verhindert werden. <\/p>\n<p>  von Immo Schott, Kassel<br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Epidemie befindet sich noch im Anfangsstadium. Bisher hat Aids weltweit 22 Millionen Menschen get&ouml;tet, weitere 36 Millionen sind infiziert oder aidskrank.<br \/>  Am schlimmsten betroffen ist der afrikanische Kontinent. Dort sterben t&auml;glich 6.000 Menschen an Aids, es gibt 11.000 Neu-Infizierungen pro Tag. Allein in S&uuml;dafrika sind &uuml;ber zehn Prozent der Bev&ouml;lkerung laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) HIV-positiv. Am meisten zu leiden haben Kinder und junge Frauen. Laut einer Regierungsstudie sind 24,5 Prozent aller entbindenden M&uuml;tter in S&uuml;dafrika HIV-positiv. <\/p>\n<p>  Aids und Armut<\/p>\n<p>  Das weitere Anwachsen der Epidemie steht im Zusammenhang mit Armut und Ausbeutung durch westliche Konzerne. Besonders in L&auml;ndern wie Sambia, wo &uuml;ber 60 Prozent der Bev&ouml;lkerung von unter 1 Dollar am Tag leben und die Ausgaben f&uuml;r Gesundheit pro Person im Jahr nur ganze 6,50 Dollar betragen, kann der Virus sich rasch ausbreiten. <br \/>  Den Menschen fehlen die Mittel, um effektiv gegen Aids vorzugehen. Pr&auml;parate, welche laut wissenschaftlichen Ergebnissen den Ausbruch von Aids verz&ouml;gern oder sogar verhindern k&ouml;nnten, kosten zwischen 300 und 400 Dollar, ungef&auml;hr soviel wie das Jahresgehalt eines Arbeiters in der sogenannten  &#x84;3.Welt&#x93;. Auch f&uuml;r Aufkl&auml;rung von staatlicher Seite ist kein Geld vorhanden. Die Kassen sind leer, das meiste Geld wird zur Schuldentilgung benutzt. Doch gerade durch &ouml;ffentliche Pr&auml;ventions-Kampagnen, wie zum Beispiel das kostenlose Verteilen von Kondomen, k&ouml;nnte der Virus einged&auml;mmt werden. Genau dies wird jedoch nicht geschehen, solange die Profite weiter die Politik bestimmen. <\/p>\n<p>  Wirkstoffgleiche Medikamente <\/p>\n<p>  &#x84;Obwohl es abgesicherte v&ouml;lkerrechtliche M&ouml;glichkeiten f&uuml;r arme L&auml;nder gibt, Generika [wirkstoffgleiche Medikamente] ohne Lizenzgeb&uuml;hren herzustellen, haben sich die meisten L&auml;nder dem Druck der Industrienationen beugen m&uuml;ssen und auf diese M&ouml;glichkeit verzichtet&#x93;, erl&auml;utert Dr. Uli Markus vom Berliner Robert-Koch-Institut. So musste S&uuml;dafrika Ende des vergangenen Jahres nach Klage- und Boykottdrohungen von 40 f&uuml;hrenden Pharmafirmen und einigen westlichen Regierungen einen entsprechenden Passus in seinem Gesundheitsgesetz streichen. <br \/>  Die Gro&szlig;konzerne besitzen international g&uuml;ltige Patentrechte auf die Medikamente, die zur Bek&auml;mpfung von Aids notwendig w&auml;ren. In kapitalistischer Profitlogik denkend, verzichten sie auf die Rettung von Millionen von Menschenleben und bestehen auf der Zahlung der horrenden Preise. <br \/>  Die Forschung im Bereich der Impfstoffe war bisher minimal. Es ist bei weitem lukrativer, Medikamente zu produzieren, die t&auml;glich eingenommen werden m&uuml;ssen, um einen st&auml;ndigen Fluss der Profite zu sichern. So kam es, dass bis Ende 2001 nur 700.000 Menschen weltweit eine HIV-Behandlung erhielten, nur 200.000 davon aus den sogenannten  3.-Welt-L&auml;ndern. <br \/>  Aussagen korrupter Politiker, wie des s&uuml;dafrikanischen Pr&auml;sidenten Thabo Mbeki, streuen nur noch Salz in die Wunden: Noch immer verhindert Mbeki eine wirksame Aids-Bek&auml;mpfung und behauptet, im Interesse der Kapitalisten,  dass manche Medikamente, wie zum Beispiel Nevirapin, f&uuml;r die Anwendung zu giftig seien. Dabei k&ouml;nnte dieses Mittel bei rund der H&auml;lfte aller Neugeborenen eine Infektion mit HIV verhindern &#x96; wenn man es kurz vor der Geburt der infizierten Mutter g&auml;be. <br \/>  Russland und Indien<br \/>  Ein &auml;hnliches Horrorszenario wie in Schwarzafrika wird laut neuester Untersuchungen in den kommenden Jahrzehnten in Russland und weiten Teilen Asiens zu beobachten sein. Vor circa zehn Jahren war die Infektionsrate in S&uuml;dafrika &auml;hnlich der heute in China gemessenen. Seit 1990 stieg die Zahl derer, die HIV-positiv getestet wurden in Indien von 400.000 auf vier Millionen. <\/p>\n<p>  Kapitalismus und Gesundheit<\/p>\n<p>  Ein Wirtschaftssystem, in dem es profitabler ist, Menschen sterben zu lassen, als lebensspendende Medizin zu produzieren, ist ein verfaultes System. Gerade im Gesundheitsbereich zeigt sich die Unzul&auml;nglichkeit des Kapitalismus, alle Menschen auf der Welt ausreichend zu versorgen. <br \/>  Eine sozialistische Wirtschaft basiert auf Planung und Kooperation statt Profiten und Konkurrenz. Forschungsergebnisse &uuml;ber Aids oder Medikamente gegen Aids m&uuml;ssten nicht im Interesse des Profits geheim gehalten und unter Patente gestellt werden, sondern k&ouml;nnten sofort international zur Weiterforschung, Untersuchung und zur Anwendung gelangen.<br \/>  W&uuml;rden die Medikamente in einer sozialistischen Planwirtschaft produziert werden, unter demokratischer Kontrolle der arbeitenden Bev&ouml;lkerung und der KonsumentInnen, k&ouml;nnte eine ausreichende Versorgung problemlos gesichert werden. Wirkstoffe w&uuml;rden kostenlos an Hilfsbed&uuml;rftige abgegeben werden. Millionen von Menschenleben k&ouml;nnten gerettet werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den n&auml;chsten zehn Jahren wird Aids in Schwarzafrika mehr Menschen t&ouml;ten als alle Kriege des 20. Jahrhunderts zusammen. 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