{"id":10212,"date":"2002-10-28T11:37:15","date_gmt":"2002-10-28T11:37:15","guid":{"rendered":".\/?p=10212"},"modified":"2002-10-28T11:37:15","modified_gmt":"2002-10-28T11:37:15","slug":"10212","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/10212\/","title":{"rendered":"Che Guevara: International gegen Ausbeutung und Unterdr&uuml;ckung"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Gesicht ist heutzutage so bekannt wie das Ernesto Che Guevaras.  <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nErnesto Che Guevara war Revolution&auml;r und Internationalist und k&auml;mpfte f&uuml;r eine andere, eine sozialistische Welt. Und trotzdem hatte er in vielerlei Hinsicht kein richtiges Verst&auml;ndnis von den Ideen und Anschauungen des Marxismus und wandte dementsprechend falsche Methoden im Kampf f&uuml;r Sozialismus an. Che ernst zu nehmen, hei&szlig;t, seine Ideen und Methoden zu untersuchen und die Lehren daraus zu ziehen.<\/p>\n<p>  Ches Reisen und erste Erfahrungen<\/p>\n<p>  Che Guevara wurde als Ernesto Guevara 1928 in Argentinien als Kind wohlhabender Eltern geboren. Lange Zeit hegte er wenig Interesse an sozialistischen Ideen und nahm nicht aktiv am politischen Leben und sozialen K&auml;mpfen teil. Stattdessen studierte er Medizin. Ihn leitete die Idee, mit seinen F&auml;higkeiten als Arzt Menschen helfen zu k&ouml;nnen. <br \/>  Noch w&auml;hrend seines Studiums machte er sich zu mehreren Reisen auf, um den lateinamerikanischen Kontinent zu erkunden. Diese Reisen ver&auml;nderten Che Guevara. Neben bitterer Armut erlebte er die Rolle des US-Imperialismus in Lateinamerika sowie Bewegungen und Aufst&auml;nde hautnah.<br \/>  So beobachtete er 1953 den revolution&auml;ren Aufstand in Bolivien. Damals tobte ein monatelanger Massenaufstand der indigenen Bev&ouml;lkerung und der Zinn-BergarbeiterInnen in Bolivien. Es kam zu Landbesetzungen und der Bildung von Arbeitermilizen. Verstaatlichungen und Landreformen wurden erzwungen, doch leider wurde die Revolution nicht durchgesetzt. Der Kampf endete mit einer Niederlage.<br \/>  Sie blieb erfolglos, da die Grenzen des Kapitalismus nicht durchbrochen wurden und die Revolution nicht durch die Errichtung einer Arbeiterdemokratie vollendet wurde.<br \/>  Einen bleibenden Eindruck bei Che hinterlie&szlig; auch die Intervention der CIA in Guatemala. Dort hatte die Regierung unter Arbenz durch die Verstaatlichung der Obstplantagen den US-Imperialismus gegen sich aufgebracht. Auch sie bewegte sich in den Grenzen des Kapitalismus. Sie setzte zwar linke Reformen durch, ging aber nicht dar&uuml;ber hinaus. Schlie&szlig;lich wurde die Arbenz-Regierung durch den US-Imperialismus gest&uuml;rzt. <br \/>  Das Bedeutende an Ches Aufenthalt in Guatamala war, dass er hier zum ersten Mal von der Rolle des Beobachters in die Rolle des Aktivisten schl&uuml;pfte. Auch traf er hier zum ersten Mal auf Exil-KubanerInnen, die vom Kampf gegen die Batista-Diktatur auf Kuba berichteten. <br \/>  Auf seinen Reisen kn&uuml;pfte Che verschiedene Kontakte zu Linken und MarxistInnen, mit denen er diskutierte und seine Anschauungen formte. All diese Erfahrungen trugen dazu bei, das Che Guevara sich immer mehr zu sozialistischen Ideen hingezogen f&uuml;hlte und ein neues Weltbild entwickelte, das mit der Idee einer internationalen Umw&auml;lzung der Gesellschaft verbunden war. F&uuml;r seinen Internationalismus, der damals anfing Gestalt anzunehmen, ist Che bis heute bekannt und verehrt.<br \/>  Die bedeutendste Etappe in Ches Leben wurde gepr&auml;gt von den Erfahrungen, die er im Verlauf der kubanischen Revolution machte und die Rolle, die er in dieser spielte. <\/p>\n<p>  Bewegung des 26. Juli<\/p>\n<p>  1955 traf Che in Mexiko auf die Gruppe &#x84;Bewegung des 26. Juli&#x94;, der er sich schlie&szlig;lich anschloss. Die &#x84;Bewegung des 26. Juli&#x94; bestand aus Exil-KubanerInnen unter der F&uuml;hrerung Fidel Castros. <br \/>  Als verzweifelter Versuch der Rebellion hatte am 26. Juli 1953 ein Angriff auf die Moncada-Kaserne auf Kuba stattgefunden. Die Beteiligten wurden verhaftet und &#x96; unter anderem auch Fidel Castro &#x96; ins Exil geschickt. Daraus entstand die &#x84;Bewegung des 26. Juli&#x93;.<br \/>  Diese &#x84;Bewegung&#x93; war weder sozialistisch, geschweige denn von marxistischen Ideen geleitet, sondern verfolgte das Ziel, die Batista-Diktatur in Kuba zu st&uuml;rzen und durch eine liberale, b&uuml;rgerliche und national unabh&auml;ngige Regierung zu ersetzen, nicht mehr und nicht weniger. <br \/>  Kuba war zu dieser Zeit gepr&auml;gt durch eine bittere Armut der zum gro&szlig;en Teil b&auml;uerlichen Bev&ouml;lkerung und stand unter der Herrschaft des US-Imperialismus. So besa&szlig;en US-Firmen 90 Prozent der Telekommunikations- und der Elektrizit&auml;tsbranche und 50 Prozent der &ouml;ffentlichen Dienstleitungen, sowie 40 Prozent der Zuckerproduktion. <br \/>  Die reichen US-Amerikaner nutzten die Insel als eine Art Vergn&uuml;gungspark und Bordell. Die H&auml;lfte der l&auml;ndliche Bev&ouml;lkerung in Kuba hatte keinen Zugang zu Toiletten und Krankheiten wie Tuberkolose oder Syphillis trieben ihr Unwesen unter der Bev&ouml;lkerung. Ein Viertel der Bev&ouml;lkerung waren Analphabeten, ebenso viele waren arbeitslos.<br \/>  Die kommunistische Partei Kubas, die PSP, war gepr&auml;gt durch die Volksfront-Politik, die zu dieser Zeit allen stalinistischen Parteien zu eigen war. Die Volksfront-Theorie geht davon aus, dass in r&uuml;ckst&auml;ndigen  L&auml;ndern Arbeiterklasse und sogenannte &#x84;fortschrittliche&#x94; B&uuml;rgerliche zusammen gegen die Imperialisten und Gro&szlig;grundbesitzer k&auml;mpfen sollen und so die Errungenschaften der b&uuml;rgerlichen Revolutionen der f&uuml;hrenden kapitalistischen L&auml;nder nachzuholen w&auml;ren. Doch diese &#x84;fortschrittlichen&#x93; B&uuml;rgerlichen wandten sich im entscheidenden Fall immer gegen die &#x96; f&uuml;r sie be&auml;ngstigende, revolution&auml;re &#x96; Arbeiterklasse. Diese Politik scheiterte in Spanien in den 30er Jahren oder sp&auml;ter in Chile 1973, als nach drei Jahren Allende-Regierung ein blutiger Putsch folgte und unter der Pinochet-Diktatur Tausende von Linken umgebracht, gefoltert und verschleppt worden. Eine solche Politik ging immer zugunsten der Kapitalisten aus und st&uuml;rzte die Massen in tiefe Niederlagen.<br \/>  Auf Kuba f&uuml;hrte diese Politik der Volksfront sogar soweit, dass die PSP zeitweilig niemanden weniger als Batista selbst unterst&uuml;tzte. <br \/>  Die Volksfront-Theorie entsprach den Bed&uuml;rfnissen der herrschenden Elite in der Sowjetunion: Durch das Ausbleiben der Ausbreitung der Revolution international, geschw&auml;cht durch Krieg und B&uuml;rgerkrieg konnte sich die Arbeiterklasse politisch im r&uuml;ckst&auml;ndigen Russland nicht an der Macht halten. Das Sowjet- oder auf deutsch R&auml;te-System wurde durch die Herrschaft einer abgehobenen B&uuml;rokratie ersetzt, die zwar die &ouml;konomischen Errungenschaften der Russischen Revolution von 1917 &#x96; Abschaffung von Kapitalismus und Gro&szlig;grundbesitz, Planwirtschaft und Au&szlig;enhandelsmonopol &#x96; verteidigte, sich aber an der Spitze der Gesellschaft als alles erdr&uuml;ckende parasit&auml;re Schicht einnistete. <br \/>   Diese herrschende B&uuml;rokratie im Kreml, unter deren Fuchtel die Kommunistischen Parteien international standen, hatte kein Interesse daran, eine revolution&auml;re Politik zu verfolgen und damit ihre eigene Macht und ihre Privilegien in Frage zu stellen, denn eine erfolgreiche sozialistische Revolution in einem anderen Land, h&auml;tte die russische ArbeiterInnenklasse angespornt f&uuml;r eine politische Revolution im eigenen Land zu k&auml;mpfen und die B&uuml;rokratie durch Arbeiterdemokratie zu ersetzen. <\/p>\n<p>  Kubanische Revolution<\/p>\n<p>  1956 landeten Castro, Che und 81 andere K&auml;mpferInnen der &#x84;Bewegung des 26. Juli&#x94; auf Kuba und begannen einen zwei Jahre andauernden Guerillakampf. <br \/>  Aus heutiger Sicht scheint es nahezu unglaublich, wie eine so kleine Gruppe von K&auml;mpferInnen nach nur zwei Jahren siegen konnte. <br \/>  Der Grund daf&uuml;r war, dass zum einen die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Batista auf Kuba nahezu zusammenbrach. Selbst seine Armee hatte der Diktator nicht mehr unter Kontrolle. Auf der anderen Seite war die Wut unter der Bev&ouml;lkerung zwar gro&szlig;, es fehlte jedoch eine Partei, die das so entstandene Vakuum f&uuml;llen konnte. <br \/>  So war es f&uuml;r Che und die anderen m&ouml;glich, gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung zu gewinnen und die Wut der Bev&ouml;lkerung zu kanalisieren. <br \/>  Mit der Unterst&uuml;tzung der verarmten Massen von B&auml;uerInnen, auf die sie sich bei ihrem Kampf st&uuml;tzten, brachten sie die Batista-Diktatur 1959 schlie&szlig;lich zu Fall und &uuml;bernahmen die Macht. <br \/>  W&auml;hrend des Guerillakrieges auf Kuba legte Che ein Verhalten und eine Disziplin an den Tag, die zweifellos in h&ouml;chstem Ma&szlig;e anerkenneswert waren. Er war der Anf&uuml;hrer einer Kampfabteilung die als besonders entschlossen, heroisch und dizipliniert galt. <br \/>  Trotzdem lehnte er jegliche Privilegien strikt ab. Au&szlig;erdem handelte er immer unter dem Vorsatz, dass er niemals etwas von seiner Abteilung fordern w&uuml;rde, was er selbst nicht leisten konnte.<br \/>  Zu Beginn war Che mit seinen Ideen von einer sozialistischen Umw&auml;lzung der Gesellschaft, mit Ausnahme einiger weniger, allein auf weiter Flur unter den F&uuml;hrern der &#x84;Bewegung des 26. Juli&#x94;. Er bem&uuml;hte sich jedoch immer, sozialistische Ideen unter den Guerilleros zu verbreiten, indem er zum Beispiel politische Schulungen in seiner Kampfabteilung organisierte und abhielt.<br \/>  Castro hatte radikale, aber b&uuml;rgerliche Ziele. Doch der Druck der Bev&ouml;lkerung, die begeistert den Sturz des verhassten Diktators Batistas und die neue Regierung unterst&uuml;tzte, sowie die panische Reaktion des US-Imperialismus zwangen Castro und die neue Regierung zu weitergehenden Ma&szlig;nahmen, wie der Verstaatlichung der Industrie und der Abschaffung des Gro&szlig;grundbesitzes. Castros urspr&uuml;ngliches Ziel, n&auml;mlich die Errichtung einer unabh&auml;ngigen b&uuml;rgerlich-liberalen Demokratie ging dem US-Imperialismus schon entschieden zu weit, da es den uneingeschr&auml;nkten Zugriff auf Kuba durch den US-Imperialismus in Frage stellte. Die neue Regierung geriet so in einen Konflikt mit dem Kapitalismus und den USA. Jeder panische Versuch des US-Imperialismus, die Vorg&auml;nge auf Kuba zu stoppen, bekam als Antwort eine Regierung die jedesmal ein St&uuml;ck weiter nach links getrieben wurde. <br \/>  Zun&auml;chst misstrauisch, dann in der Hoffnung, die eigene Einflusssph&auml;re auszuweiten und Kontrolle &uuml;ber die Entwicklungen auf Kuba zu bekommen, bot die sowjetische B&uuml;rokratie Kuba Hilfe an. <br \/>  So wurde &#x96; im Spannungsfeld zwischen dem Imperialismus unter US-amerikanischer F&uuml;hrung, der Einflussnahme der Sowjetunion und dem Druck der Massen auf Kuba &#x96; schlie&szlig;lich der Kapitalismus gest&uuml;rzt. <br \/>  Castro und Co errichteten ihre Herrschaft nach dem Vorbild der Sowjetunion. Dies f&uuml;hrte zu einer enormen Verbesserung der Lebensumst&auml;nde auf Kuba. Gesundheitswesen und Schulausbildung wurden ausgebaut und jedem zug&auml;nglich gemacht und der Lebensstandard stark verbessert. Die S&auml;uglingsterblichkeit auf Kuba sank auf 6,5 von 1.000 und war damit vergleichbar mit der in hochindustrialiserten L&auml;ndern. Die Analphabetenrate wurde auf ein verschwindend kleines Minimum reduziert. <br \/>  Dies zeigt, wie &uuml;berlegen die Planwirtschaft gegen&uuml;ber der anarchischen Marktwirtschaft des Kapitalismus ist und zu was sie f&auml;hig ist &#x96; selbst in einem so kleinen und armen Land wie Kuba und selbst unter den Bedingungen der Herrschaft einer b&uuml;rokratischen Elite.<\/p>\n<p>  Nach der Revolution<\/p>\n<p>  Ohne ausgearbeitetes Programm zum Sturz des Kapitalismus und obwohl sich die Guerilla vorwiegend auf die b&auml;uerliche Bev&ouml;lkerung Kubas st&uuml;tzte, war es m&ouml;glich, den Kapitalismus zu st&uuml;rzen. <br \/>  Doch ohne marxistische F&uuml;hrung und ohne die Selbstt&auml;tigkeit der Arbeiterklasse zeigt Kuba auch deutlich, dass sich unter diesen Umst&auml;nden keine gesunde Arbeiterdemokratie mit R&auml;ten und der Beteiligung der Massen entwickeln kann. Ohne Arbeiterdemokratie kann es keinen Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft geben. Kuba war nie sozialistisch. <br \/>  Auch wenn die kubanische Revolution eine begeisterte Unterst&uuml;tzung der Massen hervorrief, war es doch von Beginn an eine kleine, b&uuml;rokratische Elite, die Wirtschaft und Staat kontrollierte. Dies hat seine Wurzeln in der eher passiven Rolle der Arbeiterklasse w&auml;hrend der kubanischen Revolution. Die siegreiche Guerilla &uuml;bernahm den Staatsapparat und formte ihn nach ihrem Vorbild.<br \/>  Anders als in Russland 1917, wo die Arbeiterklasse den Kampf anf&uuml;hrte und somit in den ersten Jahren nach der Revolution auch die Tr&auml;gerin der neuen Gesellschaft wurde, war dies auf Kuba nicht der Fall. Sie hatte nicht bewusst die Leitung der Gesellschaft &uuml;bernommen, wie dies nach der russischen Revolution von 1917 der Fall gewesen war, in der sich durch die Wahl von Sowjets ein System der Arbeiterdemokratie zu entwickeln begann, welches das demokratischste war, das die Welt je gesehen hatte.<br \/>  Erst als die Guerilla-Armee in Havanna einmarschierte und das Milit&auml;r ein letztes Mal versuchte, sich zu wehren, wurde zu einem Generalstreik aufgerufen, der Batista und Co. den Rest gab. Einen aktiven Kampf hatten die ArbeiterInnen jedoch nicht gef&uuml;hrt. <br \/>  Auf Kuba bestand das Mitbestimmungsrecht der Massen darin, zu Versammlungen zugehen und dort &#x84;Ja&#x94; oder &#x84;Nein&#x94; zu sagen zu Vorschl&auml;gen, richtige Diskussion und Debatte war in den seltensten F&auml;llen m&ouml;glich.<br \/>  Die mangelnde Demokratie zeigt sich auch bei der kubanischen &#x84;Kommunistischen Partei&#x93;: Sie wurde 1965 aus PSP und der Guerilla gegr&uuml;ndet, doch ihr erster Kongress fand erst zehn Jahre sp&auml;ter 1975 statt. Im Gegensatz dazu hatten die Bolschwiki selbst zu Zeiten des B&uuml;rgerkrieges in Russland jedes Jahr einen Kongress stattfinden lassen. <br \/>  Von wirklicher Arbeiterdemokratie und dem vollen Mitbestimmungsrecht der Massen konnte auf Kuba keine Rede sein.<br \/>  Ein Arbeiterstaat, in dem das Privateigentum an Produktionsmittel abgeschafft ist, macht noch lange keinen Sozialismus aus, denn dieser braucht &#x84;Demokratie, wie der Mensch den Sauerstoff zum Atmen&#x94; (Leo Trotzki).<\/p>\n<p>  Kongo und Bolivien<\/p>\n<p>  Che Guevara merkte sehr wohl, dass irgend etwas nicht stimmte. Abgesto&szlig;en von der privilegierten Elite in der Sowjetunion &#x96; er bezeichnete sie nach einem Besuch als &#x84;Schweinestall&#x93; &#x96;, aber auch von den Privilegien, die die kubanische B&uuml;rokratie f&uuml;r sich in Anspruch nahm, lehnte er strikt alle materiellen Vorteile f&uuml;r sich als Chef der Nationalbank ab. <br \/>  Trotzdem fehlte ihm das Verst&auml;ndnis daf&uuml;r, wie Kuba sozialistisch werden k&ouml;nnte: Durch den Aufbau von R&auml;ten auf allen Ebenen der Betriebe und des Staates, mit jederzeitiger W&auml;hl- und Abw&auml;hlbarkeit, mit einem durchschnittlichen Arbeiterlohn f&uuml;r alle Funktion&auml;rInnen, mit einem Ende aller Privilegien w&auml;re es m&ouml;glich gewesen, auf Kuba die ersten Schritte hin zu einer sozialistischen Gesellschaft zu gehen &#x96; und damit einen enormen Ansto&szlig; f&uuml;r die Entfaltung der Revolution international zu geben. Dazu h&auml;tte die Arbeiterklasse die Bevormundung und Beherrschung durch die beginnende B&uuml;rokratie beseitigen m&uuml;ssen.<br \/>  Aber Che war nicht bewusst, dass er dazu die Arbeiterklasse in den Mittelpunkt seiner &Uuml;berlegungen h&auml;tte r&uuml;cken m&uuml;ssen und er einen gezielten Kampf f&uuml;r Arbeiterdemokratie, gegen alle Privilegien, gegen die sich festigende B&uuml;rokratie h&auml;tte f&uuml;hren m&uuml;ssen.<br \/>  1965 machte sich Che auf zu neuen Taten. Sein Drang zur Ausweitung der Revolution auf andere L&auml;nder, die Niederlage verschiedener Guerilla-Kriege in anderen L&auml;ndern und die Frustration &uuml;ber die B&uuml;rokratisierung der kubanischen Gesellschaft trieb ihn dazu, Kuba zu verlassen und zun&auml;chst in den Kongo zu gehen mit dem Ziel, auch dort den Kapitalismus zu st&uuml;rzen. <br \/>  Seine Anschauungen &uuml;ber die Revolution waren die Triebfeder daf&uuml;r, das Che versuchte die Guerilla-Taktik auch auf den Kongo anzuwenden. Dies endete in einer derben Niederlage f&uuml;r ihn und die Guerilla-Armee, mit der er k&auml;mpfte.<br \/>  Die letzte Etappe seines Kampfes war Bolivien. Noch immer von der Idee beseelt, die Massen durch einen Guerilla-Kampf aus den Klauen der Unterdr&uuml;ckung befreien zu k&ouml;nnen, schloss sich Che auch in Bolivien mit einer Armee von Guerilla-K&auml;mpferInnen zusammen und begann dort einen vergeblichen Kampf. Anders als in Kuba fanden sie in Bolivien kaum die Unterst&uuml;tzung, die sie unter der l&auml;ndlichen Bev&ouml;lkerung suchten. Hier war, als Reaktion auf die Ereignisse in anderen L&auml;ndern, von oben eine Bodenreform durchgef&uuml;hrt und somit die dringendsten Bed&uuml;rfnisse der B&auml;uerInnen zun&auml;chst einmal erf&uuml;llt worden. <br \/>  Der entscheidende Schritt hin zu einer Revolution in Bolivien w&auml;re das Gewinnen der Arbeiterklaase f&uuml;r die Ideen des Marxismus und die sozialistische Revolution sowie der Aufbau einer revolution&auml;ren Partei, die die Revolution h&auml;tte anf&uuml;hren k&ouml;nnen, gewesen. <br \/>  Diese Lehren, die sich vor allem in der erfolgreichen russischen Revolution von 1917 best&auml;tigt hatten, zog Che nicht. Die verzweifelten Versuche der Guerilla, den Erfolg von Kuba zu wiederholen, endete in einem Desaster. <br \/>  Der Kampf der Guerilla in Bolivien erlitt m&auml;chtige Niederlagen gegen&uuml;ber der bolivianischen Armee, die schlie&szlig;lich einige von ihnen, darunter auch Che Guevara verhaftete und hinrichtete. <br \/>  Hier endet das Leben Ches, das von einem unerbittlichen Kampf gegen Unterdr&uuml;ckung und Ausbeutung gepr&auml;gt war. <br \/>  Leider hatte Che seine falschen Vorstellungen nie korrigieren k&ouml;nnen. Vielleicht h&auml;tte er Gelegenheit dazu gehabt, h&auml;tte er l&auml;nger gelebt &#8230;<br \/>  Im Laufe des letzten halben Jahrhunderts haben in nahezu jedem lateinamerikanischen Land Guerilla-Kriege stattgefunden. Viele Jugendliche und ArbeiterInnen haben ihre Hoffnungen in den Guerilla-Kampf gesetzt, f&uuml;r viele von ihnen war Che ein Vorbild. Doch aufgrund dieser falschen Methode, mussten ebensoviele blutige Niederlagen erlitten werden. <br \/>  Das Beste, das wir heute tun k&ouml;nnen, um den Willen Ches nach einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdr&uuml;ckung aufzugreifen, ist es, die Lehren aus seinen St&auml;rken und Schw&auml;chen zu ziehen. Dann kann die Welt aus den Klauen des Imperialismus befreit werden.<\/p>\n<p>  Marxismus Heute: Guerillataktik und Marxismus<\/p>\n<p>  Eine der wichtigen Fragen f&uuml;r SozialistInnen ist die, wie der Sozialismus erk&auml;mpft werden kann. Guter Willen allein reicht nicht aus, um den Kapitalismus zu st&uuml;rzen und eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen. Daf&uuml;r bedarf es einer Vorstellung davon, was notwendig ist, um eine solche Umgestaltung der Gesellschaft erk&auml;mpfen zu k&ouml;nnen. Deswegen stellt sich f&uuml;r die sozialistische Bewegung auch die Frage nach dem wie: Wie k&ouml;nnen wir eine andere Welt erk&auml;mpfen? <br \/>  Viele Revolution&auml;rInnen haben einen ehrlichen Kampf f&uuml;r Sozialismus gef&uuml;hrt sind aber an bedeutenden Fragen &uuml;ber Verlauf und Charakter einer Revolution gescheitert. Letztlich verfolgte auch Che Guevara dar&uuml;ber falsche Vorstellungen. <br \/>  Der Idee des Guerilla-Krieges liegen in erster Linie zwei Fehler zu Grunde. Zun&auml;chst einmal wird der notwendige Kampf der Arbeiterklasse in den St&auml;dten aufs Land und in die H&auml;nde der B&auml;uerInnen gelegt, au&szlig;erdem versucht die Guerilla-Bewegung nicht vorhandene, aber notwendige revolution&auml;re Situationen zu ersetzen. Che selbst schrieb in &#x84;Partisanankampf &#x96; eine Methode&#x94;: &#x84;2. Nicht immer muss man warten, bis alle Bedingungen f&uuml;r die Revolution gegeben sind; der aufst&auml;ndige Brennpunkt kann sie schaffen. 3. Im unterentwickelten Amerika m&uuml;ssen Schauplatz des bewaffneten Kampfes grunds&auml;tzlich die l&auml;ndlichen Gebiete sein.&#x94;<br \/>  Die Arbeiterklasse ist die Klasse der Lohn- und Gehaltsabh&auml;ngigen und ihrer Angeh&ouml;rigen. Das ist die Masse der arbeitenden Bev&ouml;lkerung in den Betrieben und Fabriken sowie ihre Angeh&ouml;rigen. <br \/>  MarxistInnen gehen davon aus, dass die Arbeiterklasse die entscheidende Rolle beim Kampf um Sozialismus spielen muss. Anders als die b&auml;uerliche Bev&ouml;lkerung kann die Arbeiterklasse durch das Zusammensein am Arbeitsplatz ein Klassenbewusstsein und eine Idee davon entwickeln, wie eine andere Gesellschaft aufgebaut und organisiert werden kann. <br \/>  Heute entscheiden die Gro&szlig;konzerne &uuml;ber die Produktion, auch &uuml;ber die Produktion auf dem Land: Sie geben mit der industriellen Maschinenproduktion (zum Beispiel Traktoren), der Saatgutindustrie und so weiter die Arbeitsbedingungen f&uuml;r das Land vor. Banken bestimmen &uuml;ber die Finanzierung der Landwirte. <br \/>  Dies kann nur aufgehoben werden durch die Arbeiterklasse, die hier die Macht &uuml;bernehmen und den gesellschaftlichen Wohlstand in den Dienst der Mehrheit der arbeitenden Menschen, auch der B&auml;uerInnen, stellen kann. Aufgrund ihrer Stellung in der Produktion ist die Arbeiterklasse in der Lage, eine sozialistische Umgestaltung der Welt durchzuf&uuml;hren. <br \/>  Die Klasse der B&auml;uerInnen kann ebenfalls eine wichtige erg&auml;nzende Rolle spielen, indem sie mitgerissen wird von den ArbeiterInnen. B&auml;uerInnen leben und arbeiten allerdings vereinzelt und entwickeln aus ihrer Situation heraus kaum kollektive Formen, sich zu wehren.<br \/>  Selbst in solchen L&auml;ndern der neokolonialen Welt in Afrika und Asien, in denen es eine verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig kleine Arbeiterklasse gibt, k&ouml;nnen nur diese die Revolution anleiten und so die B&auml;uerInnen mitziehen in ihrem Kampf f&uuml;r Sozialismus.<br \/> W&auml;hrend unz&auml;hlige T-Shirts, Plakate und Postkarten sein Gesicht tragen, ist Che f&uuml;r viele Jugendliche und ArbeiterInnen &uuml;berall auf der Welt ein Idol und der Inbegriff eines unerbittlichen, sich aufopfernden und ausdauernden Freiheitsk&auml;mpfers. Che Guevara ist zweifelsohne der bekannteste Revolution&auml;r des lateinamerikanischen Kontinents. Er hat durch seinen Kampf bis heute zahlreiche Bewegungen inspiriert. <br \/>   Die B&auml;uerInnen in diesen L&auml;ndern hoffen, ausgehend von ihrem Lebensumst&auml;nden auf eine Bodenreform, eine der klassischen Aufgaben der b&uuml;rgerlichen Revolution. Da dies f&uuml;r die Erf&uuml;llung der unmittelbaren Bed&uuml;rfnisse der Bauernklasse ausreicht, setzen sie zun&auml;chst auf eine Umgestaltung der halbfeudalen Gesellschaft, die nicht &uuml;ber die Grenzen des Kapitalismus hinausgeht. <br \/>  Das B&uuml;rgertum in solchen L&auml;ndern ist allerdings schon soweit mit dem Imperialismus und dem Gro&szlig;grundbesitz verwoben, dass es vor den Aufgaben der b&uuml;rgerlichen Revolution zur&uuml;ckschreckt und diese nicht l&ouml;sen kann. <br \/>  Dies kann nur im Rahmen einer sozialistischen Umgestaltung geschehen, die wiederum von der Arbeiterklasse angef&uuml;hrt sein muss. Die Arbeiter-Innen k&ouml;nnen ausgehend von ihrer Position im Produktionsprozess erkennen und schlussfolgern, dass sie sich nur auf der Grundlage der Abschaffung des Kapitalismus befreien und eine neue Gesellschaft aufbauen k&ouml;nnen, da sie keine Produktionsmittel besitzen und aufgrund der Produktionsweise im Kapitalismus niemals welche besitzen werden. <br \/>  Die Arbeiterklasse ist gezwungen zusammenzuarbeiten und sich gegen die Angriffe der Kapitalisten in Arbeitsk&auml;mpfen und Streiks zusammenzuschlie&szlig;en und zu wehren. <br \/>  Jedes Streikkommitee, das w&auml;hrend eines Arbeitskampfes gebildet wird, ist im Kleinen das, was die neue Gesellschaft, in Form von R&auml;ten, ausmachen wird. Deswegen ist die Arbeiterklasse die revolution&auml;re Klasse, die der Kapitalismus hervorgebracht hat.<br \/>  Die Theorie der &#x84;Permanente Revolution&#x94;, des &Uuml;bergangs der Revolution in r&uuml;ckst&auml;ndigen L&auml;ndern von der L&ouml;sung der Aufgaben der b&uuml;rgerlichen Revolution zur sozialistischen Revolution, die von Leo Trotzki entwickelt und von Lenin &uuml;bernommen wurde, best&auml;tigte sich im Lauf der russischen Revolution von 1917. <br \/>  Abgesehen davon, das Che dies nicht erkannte, untersch&auml;tzte er, dass auf einem gro&szlig;en Teil des latein-amerikanischen Kontinents die Arbeiterklasse ohnehin schon sehr stark war.<\/p>\n<p>  von Nelli T&uuml;gel, Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Gesicht ist heutzutage so bekannt wie das Ernesto Che Guevaras. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90],"tags":[142],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10212"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10212"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10212\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}