{"id":10206,"date":"2002-10-28T10:57:19","date_gmt":"2002-10-28T10:57:19","guid":{"rendered":".\/?p=10206"},"modified":"2002-10-28T10:57:19","modified_gmt":"2002-10-28T10:57:19","slug":"10206","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/10206\/","title":{"rendered":"Wohin f&uuml;hrt Schr&ouml;ders &#x84;deutscher Weg&#x93;?"},"content":{"rendered":"<p>Mit seinem &#x84;deutschen Weg&#x93; wollte sich Schr&ouml;der als friedliebender darstellen als die kriegerischen USA. Doch R&uuml;stungsexporte in alle Welt, und milliardenschwere Aufr&uuml;stungsprogramme f&uuml;r die Bundeswehr geh&ouml;ren genauso zum &#x84;deutschen Weg&#x93; wie das Mitwirken an Angriffskriegen mit Tausenden zivilen Opfern. Die rot-gr&uuml;ne Regierung machte den Kriegseinsatz deutscher Soldaten zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg m&ouml;glich.<\/p>\n<p>   von Eckhard Geitz, Kassel<br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer Jugoslawienkrieg 1999 kam f&uuml;r viele Menschen &uuml;beraschend. Er bedeutete eine Wende in der deutschen Au&szlig;enpolitik. Doch das wurde lange vorbereitet. Schon in den Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) vom 26. November 1992 wird der Zweck deutscher &#x84;Sicherheitspolitik&#x93; beschrieben: &#x84;Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu M&auml;rkten und Rohstoffen in aller Welt im Rahmen einer gerechten Wirtschaftsordnung.&#x93; Neben anderen richtungsweisenden Passagen im VPR-Papier, welche den Umbau der Bundeswehr in eine Interventionsarmee beschreiben, zeigt diese Zitat: Das Milit&auml;r ist das Milit&auml;r des Kapitals.<br \/>   Der k&uuml;nftige Weg der Bundeswehr wurde nach diesem Krieg folgenderma-&szlig;en beschrieben: &#x84;Die Bundeswehr wird vorneh-mlich au&szlig;erhalb Deutschlands eingesetzt werden &#x96; entweder zur kollektiven Verteidigung &#x96; was wahrscheinlich ist &#x96; oder zu regional begrenzten Eins&auml;tzen der Krisenf&uuml;rsorge und Krisenbew&auml;ltigung.&#x93; (Strategiepapier der Weiz&auml;cker-Kommission 23. Mai 00). Der Weg in weitere Kriege wurde damit fest geschrieben.<\/p>\n<p>   Soldaten in aller Welt<\/p>\n<p>   Scharping folgte dem Ruf nach Umstrukturierung der Armee. Zwar wurde die Verkleinerung der Streitkr&auml;fte von 324.000 auf 250.000 vereinbart, doch im Gegensatz zu 50.000 Einsatzkr&auml;ften im Jahre 1999 soll diese Zahl in Zukunft auf 150.000 verdreifacht werden. Der Anstieg der Kr&auml;fte die in Out-of-area-Eins&auml;tzen zur Verf&uuml;gung stehen, zeigte fr&uuml;h Wirkung. Beim Angriff auf Afghanistan waren die Elitesoldaten der &#x84;KSK&#x93;-Einheit (&#x84;Kommando Spezialkr&auml;fte&#x93;) von Beginn an mit dabei. Zwar hatte die US-Regierung nicht um deutsche Hilfe gebeten, doch nach dem Motto &#x84;Dabeisein ist alles&#x93; wurde die &#x84;Gunst&#x93; der Stunde genutzt und deutsche Soldaten waren nun auch in Vorder-Asien im Einsatz. Dieser Standpunkt ist von geostrategischer Bedeutung und die Regierung machte dar&uuml;ber hinaus ihre milit&auml;rpolitischen Anspr&uuml;che deutlich.<br \/>   Die von Schr&ouml;der geforderte &#x84;Enttabuisierung des Milit&auml;rischen&#x93; wurde eingl&ouml;st und ab dem 19. M&auml;rz 02 unterstehen sogar die 4.700 Soldaten der Multinationalen Brigade in Makedonien dem Kommando des deutschen Brigadegenerals.<\/p>\n<p>   R&uuml;stungsexporte <\/p>\n<p>   Auch mit Waffensystemen werden aus Deutschland Tod, Elend und Zerst&ouml;rung in alle Welt exportiert. Deutschland ist f&uuml;nftgr&ouml;&szlig;ter Waffenlieferant weltweit. Hier ist alles zu haben, egal ob Panzer, Helikopter, Kampfflugzeuge, Zerst&ouml;rer oder U-Boote, selbst chemische und biologische Kampfstoffe sowie Tr&auml;gersysteme f&uuml;r Nuklearwaffen werden in Deutschland produziert und exportiert.<br \/>   Der &#x84;deutsche Weg&#x93; ist also der Weg, die Interessen der deutschen Banken und Konzerne zu sichern &#x96; mit allen n&ouml;tigen Mitteln.<\/p>\n<p>   Andere Interessen im Irak<\/p>\n<p>   Dies ist in der Irak-Frage nicht anders. Nur liegen hier die Interessen des europ&auml;ischen und deutschen Kapitals anders als in den vergangenen Kriegen. Unmittelbar w&auml;ren russische und franz&ouml;sische Konzerne vom US-Krieg betroffen, denn sie haben Vertr&auml;ge &uuml;ber die Ausbeutung irakischen &Ouml;ls, die nach einem Sieg der USA nichtig w&auml;ren. Entscheidend ist aber, dass die USA eine geostrategische Machtposition anstreben, die den konkurrierenden imperialistischen Staaten nicht gefallen kann.<br \/>   Die gesamte Stellung der deutschen Banken und Konzerne in der Region ist bei einem Krieg in Gefahr. Nach einem milit&auml;rischen Sieg diktieren auch ihnen gegen&uuml;ber die USA die Bedingungen. <br \/>   Wie lange ein solcher Krieg dauern kann ist ungewiss. Es besteht die Gefahr, dass im Kriegsfall der &Ouml;lfluss stoppt und die Weltwirtschaft bei einem Preis von 50 Dollar pro Fass &Ouml;l in eine tiefe Rezession st&uuml;rzt. Ein solches Szenario ist f&uuml;r das europ&auml;ische Kapital und seine PolitikerInnen schlimmer als ein diplomatisches Gerangel mit George W. Bush.<br \/>   Ohne gro&szlig; etwas gewinnen zu k&ouml;nnen, sehen sie die Gefahr eines Fl&auml;chenbrandes im Nahen Osten auch klarer. So sind die deutschen Herrschenden nicht erfreut dar&uuml;ber, diese Risiken und den Ausbau der Vormachtstellung der USA hinnehmen zu m&uuml;ssen. <br \/>   Kommt es dann doch zum Krieg, werden die europ&auml;ischen Herrschenden allerdings neu rechnen: Wieviel wird dann eine Kriegsbeteiligung kosten? Wieviel wird sie bringen? Auch die Positionierung der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung ist dann offen.<br \/>   Wie Rot-Gr&uuml;n das Gesicht wahren und doch einen Krieg unterst&uuml;tzen k&ouml;nnte beschreibt die Bild-Zeitung am 17. Oktober 02: &#x84;Deutschland soll Russland mindes-tens zehn der 15 Milliarden Euro Altschulden erlassen! Das sieht ein Geheimplan zwischen Gro&szlig;britannien, Deutschland und den USA vor, berichtet die &#x91;Wirtschaftswoche&#x92;. Durch den Erlass solle Russland dazu bewegt werden, kein Veto gegen einen Irak-Einsatz im UN-Sicherheitsrat einzulegen. Deutschland k&ouml;nne im Gegenzug eine direkte Beteiligung an einem Irak-Feldzug vermeiden.&#x93;<\/p>\n<p>   Eckhard Geitz ist Internationalismusreferent des Asta der Gesamthochschule Kassel <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit seinem &#x84;deutschen Weg&#x93; wollte sich Schr&ouml;der als friedliebender darstellen als die kriegerischen USA. Doch R&uuml;stungsexporte in alle Welt, und milliardenschwere Aufr&uuml;stungsprogramme f&uuml;r die Bundeswehr geh&ouml;ren genauso zum &#x84;deutschen Weg&#x93; wie das Mitwirken an Angriffskriegen mit Tausenden zivilen Opfern. 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