{"id":10200,"date":"2002-10-28T10:36:06","date_gmt":"2002-10-28T09:36:06","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10200"},"modified":"2012-05-29T13:16:38","modified_gmt":"2012-05-29T11:16:38","slug":"10200","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/10200\/","title":{"rendered":"Krise der Kommunen: Kaum noch Steuern von Konzernen"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse gelebt. Die internationale Konkurrenz zwingt uns dazu. Die Konjunktur ist schwach. Die Kassen sind leer. Das sind beliebte Begr&uuml;ndungen der Politiker und Unternehmensvertreter, wenn es darum geht, soziale Leistungen in den St&auml;dten und Gemeinden einzuschr&auml;nken und st&auml;dtisches Eigentum wie Krankenh&auml;user oder M&uuml;llabfuhr an private Unternehmen zu verkaufen. Auch die Besch&auml;ftigten im &Ouml;ffentlichen Dienst bekommen das in der jetzt laufenden Tarifrunde mal wieder zu h&ouml;ren.<\/p>\n<p>  von J&ouml;rn Kroppach, Hamburg<br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDoch die Krise der Kommunen hat andere Ursachen: Steigende Arbeitslosigkeit durch immer neue Entlassungswellen trotz blendender Bilanzen der Unternehmen in den letzten Jahren sowie sinkende Einkommen haben in den Kommunen die Kosten f&uuml;r Sozialhilfe in die H&ouml;he getrieben. Durch den Abbau hundertausender Arbeitspl&auml;tze im &Ouml;ffentlichen Dienst haben Staat und St&auml;dte diese Entwicklung noch gef&ouml;rdert. Im Laufe der Jahre wurden zudem immer mehr Kosten vom Bund auf die Kommunen verlagert.<\/p>\n<p>  Kassen gepl&uuml;ndert<\/p>\n<p>  Ein weiterer Grund f&uuml;r die Pleite der Kommunen sind ihre deutlich sinkenden Einnahmen. Dieser Einnahme-Einbruch wurde von der jetzigen rot-gr&uuml;nen und ihrer Vorg&auml;nger-Regierung unter Helmut Kohl herbeigef&uuml;hrt. Seit &uuml;ber 20 Jahren werden die Staatskassen durch die Politiker zugunsten der Unternehmen und der Reichen systematisch gepl&uuml;ndert. Zwischen 1980 und 1998 wurden die Unternehmenssteuern so weit abgesenkt, dass dem Staat 100 Milliarden Euro weniger Einnahmen zur Verf&uuml;gung standen.<br \/>  Im Jahr 2001 zahlten die Aktiengesellschaften und GmbHs erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zusammengenommen keinen Cent Steuern auf ihre Gewinne (K&ouml;rperschaftssteuer). Im Gegenteil: Sie bekamen sogar noch 426 Millionen Euro Steuerr&uuml;ckverg&uuml;tung. Dies bedeutete bundesweit laut isw-Wirtschaftsinfo allein 2001 einen Einnahmeverlust von 24 Milliarden Euro. Die Einnahmen &uuml;ber die Einkommenssteuer (Steuern f&uuml;r die Selbst&auml;ndigen) sanken im Jahr 2001 um 39 Prozent, das sind 3,5 Millarden Euro. Die Kommunen sind &uuml;ber den L&auml;nderfinanzausgleich an diesen Einnahmen beziehungsweise dem R&uuml;ckgang beteiligt. Ursache f&uuml;r den Steuerausfall ist die rot-gr&uuml;ne Steuerreform, die Unternehmen massiv entlastet hat.<br \/>  Direkt an die St&auml;dte und Gemeinden wird die Gewerbesteuer (Steuer auf Gewinn und Kapital von Gewerbetreibenden) gezahlt. Hier profitieren die Unternehmen ebenfalls von der &#8222;Jahrhundert&#8220;-Steuerreform unter SPD und Gr&uuml;nen. <\/p>\n<p>  Des einen Leid &#8230;<\/p>\n<p>  In M&uuml;nchen, einer der wirtschaftlich erfolgreichsten St&auml;dte Deutschlands, zahlen so gro&szlig;e Konzerne wie Siemens, Infinion, Allianz, MAN und BMW keine Steuern mehr. BMW schrieb in einem Aktion&auml;rs-Brief, das Jahr 2001 sei mit einem Gewinn von 1,1 Milliarden Euro das &#8222;mit Abstand erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte&#8220; gewesen. Und die Stadt M&uuml;nchen ist pleite.<\/p>\n<p>  Auswege aus der Schuldenkrise?<\/p>\n<p>  In fast allen St&auml;dten und Gemeinden, aber auch auf Bundes- und L&auml;nderebene wird ein Sparpaket nach dem anderen beschlossen. Durch K&uuml;rzungen im Sozialbereich, Arbeitsplatzabbau und Privatisierungen sollen die Finanzl&ouml;cher gestopft werden. <br \/>  Diese Versuche sind zum Scheitern verurteilt und bauen die Verschuldung nicht wirklich ab. Die Kommunen selbst k&ouml;nnen die Probleme nicht l&ouml;sen.<br \/>  F&uuml;r eine wirkliche Umverteilung ist ein neues Steuersystem n&ouml;tig, das die besteuert, die auch viel verdienen. Voraussetzung hierf&uuml;r w&auml;re die Abschaffung der sogenannten Massenverbrauchssteuern (Mehrwertsteuer, &Ouml;kosteuer, &#8230;) und Ersetzung durch ein einfaches und klares System von direkten Steuern auf Einkommen, Gewinne und Verm&ouml;gen mit stark steigenden Steuern bei hohem Einkommen.<br \/>  Jede Stunde zahlt allein der Bund 110 Millionen Euro an Zinsen; im Jahr sind dies 40 Milliarden Euro. Die Banken selbst aber sind es, die durch ihre Interessensvertreter der Unternehmerparteien CDU, FDP, SPD und Gr&uuml;ne f&uuml;r eine Steuerreform gesorgt haben, an der sie selbst am meisten verdienen &#x96; durch die Steuerersparnis und dann noch einmal durch die Vergabe von Krediten aufgrund der Finanzl&ouml;cher des Staates.<br \/>  Diese Pl&uuml;nderung der Steuerkassen durch die Banken m&uuml;sste durch einen sofortigen Stopp der Zinszahlungen von Bund, L&auml;ndern und Gemeinden beendet werden. Die &Uuml;berf&uuml;hrung der Gelder und damit auch der Banken in &ouml;ffentliches Eigentum w&uuml;rde die weitere Bereicherung stoppen und die Verwendung der Gelder im Sozialbereich und zur Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen erm&ouml;glichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse gelebt. Die internationale Konkurrenz zwingt uns dazu. Die Konjunktur ist schwach. Die Kassen sind leer. Das sind beliebte Begr&uuml;ndungen der Politiker und Unternehmensvertreter, wenn es darum geht, soziale Leistungen in den St&auml;dten und Gemeinden einzuschr&auml;nken und st&auml;dtisches Eigentum wie Krankenh&auml;user oder M&uuml;llabfuhr an private Unternehmen zu verkaufen. 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