{"id":10198,"date":"2002-10-28T10:24:20","date_gmt":"2002-10-28T10:24:20","guid":{"rendered":".\/?p=10198"},"modified":"2002-10-28T10:24:20","modified_gmt":"2002-10-28T10:24:20","slug":"10198","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/10198\/","title":{"rendered":"Zur&uuml;ck ins Mittelalter? Polens Frauen unter Druck"},"content":{"rendered":"<p>&#x84;Dominant in der Psyche der Frau ist die M&uuml;tterlichkeit. [&#8230;] Die Eierst&ouml;cke, die Quelle des Lebens, befinden sich in jeder Frau. Man findet sie im Inneren des unteren Teils des K&ouml;rpers. Dies ist ein heiliger Ort des Lebens.&#x93; (aus polnischem Unterrichtsmaterial).<br \/>   Iwona, Warschau und Goran Hastenteufel, Saarbr&uuml;cken<br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nSolchen und &auml;hnlichen Unsinn m&uuml;ssen sich Polens Sch&uuml;lerInnen in einem neuen Fach namens &#x84;Vorbereitung auf das Familienleben&#x93; anh&ouml;ren. Urspr&uuml;nglich sollte in der Bildungsreform von 1998 das Fach &#x84;Sexualerziehung&#x93; eingef&uuml;hrt werden. Doch aufgrund des Drucks, den die katholische Kirche in der polnischen &Ouml;ffentlichkeit erzeugen kann, wurde das gestoppt.<br \/>   Wem geh&ouml;rt der K&ouml;rper?<br \/>   1993 wurde die Abtreibung verboten. In drei F&auml;llen ist die Abtreibung straffrei m&ouml;glich: Gefahr f&uuml;r die Mutter, Behinderung des Kindes und nach einer Vergewaltigung. Doch die Frau muss beweisen, dass sie vergewaltigt wurde. Die dazu notwenigen Prozesse dauern meist weit &uuml;ber die ersten zw&ouml;lf Wochen der Schwangerschaft hinaus, in denen die Abtreibung m&ouml;glich w&auml;re.<br \/>   Sollte frau dann den n&ouml;tigen Abtreibungsschein in der Hand halten, ist es noch nicht geschafft. &Auml;rtzInnen d&uuml;rfen aus Gewissensgr&uuml;nden eine Abtreibung ablehnen, selbst wenn einer der Abtreibungsgr&uuml;nde zutrifft. Dabei ist das Gewissen vieler &Auml;rzte vom Geldbeutel der betroffen Frau abh&auml;ngig. Im Zweifel braucht frau dann auch keinen Abtreibungsschein mehr. Im Jahre 2000 gab es 138 offizielle Abtreibungen. Die Sch&auml;tzungen &uuml;ber illegale Abtreibungen liegen zwischen 80.000 und 200.000. Die Zahl der ausgesetzten Kinder hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt.<\/p>\n<p>   Gesundheitsmisere <\/p>\n<p>   Doch die Frauen, die ihr Kind austragen wollen, sind nicht besser dran. Eigentlich ist die Gesundheitsversorgung staatlich abgedeckt. Doch die Behandlung ist schlecht. 20 Prozent der Frauen bezahlen zus&auml;tzlich Geld. Ohne Bezahlung darf nicht einmal der Vater bei der Geburt dabei sein.<br \/>   Voruntersuchungen werden nur bei Frauen &uuml;ber 35 durchgef&uuml;hrt oder wenn es F&auml;lle von Behinderungen in der Familie gibt. Ansons-ten m&uuml;ssen die Frauen daf&uuml;r circa 300 Euro bezahlen. F&uuml;r Frauen, die gerade unter diesen Bedingungen lieber verh&uuml;ten w&uuml;rden, ist das nicht so einfach: Die Pille ist teuer und auch hier ist das &#x84;Gewissen&#x93; des Gyn&auml;kologen im Spiel.<br \/>   Arme M&auml;nner und &auml;rmere Frauen<br \/>   Der Niedergang des Stalinismus brachte in ganz Mittel- und Osteu-ropa massive Verschlechterung f&uuml;r Besch&auml;ftigte, Jugendliche und vor allem f&uuml;r Frauen. In Polen wird dies durch die reaktion&auml;re Ideologie und den Einfluss der katholischen Kirche noch verst&auml;rkt. Vom wirtschaftlichen Niedergang sind Frauen besonders heftig betroffen. &Uuml;ber die H&auml;lfte der gemeldeten Arbeitslosen sind Frauen, wobei sich viele Frauen, die gerne arbeiten w&uuml;rden, gar nicht arbeitslos melden. Im &ouml;ffentlichen Bereich werden genausoviele Frauen eingestellt, wie M&auml;nner, im privaten Sektor nur 40 Prozent. Gleichzeitig w&auml;chst der private Sektor, w&auml;hrend der &ouml;ffentliche zusammengestrichen wird. Der Durchschnittslohn f&uuml;r Frauen betr&auml;gt nur 75 Prozent des gesammten Durchschnittslohns.<\/p>\n<p>   Sozialismus oder Barbarei<\/p>\n<p>   &#x84;Teile und Herrsche&#x93; ist ein Grundprinzip jeder Klassengesellschaft. Unprofitable Arbeit, wie das Aufziehen von Kindern, auf einzelne abzuw&auml;lzen ist ein Grundprinzip des kapitalistischen Profitsystems. Der Markt ist f&uuml;r Profite da und nicht f&uuml;r die Masse der Weltbev&ouml;lkerung, schon gar nicht f&uuml;r Frauen. Das Gemeineigentum an Produktionsmitteln und gesellschftliche Planung waren Grundvoraussetzungen f&uuml;r Verbesserungen f&uuml;r Frauen in Mittel- und Osteuropa. Die Diktatur einer B&uuml;rokratie war ein Hemmnis f&uuml;r die Entwicklung der Gesellschaft und f&uuml;r die Emanzipation der Frauen. Doch durch die Restauration des Kapitalismus hat sich gerade auch die Lage der Frauen in Polen drastisch verschlechtert.<br \/>   Rosa Luxemburg, die bekannteste aus Polen stammende Sozialistin, pr&auml;gte den Ausspruch &#x84;Sozialismus oder Barbarei&#x93;. Gerade bei der Wiederherstellung des Kapitalismus in Mittel- und Osteuropa ist dies besonders deutlich geworden. Deshalb darf Rosa Luxemburg nicht die bekannteste Sozialistin aus Polen bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#x84;Dominant in der Psyche der Frau ist die M&uuml;tterlichkeit. [&#8230;] Die Eierst&ouml;cke, die Quelle des Lebens, befinden sich in jeder Frau. Man findet sie im Inneren des unteren Teils des K&ouml;rpers. 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