{"id":10197,"date":"2002-10-28T10:22:43","date_gmt":"2002-10-28T10:22:43","guid":{"rendered":".\/?p=10197"},"modified":"2002-10-28T10:22:43","modified_gmt":"2002-10-28T10:22:43","slug":"10197","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/10197\/","title":{"rendered":"Gut f&uuml;r Konzerne &#x96; schlecht f&uuml;r die Umwelt und f&uuml;r uns"},"content":{"rendered":"<p>Im August trafen sich Regierungsvetreter aus 190 Staaten zum UN-Umweltgipfelin Johannesburg &#x96; der gr&ouml;&szlig;ten internationale Konferenz die jemals stattgefundenhat. In dem Johannesburger Luxusvorort Sandton, dem reichsten Stadtteil imgesamtem Afrika, verbrachten 60.000 Delegierte f&uuml;r gesch&auml;tzte Kosten von150 Millionen Dollar zehn Tage, um &uuml;ber die Zukunft der Erde zu reden.<\/p>\n<p> von Antje Zander, Berlin<br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nBegleitet wurde der Gipfel von Protesten von verschiedensten Umwelt und Sozialgruppen.An der gr&ouml;&szlig;ten Demonstration beteiligtem sich &uuml;ber 30.000 Menschen &#x96; trotzmassiver Behinderungen von Seiten der s&uuml;dafrikanischen ANC-Regierung undihrer Polizei.<br \/> Das Treffen in Johannesburg fand als &#x84;UN-Gipfel f&uuml;r nachhaltige Entwicklung&#x93; statt. Dabei sollte es um eine Entwicklung auf der Erde gehen, die zu wenigerArmut, weniger Krankheiten, weniger Umweltbelastung und weniger Krieg f&uuml;hrensoll. <br \/> Doch das Gegenteil ist herausgekommen. So wurde dann auch die von der Konferenzbeschlossene &#x84;Politische Deklaration&#x93; und das &#x84;Aktionsprogramm zur Bek&auml;mpfungder Armut&#x93; von Umweltorgansationen zu Recht als Katastrophe bezeichnet. Dennsie stellen die Interessen von Konzernen und Unternehmen &uuml;ber die Interessenvon Milliarden von Menschen und die der Umwelt. <\/p>\n<p> Keinerlei verbindliche Regeln<\/p>\n<p> Zwar werden der sorgsame Umgang mit der Umwelt und die Beseitigung der Armutals international akzeptierte Grunds&auml;tze f&uuml;r die Zukunft der Erde benannt,doch befinden sich in beiden Papieren nur Absichterkl&auml;rungen und keinerleiVerpflichtungen weder f&uuml;r die Regierungen noch f&uuml;r die Konzerne.<br \/> So wurde erkl&auml;rt, dass alternative Energieformen wie Sonne, Wind, Biogasund andere durchaus wichtig seien. Vor allem auf Druck der Regierungen derUSA und der OPEC-Staaten (einem B&uuml;ndnis Erd&ouml;l-exportierender Staaten) bliebjedoch offen, in welchem Zeitraum und in welchem Ausma&szlig; der Anteil der erneuerbarenEnergien ausgebaut werden soll. Der saudi-arabische Handelsminister dazu:&#x84;Alle sind gl&uuml;cklich&#x93;.<br \/> Desweiteren wurde im Aktionsprogramm davon geredet, den Verlust der Artenvielfaltund den R&uuml;ckgang der W&auml;lder einzud&auml;mmen &#x96; auch hier ohne jede Erkl&auml;rung,wie. Zum Beispiel verpflichten sich die Staaten in einem Paragraphen zurSchonung der Fischbest&auml;nde &#x96; &#x84;wenn m&ouml;glich&#x93;!<br \/> Weiter wird die Absichtserkl&auml;rung, nach der die Zahl der 2,4 Milliarden Menschen,die ohne Zugang zu sauberen Wasser leben, bis 2015 auch nur halbiert werdensoll, kaum realisiert werden: Die Regierungen der gro&szlig;en Industriestaatenmachten schon im Vorfeld klar, dass sie daf&uuml;r kein zus&auml;tzliches Geld zurVerf&uuml;gung stellen wollen.<\/p>\n<p> Umweltpolitik f&uuml;r Konzerne <\/p>\n<p> Schon beim Klimagipfel 1992 in Rio wurden Konzerne erstmals offiziell alsgleichberechtigte Partner internationaler Instutitionen wie der UNO behandelt.Im Abschlussdokument von Rio steht dann auch die Kernaussage, dass freieM&auml;rkte und Wirtschaftswachstum Voraussetzungen f&uuml;r Umweltschutz und nachhaltigeEntwicklung seien. Es wird eine &#x84;freiwillige Selbstverpflichtung&#x93; erhoben,deren Nichteinhaltung keinerlei Konsequenzen hat. Das Ergebnis ist bekannt:der CO2-Aussto&szlig; ist seit Rio um zehn Prozent gestiegen, die Klimakatstrophegeht weiter und mehr als eine Milliarde Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze.<br \/> In Johannesburg ging der Einfluss der internationalen Konzerne noch weiter:So wurde zur Vorbereitung des Gipfels schon 1995 ein weiterer Lobby-Verbandgegr&uuml;ndet, dem unter anderem der Weltverband der Chemischen Industrie, derBund der Deutschen Industrie und auch das Europ&auml;ische Atomforum angeh&ouml;ren.Der Vorsitzende des Verbandes, Moddy Stuart, zuvor der Chef des &Ouml;lmultisShell: &#x84;Wir m&ouml;chten auf dem Umweltgipfel eine konstruktive Rolle spielen.Die Industrie ist ein Teil der L&ouml;sung bei der Schaffung einer nachhaltigenEntwicklung&#x93;. Im Ergebnis dessen wird dann auch in den Gipfeldokumenten einest&auml;rkere Rolle des Privatsektors in Bereichen wie Strom, Wasser, Gesundheitund Landwirtschaft gefordert.<\/p>\n<p> Alternativen<\/p>\n<p> Den meisten von uns ist klar: die Erde bewegt sich auf eine &ouml;kologische undsoziale Katastrophe zu. Umweltkatastrophen wie die Flut in diesem Sommerin vielen Teilen Europas und Asiens werden in den n&auml;chsten Jahren zunehmen.Schon in den 80er Jahren haben ExpertInnen beispielsweise f&uuml;r die n&auml;chsten250 Jahre eine Erh&ouml;hung des Meeresspiegels um circa vier Meter aufgrund derglobalen Erderw&auml;rmung, vorausgesagt. Sie erkl&auml;rten, dass der CO2-Aussto&szlig;sofort um 60 Prozent fallen m&uuml;sste, um den damaligen Zustand (1992) zu halten.Seitdem ist der Aussto&szlig; jedoch noch weiter gestiegen.<br \/>  Die Ursachen f&uuml;r die Ausbeutung der Umwelt und die Zerst&ouml;rung der Lebensgrundlagenliegen im Kaptalismus, einem System mit dem Ma&szlig;stab des maximalen Profits,gekennzeichnet durch harten Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen undKonzernen. <br \/> Die Alternative dazu ist eine Gesellschaft, in der die Bed&uuml;rfnisse allerMenschen und der Natur im Mittelpunkt stehen. Statt kapitalistischer Anarchieist eine demokratisch geplante Wirtschaft und Gesellschaft auf der Basisvon Gemeineigentum notwendig.<br \/> Dann w&uuml;rde zum Beispiel so gewirtschaftet werden, dass die Auswirkungen aufdie Umwelt und die daraus entstehenden Kosten in die Planung mit einbezogenw&uuml;rden. Das hei&szlig;t alternative Energien statt Atomenergie, Ausbau des Schienenverkehrs,statt jedes Jahr dutzende von neuen Autotypen herzustellen, und so weiter.<br \/> Wissenschaftlicher Fortschritt w&uuml;rde den Menschen und nicht den Konzernendienen. Beispiel Aids: Seit Jahren arbeiten verschieden Teams von hochspezialisiertenForscherInnen an der Entwicklung von Aids-Medikamenten. Doch nicht miteinander,sondern gegen-einander &#x96; im Auftrag verschiedener Pharmakonzerne, denn miteinem Medikament lie&szlig;e sich viel Geld verdienen. Wenn diese ForscherInnenzusammenarbeiten w&uuml;rden, w&auml;re ein Medikament wahrscheinlich schon entwickelt.<br \/> Und die weltweite Produktivit&auml;t w&uuml;rde, statt f&uuml;r riesige Milit&auml;rausgabenund sinnlosen Luxus f&uuml;r eine handvoll Superreicher, f&uuml;r die Abschaffung vonArbeitslosgkeit, Armut und Hunger genutzt werden.<br \/> Unsere Umwelt wird nicht von Regierungen und Konzernen, auch nicht von Konferenzenwie in Johannesburg gerettet. <br \/> Wir m&uuml;ssen selber f&uuml;r eine lebenswerte Welt k&auml;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im August trafen sich Regierungsvetreter aus 190 Staaten zum UN-Umweltgipfelin Johannesburg &#x96; der gr&ouml;&szlig;ten internationale Konferenz die jemals stattgefundenhat. 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