{"id":10193,"date":"2002-10-28T10:14:24","date_gmt":"2002-10-28T10:14:24","guid":{"rendered":".\/?p=10193"},"modified":"2002-10-28T10:14:24","modified_gmt":"2002-10-28T10:14:24","slug":"10193","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/10193\/","title":{"rendered":"Absurde Murkswirtschaft: Krisen aus &Uuml;berfluss"},"content":{"rendered":"<p>Die Weltwirtschaftskrise zeigt die Unf&auml;higkeit des Kapitalismus die Bed&uuml;rfnisse der Menschheit zu befriedigen Autos auf Halde, Handys unverk&auml;uflich, der Einzelhandel &uuml;berbietet sich mit Rabatt-Aktionen &#x96; die Symptome der derzeitigen Wirtschaftskrise &auml;u&szlig;ern sich in unverk&auml;uflicher &Uuml;berschuss-Ware. Krisen nicht aus Mangel, sondern aus &Uuml;berfluss hat es in keiner anderen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung au&szlig;er im Kapitalismus gegeben. Woher kommen solche Krisen?<\/p>\n<p>  von Angela Bankert, K&ouml;ln<br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nIn der kapitalistischen Marktwirtschaft geht es allein um die h&ouml;chstm&ouml;gliche Verwertung des eingesetzten Kapitals in Konkurrenz zu anderen Unternehmen. <br \/>  Jedes Einzelunternehmen versucht, m&ouml;glichst viel zu verkaufen und baut dabei Kapazit&auml;ten auf, um mit Wachstum die Profite zu steigern. Das denkt und tut der Konkurrent allerdings ganz genauso. Insgesamt wird daher zuviel produziert und &Uuml;berkapazit&auml;ten aufgebaut (nat&uuml;rlich gemessen an der begrenzten kaufkr&auml;ftigen Nachfrage, nicht gemessen an den Bed&uuml;rfnissen).<br \/>  Das wei&szlig; auch jedes einzelne Unternehmen, Absatz-Statistik und Marktforschung geben Auskunft &uuml;ber das gesamte Marktvolumen. Jedes Unternehmen hofft aber, dabei besser weg zu kommen als die Konkurrenz, frei nach dem Motto eines ehemaligen BMW-Managers: &#x84;Sicher gibt es zu viele Autos auf der Welt, aber zu wenige BMW&#x93;.<\/p>\n<p>  &Uuml;berkapazit&auml;ten<\/p>\n<p>  &Uuml;berproduktion gibt es in der gesamten Weltwirtschaft. Die US-Industrie insge-samt verzeichnet derzeit nur noch einen Auslastungsgrad von 76 Prozent. Rund ein Drittel der Kapazit&auml;ten der internationalen Auto-Industrie zum Beispiel liegt brach. Und das obwohl zwischen 1980 und 1994 allein  in den USA 32 Montagewerke f&uuml;r Kraftfahrzeuge geschlossen und fast sechs Millionen Einheiten Produktionskapazit&auml;t stillgelegt wurden.<br \/>  Auch der Hintergrund des derzeitigen Handelskonflikts in der Stahlindustrie zwischen den USA und der EU sind die &Uuml;berkapazit&auml;ten. Die OECD (eine Organisation der f&uuml;hrenden Industrienationen) geht f&uuml;r dieses Jahr von einer theoretischen Rohstahl-Kapazit&auml;t von weltweit 1,07 Milliarden Jahrestonnen aus. Ausgelastet sind sie jedoch laut der Vereinigung der US-Stahlproduzenten nur zu rund 70 Prozent. Der Kampf geht nun darum, wer den Konkurrenzkampf &uuml;berlebt.<br \/>  &Uuml;berkapazit&auml;ten entstehen nicht nur in der Industrie, sondern in allen Bereichen, die markt- und warenf&ouml;rmig organisiert sind, zum Beispiel auch im Dienstleistungsbereich.<\/p>\n<p>  Profitraten<\/p>\n<p>  &Uuml;berproduktion hei&szlig;t auch &Uuml;berproduktion von Kapital, sei es nun Sachkapital, Geldkapital oder das Kapital, das in Form von L&ouml;hnen und Geh&auml;ltern f&uuml;r ArbeitnehmerInnen ausgelegt ist. Die Massenarbeitslosigkeit wiederspiegelt auch auf diesem Markt das &#x84;&Uuml;berangebot&#x93; an arbeitsf&auml;higen Menschen.<br \/>  Es wird Kapital aufgeh&auml;uft, das keine gen&uuml;gend profitablen Anlagem&ouml;glichkeiten mehr findet. Daher die Aufbl&auml;hung der Finanzm&auml;rkte, die Globalisierung der Jagd nach M&auml;rkten und Anlagem&ouml;glichkeiten, der Druck Richtung Privatisierung profitabler Bereiche von staatlichen (und damit dem Markt entzogenen) Einrichtungen und Dienstleitungen.<br \/>  Im technologischen Wettlauf um die Marktf&uuml;hrerschaft werden die Investitionskosten f&uuml;r neue Anlagen immer h&ouml;her.<br \/>  Menschliche Arbeitskraft, die allein neue Werte schafft, wird dabei zunehmend eingespart. <br \/>  Die Profite geraten von zwei Seiten unter Druck:<br \/>  &#8211; steigende Investitionskosten bei geringerer Wertsch&ouml;pfung einerseits<br \/>  &#8211; schlechtere Absatzaussichten anderer-seits, denn die kaufkr&auml;ftige Nachfrage (nur um diese geht es im Kapitalismus) kann mit dem wachsenden G&uuml;terausto&szlig; nicht mithalten. Die &Uuml;berproduktion dr&uuml;ckt auf Absatz, Preise und Gewinnspannen.<br \/>  L&auml;ngerfristig sinken dadurch die Profitraten tendenziell, das hei&szlig;t die Verzinsung des in der Warenproduktion eingesetzten Kapitals.<br \/>  In der akuten Krise wird Kapital entwertet: durch Vernichtung oder Brachliegen von Produktionskapazit&auml;ten, Konkurse, Entlassungen, Entwertung (Verbilligung) von Produkten, Absenken der Reall&ouml;hne, parallel dazu auch Vernichtung von Verm&ouml;genswerten wie Aktien und Immobilien. Zur&uuml;ck bleiben Industriew&uuml;sten, millionenfach Arbeitslose und vernichtete Existenzen.<br \/>  Wenn sich dadurch die Profitaussichten wieder verbessert haben, beginnt ein neuer Konjunkturzyklus. Das zugrunde liegende Problem, dass immer wieder neue &Uuml;berkapazit&auml;ten aufgebaut werden, wird nicht gel&ouml;st und kann auch im Rahmen des Kapitalismus nicht gel&ouml;st werden. Die Wirtschaftskrisen sind nur zu verhindern, wenn der Konkurrenz- und Profitmechanismus des Kapitalismus ausgehebelt wird. Dies geht nur, wenn das Privateigentum an den Produktionsmitteln aufgehoben wird. Erst dann kann die Gesellschaft das wirtschaftliche Geschehen kontrollieren und im Interesse von Mensch und Umwelt demokratisch planen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Weltwirtschaftskrise zeigt die Unf&auml;higkeit des Kapitalismus die Bed&uuml;rfnisse der Menschheit zu befriedigen Autos auf Halde, Handys unverk&auml;uflich, der Einzelhandel &uuml;berbietet sich mit Rabatt-Aktionen &#x96; die Symptome der derzeitigen Wirtschaftskrise &auml;u&szlig;ern sich in unverk&auml;uflicher &Uuml;berschuss-Ware. Krisen nicht aus Mangel, sondern aus &Uuml;berfluss hat es in keiner anderen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung au&szlig;er im Kapitalismus gegeben. 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