{"id":10187,"date":"2002-10-10T15:50:11","date_gmt":"2002-10-10T13:50:11","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10187"},"modified":"2012-05-29T13:17:18","modified_gmt":"2012-05-29T11:17:18","slug":"10187","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/10187\/","title":{"rendered":"Der Krieg f&uuml;r &Ouml;l"},"content":{"rendered":"<p>Welche Interessen stecken hinter Bushs Kriegspl&auml;nen?<\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, 9.10.2002<\/i><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Bush-Regierung scheint entschlossen zu sein, einen Krieg gegen den Irak zu f&uuml;hren und das Regime Saddam Husseins zu st&uuml;rzen.<\/p>\n<p>  Diese Kriegspl&auml;ne sind Teil einer imperialistischen Politik und Strategie. Seit dem 11. September sehen sich die USA in der Lage diese Politik und Strategie r&uuml;cksichtslos umzusetzen. Sie erheben den Anspruch die einzige Supermacht und der einzige Weltpolizist zu sein. Das bedeutet nichts anderes als die wirtschaftlichen, politischen und geostrategischen Interessen des US-amerikanischen Kapitalismus weltweit durchzusetzen. <\/p>\n<p>   George W. Bush macht aus der Welt einen noch unsichereren Ort. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA sieht unter anderem massive Erh&ouml;hungen des R&uuml;stungshaushalts, die Entwicklung sogenannter &#8222;taktischer&#8220; Nuklearwaffen, die Errichtung von dauerhaften Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten in allen Teilen der Welt und eine Pr&auml;ventivschlag-Politik vor. Vor allem letzteres ist eine gef&auml;hrliche und ernstzunehmende Neuausrichtung US-amerikanischer Politik. Der Einsatz von &#8222;pr&auml;ventiver&#8220; milit&auml;rischer Gewalt w&uuml;rde zu einer dramatischen Zunahme von milit&auml;rischen Konflikten und Kriegen beitragen. <\/p>\n<p>   Der Bush-Fl&uuml;gel der herrschenden Klasse in den USA denkt, die Macht der USA sei unbegrenzt und unschlagbar. Die milit&auml;rischen Siege im Golfkrieg 1991 und in den Kriegen gegen Serbien und gegen die Taliban n&auml;hrten diese Illusion. Tats&auml;chlich ist die &ouml;konomische, politische und milit&auml;rische Dominanz der US-Imperialismus unvergleichlich. Doch milit&auml;rische Macht muss auf &ouml;konomischer St&auml;rke basieren, wenn sie stabil sein will. Die US-Wirtschaft befindet sich aber, wie auch die Weltwirtschaft in einer Krise. Das untergr&auml;bt letztlich auch die Position des US-Imperialismus. Milit&auml;risch wird er den Irakkrieg gewinnen, doch wie schnell und zu welchem Preis er sich milit&auml;risch durchsetzen kann ist eine andere Frage. Die Grenzen der US-Macht wurden an zwei Beispielen im letzten Jahr deutlich: dem gescheiterten (vom CIA mitorganisierten) Putschversuch gegen die Ch&aacute;vez-Regierung in Venezuela und der Tatsache, dass weder Osama bin Laden noch Mullah Omar gefasst wurden und der Gro&szlig;teil Afghanistans nicht unter der Kontrolle der USA, sondern der regionalen Warlords und Stammesf&uuml;rsten steht. <\/p>\n<p>   Mafiaboss George W. Bush<\/p>\n<p>  Weitsichtigere Teile der US-Elite erkennen die unkalkulierbaren Folgen eines Angriffs auf den Irak und haben sich in den letzten Monaten wiederholt dagegen ausgesprochen. Doch Bush hat sich durchgesetzt und eine breite Unterst&uuml;tzung f&uuml;r seine Politik ist ihm im Kongress und Repr&auml;sentantenhaus sicher. Der Krieg wird sehr wahrscheinlich kommen. Die USA haben schwerwiegende &ouml;konomische Interessen in der Golfregion und sie meinen, der Zeitpunkt sei g&uuml;nstig, um diese milit&auml;risch durchzusetzen. Die Folgen eines Angriffs sind unkalkulierbar: ein Fl&auml;chenbrand im gesamten Nahen Osten ist nicht auszuschlie&szlig;en. In jedem Fall wird es eine massenhafte Stimmung gegen den US-Imperialismus und eine Antikriegsbewegung in der arabischen und muslimischen Welt geben, die auch islamisch-fundamentalistischen Kr&auml;ften einen neuen Zulauf geben wird. Und auch in den westlichen kapitalistischen Staaten wird der Krieg auf massenhaften Widerstand sto&szlig;en, wie die Demonstrationen in Gro&szlig;britannien und Italien schon gezeigt haben. Aber die Bush-Administration hat sich auch in ein Dilemma man&ouml;vriert. Selbst wenn sie wollte, g&auml;be es kein Zur&uuml;ck mehr, zu sehr hat sich Bush aus dem Fenster gelehnt und den Sturz von Saddam als unausweichliches Ziel festgeschrieben.<\/p>\n<p>  In einem Kommentar der jungen Welt vom 28. Augsut 2002 stand treffend: &#8222;Angesichts der weltweiten Proteste gegen die US-Kriegspl&auml;ne haben viele auf ein Einlenken der Bush-Regierung gehofft. Erwartungsgem&auml;&szlig; wurden sie (&#8230;) entt&auml;uscht. Schlie&szlig;lich steht die &#x91;Glaubw&uuml;rdigkeit&#x91; der Bush-Regierung auf dem Spiel. Dieser bleibt gar nichts anderes &uuml;brig, als Krieg gegen Irak zu f&uuml;hren &#8211; im Rahmen der neuen Doktrin von Pr&auml;ventivschl&auml;gen, mit der die neue Weltordnung der Pax Americana durchgesetzt werden soll. Dazu geh&ouml;rt der Aufbau einer Drohkulisse. Falls das gew&uuml;nschte Resultat trotzdem ausbleibt, erfordert die &#x91;Glaubw&uuml;rdigkeit&#x91; die Anwendung milit&auml;rischer Gewalt. Das wei&szlig; die Mafia ebenso gut, wie die amerikanische Regierung. Die kann sich ebenso wenig erlauben, ein widerspenstiges Land, das sich ihrer neuen Weltordnung nicht beugen will, ungeschoren davonkommen zu lassen, wie ein Mafiaboss einen &#x91;Kunden&#x91; laufen lassen kann, der sich weigert &#x91;Schutzgelder&#x91; zu zahlen. W&uuml;rden in naher Zukunft sonst nicht alle anderen &#x91;Kunden&#x91; ebenfalls die Zahlung an die Mafia einstellen? (&#8230;)<\/p>\n<p>  Dass die irakische Regierung mit allen Nachbarl&auml;ndern derzeit besser denn je zurechtkommt und niemand gegen Bagdad in den Krieg ziehen m&ouml;chte, nicht einmal die europ&auml;ischen US-Verb&uuml;ndeten, macht einen Angriff Washingtons nur noch unausweichlicher. Wie w&uuml;rde ein Mafiaboss reagieren, wenn seine eigenen Bandenmitglieder sich weigerten, dem s&auml;umigen &#x91;Schutzgeldzahler&#x91; eine Lektion zu erteilen, weil die einen bereits mit dem &#x91;Schuldner&#x91; ihre privaten Gesch&auml;fte machen und die anderen das Unternehmen f&uuml;r zu gef&auml;hrlich halten? Wenn der Mafiaboss in dieser Situation seinen F&uuml;hrungsanspruch in der Gangsterbande nicht verlieren will, dann muss er &#8211; notfalls ganz allein &#8211; dem widerspenstigen &#x91;Kunden&#x91; alle Knochen brechen.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Rolle des &Ouml;ls<\/p>\n<p>   Warum wollen die USA Krieg gegen den Irak f&uuml;hren? Nat&uuml;rlich ist Saddam ein Stachel im Fleisch des US-Imperialismus. Die blo&szlig;e Existenz eines Regimes, das nicht nach der Pfeife der USA tanzt, ist eine Provokation und ein Zeichen von Schw&auml;che und Verwundbarkeit des Imperialismus, oder zumindest der nicht uneingeschr&auml;nkten Macht. Die Existenz des Saddam-Regimes ist ein potenzielles Beispiel f&uuml;r andere Staaten den USA die Gefolgschaft zu verweigern. Das allein ist ein hinreichender Grund f&uuml;r den US-Imperialismus einen Regimewechsel herbeizuf&uuml;hren. Viel schwerer wiegt aber die Tatsache, dass dieses Regime in einer Region herrscht, die von unvergleichlichem Interesse f&uuml;r den Imperialismus ist. Der Grund f&uuml;r dieses Interesse und damit der eigentliche Grund f&uuml;r den angek&uuml;ndigten Krieg hat zwei Buchstaben: &Ouml;l. &Ouml;l ist der wichtigste Energietr&auml;ger f&uuml;r die Weltwirtschaft und wird es in absehbare Zeit auch bleiben. Die USA sind in erheblichem Ma&szlig;e von Erd&ouml;limporten abh&auml;ngig. &Uuml;ber 50 Prozent des in den USA verbrauchten &Ouml;ls werden importiert. Aufgrund des steigenden Energieverbrauchs wird dieser Anteil bis zum Jahr 2020 wahrscheinlich auf zwei Drittel ansteigen. Die &Ouml;lversorgung und der &Ouml;lpreis haben unmittelbare Auswirkungen auf den Zustand der Weltwirtschaft. Die Erinnerung an das &Ouml;lembargo von 1973 bereitet den Kapitalisten immer noch schlaflose N&auml;chte. Damals drehten die arabischen Staaten den &Ouml;lhahn zu und die Weltwirtschaft wurde schwer getroffen. Die &Ouml;lkrise war zwar nicht der Grund f&uuml;r die Weltwirtschaftsrezession, vertiefte diese aber deutlich. Nach einer &ouml;konomischen Faustregel f&uuml;hrt eine Erh&ouml;hung des Roh&ouml;lpreises um zehn Dollar pro Barrel (159 Liter) zu einem R&uuml;ckgang der weltweiten Wirtschaftsleistung um bis zu 0,5 Prozent.<\/p>\n<p>   Die USA sind stark abh&auml;ngig von der OPEC (Organisation erd&ouml;lexportierender L&auml;nder), in der die Golfstaaten und einige andere der wichtigen &Ouml;lstaaten zusammengeschlossen sind und die faktisch die Roh&ouml;lpreise bestimmen kann. Die beiden gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;llieferanten an die USA sind Venezuela und Saudi-Arabien, beides OPEC-L&auml;nder und beides unsichere Kantonisten aus Sicht des Imperialismus. In Venezuela herrscht ein linkspopulistischer Pr&auml;sident, der mit Fidel Castro sympathisiert und antiimperialistische Phrasen drischt. Das saudische Regime hat &uuml;ber viele Jahre sein &Ouml;l zu Vorzugspreisen an die USA verkauft, ger&auml;t aber immer mehr unter Druck der eigenen Bev&ouml;lkerung. Ein Regimewechsel in Saudi-Arabien hin zu einem US-feindlichen fundamentalistischen Regime ist f&uuml;r die Zukunft nicht auszuschlie&szlig;en. Die US-Kapitalisten m&uuml;ssen also andere Optionen f&uuml;r die &Ouml;lversorgung ihrer &Ouml;konomie in Betracht ziehen. Sie haben  neue F&ouml;rderprojekte in Alaska begonnen, haben Truppen in den zentralasiatischen Republiken stationiert, um den Zugang zum &Ouml;l im kaspischen Meer zu sichern und versuchen den Handel mit Russland auszuweiten. Doch all das kann die &Ouml;lversorgung der USA f&uuml;r die Zukunft nicht garantieren. Letztlich f&uuml;hrt kein Weg vorbei an der Golfregion, denn hier lagern zwei Drittel aller bekannten &Ouml;lreserven. Und nicht nur das: die F&ouml;rderkosten sind extrem niedrig und das &Ouml;l von besonders guter Qualit&auml;t. Dementsprechend betonte der Nationale Energie Bericht der US-Regierung vom Mai 2001 auch, dass der Zugang zum &Ouml;l in der Golfregion eine hohe Priorit&auml;t f&uuml;r die USA haben muss.<\/p>\n<p>   Nun gibt es keinen unmittelbaren Grund f&uuml;r einen Krieg, wie dies die Besetzung der kuwaitischen &Ouml;lfelder durch die irakische Armee 1990 war. Die USA nutzen die ver&auml;nderte Lage nach dem 11. September 2001, um ihre mittelfristigen Interessen zu sichern. Und dazu kommt dem Irak eine besondere Rolle zu. Denn im Irak gibt es, nach Saudi-Arabien, die zweitgr&ouml;&szlig;ten bekannten Erd&ouml;lreserven der Welt. Hier lagern mindestens 112 Milliarden Barrel &Ouml;l, w&auml;hrend es in Russland &#8222;nur&#8220; 49 Milliarden Barrel und im Kaspischen Meer 15 Milliarden Barrel sind. Au&szlig;erdem gibt es im Irak die wahrscheinlich gr&ouml;&szlig;ten unerschlossenen &Ouml;lfelder der Welt, weitaus mehr als in Saudi-Arabien, dessen &Ouml;lvorkommen weitgehend bekannt und erschlossen sind. Der Irak ist wohl das einzige Land, das die Kapazit&auml;t h&auml;tte, den Verlust der saudischen &Ouml;lproduktion aufzufangen. Aus Sicht des US-Imperialismus bedeutet die Kontrolle &uuml;ber die irakischen &Ouml;lfelder also eine gr&ouml;&szlig;ere Unabh&auml;ngigkeit von Saudi-Arabien und Venezuela. Eine Kontrolle &uuml;ber die irakischen &Ouml;lfelder l&auml;sst sich f&uuml;r die USA aber nur durch den Sturz von Saddam erreichen. Das irakische Regime hat in den letzten Jahren eine Reihe von Vorvertr&auml;gen mit franz&ouml;sischen, russischen, chinesischen, italienischen, indischen und algerischen Konzernen zur Ausbeutung der &Ouml;lfelder abgeschlossen. Diese kommen gr&ouml;&szlig;tenteils aufgrund des Wirtschaftsembargos bisher nicht zum Tragen. Amerikanische und britische Konzerne blieben au&szlig;en vor. Der Irak betreibt seinen &Ouml;lhandel symbolisch in Euro. Die Sichtweise der USA ist klar: Saddam blockiert den Weg zum irakischen &Ouml;l. Gleichzeitig hat die irakische Opposition erkl&auml;rt, dass sie sich nicht an diese Vertr&auml;ge gebunden sieht, wenn sie die Macht &uuml;bernehmen sollte. Die Perspektiven nach einem Regimewechsel in Bagdad sind f&uuml;r den US-Kapitalismus verlockend: ein amerikafreundliches Regime k&ouml;nnte die &Ouml;lindustrie privatisieren, eventuell sogar aus der OPEC austreten und gro&szlig;en Druck auf den &Ouml;lpreis aus&uuml;ben. Die Financial Times Deutschland h&auml;lt einen Fall des Barrelpreises auf zehn Dollar f&uuml;r m&ouml;glich, was faktisch das Ende der OPEC bedeuten w&uuml;rde. <\/p>\n<p>   Konflikte<\/p>\n<p>   Diese unterschiedliche wirtschaftliche Stellung der verschiedenen imperialistischen M&auml;chte hinsichtlich des irakischen &Ouml;ls bedeutet unterschiedliche Interessen und ist die materielle Basis f&uuml;r die Konflikte zwischen diesen L&auml;ndern und den USA &uuml;ber die Frage eines Angriffs auf den Irak. Die Herrschenden in Frankreich, Deutschland, Russland, China erkennen die unkalkulierbaren Folgen eines Krieges gegen den Irak. Dass sie diese Erkenntnis gewonnen haben und sie ihre Politik bestimmt basiert aber direkt auf den von den USA divergierenden &ouml;konomischen und politischen Interessen. Auch hier beh&auml;lt Marx Recht: Das Sein schafft das Bewusstsein.<\/p>\n<p>  F&uuml;r die anderen Staaten ist klar: gewinnen die USA den Krieg gegen den Irak, werden sie auch der alleinige &ouml;konomische Sieger sein und die Ausbeutung der irakischen &Ouml;lfelder organisieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass die anderen imperialistischen Staaten ihre Opposition gegen einen Irak-Krieg aufrechterhalten m&uuml;ssen. Die &ouml;konomischen und politischen Interessen sind komplex. &Ouml;konomische Abh&auml;ngigkeiten bestehen nicht zuletzt zu den USA. Russland will mehr Erd&ouml;l in die USA verkaufen und ein gro&szlig;er Teil der chinesischen Waren werden in die USA geliefert. Dazu kommt, dass die USA gerade unverhohlene Angebote an die Franzosen und Russen macht, an der Ausbeutung der irakischen &Ouml;lfelder nach einer Regimewechsel in Bagdad beteiligt zu werden. James Woolsley, ein fr&uuml;herer CIA-Direktor, sagte zum Beispiel: &#x84;Frankreich und Russland haben &Ouml;lfirmen und Interessen im Irak. Man sollte ihnen sagen, dass wenn sie behilflich sind eine vern&uuml;nftige Regierung im Irak einzusetzen, wir unser Bestes geben werden, damit die neue Regierung und US-Unternehmen eng mit ihnen zusammen arbeiten werden.&#x93; <\/p>\n<p>  Der weitere Verlauf der Entwicklungen ist nicht vorher zu sehen. Der UN-Resolutionsentwurf der USA und Gro&szlig;britanniens kommt einer Erpressung der irakischen Regierung gleich und erinnert an das Vertragswerk von Rambouillet, das den Angriff gegen Serbien legitimierte. Die Resolution ist f&uuml;r die irakische Regierung nicht annehmbar. Sie sieht unter anderem vor, dass die UN-Inspektoren von Milit&auml;r begleitet werden, dass sie jederzeit Fahr- und Flugverbote im Irak verh&auml;ngen d&uuml;rfen und eine Zusammenarbeit mit den westlichen Geheimdiensten wird ebenfalls genehmigt. Die Akzeptanz dieser Resolution k&auml;me einer Aufgabe staatlicher Souver&auml;nit&auml;t gleich. Das kann keine Regierung machen und das wissen Bush und Blair. Sie versuchen einen Vorwand f&uuml;r den Angriff auf den Irak zu konstruieren. Es ist m&ouml;glich, dass die amerikanischen und britischen Imperialisten letztlich einem anderen Vorgehen in der UNO zustimmen werden, zum Beispiel dem Zwei-Stufen-Plan Frankreichs. Doch es k&ouml;nnen schnell Zwischenf&auml;lle provoziert werden, die dann einen Angriff legitimieren sollen. Wenn die Inspektoren einmal im Land sind, k&ouml;nnen sie behaupten die irakische Regierung kooperiere nicht oder sei nicht zur Vernichtung von Massenvernichtungswaffen bereit.<\/p>\n<p>  Solche &#x84;neuen Beweise&#x93; k&ouml;nnen dann auch von der Bundesregierung genutzt werden, um ihre Haltung zu modifizieren. Die ablehnende Haltung Schr&ouml;ders dr&uuml;ckt aus, dass die deutsche Kapitalistenklasse kein Interesse an diesem Krieg hat. Sie wollen auch keine Beteiligung deutscher Soldaten, weil f&uuml;r den deutschen Imperialismus in diesem Krieg nichts zu holen ist. Deutschland ist drittgr&ouml;&szlig;ter Handelspartner des Irak und w&uuml;rde lieber weiter in Ruhe Gesch&auml;fte mit Bagdad machen, als es zu bombardieren. W&auml;hrend die Bundesregierung im Afghanistan-Krieg noch ganz scharf darauf war, deutsche Soldaten zu entsenden, hat sie das diesmal nicht n&ouml;tig. Die Entsendung deutscher Truppen auf den Balkan und nach Afghanistan waren wichtige Tabubr&uuml;che, um den weltweiten imperialistischen Anspruch Deutschlands zu unterstreichen und Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr zur Normalit&auml;t werden zu lassen. Das wurde erreicht. Daf&uuml;r bedarf es keiner riskanten Mission in den Irak. <\/p>\n<p>  Schr&ouml;der ist mit seiner grunds&auml;tzlichen Ablehnung eines Krieges gegen den Irak aus Sicht der deutschen Kapitalisten zu weit gegangen. Diese Haltung hatte wahltaktische Gr&uuml;nde. Stoibers Position kam den Interessen der Kapitalisten n&auml;her. <\/p>\n<p>  Auch wenn es wahrscheinlich nicht zur Entsendung deutscher Soldaten in den Irak kommen wird, werden Schr&ouml;der und Fischer ihre bisherige Position im Falle eines Krieges kaum aufrecht erhalten k&ouml;nnen. Sie werden sich nicht gegen diesen Krieg stellen und die deutschen Truppen wahrscheinlich in Kuwait belassen, die logistische Nutzung der US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte in Deutschland und des deutschen Luftraumes zulassen und ggf. sogar die US-Armee auf dem Balkan oder in Afghanistan entlasten, damit diese sich auf den Irak-Feldzug konzentrieren kann.<\/p>\n<p>  Kriegsverlauf<\/p>\n<p>  Die Folgen eines Krieges sind genauso wenig exakt vorherzusagen, wie der Kriegsverlauf selber. Die USA werden diesen Krieg gewinnen. Die Frage ist nur: wie? Wie lange wird es dauern? Wie viele Opfer wird es geben? Wir gro&szlig; werden die wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen sein, die der Krieg zwangsl&auml;ufig ausl&ouml;sen wird?<\/p>\n<p>  Kriege werden nicht nur milit&auml;risch gewonnen. Das Bewusstsein in der Bev&ouml;lkerung, der Kampfes- und Verteidigungswille, die soziale Basis der k&auml;mpfenden M&auml;chte in ihrer eigenen Bev&ouml;lkerung, die Moral der Truppe sind wichtige Faktoren f&uuml;r einen Kriegsverlauf. <\/p>\n<p>  Die irakische Armee ist zweifellos um ein Vielfaches st&auml;rker als die Taliban-Einheiten. Im Irak stehen Massen unter Waffen und die Armee verf&uuml;gt &uuml;ber schweres Gesch&uuml;tz. Auch k&ouml;nnen die USA auf keine Bodentruppen zur&uuml;ckgreifen, wie sie die Nordallianz in Afghanistan darstellten. Der Krieg wird alles andere als ein Spaziergang f&uuml;r die US-Armee werden. Vor allem wenn es um die Einnahme von St&auml;dten geht, m&uuml;ssen die USA mit erheblichen eigenen Verlusten rechnen.<\/p>\n<p>  Andererseits ist die irakische Armee nur noch ein Schatten der Armee von 1991. Das Land liegt durch das zehnj&auml;hrige Embargo am Boden, die Menschen sind verzweifelt und k&auml;mpfen um das t&auml;gliche &Uuml;berleben. Das sind keine guten Voraussetzungen f&uuml;r Widerstand gegen den US-Angriff. Man kann zwar davon ausgehen, dass Saddam eine gr&ouml;&szlig;ere Unterst&uuml;tzung in der irakischen Bev&ouml;lkerung genie&szlig;t, als die Taliban in Afghanistan genossen. Aber ohne vor Ort zu sein, kann man Saddams soziale Basis kaum genau einsch&auml;tzen. Der Hass auf die USA ist sicher gro&szlig;, aber es k&ouml;nnten sich auch Stimmungen entwickeln, die sagen, dass Saddam ein Diktator ist und es dem Volk nach einem Regimewechsel besser gehen w&uuml;rde, weil dann die Sanktionen wegfielen. <\/p>\n<p>  Es ist nicht vorher zu sagen, wie lange der Krieg dauern wird. Es spricht aber einiges daf&uuml;r, dass er l&auml;nger dauern wird, als der Golfkrieg 1991 oder der Krieg gegen die Taliban im letzten Jahr.<\/p>\n<p>  Wirtschaftliche Folgen<\/p>\n<p>   Je l&auml;nger der Krieg dauern wird, desto h&ouml;her wird der &Ouml;lpreis steigen und desto tiefer w&uuml;rde die Weltwirtschaft in die n&auml;chste Rezession gezogen. Die b&uuml;rgerlichen Zeitungen sind voll von Kommentaren, die verschiedenste Schreckensszenarien f&uuml;r die Weltwirtschaft entwerfen. So schrieb die FAZ: &#x84;Im ung&uuml;nstigsten Szenario hingegen werden der Irak und vielleicht sogar, was nicht allein der &auml;gyptische Staatspr&auml;sident Hosni Mubarak bef&uuml;rchtet, der gesamte Nahe Osten in ein Chaos gest&uuml;rzt. Der &Ouml;lfluss stoppte, die &Ouml;lmultis w&uuml;rden aus der Region vertrieben, und bei Preisen von 50 Dollar f&uuml;r ein Fass &Ouml;l st&uuml;rzte die Weltwirtschaft in eine Rezession.&#x93; Die Financial Times Deutschland f&uuml;hrte aus, dass der Verlust des saudischen &Ouml;ls den Roh&ouml;lpreis auf 75 Dollar pro Barrel ansteigen lassen k&ouml;nnte, was wiederum die weltweite Wirtschaftsleistung zwei Prozentpunkte geringer ausfallen lie&szlig;e. <\/p>\n<p>   Antikriegsbewegung<\/p>\n<p>   Die politischen Folgen eines Krieges gegen den Irak sind nicht abzusch&auml;tzen. Ein Fl&auml;chenbrand im ganzen Nahen Osten, der Sturz der saudischen und &auml;gyptischen Regierungen und eine Eskalation der Konfliktes zwischen Israel und Pal&auml;stina bis hin zum Einsatz der Atombombe durch Israel sind nicht auszuschlie&szlig;en. Sicher wird es zu einer Massenbewegung der arabischen Bev&ouml;lkerung kommen, die die Region in ihren Grundfesten ersch&uuml;ttern wird. <\/p>\n<p>  Auch die westlichen imperialistischen Staaten werden von massenhaften Antikriegsbewegungen ergriffen werden. Wir stehen vor der gr&ouml;&szlig;ten Radikalisierung und Politisierung der Gesellschaft seit &uuml;ber zehn Jahren. Eine neue Generation von Jugendlichen wird sich aktivieren. Die Demonstrationen in Gro&szlig;britannien und Italien der letzten Wochen waren nur ein Vorgeschmack auf das, was bevorsteht. Dies gilt umso mehr, sollte der Krieg l&auml;nger dauern und viele Todesopfer fordern. <\/p>\n<p>  Kein Blut f&uuml;r &Ouml;l!<\/p>\n<p>  Der Krieg wird vielen ArbeiterInnen und Jugendlichen den menschenverachtenden Charakter des Kapitalismus vor Augen f&uuml;hren. Zu offensichtlich ist die Tatsache, dass die Triebfeder dieses Krieges die Profitinteressen der &Ouml;lindustrie sind. <\/p>\n<p>  SozialistInnen wenden sich gegen diesen imperialistischen Krieg und beteiligen sich am Aufbau einer Bewegung, die diesen Krieg stoppen kann. Wir fordern:<\/p>\n<p>  &#8211;    Nein zum Krieg &#x96; egal ob mit oder ohne UN-Mandat! Kein Blut f&uuml;r &Ouml;l!<\/p>\n<p>  &#8211;    USA\/NATO raus aus dem Nahen Osten<\/p>\n<p>  &#8211;    Aufhebung der Sanktionen gegen das irakische Volk<\/p>\n<p>  &#8211;    Schluss mit der Diktatur der Banken und Konzerne &#x96; Nein zu Kriegen f&uuml;r die Profite der Reichen<\/p>\n<p>  Dabei gilt der Widerstand nicht ausschlie&szlig;lich dem US-Imperialismus, sondern auch dem deutschen Imperialismus und Militarismus. Zentrale Forderungen einer Antikriegsbewegung sollten deshalb sein:<\/p>\n<p>  &#8211;    Keine Hilfe f&uuml;r Bushs Krieg: Luftraum sperren, US-Milit&auml;rbasen schlie&szlig;en, R&uuml;ckzug aller deutschen Truppen aus Kuwait<\/p>\n<p>  &#8211;    Nein zu Auslandseins&auml;tzen der Bundeswehr<\/p>\n<p>  &#8211;    Abr&uuml;stung statt Aufr&uuml;stung &#x96; f&uuml;r die &Uuml;berf&uuml;hrung der R&uuml;stungsindustrie in &ouml;ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitende Bev&ouml;lkerung. Umstellung der Produktion auf zivile Produkte.<\/p>\n<p>  Mit dem Krieg wird auch wieder die Propagandamaschine angeworfen und wir werden t&auml;glich &uuml;ber die Gr&auml;ueltaten von Saddam Hussein informiert und die Gefahr, die von seinen Massenvernichtungswaffen ausgehen. Dabei wird nicht erw&auml;hnt werden, dass Saddam bis 1990 vom Westen unterst&uuml;tzt wurde. Saddam ist ein Diktator und er geh&ouml;rt gest&uuml;rzt. Doch das ist die Aufgabe der arbeitenden Bev&ouml;lkerung, der B&auml;uerinnen und Bauern und der Jugend im Irak. Nur sie k&ouml;nnen demokratische Rechte und sozialen Fortschritt erk&auml;mpfen. Der westliche Imperialismus wird im Irak ein abh&auml;ngiges Regime einsetzen, welches nicht dem irakischen Volk, sondern den amerikanischen &Ouml;lkonzernen dienen wird. SozialistInnen stehen in diesem Krieg auf der Seite des irakischen Volkes, nicht auf der Seite des Saddam-Regimes. Dieses untergr&auml;bt durch seinen diktatorischen Charakter und die von ihm ausge&uuml;bte Ausbeutung des eigenen Volkes die Widerstandskraft gegen den US-Imperialismus. Der Sturz des Saddam-Regimes ist eine notwendige Voraussetzung, um den US-Angriff zur&uuml;ckzuschlagen. Der Krieg wird nur zu stoppen sein, wenn Massenbewegungen im Irak und der arabischen Welt mit Massenbewegungen in den USA und Europa zusammen kommen. Wir fordern:<\/p>\n<p>  &#8211;    F&uuml;r den Sturz des Saddam-Regimes und aller anderen Diktaturen<\/p>\n<p>  &#8211;    F&uuml;r eine sozialistische F&ouml;deration im Nahen Osten<\/p>\n<p>  Der Krieg findet zu einer Zeit statt, in der die Weltwirtschaftskrise weltweit zu Betriebsschlie&szlig;ungen, Arbeitsplatzvernichtung und Abbau von sozialen Rechten f&uuml;hrt. Weltweit hat die Arbeiterklasse begonnen, sich zur Wehr zu setzen. Ob die Generalstreiks in Spanien und Italien, die Massenstreiks in Griechenland, Portugal und Gro&szlig;britannien, der Widerstand gegen Privatisierungen in Frankreich oder die Streiks an den H&auml;fen der Westk&uuml;ste der USA &#x96; das Jahr 2002 hat die R&uuml;ckkehr des Klassenkampfes gebracht!<\/p>\n<p>  W&auml;hrend 200 Milliarden Dollar f&uuml;r diesen Krieg ausgegeben werden sollen und weltweit neue R&uuml;stungsprojekte beschlossen werden, ist angeblich kein Geld da, um L&ouml;hne und Sozialstandards aufrecht zu erhalten. Der Kampf gegen das Abw&auml;lzen der Krise auf den R&uuml;cken der Arbeiterklasse muss verbunden werden mit dem Kampf gegen den Krieg. Die Arbeiterklasse und ihre Gewerkschaften sind die Kraft, die einen Krieg stoppen kann. Mit Betriebsversammlungen, Massendemonstrationen und Streiks kann die Kriegsmaschine ins Stocken gebracht werden. Vor allem die Nachschubwege f&uuml;r das Milit&auml;r m&uuml;ssen dabei aufs Korn genommen werden. Die Antikriegsbewegung muss deshalb an die Gewerkschaften herantreten und sich der sozialen Forderungen der Arbeiterklasse annehmen und erkl&auml;ren, dass der Kampf gegen Entlassungen und Lohnk&uuml;rzungen und der Kampf gegen den Krieg zusammen gef&uuml;hrt werden m&uuml;ssen. Die Gewerkschaften m&uuml;ssen aktiv zu den Demonstrationen gegen den Krieg mobilisieren. Ein internationaler Streik- und Protesttag gegen den Krieg w&uuml;rde massenhaft befolgt werden und w&auml;re ein gr&ouml;&szlig;eres Problem f&uuml;r Bush und Blair als jede UN-Resolution Frankreichs oder Presseerkl&auml;rung Schr&ouml;ders.<\/p>\n<p>  Sascha Stanicic<\/p>\n<p>  9.10.2002  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Interessen stecken hinter Bushs Kriegspl&auml;nen?<\/p>\n<p> <i>von Sascha Stanicic, 9.10.2002<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[63],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10187"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10187"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10187\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10187"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10187"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}