{"id":10174,"date":"2002-09-24T20:07:49","date_gmt":"2002-09-24T20:07:49","guid":{"rendered":".\/?p=10174"},"modified":"2002-09-24T20:07:49","modified_gmt":"2002-09-24T20:07:49","slug":"10174","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/09\/10174\/","title":{"rendered":"Nach der Wahl"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"\/modules.php?name=Content&#038;pa=showpage&#038;pid=5\"><img src=\"\/media\/images\/ssz.gif\"[ ]border=\"0\"align=\"right\"><\/a><i>Was der Wahlausgang der Bundestagswahl 2002 f&uuml;r ArbeiterInnen und Jugendliche bedeutet<\/i><\/p>\n<p> Die Verlierer der Bundestagswahl standen schon lange vor dem 22. September fest. F&uuml;r ArbeiterInnen, Jugendliche und sozial Benachteiligte blieb mit Rot-Gr&uuml;n und Schwarz-Gelb nur die Alternative zwischen Pest und Cholera. Rentendeform, Atombeschiss, Kriegsbeteiligung ? vier Jahre Rot-Gr&uuml;n machten es m&ouml;glich, dass Stoiber als besonders reaktion&auml;rer Vertreter des b&uuml;rgerlichen Lagers &uuml;berhaupt eine Chance hatte.<\/p>\n<p> <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nSPD und Gr&uuml;ne haben nach 1998 da weitergemacht, wo Kohl aufgeh&ouml;rt hatte. Deshalb wurde die Wahl zur Qual f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung. Erst in letzter Sekunde kam die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung mit einem blauen Auge davon, weil ein gr&ouml;&szlig;erer Teil von ArbeiterInnen und Jugendlichen eine Neuauflage einer CSU\/CDU-gef&uuml;hrten Regierung dann doch verhindern wollte.<br \/> Das Ausbleiben des ?Politikwechsels? nach dem Regierungwechsel f&uuml;hrte aber dazu, dass die SPD zwei Prozent weniger bekam. Das sind recht begrenzte Verluste, die nur m&ouml;glich wurden, weil in den Wochen vor dem Wahltermin neben der sozialen Frage Schr&ouml;ders &Auml;u&szlig;erungen zu einem drohenden Irak-Krieg in den Vordergrund traten.<br \/> Nachdem die Gr&uuml;nen w&auml;hrend der letzten Legislaturperiode mehr als ein Dutzend Wahlen in Folge erheblich Federn lassen mussten, konnten sie sich um knapp zwei Prozent auf 8,6 Prozent verbessern. Profitieren konnten sie &uuml;berwiegend von taktischen &Uuml;berlegungen derjenigen, die keine gro&szlig;e und keine Koalition der SPD mit der FDP wollten. Zum einen gab es unterm Strich eine halbe Million W&auml;hlerwanderungen von der SPD zu den Gr&uuml;nen, zum anderen entschieden sich viele f&uuml;r einen Splittung der Stimmen: Erststimme SPD, Zweitstimme Gr&uuml;ne.<br \/> Das Debakel der PDS, bedeutet einen R&uuml;ckschlag f&uuml;r die Linke und die Arbeiterbewegung. Allerdings scheiterte die PDS nicht mit einer linken Politik, sondern mit einem Anbiederungskurs an das Establishment und an Schr&ouml;der, dessen Wiederwahl sie erkl&auml;rterma&szlig;en nicht im Wege stehen wollte (siehe Standpunkt).<\/p>\n<p> <font color=\"#cc0000\"><b>Entfremdung<\/b><\/font><\/p>\n<p> B&uuml;rgerliche Medien und etablierte Parteien taten alles, den Wahlkampf in eine Personality-Show umzuwandeln: Ob TV-Duelle oder in Jubelveranstaltungen umfunktionierte Parteitage. Die bundesdeutsche Parteienlandschaft n&auml;hert sich rapide dem US-System an: zwei gro&szlig;e kapitalistische Parteien, direkt abh&auml;ngig von Industrie und Sponsoren, von denen die eine etwas bessere Beziehungen zu den Gewerkschaften unterh&auml;lt, und das Fehlen einer gut verankerten Arbeiterpartei auf nationaler Ebene. <br \/> Diese Entwicklungen sind die tiefere Ursache f&uuml;r die weitverbreitete Entfremdung vom Establishment und dem dramatischen R&uuml;ckgang von Stammw&auml;hlerInnen.<\/p>\n<p> <font color=\"#cc0000\"><b>Einhalt geboten<\/b><\/font><\/p>\n<p> CDU und CSU verkauften das Abschneiden am Wahlabend als einen Umschwung von der SPD zur Union, der in letzter Sekunde angeblich nur auf Grund des M&ouml;llemann-Faktors nicht zum Kanzler- und Regierungswechsel reichte. <br \/> Richtig ist, dass M&ouml;llemanns rechtspopulistisches Schielen nach &Ouml;sterreich, D&auml;nemark und den Niederlanden der FDP schadete. Falsch ist, dass die CDU zu den Gewinnern geh&ouml;rt. Gewonnen hat nur die CSU mit ihren knapp 60 Prozent in Bayern, die CDU stagnierte gegen&uuml;ber 1998. <br \/> Angetreten war Stoiber, um die Politik nach rechts zu dr&uuml;cken. Doch schon im Wahlkampf bekam er zu sp&uuml;ren, dass die Mehrheit der Lohnabh&auml;ngigen eine weitere Rechtsverschiebung nicht mitmachen will. Die Unternehmerschaft, die gro&szlig;e Hoffnungen in eine &Uuml;berwindung des ?Reformstaus? (sprich eine beschleunigte Zerschlagung der &Uuml;berbleibsel des ?Sozialstaates?) durch Stoiber setzten, zeigten sich bald entt&auml;uscht angesichts Stoibers populistischen Zickzackkurs.<br \/> Die rechtsextremen Parteien fielen von zusammen 4,4 Prozent (Reps, DVU, NPD, Bund Freier B&uuml;rger und Pro-D-Mark) 1998 auf 1,8 Prozent (Reps, NPD und Schill) 2002 ab. Der R&uuml;ckgang ist mit darauf zur&uuml;ck zu f&uuml;hren, dass Stoiber potenzielle W&auml;hler rechtsextremer Kr&auml;fte binden konnte.<br \/> &lt;zwischen1&gt;Keine ruhigen Zeiten f&uuml;r Schr&ouml;der<br \/> &lt;text_times&gt;Die Rogowskis, Stihls und Hundts (Vertreter der Arbeitgeber) haben unmissverst&auml;ndlich deutlich gemacht, dass sie den Druck auf die neue rot-gr&uuml;ne Bundesregierung forcieren wollen, um die Krise ihres Wirtschaftssystems auf dem R&uuml;cken der Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen auszutragen. Rot-Gr&uuml;n wird sich in der anstehenden Tarifrunde im &ouml;ffentlichen Dienst und mit den n&auml;chsten Privatisierungsschritten des Gesundheitssystems schnell wieder als Diener des Kapitals erweisen. Schon in den n&auml;chsten Monaten droht dar&uuml;ber hinaus ein neues ?Sparpaket?, wenn das Haushaltsdefizit im Zuge von Rezession und Unternehmergeschenken die Drei-Prozent-Grenze (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) &uuml;bertreffen sollte.<br \/> Zusammen mit dem drohenden Anstieg der Arbeitslosigkeit aufgrund der Massenentlassungen steht die rot-gr&uuml;ne Regierung vor keineswegs ruhigen oder stabilen Zeiten. Die Rekordzeit, in der SPD und Gr&uuml;ne nach der Wahl 98 in die Krise rutschen, k&ouml;nnte jetzt zumindest eingeholt werden.<br \/> Nach 16 Jahren Kohlregierung bestanden vor vier Jahren keine &uuml;berschwenglichen Hoffnungen jedoch gewisse Erwartungen in Rot-Gr&uuml;n. Die Schonfrist f&uuml;r die Neuauflage der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung wird noch k&uuml;rzer sein. Da nicht nur SPD und Gr&uuml;ne, sondern sogar die PDS an die Futtertr&ouml;ge des Kapitals dr&auml;ngen, muss die Organisierung von Gegenwehr einher gehen mit Diskussionen &uuml;ber den Aufbau einer neuen politischen Interessenvertretung f&uuml;r die Arbeiterklasse als Alternative zum etablierten Einheitsbrei und zum kapitalistischen Krisenmanagement. <br \/> Die Ausgangslage ist durch den Wahlausgang, der SPD und Gr&uuml;ne zwingt, weiter Farbe zu bekennen, daf&uuml;r g&uuml;nstiger.<br \/> <i><br \/> Arom Amm ist Mitglied der Bundesleitung der SAV<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"\/modules.php?name=Content&#038;pa=showpage&#038;pid=5\"><img src=\"\/media\/images\/ssz.gif\"[ ]border=\"0\"align=\"right\"><\/a><i>Was der Wahlausgang der Bundestagswahl 2002 f&uuml;r ArbeiterInnen und<br \/>\nJugendliche bedeutet<\/i><\/p>\n<p>Die Verlierer der Bundestagswahl standen schon lange vor dem 22. September<br \/>\nfest. F&uuml;r ArbeiterInnen, Jugendliche und sozial Benachteiligte blieb<br \/>\nmit Rot-Gr&uuml;n und Schwarz-Gelb nur die Alternative zwischen Pest und<br \/>\nCholera. Rentendeform, Atombeschiss, Kriegsbeteiligung ? vier Jahre Rot-Gr&uuml;n<br \/>\nmachten es m&ouml;glich, dass Stoiber als besonders reaktion&auml;rer Vertreter<br \/>\ndes b&uuml;rgerlichen Lagers &uuml;berhaupt eine Chance hatte.<\/p>\n<p><i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10174"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10174"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10174\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}