{"id":10130,"date":"2002-09-11T10:19:31","date_gmt":"2002-09-11T10:19:31","guid":{"rendered":".\/?p=10130"},"modified":"2002-09-11T10:19:31","modified_gmt":"2002-09-11T10:19:31","slug":"10130","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/09\/10130\/","title":{"rendered":"Eine neue Welt f&uuml;r die letzte Supermacht"},"content":{"rendered":"<p><i>von Peter Taaffe, 29. September 2001<\/i><\/p>\n<p>  Eine neue Weltlage hat nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center und das Pentagon begonnen, in der der US-Imperialismus versucht, das weltweite Kr&auml;fteverh&auml;ltnis durch einen &#x84;Krieg&#x93; gegen den globalen Terrorismus entscheidend zu seinen Gunsten zu ver&auml;ndern. Dabei bringt er Millionen Elend und Verheerung. <br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#x84;Wir betrachten B&uuml;rgerkrieg, Revolution, internationalen Konflikt. Wir stehen vor Aufst&auml;nden durch fundamentalistische Fanatiker gegen Amerika und seine Verb&uuml;ndeten&#x93; (The Mirror, 18. September, 2001). Es ist ein Ma&szlig; daf&uuml;r, wie sehr sich die Welt ge&auml;ndert hat und &#x84;v&ouml;llig ge&auml;ndert hat&#x93;, wenn die britische &#x84;popul&auml;re&#x93; (Klatsch)Presse nach den Terrorangriffen auf New York und Washington in so apokalyptischen T&ouml;nen &uuml;ber die Zukunft spricht. Und George &#x84;Dubya&#x93; Bush best&auml;tigt diese schlimme Vision, wenn er bildlich gesprochen seinen Stetson anzieht und im Stil eines Texas Rangers der letzten Tage den Kopf von Osama bin Laden, dem angeblichen T&auml;ter der terroristischen Gr&auml;ueltat &#x84;tot der lebendig&#x93; fordert. <br \/>  Dies wird jedoch kein Zweikampf sein, keine Schie&szlig;erei mit Revolvern zwischen Bush und bin Laden oder seinen Anh&auml;ngern. Teuflische Massenvernichtungswaffen werden eingesetzt werden. Zehntausende oder gar Millionen ArbeiterInnen und B&auml;uerInnen besonders in Afghanistan werden unmittelbar betroffen sein; die Folgen werden weltweit gef&uuml;hlt werden. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld &#x84;verweigerte sogar ein klares &#x84;Nein&#x93; auf die Frage, ob seine Regierung &uuml;ber die Verwendung von taktischen Atomwaffen als letztem Mittel nachdenke.&#x93; (The Independent, 17. September).<br \/>  Das Blutvergie&szlig;en in New York und Washington und die folgende Wut, die besonders durch die USA gefegt ist, hat der herrschenden Klasse der USA die perfekte Gelegenheit gegeben, sich zu kr&auml;ftigen und zu versuchen das weltweite Kr&auml;fteverh&auml;ltnis durch einen Krieg gegen den weltweiten &#x84;Terrorismus&#x93; entscheidend zu ihren Gunsten zu &auml;ndern. Aber wenn dies wirklich ein Krieg ist, dann ist es wie kein anderer, vor dem besonders die USA je gestanden haben. Wie ein strategischer Planer der US-Armee in der &#x84;Washington Post&#x93; erkl&auml;rte: &#x84;Washington l&auml;sst sich vielleicht auf einen endlosen Zerm&uuml;rbungskrieg gegen einen gesichtlosen Feind ein &#x97; man stelle sich einen globalen Vietcong vor&#x93;. <br \/>  Solche Nettigkeiten, praktisch Hinweise auf riesige k&uuml;nftige Schwierigkeiten, scheinen dem einfach gestrickten Kopf von Bush und seinen Beratern keine Sorgen zu bereiten. Ihre Welt ist eingeteilt in die &#x84;Guten&#x93;, US-Kapitalismus und seine Verb&uuml;ndeten, und die &#x84;B&ouml;sen&#x93;, die dunklen Kr&auml;fte des Islamischen Fundamentalismus und Terrorismus, die mit radikalen und sozialistischen Kr&auml;ften zusammengeschmissen werden, die den globalen Kapitalismus ablehnen. W&auml;hrend er versucht, eine &#x84;Koalition&#x93; sogenannter &#x84;gem&auml;&szlig;igter&#x93; arabischer und moslemischer Regime zusammenzukriegen, setzt er auch Holzhammer-Sprache ein, indem er zu einem &#x84;Kreuzzug&#x93; gegen den Terrorismus aufruft, was seine Diplomatie untergraben und &Ouml;l ins Feuer der schon aufgeheizte Stimmung in der islamischen Welt insgesamt gie&szlig;en muss. Die blutigen Kreuzz&uuml;ge vom 11. bis 13. Jahrhundert, die von Massakern an den AraberInnen begleitet waren, sind ins Bewusstsein des arabischen Volks und der islamischen Welt insgesamt einge&auml;tzt. Es ist kein Zufall, dass jeder Vork&auml;mpfer oder angebliche Vork&auml;mpfer der AraberInnen seit Hunderten von Jahren &#x97; einschlie&szlig;lich bin Laden &#x97; die Figur von Saladin, dem Sieger &uuml;ber die Kreuzfahrer, beschworen hat.<br \/>  Bush hat auch auf der H&ouml;he der Krise seine Unf&auml;higkeit gezeigt, indem er zehn Stunden lang mit seinem Pr&auml;sidentenflugzeug verschwand. Seine &#x84;Sicherheitsdienste&#x93; CIA und FBI mit einem Jahreshaushalt von 30 Milliarden Dollar haben auch gezeigt, dass sie in die falsche Richtung geschaut haben und den in den USA t&auml;tigen terroristischen Netzwerken nur minimale Aufmerksamkeit gewidmet haben. W&auml;hrend einer Pressekonferenz nach den Angriffen appellierte der FBI-Chef tats&auml;chlich an arabischsprachige Menschen in der US-Bev&ouml;lkerung, sich zu melden und ihnen in ihrem &#x84;Krieg&#x93; gegen den Terrorismus zu helfen! <br \/>  Aber trotz alledem hat Bush in den Meinungsumfragen Spitzenwerte, mit Zustimmungsraten, die nach nur 50% im Vormonat unmittelbar auf 84% stiegen (und jetzt &uuml;ber 90% sind). Sein Vater George Bush Senior hatte nach dem Erfolg im Golfkrieg auch Zustimmungsraten von 90%. Aber dies schrumpfte wegen der Wirtschaftsrezession der neunziger Jahre auf 37% unmittelbar vor der Pr&auml;sidentschaftswahl 1992. Die patriotische und sogar fremdenfeindliche Welle, die die USA erfasst hat, die Konkurrenz, wer das gr&ouml;&szlig;te Sternenbanner schwenken kann, ist viel gr&ouml;&szlig;er als zur Zeit des Golfkriegs. Der Washingtoner Korrespondent der Zeitung &#x84;Independent&#x93; schrieb offen: &#x84;Die erste Erg&auml;nzung zur Verfassung der Vereinigten Staaten mag vielleicht das Recht auf Redefreiheit sichern, aber f&uuml;rs erste ist es leichter &#x97; und sicherer &#x97; still zu sein&#x93; (19. September, 2001). Dies ist zweifellos die Stimmung in New York, in den Oststaaten allgemein und in den Kleinst&auml;dten in den ganzen USA. Aber sie ist &uuml;berhaupt nicht im ganzen Land einheitlich. Im Westen vielleicht, einem Gebiet mit einem gro&szlig;en Anteil an Latinos und ImmigrantInnen, unter Studierenden etc. gibt es selbst jetzt Zweifel und sogar Opposition gegen die Kriegsvorbereitungen des US-Kapitalismus.<br \/>  Ein Anwalt in Washington kommentierte: &#x84;Niemand will etwas &uuml;ber amerikanische Politik h&ouml;ren oder wie sie das, was passiert ist, beeinflusst oder verursacht haben kann&#x93;. Das wird vorl&auml;ufig der Fall sein. Aber letztlich wird die Ersch&uuml;tterung der &#x84;Festung USA&#x93; die Bev&ouml;lkerung zweifellos zwingen, der Realit&auml;t der Stellung &#x84;des Landes&#x93; in der Welt ins Auge zu schauen. Fast 6.000 starben bei den Terrorangriffen. So schlimm dies ist, dies ist die Zahl der Kinder, die jeden Monat im Irak durch Mangel an Medizin und Nahrung wegen der von den USA verh&auml;ngten &#x84;Sanktionen&#x93; sterben. Wie der Autor Martin Amis schrieb: &#x84;Es wird auch schrecklich schwierig und schmerzhaft f&uuml;r Amerikaner sein, die Tatsache zu schlucken, dass sie gehasst werden und aus einsichtigen Gr&uuml;nden gehasst werden. Wie viele von ihnen wissen zum Beispiel, dass ihre Regierung 5% der irakischen Bev&ouml;lkerung zerst&ouml;rt hat? Wie viele von ihnen &uuml;bertragen diese Zahl auf Amerika (und kommen auf 14 Millionen)?&#x93; (The Guardian, 18. September.) <br \/>  Eine &#x84;Anti-Terror&#x93;-Koalition<br \/>  Die Kriegspsychologie, um nicht zu sagen beinahe Kriegspsychose, die sich binnen Tagen nach der Gr&auml;ueltat vom World Trade Center entwickelte, liefert dem US-Imperialismus, einer verwundeten und w&uuml;tenden wilden Bestie, die Unterst&uuml;tzung, seine massive Milit&auml;rmaschine hochzukurbeln, um sich auf Gegenschl&auml;ge gegen wahrgenommene Feinde vorzubereiten. Die Eigendynamik, die durch die Mobilisierung dieser Milit&auml;rmaschine entsteht, macht irgend eine Art von Milit&auml;raktion unausweichlich. Aber egal, wie sorgf&auml;ltig die milit&auml;rischen Varianten ausgefeilt werden, sie werden den Hass, der in der neokolonialen Welt f&uuml;r den US-Imperialismus und Weltkapitalismus empfunden wird, vertiefen.<br \/>  Aber die Forderung, dass die USA und die Alliierten sofort bin Laden und seine Anh&auml;nger bombardieren, &#x84;dass sie nicht mehr M&auml;h sagen k&ouml;nnen&#x93;, die Forderungen nach Angriffen auf &#x84;Schurkenstaaten&#x93;, die man in den Tagen nach dem Angriff in den USA und Europa laut h&ouml;rte, haben jetzt einer vorsichtigeren Haltung Platz gemacht. Die Sprache des &#x84;Krieges&#x93; wird noch verwendet, aber er wird vorsichtiger abgestimmt und er wird laut Colin Powell und anderen Sprechern lang und langgezogen sein. Es hat selbst der stumpfsinnigen Bush-Regierung ged&auml;mmert, dass Afghanistan geradeheraus anzugreifen, ohne die Unterst&uuml;tzung und Neutralit&auml;t &#x84;gem&auml;&szlig;igter&#x93; islamischer oder arabischer Regimes wie beim Golfkrieg zu suchen, die ganze islamische Welt gegen sie aufbringen w&uuml;rde. Die Aussicht, den schlafenden Riesen von 1,2 bis 1,5 Milliarden in der islamischen Welt zu wecken, erf&uuml;llt die kapitalistischen Strategen mit Furcht. Die gr&ouml;&szlig;te &#x84;moslemische&#x93; Nation ist nicht mal im Nahen Osten, sondern Indonesien in Ostasien. Daher die sorgf&auml;ltige Schaffung einer Kriegs&#x93;koalition&#x93;, die wenigstens zu Beginn viel umfassender, wenn auch nicht so tief, wie zur Zeit des Golfkriegs ist. <br \/>  Der europ&auml;ische Kapitalismus, besonders die Franzosen und Deutschen, die in der Vergangenheit Abstand zu den USA hielten, eilten als erste zur Unterst&uuml;tzung von Bushs kriegslustiger &#x84;Kriegs&#x93;erkl&auml;rung. Dies machte einer vorsichtigeren Haltung Platz, als die M&ouml;glichkeit eines tats&auml;chlichen Krieges drohte. Tony Blair, Bushs Quartiermeister, bekam offensichtlich den Job, die Zweifel der europ&auml;ischen b&uuml;rgerlichen Regierungen zu beschwichtigen und sie auf Bushs Kriegszug zu bringen. <br \/>  Im Nahen Osten eilte Jassir Arafat, der glaubt, dass er mit der Unterst&uuml;tzung des Iraks im Golfkrieg einen Fehler gemacht hat, sofort zur Unterst&uuml;tzung des US-Imperialismus und erkl&auml;rte einen &#x84;Waffenstillstand&#x93;. Dies erwischte die rechte israelische Regierung von Scharon v&ouml;llig auf dem falschen Fu&szlig;, die unter dem Deckmantel der Krise versuchte, arabisches Land einzunehmen, eine Pufferzone zu schaffen und pal&auml;stinensische St&auml;dte anzugreifen und zu besetzen. Er wurde durch den Druck des US-Imperialismus gezwungen, zum R&uuml;ckzug zu blasen. Putin in Russland, der in seinen eigenen &#x84;Krieg gegen Islamischen Fundamentalismus&#x93; in Tschetschenien verstrickt ist, hat die USA unterst&uuml;tzt. Selbst Iran und die Hisbollah-Guerrillas im Libanon, ebenso wie Syrien, haben zusammen mit Gaddafis libyschem Regime alle zusammen die Angriffe unterst&uuml;tzt, ohne bisher offen der &#x84;Koalition&#x93; beizutreten. Iran hat angedeutet, dass es sich sogar an so einem Unternehmen beteiligen w&uuml;rde, solange es als Projekt der &#x84;Vereinten Nationen&#x93; aufgeputzt w&auml;re. China hat das Gleiche gemacht. Ihre Haltung ist nicht so sehr Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die USA &#x84;aus vollem Herzen&#x93;, sondern Befolgung der alten Regel &#x84;der Feind meines Feindes ist mein Freund&#x93;.<br \/>  Wie diese Unterst&uuml;tzung dastehen wird, sobald die Milit&auml;raktion beginnt, ist eine v&ouml;llig andere Frage. Aber beginnen wird sie angesichts der Eigendynamik, die nicht nur durch die USA geschaffen wurde, sondern auch durch die Inkraftsetzung der &#x84;Alle f&uuml;r einen&#x93;-Erkl&auml;rung durch die NATO &#x97; Artikel 5 ihrer Satzung &#x97; zum ersten Mal in ihrer 51-j&auml;hrigen Geschichte. Zum allermindesten wird es Luftschl&auml;ge gegen bin Laden und seine Basen in Afghanistan geben. Der US-Imperialismus hat durch das Mittel des Muscharraf-Regimes in Pakistan versucht, das Taliban-Regime zur Aush&auml;ndigung von bin Laden zu zwingen. So ein Schritt ist f&uuml;r die Taliban zwar nicht unm&ouml;glich, aber problematisch. Die Macht von bin Laden in einem geschw&auml;chten Afghanistan zeigt sich daran, dass er das Geld f&uuml;r viele Staatsfunktionen liefert, einschlie&szlig;lich der Aufrechterhaltung des Milit&auml;rs. Sein j&auml;hrlicher Beitrag wird auf zwischen 50 Millionen Dollar und &uuml;ber 100 Millionen Dollar gesch&auml;tzt. Obendrein w&uuml;rde das Festnehmen und T&ouml;ten von bin Laden nicht das bestehende terroristische Netzwerk zerschlagen. Seine Organisation dient als Dachorganisation, als &#x84;Denkfabrik&#x93;, eine Art &#x84;Ford Foundation f&uuml;r Terrorismus&#x93;, die angeblich in mindestens 60 L&auml;ndern vertreten ist. <br \/>  In den Ideen von bin Laden und seinen Anh&auml;ngern ist nichts Radikales oder Fortschrittliches, wenn m&ouml;glich sind sie rechts von dem schlimmen theokratischen Regime in Saudi-Arabien. Sie sind der Wahhabi-Sekte entsprungen, die Saudi-Arabien beherrscht, und greifen auf den &#x84;reinen Islam&#x93; des neunten Jahrhunderts zur&uuml;ck und glauben, dass alle au&szlig;er ein paar Auserw&auml;hlten, dem &#x84;Haus des Friedens&#x93;, Abtr&uuml;nnige sind. Das umfasst alle anderen MoslemInnen. Alle aus dem Westen &#x97; J&uuml;dInnen und ChristInnen &#x97; werden ihr Leben verwirkt haben, wenn sie sich nicht zum Islam bekehren. Und ein Vertreter dieser mittelalterlichen Ideen, bin Laden, wurde von CIA und der pakistanischen Armee und Geheimdiensten gegen die RussInnen in Afghanistan unterst&uuml;tzt, bewaffnet und finanziert. Sie schufen ein Frankenstein-Monster, das mit m&ouml;rderischen Ergebnissen auf das amerikanische Volk zur&uuml;ckgefallen ist, und halfen, Afghanistan ins finstere Mittelalter zur&uuml;ckzuwerfen.<br \/>  Der Albtraum in Afghanistan<br \/>  Die kriegslustigen Drohungen von Sprechern des US-Kapitalismus, Afghanistan &#x84;zur&uuml;ck in die Steinzeit&#x93; zu bomben, treffen nicht; es ist schon mitten in der Steinzeit. Die Lebenserwartung ist &#x84;nach dem Statistischen B&uuml;ro auf 42 Jahre f&uuml;r Frauen und 40 f&uuml;r M&auml;nner gefallen&#x93; (New York Times Service, zitiert in der International Herald Tribune, 14. September). Von 26 Millionen Menschen, sind mindestens f&uuml;nf Millionen aus dem Land geflohen. Die Wirtschaft ist in Tr&uuml;mmern, Trockenheit und Hungersnot suchen die Zur&uuml;ckgebliebenen heim. Die USA bereiten sich auf die Bombardierung dieses Landes vor, aber noch im Mai diesen Jahres hat die US-Regierung mit Zustimmung von Colin Powell 30 Millionen Dollar gespendet. <br \/>  Die Milit&auml;rlogistik f&uuml;r jede erwogene Aktion ist ein Albtraum. Dies ist vielleicht die ungastlichste Region der Erde. Selbst Dschingis Khan und seine Goldene Horde umgingen Afghanistan; Alexander der Gro&szlig;e hielt sich drei Jahre. Es war der Friedhof einfallender ausl&auml;ndischer Armeen von den Briten im 19. Jahrhundert bis zu den Russen in den achtziger Jahren. Wie ein fr&uuml;herer russischer Oberst, der in Afghanistan k&auml;mpfte, kommentierte: &#x84;Wenn die Amerikaner in den Krieg ziehen, tun mir die Jungs leid &#x85; Vietnam wird im Vergleich dazu ein Picknick sein&#x93;. <br \/>  Die RussInnen verloren 60.000 Mann in den Bergen und T&auml;lern von Afghanistan. Zus&auml;tzlich gibt es sch&auml;tzungsweise 10 Millionen Minen &#x97; gelegt von den Russen &#x97; die auf Feldern, an Bergh&auml;ngen, neben Stra&szlig;en, um die gro&szlig;en St&auml;dte, entlang der Bew&auml;sserungskan&auml;le liegen. Robert Fisk berichtet: &#x84;Im Durchschnitt werden zwischen 20 und 25 afghanische M&auml;nner, Frauen und Kinder t&auml;glich von Minen in die Luft gesprengt &#x97; selbst wenn wir die niedrigere Zahl nehmen, bedeutet das 73.000 zivile Opfer durch diese Minen in den letzten zehn Jahren allein&#x93;. 27 der 29 afghanischen Provinzen sind mit Minen gespickt. Daher w&uuml;rde jede Bodeninvasion und auch das Aufstacheln nationalistischer afghanischer Massenopposition, selbst durch die, die k&uuml;rzlich aus Kabul geflohen sind, auch dem Albtraum eines praktisch v&ouml;llig verminten Landes gegen&uuml;berstehen. Der Massengebrauch von Hubschraubern ist technisch m&ouml;glich, w&auml;re aber auch schwierig. Es scheint, dass Hubschrauber, die in einer H&ouml;he &uuml;ber 1000 Meter arbeiten nicht das selbe Gewicht an Personal und Ausr&uuml;stung tragen k&ouml;nnen wie bei anderen Operationsfeldern. Obendrein braucht eine Bodentruppe eine sichere Basis, etwas was bei den in dieser Region wirkenden geopolitischen Faktoren schwierig, wenn nicht unm&ouml;glich ist.<br \/>  Auf das diktatorische Muscharraf-Regime in Pakistan wurde heftiger Druck ausge&uuml;bt, um die Taliban zur &Uuml;bergabe bin Ladens zu zwingen und m&ouml;glicherweise Einrichtungen f&uuml;r eine Operationsbasis gegen Afghanistan bereitzustellen. Ein Spitzenbeamter in Islamabad beschwerte sich gegen&uuml;ber der Financial Times: &#x84;Die USA sagten uns: &#x84;Ihr seid entweder f&uuml;r uns oder gegen uns&#x93; &#x85; Unter diesen Umst&auml;nden hatten wir keine Wahl als zu unterschreiben&#x93;. Wie bei &Auml;gypten w&auml;hrend dem Golfkrieg locken die USA mit der Aussicht auf (teilweise) Schuldenstreichung der 36 Milliarden Dollar Schulden von Pakistan als Gegenleistung f&uuml;r seine Hilfe. Die pakistanische herrschende Elite, besonders Armee und Geheimdienst schufen die Taliban praktisch und f&ouml;rderten sie. Tariq Ali betonte im &#x84;Independent&#x93;: &#x84;In Pakistan selbst bezog der Islamismus seine St&auml;rke mehr aus staatlicher F&ouml;rderung als aus Unterst&uuml;tzung in der Bev&ouml;lkerung. Der Aufstieg des religi&ouml;sen Fundamentalismus ist das Erbe des fr&uuml;heren Milit&auml;rdiktators General Zia ul-Haq, der w&auml;hrend seiner elfj&auml;hrigen Diktatur von Washington und London unterst&uuml;tzt wurde&#x93;. Er schuf ein Netzwerk von Madrassahs (religi&ouml;sen Internaten), die vom saudischen Regime finanziert wurden. Ali kommentiert: &#x84;Die Madrassahs hatten nur ein Ziel: die Produktion von entwurzelten Fanatikern im Namen von finsterem islamischem Kosmopolitismus&#x93;. Diese 2.500 religi&ouml;sen Internate erzeugten &#x84;eine Brut von 225.000 Fanatikern, die bereit waren, f&uuml;r ihren Glauben zu t&ouml;ten und zu sterben, wenn ihre religi&ouml;sen F&uuml;hrer das verlangten&#x93;. <br \/>  Ein Hauptergebnis war, dass die Taliban in Afghanistan an die Macht kamen. Religi&ouml;ser Eifer allein h&auml;tte den Sieg f&uuml;r die Taliban nicht garantiert. Es war die pakistanische Armee, die mittels &#x84;Freiwilliger&#x93; ihre Erfolge garantierte. Obendrein war dies der einzige &#x84;Sieg&#x93; f&uuml;r die pakistanische Armee, daher ihre hartn&auml;ckige Unterst&uuml;tzung der Taliban bis jetzt. Angeheizt durch die F&auml;ulnis und Korruption aufeinander folgender pakistanischer Regimes und auch die Verschlechterung der Bedingungen f&uuml;r die schon verarmten Massen, hat der Fundamentalismus jetzt auch tiefe Wurzeln in Pakistan selbst geschlagen.<br \/>  Das Muscharraf-Regime m&ouml;chte nicht vom Regen in die Traufe kommen. Trotz US-Druck ist es f&uuml;r sie unm&ouml;glich, wie das saudische Regime 1991 im Golfkrieg Basen f&uuml;r US-Truppen zu erlauben. Die Saudis herrschen weitgehend &uuml;ber W&uuml;ste, haben eine versprengte Bev&ouml;lkerung und konnten die Forderungen der USA im Golfkrieg erf&uuml;llen. Aber selbst das war um den Preis der Anregung von Opposition durch ihre eigene Spielart von islamischen Fundamentalisten wie bin Laden. Bei Pakistan ist es eine v&ouml;llig andere Sache bei einer Bev&ouml;lkerung von 140 Millionen und einem massiven Wachstum des Fundamentalismus, das sich auf alle Teile der Bev&ouml;lkerung ausgewirkt hat, einschlie&szlig;lich der Armee und dem Geheimdienst. Der fr&uuml;here Geheimdienstchef beschwerte sich in der &#x84;Financial Times&#x93;: &#x84;Amerika hat atemberaubende Arroganz gezeigt, als es Pakistan erneut aufforderte, zu zeigen, dass es ein Freund ist &#x85; Wir gaben in den achtziger Jahren alles, um Amerika zu helfen, die Sowjetunion aus Afghanistan zu vertreiben, und als wir nicht mehr in ihre Interessen passten, lie&szlig;en uns die Amerikaner einfach fallen&#x93;. Der General wies weiter darauf hin, dass bin Laden Teil einer anti-sowjetischen Mudschaheddin-Gruppe war, die w&auml;hrend der achtziger Jahre mindestens 10 Millionen Dollar aus den USA erhielt. &#x84;Obendrein wuchs das Taliban-Regime von Afghanistan direkt aus den gro&szlig;z&uuml;gigen Mitteln, die die USA islamischen Mudschaheddin-Gruppen in den achtziger Jahren gaben&#x93; (18. September). Ein anderer General sprudelte einfach gegen&uuml;ber Tariq Ali heraus, dass sie nach dem Kampf gegen die Russen gro&szlig;en Undank durch die USA erfuhren: &#x84;Pakistan war das Kondom, das die USA brauchten, um in Afghanistan einzudringen. Wir haben unseren Zweck erf&uuml;llt und sie denken, sie k&ouml;nnen uns in der Toilette runtersp&uuml;len&#x93;. Es ist wahrscheinlich, dass Muscharraf bestenfalls die Nutzung des pakistanischen Luftraums zulassen wird.<br \/>  Muscharraf ist wahrscheinlich so weit gegangen wie er konnte, indem er die Taliban zur Aush&auml;ndigung von bin Laden dr&auml;ngte. Der Herausgeber einer pakistanischen Zeitung erkl&auml;rte: &#x84;Wenn Muscharraf nicht zusammen mit den Amerikanern geht, wird er zerdr&uuml;ckt. Aber wenn er geht, wird es einen starken innenpolitischen Gegenschlag geben&#x93; (17. September). Praktisch wird dies das Signal f&uuml;r Spaltungen im Staat, besonders in der Armee, und m&ouml;glicherweise einen B&uuml;rgerkrieg mit einem Massenaufstand der Fundamentalisten sein, was eine Spaltung in der Armee selbst riskieren w&uuml;rde. Das Ergebnis von all dem w&auml;re, dass, wenn die US nicht sehr vorsichtig sind, ein islamisch-fundamentalistisches Regime in Pakistan selbst an die Macht k&auml;me, das in diesem Fall mit Atomwaffen bewaffnet w&auml;re. <br \/>  Eine andere M&ouml;glichkeit ist die Stationierung von Truppen in der nordafghanischen Provinz Badakhschan. Dieses Gebiet ist unter der Kontrolle der Nordallianz, die bis zu dessen Ermordung von Ahmed Schah Masood und seinem &#x84;liberaleren&#x93; islamischen Regime gef&uuml;hrt wurde, und etwa 5% des afghanischen Gebiets h&auml;lt. In diesem Gebiet ist die Ausbildung von Frauen erlaubt, im Unterschied zur der ihnen unter dem Taliban-Regime zugef&uuml;gten Barbarei. Es gibt Spekulationen, dass Masood von bin Ladens Unterst&uuml;tzern unmittelbar vor den Angriffen auf das World Trade Center ermordet wurde, damit er kein Anziehungspunkt f&uuml;r die Anti-Taliban-Kr&auml;fte wird. Aber selbst in dieser Region g&auml;be es Z&ouml;gern, die Stationierung von US-Truppen zu dulden, um nicht als &#x84;imperialistische Marionetten&#x93; etikettiert zu werden. Es gibt Hinweise, dass die US-Regierung vor den Selbstmordattentaten sowieso Schritte gegen die Taliban vorbereitete.<br \/>  Die Wurzeln des Terrorismus<br \/>  Die Instabilit&auml;t, die im Fundament des Taliban-Regimes eingebaut ist, wurde f&uuml;r den US-Imperialismus und seine Verb&uuml;ndeten zunehmend unannehmbar. Unabh&auml;ngig davon, welche Form von Milit&auml;raktion stattfindet, gibt es Versuche, eine Anti-Taliban-Koalition von Afghanen zusammenzubringen m&ouml;glicherweise um den gest&uuml;rzten und ins Exil geschickten K&ouml;nig Zahir Schah, die installiert werden soll, sobald die Taliban gest&uuml;rzt sind. Der US-Imperialismus hat aus fr&uuml;heren Einf&auml;llen in die neokoloniale Welt gelernt, dass es f&uuml;r ausl&auml;ndische Invasoren nicht m&ouml;glich ist, ein Gebiet &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum zu halten, ohne wirkliche und gesellschaftliche Unterst&uuml;tzung vor Ort zu finden. Als die russischen Stalinisten in Afghanistan intervenierten, um ein sympathisierendes Regime milit&auml;risch zu unterst&uuml;tzen, halfen sie bei der Einf&uuml;hrung ernsthafter Reformen bei Boden, der Abschaffung des Brautpreises etc. Das pro-russische Regime von Nadschibullah hatte in einem Stadium trotz seines diktatorischen und undemokratischen Charakters eine gewisse popul&auml;re Basis in der Gesellschaft. Es ist eine offene Frage, ob sie sich ohne die Intervention von US-Imperialismus, die F&ouml;rderung der Mudschaheddin und die folgende &Uuml;berschwemmung der Region mit Geld, Waffen und Drogen, die die Bev&ouml;lkerung der Region seitdem heimgesucht haben, in irgend einer Form gehalten h&auml;tten. Eine Milit&auml;raktion wird von einem Versuch des Imperialismus begleitet sein m&uuml;ssen, die barbarische Lage in Afghanistan wirtschaftlich zu verbessern. <br \/>  Zuerst jedoch muss der US-Imperialismus die Stimmung f&uuml;r Vergeltung f&uuml;r die mehr als 5.000 Toten durch die Selbstmordattentate bes&auml;nftigen, die er selbst in den USA aufgebaut hat. Dies obwohl sie sich bewusst oder halb bewusst sind, dass gerade die Bedingungen, die ihr System geschaffen und aufrechterhalten hat, die Brutst&auml;tte f&uuml;r Terrorismus in allen seinen Formen ist. Obendrein wird eine Milit&auml;raktion die Probleme versch&auml;rfen. Manche b&uuml;rgerlichen Kommentatoren erkennen dies &#x97; zum Beispiel Moises Naim, Herausgeber der Zeitschrift Foreign Policy, schrieb in der &#x84;Financial Times&#x93;: &#x84;Terrorismus hat es immer gegeben und er wird nicht beseitigt werden. In der Tat hat die Globalisierung sie zu viel h&auml;rteren Gegnern gemacht, indem sie die Beweglichkeit, Behendigkeit und globale Reichweite der Terroristen vergr&ouml;&szlig;ert hat&#x93;. Er kommentiert dann: &#x84;Es mangelt der Welt auch nicht an fruchtbaren Brutst&auml;tten f&uuml;r k&uuml;nftige Terroristen. Dies k&ouml;nnen Fl&uuml;chtlingslager sein, die das Heim von Millionen durch Krieg, ethnische oder gescheiterte Staaten Vertriebene sind, oder Wohngebiete so gro&szlig; wie ganze St&auml;dte, wo das Versprechen des M&auml;rtyrertums der einzige Weg aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ist: Der Nachschub an Freiwilligen wird stetig, vielf&auml;ltig und reichlich sein&#x93;. Der Tod von bin Laden und seinem Netzwerk wird den Terrorismus genauso wenig beseitigen wie die Beseitigung von Pablo Escobar, dem Chef des m&auml;chtigsten und gewaltt&auml;tigsten Drogenkartells die Drogenbanden und ihren Handel das Handwerk legte. Er wurde nach seiner Ermordung schnell ersetzt. Der 30-j&auml;hrige Krieg gegen die kolumbianischen Guerillas ist auch gescheitert. Der vom US-Imperialismus ins Leben gerufene &#x84;Plan Colombia&#x93; ist auch untauglich, die Guerillas oder den Drogenhandel zu beseitigen.<br \/>  Obendrein gibt es die &#x84;Brennpunkte&#x93;, die Figuren wie bin Laden hervorbringen k&ouml;nnen, &uuml;berall auf der Welt. Es gibt sie in Kolumbien, auch in den Spannungen zwischen Indien und Pakistan. Indien ist geschickt eingesprungen und hat dem US-Imperialismus Basen zur Verwendung gegen die Taliban angeboten, aber unter der Bedingung, dass die USA im Konflikt um Kaschmir sich heftig auf ihre Seite schlagen. Der vor&uuml;bergehende Waffenstillstand im Nahen Osten ist weit davon entfernt, eine dauernde L&ouml;sung zu sein. Ein weiterer Ausbruch des Konflikts ist unvermeidlich. <br \/>  Trotz der scheinbar ungehinderten Macht des US-Imperialismus werden seine Aktionen in den n&auml;chsten Wochen und Monaten die Bedingungen f&uuml;r eine Wiederholung der Schrecken des World Trade Center schaffen. Ein US-Kommentator hat dies als &#x84;Gesetz der unbeabsichtigten Folgen&#x93; bezeichnet, &#x84;wonach jede Aktion ausgezeichnete Chance hat, eine entgegengesetzte und v&ouml;llig unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Reaktion hervorzubringen&#x93; (Anthony Lewis, New York Times, 17. September). <br \/>  US-Aktionen in den achtziger Jahren bei der Unterst&uuml;tzung der Mudschaheddin in Afghanistan haben den Albtraum geschaffen vor dem die USA heute stehen. Milit&auml;raktion in der einen oder anderen Form wird noch gr&ouml;&szlig;ere Probleme in der Zukunft schaffen. Das Problem wird fortbestehen, so lange der Kapitalismus und sein Hauptverteidiger im Weltma&szlig;stab, der US-Imperialismus, bestehen. Letztlich entstr&ouml;mt Terrorismus aus einer gespaltenen, in Klassen gespaltenen und ungleichen Welt, aus Armut, Erniedrigung und Kriegen. Vor&uuml;bergehend kann er beseitigt erscheinen, aber er wird wachsen, wenn die zugrunde liegenden Bedingungen die selben bleiben. Gleichzeitig ist er ein Ausdruck der Schw&auml;che der organisierten Arbeiterbewegung und des Fehlens einer klaren sozialistischen und marxistischen F&uuml;hrung im Weltma&szlig;stab und besonders in den entwickelten industrialisierten L&auml;ndern.<br \/>  Vorbereitung der Heimatfront<br \/>  Eine entscheidende Zutat f&uuml;r die F&auml;higkeit des US-Imperialismus, in der Welt herumzutoben, ist die Unterst&uuml;tzung der F&uuml;hrer der fr&uuml;heren Massenparteien der Arbeiterbewegung wie Blair, Schr&ouml;der, Jospin, etc. f&uuml;r Bush. Unter dem Deckmantel des terroristischen Angriffs beginnen sie eine Offensive gegen demokratische und B&uuml;rgerfreiheiten. In den USA haben die Geheimdienste, die sich in dieser Krise als unzul&auml;nglich erwiesen, angeblich eine Hand hinter den R&uuml;cken gebunden. In Wirklichkeit haben CIA und FBI trotz gegenteiliger Kongress- und Pr&auml;sidentenanweisungen keinen Augenblick ihre Beteiligung an &#x84;schmutzigen Tricks&#x93; gegen Gegner der US-Regierung und des Kapitalismus gestoppt. Aber jetzt haben Cheney und Rumsfeld die Samthandschuhe ausgezogen und k&ouml;nnen offen die Aufhebung des pr&auml;sidialen Verbots der Ermordung ausl&auml;ndischer Gegner der USA fordern. Abh&ouml;ren von Telefonen, illegales &Ouml;ffnen von Post, die Genehmigung von all dem durch die US-Regierung wird jetzt vorgeschlagen. Eine gewisse Militarisierung der US-Gesellschaft &#x97; ein Hauch von Jack Londons &#x84;Eiserner Ferse&#x93; &#x97; findet statt. Dies wurde in Britannien nachgeahmt, wo Innenminister David Blunkett den Boden f&uuml;r die Einf&uuml;hrung von Personalausweisen bereitet, ein weiterer Schritt in die Richtung weiterer &Uuml;berwachung und Kontrolle der Bev&ouml;lkerung durch die Regierung. Gegen diese Angriffe auf Grundfreiheiten und demokratische Rechte wird es Widerstand geben, wenn auch zuerst nur durch eine Minderheit. <br \/>  In den USA gibt es der Kriegshysterie zum Trotz Stimmen gegen die Kriegsvorbereitungen. Selbst in New York gab es auf Trauerveranstaltungen f&uuml;r die Opfer der Angriffe auf das World Trade Center pazifistische Plakate mit der Aufschrift &#x84;Auge um Auge bedeutet, dass die ganze Welt blind wird&#x93;. Daneben wurde John Lennons &#x84;Give Peace A Chance&#x93; gesungen. Unter Studierenden und jungen Menschen allgemein wird Opposition gegen die Pl&auml;ne von Bush und dem US-Kapitalismus wachsen und sp&auml;ter in gr&ouml;&szlig;eren Teilen der US-Bev&ouml;lkerung ein Echo finden.<br \/>  Der US-Imperialismus versucht jetzt, die Terrorangriffe und die bestehende Stimmung zu nutzen, um das Nach-Vietnam-Syndrom ernsthaft zu brechen. Bisher h&auml;tte die US-Bev&ouml;lkerung es nicht akzeptiert, wenn eine gr&ouml;&szlig;ere Zahl ihrer jungen M&auml;nner und Frauen wie im Vietnamkrieg in Leichens&auml;cken nach Hause k&auml;men. Wenn der US-Imperialismus Kriege f&uuml;hren musste, war es durch Berufseinheiten oder die Luftwaffe, die mit High-Tech-Waffen bewaffnet sind &#x97; die Bombardierung von Serbien oder der Golfkrieg gegen den Irak &#x97; mit wenig oder keinem Einsatz von Bodentruppen. All dies m&ouml;chte der US-Kapitalismus mit dem Argument &auml;ndern, dass sie mit den fast 6.000, die im World Trade Center und Pentagon gestorben sind, &#x84;schon Leichens&auml;cke haben&#x93;. F&uuml;nfzigtausend ReservistInnen wurden mobilisiert und es gibt sogar Spekulation in der Presse, dass wenn die USA in einem &#x84;langgezogenen Krieg&#x93; verwickelt sind, die Wehrpflicht wieder auf der Tagesordnung stehen k&ouml;nnte. Dies wird selbst in diesem Stadium auf den Widerstand besonders von Frauen sto&szlig;en, die sich der Idee widersetzen werden, ihre S&ouml;hne und T&ouml;chter f&uuml;r ungewinnbare &#x84;Kriege&#x93; herzugeben, wenn sie nicht unbedingt notwendig sind. <br \/>  Die Opposition wird wachsen, obwohl Bush noch gr&ouml;&szlig;ere Unterst&uuml;tzung im Kongress als zur Zeit der Golf-von-Tonkin-Resolution 1964 erhalten hat (die nur zwei Kongressabgeordnete ablehnten), die zur Verwicklung der USA in die Vietnam-Katastrophe f&uuml;hrte. Jetzt stimmte nur eine Kongressabgeordnete, die die Bezirke der Berkeley-Universit&auml;t und Oakland in Kalifornien vertritt, gegen unbeschr&auml;nkte Vollmachten f&uuml;r Bush. Diese Einm&uuml;tigkeit wird angesichts wachsender Probleme, die bei der F&uuml;hrung dieses &#x84;Krieges&#x93; auftreten werden, nicht halten.<br \/>  Am Horizont droht auch, besonders wenn der US-Imperialismus milit&auml;risch in der Welt w&uuml;tet, der Horror des Ausbruchs von &#x84;Bio-Terrorismus&#x93;, biologischem, chemischem und Krankheitserreger-Krieg, der von Terroristen eingesetzt wird. Dazu kommt das Albtraum-Szenario von Terroristen, die Atomsprengk&ouml;pfe in Koffern verwenden oder Atomkraftwerke in den USA und anderswo bombardieren. <br \/>  Aber gleichzeitig wird sich in den USA und &uuml;berall in der kapitalistischen Welt parallel zu den milit&auml;rischen Bem&uuml;hungen des US-Imperialismus und seiner Verb&uuml;ndeten ein anderer &#x84;Krieg&#x93; entfalten: ein Klassenkrieg. Dies wird sich aus dem unausweichlichen Widerstand der Menschen aus der Arbeiterklasse gegen die Versuche der Kapitalisten ergeben, diesen Konflikt als Deckmantel zur Durchf&uuml;hrung umfassender Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse zu verwenden. Anderswo behandeln wir die wirtschaftlichen Folgen und die Wahrscheinlichkeit einer tiefen Rezession in den USA und in der ganzen kapitalistischen Welt. Aber die Menschen aus der Arbeiterklasse werden sich, nachdem die ersten anf&auml;nglichen Wirkungen der Angriffe verdaut sind, gegen die Entlassungen wehren, die schon bei den Fluggesellschaften und bei der zivilen Flugzeugindustrie begonnen haben, bei denen ein Drittel der Boeing-Besch&auml;ftigten entlassen wurden. <br \/>  Im Gefolge der Angriffe auf das World Trade Center und Pentagon hat eine neue Periode begonnen. Die terroristischen Methoden der Gruppen, die diese Angriffe durchgef&uuml;hrt haben, haben den herrschenden Klassen die Gelegenheit gegeben, ihre Stellung zu festigen, ihren Staatsapparat zu st&auml;rken und den Lebensstandard der Arbeiterklasse anzugreifen. Dies unterstreicht die Argument, die der Marxismus immer gegen terroristische Methoden vorgebracht hat, die von Verschw&ouml;rergruppen angewandt werden, egal welche Ursachen ihnen zugrunde liegen &#x97; Unterdr&uuml;ckung, Diskriminierung, Armut etc.: sie haben immer den entgegengesetzten Effekt zu dem, was als sich die vorstellen, die sie aus&uuml;ben.<br \/>  In der Vergangenheit mussten MarxistInnen, die sich auf Massenaktion st&uuml;tzen, individuellen Terrorismus ablehnen, vor allem waren das Aktionen von Individuen oder Kleingruppen zur Ermordung einzelner Vertreter der herrschenden Klasse, die einfach durch neue F&uuml;hrer ersetzt w&uuml;rden. Die Angriffe auf die USA sind aber eine Form von Massenterrorismus der von einer Verschw&ouml;rergruppe ausgef&uuml;hrt wird, der nicht nur Symbolen des Reichtums und der Macht der USA Schl&auml;ge versetzt, sondern auch wahllos die Leben Tausender einfacher Leute fordert. <br \/>  So lange Marxismus, Sozialismus und die organisierte Arbeiterbewegung schwach bleiben, sind solche Zwischenf&auml;lle nicht nur m&ouml;glich, sondern unvermeidlich. Aber unter dem Eindruck der neuen Lage, die sich entwickelt, wird die Arbeiterbewegung beginnen, ihre Kr&auml;fte neu zu sammeln und vorw&auml;rts zu gehen. Dies zeigen die Ereignisse um die antikapitalistische, Antiglobalisierungsbewegung, besonders in Genua, die diesen Angriffen vorausging. Diese Stimmung ist nicht verschwunden und wird wieder an die Oberfl&auml;che kommen mit der zus&auml;tzlichen Dimension von Friedensbewegungen gegen den Krieg. Die neue aufgew&uuml;hlte und gewaltsame &Auml;ra, in die wir eintreten, ist letztlich das Produkt der Klassengesellschaft. Sie ist die Verantwortung einer Klasse, der Kapitalisten, die unf&auml;hig zur L&ouml;sung der Probleme der Welt ist &#x97; Armut, Arbeitslosigkeit, Entbehrung etc. So schockierend die Ereignisse des World Trade Centers sind, aus diesem Blutbad wird sich eine Schicht erheben, die Fragen stellen wird, warum diese schrecklichen Ereignisse stattfinden, warum gro&szlig;e Teile schon in einer kapitalistischen Barbarei versinken. Sie werden entdecken, dass das kapitalistische System unf&auml;hig zur Befriedigung der Bed&uuml;rfnisse einer Mehrheit auf dem Planeten ist, und werden sich den Ideen des Sozialismus und Marxismus zuwenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><i>von Peter Taaffe, 29. September 2001<\/i><\/p>\n<p> Eine neue Weltlage hat nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center und das Pentagon begonnen, in der der US-Imperialismus versucht, das weltweite Kr&auml;fteverh&auml;ltnis durch einen &#x84;Krieg&#x93; gegen den globalen Terrorismus entscheidend zu seinen Gunsten zu ver&auml;ndern. 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