{"id":10127,"date":"2002-09-11T10:11:01","date_gmt":"2002-09-11T10:11:01","guid":{"rendered":".\/?p=10127"},"modified":"2002-09-11T10:11:01","modified_gmt":"2002-09-11T10:11:01","slug":"10127","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/09\/10127\/","title":{"rendered":"Per Olsson: Krieg &amp; Frieden im 21. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<p>[<a href=\"http:\/\/www.socialismtoday.org\/\">Socialism Today<\/a>, Nr. 49, Juli-August 2000]<br \/> Ist Krieg zwischen Nationalstaaten ein Ding der Vergangenheit geworden? Bedeutet Globali&shy;sierung, dass Konflikte aus anderen Gr&uuml;nden als fr&uuml;her ausgek&auml;mpft werden. In einem k&uuml;rz&shy;lich ver&ouml;ffentlichten Buch, ?Neue Krieg &amp; Alte Kriege: Organisierte Gewalt in einer Globalen &Auml;ra?, vertritt Mary Kaldor diese Sicht. Per Olsson untersucht die Argumente.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie vom US-Pr&auml;sidenten George Bush 1991 ausgerufene Neue Weltordnung sollte angeblich allen Winkeln der Welt Frieden und Wohlstand bringen. Aber in den neunziger Jahren, dem ersten Jahrzehnt der nachstalinistischen &Auml;ra, sind Millionen Menschen in Kriegen gestorben und weitere Millionen sind Fl&uuml;chtlinge geworden.<br \/> In den zw&ouml;lf Monaten bis August 1999 gab es zehn internationale\/regionale Kriege und 25 B&uuml;rgerkriege. Mindestens 110.000 Men&shy;schen wurden in diesen be&shy;waffneten Konflikten get&ouml;tet. Mehrere L&auml;nder sind in einen Teufelskreis von B&uuml;rgerkrieg, Zerfall und Chaos geraten, durch die sogar die Existenz einer Reihe von Nationalstaaten bedroht wird. Dies ist besonders in Afrika so ? dem schw&auml;ch&shy;sten Glied in der globalen kapitalistischen Kette. Drei Viertel der L&auml;nder in Afrika s&uuml;dlich der Sahara sind an bewaffneten Konflikten beteiligt oder stehen einer be&shy;tr&auml;chtlichen Bedrohung durch bewaffnete Gruppen gegen&uuml;ber.<br \/> Diese B&uuml;rgerkriege werden durch soziale, wirtschaftliche und politische Krisen und nationale Unterdr&uuml;ckung verursacht: ?Als der Kalte Krieg endete, endeten zivile Konflikte in den Entwicklungsl&auml;ndern nicht. Im Gegenteil verdoppelten sie ihre Intensit&auml;t. Seit dem Fall der Berliner Mauer (1989) sind mehr als 23 Situatio&shy;nen von innerem Krieg aufgetreten oder wieder aktiviert worden ? an denen mehr als 50 bewaffnete Gruppen beteiligt sind.? (Le Monde Diplomatique, Juni 1999)<br \/> 58 der gr&ouml;&szlig;eren bewaffneten Konflikte zwischen 1989 und 1998 waren B&uuml;rger&shy;kriege. Sie wurden als ?neue Kriege? in der neuen Peri&shy;ode der Globalisierung be&shy;schrieben.<br \/> Mary Kaldors Buch behandelt die Merk&shy;male und Urspr&uuml;nge dieses neuen Typs von Konflikten in der nachstalinistischen Welt aus&shy;gie&shy;big.<br \/> Sie beschreibt den Fall Jugoslawiens ? besonders den Krieg in Bosnien-Herze&shy;gowina ? als ?Paradebeispiel, das Modell des neuen Typs Krieg?. Sie argumentiert, dass dieser neue Typ Krieg die ?alten Kriege? ersetzt habe. ?Alte Kriege zwi&shy;schen Staaten sind viel&shy;leicht ein Ding der Vergangenheit geworden?. Nach Kaldor liegt das am gegenw&auml;rtigen Niveau wirt&shy;schaftlicher Integration und inter&shy;nationa&shy;ler milit&auml;rischer Zusammenarbeit zumin&shy;dest in der fortgeschrittenen kapitalisti&shy;schen Welt: ?Man kann die neuen Kriege den fr&uuml;heren Kriegen gegen&uuml;berstellen, was ihre Ziele, die Methoden der Krieg&shy;f&uuml;hrung und ihre Finanzierung betrifft. Die Ziele der neuen Kriege drehen sich um Identit&auml;t in der Politik im Unterschied zu den geopolitischen oder ideologischen Zielen in fr&uuml;heren Kriegen.? Und es ist nicht nur ein neuer Typ Krieg, sonder auch neue Methoden der Kriegf&uuml;hrung, wo Schlachten tendenziell vermieden werden und das ?strategische Ziel ? die Vertreibung von Bev&ouml;lkerung ist, um alle loszuwerden, die eine andere Identit&auml;t haben?.<br \/> Aber Kaldors Behauptung, dass die neue Kriegf&uuml;hrung Kriege alten Stils radikal er&shy;setzt habe, ist gelinde gesagt sehr einsei&shy;tig. In Wirklichkeit ist das Ziel der meisten neuen Kriege immer noch, territoriale Kontrolle zu erlangen, um die V&ouml;lker und nat&uuml;rlichen Reicht&uuml;mer, die es in einem bestimmten Gebiet gibt, auszubeuten. ?Neue? Konflikte entstehen nicht spontan aus ?Identi&shy;t&auml;ts?bestrebungen. Sie werden unver&auml;ndert durch nationalistische, ethni&shy;sche, religi&ouml;se oder kommunalistische Eli&shy;ten angezet&shy;telt, die ?Identit&auml;ts?un&shy;ter&shy;schie&shy;de, Probleme und Bestrebungen zu ihren eigenen Zwecken versch&auml;rfen und verst&auml;rken. Die F&uuml;hrer mobili&shy;sieren oft Kr&auml;fte, die sich auf eine Bev&ouml;lke&shy;rungsminderheit st&uuml;tzen. Sie polarisieren gezielt und gettoisieren Be&shy;v&ouml;lkerungs&shy;grup&shy;pen ? oft mit Gewalt durch die Un&shy;terst&uuml;tzung paramilit&auml;rischer Organisatio&shy;nen oder durch bewaffnete Unterst&uuml;tzung benachbarter Regime. Da&shy;durch k&ouml;nnen sie die entscheidende Kraft werden.<br \/> Selbst der bosnische Krieg hatte breitere Ziele als einfach das der ?Identit&auml;t?. Es waren wirtschaftliche Interessen und auch Faktoren wie das Prestige der kroatischen und serbischen Regimes und ihre regio&shy;nalen geopolitischen Interessen beteiligt. Der Krieg wurde von regul&auml;ren Armee-Einheiten aus Serbien und Kroatien, &ouml;rtli&shy;chen Armeen und M&ouml;rderbanden mit (fi&shy;nanzieller und milit&auml;rischer) Be&shy;teiligung des westlichen und russischen Imperia&shy;lismus durch &ouml;rtliche Kliententruppen ge&shy;f&uuml;hrt.<br \/> Was jedoch wirklich neu in der nachstali&shy;nistischen &Auml;ra ist, ist das globale Szena&shy;rio, unter dem alle Konflikte entstehen. In der alten Weltordnung war jeder gr&ouml;&szlig;ere Konflikt oder B&uuml;rgerkrieg Teil des Kamp&shy;fes zwischen den zwei Superm&auml;chten ? den Vereinigten Staaten und der Sowjet&shy;union. Die praktische Gleichheit der Su&shy;perm&auml;chte im Zerst&ouml;rungspotenzial w&auml;h&shy;rend einer Periode (Mutual Assured De&shy;struction ? MAD [wechselseitig gesicher&shy;te Zerst&ouml;rung]) schloss die Errichtung ab&shy;soluter US-Hegemonie mit milit&auml;rischen Mitteln aus (au&szlig;er in den Fantasien der Ultrarechten). Gleichzeitig gab diese Ri&shy;valit&auml;t ein paar &auml;rmeren L&auml;ndern eine M&ouml;glichkeit, zwischen den Superm&auml;chten zu man&ouml;vrieren und dadurch ein paar Vor&shy;teile wie Wirtschafts- und Milit&auml;rhilfe zu erlangen.<br \/> Das internationale Kr&auml;fteverh&auml;ltnis spie&shy;gelte sich darin wider, dass es zwischen 1945 und 1989 keinen gr&ouml;&szlig;eren Krieg auf europ&auml;i&shy;schem Boden gab. Dieses Kr&auml;fte&shy;gleichgewicht zerbr&ouml;ckelte mit dem Zu&shy;sammenbruch des Stalinismus 1989-91.<br \/> Die Geschichte des letzten Jahrhunderts veranschaulicht, dass jede Tendenz zu vergr&ouml;&szlig;erter Integration von stabilen Na&shy;tionalstaaten umgekehrt und durch eine Tendenz in die entgegengesetzte Rich&shy;tung ersetzt werden kann, wenn dem Weltkapitalismus die Puste ausgeht. Eine Gegenbewegung gegen die gegenw&auml;rtige Phase von Globalisierung und Neolibera&shy;lismus ist unausweichlich im Zu&shy;sammen&shy;hang einer neuen weltweiten Krise des Kapitalismus. Harold James, ein Histori&shy;ker aus den USA schrieb: ?Es k&ouml;nnte kaum mehr auf dem Spiel stehen. Weltdepres&shy;sion zerst&ouml;rt politi&shy;sche Stabilit&auml;t. In der Vergangenheit ha&shy;ben Deflation und De&shy;pression h&auml;ufig zu Teufelskreisen von Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, dem Zerfall von Staaten und sogar Kriegen ge&shy;f&uuml;hrt.? (International He&shy;rald Tribune, 26. Okto&shy;ber 1998)<br \/> Der Teufelskreis der Zersplitterung von Nationalstaaten, die eine Grundeinheit des Kapitalismus sind, ist schon in den schw&auml;cheren und weniger entwickelten kapitalistischen Staaten in Afrika, Asien, der fr&uuml;heren Sowjetunion und dem Balkan sichtbar. Ein &auml;hnlicher Prozess k&ouml;nnte sich in den fortgeschritteneren L&auml;ndern zu entwickeln beginnen, wenn die Arbeiter&shy;klasse es nicht schafft, der Zukunft ihren Stempel aufzudr&uuml;cken.<br \/> Das Ende der ?Beschr&auml;nkungen des Kalten Krieges?<br \/> Kaldors Definition von ?neuen Kriegen? nach dem Zusammenbruch des Stalinis&shy;mus ist ein neuer Ausdruck von Postmo&shy;dernismus ? eine nachgeschichtliche oder ungeschichtliche Herangehensweise auf der Grundlage oberfl&auml;chlicher Merk&shy;male, die eine Analyse der zugrunde lie&shy;genden Kr&auml;fte oder internationalen Bezie&shy;hungen zur&uuml;ckweist. Kriege und B&uuml;rger&shy;kriege werden nicht aus einem Klassen&shy;blickwinkel analysiert und die Gegenwart dauert ewig an.<br \/> Tats&auml;chlich gibt es eine komplexe Wech&shy;selwirkung zwischen den ?neuen Kriegen? und den ?alten barbarischen Kriegen zwi&shy;schen Staaten?: ?neue Kriege? k&ouml;nnen sich zu Kriegen zwischen Staaten entwi&shy;ckeln und Staaten k&ouml;nnen von au&szlig;en in&shy;tervenieren, um ihren Einfluss auszudeh&shy;nen. Kein ?lokaler? Konflikt bleibt lange lokal. Zum Beispiel war im B&uuml;rgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo (fr&uuml;&shy;her Zaire) fast jedes Nachbarland an der Aufteilung des Landes beteiligt. Die ver&shy;schiedenen L&auml;nder haben aus ihren eige&shy;nen geopolitischen Gr&uuml;nden und um ihre H&auml;nde auf die gro&szlig;en Rohstoffreich&shy;t&uuml;mer des Kongo zu legen, interveniert. Wie ?Le Monde Diplomatique? bemerkte: ?Rebel&shy;lentruppen verbrachen mit der Un&shy;terst&uuml;t&shy;zung ruandischer Offiziere mehr Zeit und Energie mit der Einnahme und Ausbeu&shy;tung der Bergbauregionen als mit dem Aufsp&uuml;ren des Feindes? (Oktober 1999) <br \/> ?Es gibt ein t&ouml;dliches neues Merkmal bei den bewaffneten K&auml;mpfen der Erde, dass B&uuml;rgerkriege in regionale Kriege eskalie&shy;ren, w&auml;h&shy;rend die internationale Gemein&shy;schaft zunehmend mit dem Eingreifen z&ouml;gert? schrieb das International Institute for Strategic Studies (IISS) mit Sitz in London in seinem Jahresbericht f&uuml;r 1999. Das nach dem Zusammenbruch des Sta&shy;linismus &uuml;brig gebliebene Macht- und Si&shy;cherheitsvakuum hat kleineren imperiali&shy;stischen Nationen Platz gemacht, die Er&shy;richtung regionaler vorherrschender Stel&shy;lungen zu versuchen, zum Beispiel S&uuml;d&shy;af&shy;rika und in gewissem Umfang Simbab&shy;we und Uganda im s&uuml;dlichen Afrika. Die Rolle der USA als Weltpolizist ist durch haupts&auml;chlich innenpolitische Faktoren&nbsp; begrenzt, die jede Milit&auml;raktion beschr&auml;n&shy;ken, die potenzielle US-Opfer bedeuten w&uuml;rde. In manchen Regionen der Welt lohnt sich kein Risiko, bis eine gr&ouml;&szlig;ere Krise die Glaubw&uuml;rdigkeit der USA als Welt&shy;ruhestifter bedroht oder bis ihre In&shy;te&shy;ressen direkt betroffen sind. Die tat&shy;s&auml;chli&shy;che Rolle, die die USA spielen, un&shy;ter&shy;scheidet sich daher von Fall zu Fall.<br \/> Russlands Kriege gegen Tschetschenien ? 1994-96 und heute ? beinhaltet Ele&shy;mente von neuen und alten Kriegen. Sie haben im Zusammenhang des schweren wirtschaftlichen Zusammenbruchs und des Zerfalls der fr&uuml;heren Sowjetunion stattgefunden. Russland ist immer noch die zweitgr&ouml;&szlig;te Milit&auml;rmacht der Welt und bereit, einen betr&auml;chtlichen Teil seiner Mi&shy;lit&auml;rkapazit&auml;t zu verwenden, um daf&uuml;r zu sorgen, dass Tschetschenien und der Kaukasus ein Teil der Russischen F&ouml;de&shy;ration bleiben. Dies ist ?altmodische? nackte imperialistische Aggression und ist Teil eines gr&ouml;&szlig;eren Kampfs um Kontrolle &uuml;ber die &ouml;lreiche Region. Auf der anderen Seite haben die bewaffneten tschetsche&shy;nischen Gruppen keine klaren Ziele au&szlig;er der Vertreibung der Russen. Dieses Feh&shy;len von Ideologie, poli&shy;tischen Ideen und Zielen ist das beste Mittel f&uuml;r eine schnelle Degeneration des bewaffneten Widerstands in von Kriegsherren be&shy;herrschte Gangsterorganisationen. (Dar&shy;auf weist Kaldor als ?neues Merkmal? hin, obwohl es in der Tat ein sehr altes Merk&shy;mal ist, dass bewaffnete Bewegun&shy;gen, die keine aktive und dauerhafte Un&shy;terst&uuml;t&shy;zung durch die Bev&ouml;lkerung gewin&shy;nen k&ouml;nnen, neue Unter&shy;dr&uuml;cker werden.)<br \/> Die Neue Weltordnung hat zur Entste&shy;hung von beharrlicher Instabilit&auml;t und Un&shy;sicherheit in vielen Weltregionen ge&shy;f&uuml;hrt. Immer mehr L&auml;nder haben Zugang zu Massenvernichtungswaffen, ein&shy;schlie&szlig;lich Atomwaffen. Eine neue Dre&shy;hung an der R&uuml;stungsschraube scheint sich anzubah&shy;nen. Nicht einmal der US-Imperialismus kann die Verbreitung von Atomwaffen eind&auml;mmen, was sich 1998 zeigte, als sowohl Indien als auch Paki&shy;stan Atom&shy;tests durchf&uuml;hrten.<br \/> Der Flammpunkt Kaschmir k&ouml;nnten sich in einen neuen und gef&auml;hrlicheren umfas&shy;senden Krieg zwischen Indien und Pa&shy;ki&shy;stan entwi&shy;ckeln. Es kann nicht ausge&shy;schlossen werden, dass ein instabiles, verzweifeltes Regime in einem dieser Staaten angesichts drohen&shy;der Niederlage versucht w&auml;re, die letzte und zerst&ouml;re&shy;rischste Karte zu spielen. Offensichtlich w&auml;re ein atomarer Schlagabtausch f&uuml;r je&shy;des Regime selbstm&ouml;rderisch ? politisch und physisch. Jedoch die soziale und po&shy;litische Krise in Indien und Pakistan be&shy;deutet, dass beide Regime &auml;u&szlig;erst in&shy;sta&shy;bil sind. Es gibt immer die M&ouml;glichkeit, dass sie au&szlig;er Kontrolle geraten k&ouml;nnten, besonders weil es in keinem der L&auml;nder eine starke, einheitliche Bourgeoisie gibt, die einen n&uuml;chterneren Einfluss ? auf der Grundlage langfristigerer Interessen ? aus&uuml;ben k&ouml;nnte.<br \/> Kaschmir ist nur einer von vielen Pro&shy;b&shy;lemf&auml;llen in Asien. Der IISS-Direktor Ge&shy;rald Segel kommentierte im August 1999: ?Nordkorea&shy;nische Raketen, S&auml;bel&shy;rasseln zwischen China und Taiwan, Spannungen zwischen Indien und Paki&shy;stan. Diese Konflikte haben hohe Schwel&shy;len, teilweise weil sie in Umgebun&shy;gen mit Atomwaffen stattfinden. Wenn aber die Schwelle des Konflikts tats&auml;ch&shy;lich erreicht ist, dann k&ouml;nnte alles auf dem Spiel ste&shy;hen ? Die wirklichen Ri&shy;siken liegen anderswo, besonders in innenpoliti&shy;schen Unsi&shy;cherheiten, die zu irrationa&shy;len Berech&shy;nungen &uuml;ber den Nutzen des Krieges f&uuml;hren k&ouml;nnten. Dann macht das ato&shy;mare Risiko alle drei Kon&shy;flikte so gef&auml;hr&shy;lich. Ein Zusammen&shy;bruch in Nordkorea, heftigerer Nationa&shy;lismus in Peking, unab&shy;h&auml;ngig&shy;keitsgetrie&shy;bene Hei&szlig;&shy;sporne in Tai&shy;wan oder eine zu&shy;sammen&shy;brechende pa&shy;kistanische Regie&shy;rung sind die Art Kr&auml;fte, die diese L&auml;nder &uuml;ber die hohe Schwelle zum Krieg f&uuml;hren k&ouml;nnen.? (Meine Her&shy;vorhebung ? PO)<br \/> Karl von Clausewitz? Erkl&auml;rung 1832, dass ?Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist?, ist immer noch g&uuml;l&shy;tig, wie obi&shy;ges Zitat zeigt. Kaldor jedoch stimmt nicht zu. Sie argumentiert, dass geopolitische Interessen in den neuen Kriegen keine Rolle spielen, weil sie ?im Zusammenhang der Unterh&ouml;hlung der Autonomie des Staats und in manchen extremen F&auml;llen des Zerfalls des Staat entstehen. Sie entstehen besonders im Zusammenhang der Aush&ouml;hlung des Mo&shy;nopols auf legitime organisierte Gewalt?. Kurz gesagt f&uuml;hren die herrschenden Klassen nicht l&auml;nger Kriege mit Hilfe ihrer Staatsmaschinen.<br \/> In der Tat hat sich die Lage ver&auml;ndert. Der Zusammenbruch der zweipoligen Ord&shy;nung des Kalten Krieges hat zu gr&ouml;&shy;&szlig;erer Instabilit&auml;t gef&uuml;hrt. Neoliberale Po&shy;litik hat wirtschaftliche und soziale Krisen und die Zersplitterung von Staaten be&shy;schleunigt. Seit 1989 wurden Kriege von diesen instabilen Staaten gef&uuml;hrt, die nicht l&auml;nger durch die Bindungen des Kal&shy;ten Kriegs beschr&auml;nkt sind. Kriege wer&shy;den auch von sich bildenden Staaten ge&shy;f&uuml;hrt. Und Eliten k&auml;mpfen um diese sich herausbildenden Staaten, bevor eine sta&shy;bile b&uuml;rgerliche Klasse gebildet ist. Kriege werden daher von Staaten gef&uuml;hrt ? ebenso wie von Kriegsherren, Minder&shy;hei&shy;ten etc. ?, aber in der Neuen Welt-Un&shy;ordnung: Staaten sind anders als in der unmittelbaren Nachkriegsperiode und der ganze internationale Rahmen hat sich ge&auml;ndert.<br \/> Das blutigste Jahrhundert<br \/> Die Entwicklung des Monopolkapitalismus ? Imperialismus ? im sp&auml;ten neunzehn&shy;ten Jahrhundert verst&auml;rkte alle dem Kapi&shy;talismus innewohnenden Widerspr&uuml;che und Konflikte. Dies erkl&auml;rt zusammen mit der Niederlage und Verz&ouml;gerung der so&shy;zi&shy;alistischen Weltre&shy;volution, warum das zwanzigste Jahrhundert das blutigste in der Geschichte wurde. 200 Millionen Menschen kamen in den b&ouml;sarti&shy;gen Krie&shy;gen des letzten Jahrhun&shy;derts um. Viele weitere litten.<br \/> Dies fand trotz der Hoffnung statt, dass die Internationale Friedenskonferenz in Den Haag 1899 den Beginn einer &Auml;ra kennzeichnen w&uuml;rde, wo alle Staaten ver&shy;suchen w&uuml;rden ?die gro&szlig;e Idee des all&shy;gemeinen Friedens &uuml;ber Konflikt und Zwietracht triumphieren? zu lassen. Die&shy;ser Optimismus wurde durch die schnelle Ausdehnung des Weltmarkts und die Of&shy;fenheit gest&uuml;tzt, die die internationale Wirtschaft 1880-1913 charakterisierten ? eine Periode der Globalisierung.<br \/> Jene Phase des Weltkapitalismus milder&shy;te jedoch die Spannungen und Rivalit&auml;ten zwischen den f&uuml;hrenden imperialistischen M&auml;ch&shy;ten nicht f&uuml;r lange. Die wachsenden Widerspr&uuml;che und Konflikte schufen die Bedingungen f&uuml;r den Ersten Weltkrieg, die Gro&szlig;e De&shy;pression in den drei&szlig;iger Jahren und den Zweiten Weltkrieg. Die Kriege wurden dank der Entwicklung der Produktivkr&auml;fte mit immer t&ouml;dlicheren und zerst&ouml;rerischeren Waffen gef&uuml;hrt. Sch&auml;t&shy;zungsweise 26 Millionen Menschen wur&shy;den auf den Mordfeldern des Ersten Weltkriegs abgeschlachtet: in einzelnen Schlachten gab es Verluste, die so gro&szlig; waren, wie die, die es in fr&uuml;heren Zeital&shy;tern in gan&shy;zen Kriegen gegeben hatte.<br \/> Der Erste Weltkrieg war ein innerimperia&shy;listischer Krieg: ein Kampf zwischen kon&shy;kurrierenden imperialistischen M&auml;chten um Ein&shy;flusssph&auml;ren (M&auml;rkte, Geld, stra&shy;tegische Macht, politische Vorherrschaft etc.). Ihm ging der weltweite Kolonialismus ? der gr&ouml;&szlig;te Diebstahl und L&auml;nderraub in der Geschichte ? und verst&auml;rkter Wettbewerb auf den Weltm&auml;rkten voraus. Die imperialistischen M&auml;chte zogen ge&shy;geneinander in den Krieg, um die Interes&shy;sen des Finanzkapitals zu sichern und koloniale und fremde L&auml;nder zu rau&shy;ben und zu unterdr&uuml;cken.<br \/> Das Ende des Ersten Weltkriegs 1918 un&shy;ter dem Einfluss der siegreichen Russi&shy;schen Revolution im Oktober 1917 und sozialer G&auml;&shy;rung auf der ganzen Welt f&uuml;hrte zu einem unsicheren und instabilen Frieden. Tragischerweise bereiteten die Niederlage der interna&shy;ti&shy;onalen sozialisti&shy;schen Revolution&nbsp; besonders in Deutsch&shy;land ? und die folgende Isolierung der russischen Revolution den Weg f&uuml;r den Aufstieg des totalit&auml;ren Regimes unter Josef Stalin und den Machtantritt von Adolf Hitlers Faschisten in Deutschland 1933.<br \/> Die Niederlage der deutschen Arbeiter&shy;klasse brachte die Welt n&auml;her an den Krieg. Leo Trotzki wies schon 1933 darauf hin, dass sich ?der Nationalsozialismus &uuml;ber die deutsche Nation als reinste Ver&shy;k&ouml;rperung des Imperialismus [erhebt] ? Die gewaltsame Zusam&shy;menfassung aller Kr&auml;fte und Mittel des Volkes im Interesse des Imperialismus ? die wahre ge&shy;schichtliche Sendung der faschisti&shy;schen Diktatur ? bedeutet die Vorbereitung des Krieges ? Die Zeit, die noch bis zur n&auml;chsten europ&auml;ischen Katastrophe bleibt, ist befristet durch die deutsche Auf&shy;r&uuml;stung. Das ist keine Frage von Mona&shy;ten, aber auch keine von Jahrzehnten.? (Leo Trotzki, Portr&auml;t des Nationalsozia&shy;lismus, 10. Juni 1933, in Schriften &uuml;ber Deutschland 2, S. 571-580, hier S. 579f.)<br \/> Die Niederlage der deutschen Arbeiter&shy;klasse zusammen mit der vom heroi&shy;schen spanischen Proletariat und Bau&shy;ernschaft im B&uuml;rger&shy;krieg gegen General Franco erlittenen Niederlage (1936-39) und das Entgleisen der revolution&auml;ren Bewegung in Frankreich bereite&shy;ten den Weg f&uuml;r den Ausbruch des Zweiten Welt&shy;kriegs 1939.<br \/> Die Schrecken des Krieges waren auf der ganzen Welt zu sp&uuml;ren. Es war ein all&shy;gemeiner Krieg gegen rivalisierende Mili&shy;t&auml;rkr&auml;fte, Zi&shy;vilistInnen und Wirtschaft und Infrastruktur von L&auml;ndern. Bis zu 60 Mil&shy;li&shy;onen Menschen starben. Diese Zahl schlie&szlig;t den V&ouml;lkermord an sechs Millio&shy;nen J&uuml;dInnen durch die Nazis und ihre Kollaborateure ein. Zwischen 10 und 20 Prozent der Bev&ouml;lkerung in der Sowjet&shy;union, Polen und Jugoslawien wurden ge&shy;t&ouml;tet. <br \/> Der Abwurf der Atombomben auf die ja&shy;panischen St&auml;dte Hiroschima und Naga&shy;saki l&auml;utete das Atomzeitalter und den Kalten Krieg ein. Danach w&auml;re ein neuer Weltkrieg nicht mehr ein ?Krieg zur Been&shy;digung aller Kriege? gewesen, wie die Im&shy;perialisten &uuml;ber 1914 und den Be&shy;ginn des Zweiten Weltkriegs gesagt hat&shy;ten, son&shy;dern eher ein Krieg zur Beendi&shy;gung aller Zivilisation.<br \/> Die vom Ergebnis des Zweiten Weltkriegs geschaffenen Weltbeziehungen bedeute&shy;ten, dass die USA die vorherrschende Macht in der kapitalistischen Welt wurden und das stalinistische Regime in der So&shy;wjetunion gest&auml;rkt wurde durch die &Uuml;ber&shy;nahme der Kontrolle &uuml;ber Mittel- und Ost&shy;europa. Die nationalen Befreiungsbewe&shy;gungen und die Zerschlagung der alten kolonialen Ordnung in Asien und Afrika in den f&uuml;nfziger und sechziger Jahren gaben auch der Sowjetunion Auftrieb. In der Sowjetunion&nbsp; gab es trotz einer brutalen to&shy;talit&auml;ren B&uuml;rokratie bemerkenswerten wirtschaftlichen Fortschritt. Sie stellte, wenn auch in sehr verzerrter Weise, eine Alternative zum kapitalistischen System dar. Die Verz&ouml;gerung der sozialistischen Revolution im Westen verst&auml;rkte diesen Prozess. Mitte der siebziger Jahre waren in einer breiten Palette von L&auml;ndern, die 28% der Welt und ein Drittel der Weltbe&shy;v&ouml;lkerung ausmachten, stali&shy;nistische Re&shy;gime errichtet oder wurden gerade errich&shy;tet.<br \/> Die Aufteilung der Welt, bei der die USA und Sowjetunion in einem st&auml;ndigen Kampf waren, um ihre jeweiligen Ein&shy;flusssph&auml;ren zu bewahren und auszudeh&shy;nen, &uuml;berschattete den ganzen Erdball zwischen 1945 und 1990. Diese Rivalit&auml;t f&uuml;hrte zu einem zerst&ouml;reri&shy;schen atomaren R&uuml;stungswettlauf ? die gr&ouml;&szlig;te Aufh&auml;u&shy;fung von Waffen in der Geschichte. Ein einflussreicher milit&auml;risch-industrieller Komplex bildete sich, der der Gesellschaft immer noch eine ungeheure Last aufer&shy;legt. Nach 1945 erlebte die Welt kaum ei&shy;nen Tag Frieden. Tats&auml;chlich stieg die Zahl der bewaffneten Konflikte von 12 1950 auf 51 1992 an.<br \/> Die letzte Supermacht<br \/> Der Zusammenbruch des Stalinismus und das Ende der alten Weltbeziehungen bedeutet, dass sich die folgenden sozia&shy;len, politi&shy;schen und milit&auml;rischen Konflikte im Rahmen einer neuen internationalen Lage entwickelt haben, die mehr im Fluss ist.<br \/> Zwar bekam die Globalisierung [schon vorher] Schwung, aber der stalinistische Block wirkte trotz seinem grotesken Cha&shy;rakter als Gegengewicht zur kapitalisti&shy;schen und imperialistischen Ausbeutung ? politisch und sozial und auch milit&auml;&shy;risch. Der Fall des Stali&shy;nismus erlaubte der kapitalistischen herrschenden Klasse international, gegen&uuml;ber der Arbeiterklas&shy;se international und den &auml;rmeren L&auml;ndern die Schrauben noch mehr anzuziehen. Der massive milit&auml;rische Angriff gegen den Irak ? ein Land, das der Imperialis&shy;mus im iranisch-irakischen Krieg 1980-88 unterst&uuml;tzt hatte, in dem eine Million Menschen starben ? diente als Warnung f&uuml;r alle anderen L&auml;nder, die eine eigen&shy;st&auml;ndige Politik versuchten.<br \/> Der US-Imperialismus f&uuml;hrte eine 40-L&auml;nder-?Koalition? gegen den Irak, pulve&shy;risierte eine der &auml;ltesten Zivilisationen der Welt. Hun&shy;derttausende Menschen wurden get&ouml;tet. Der Golfkrieg endete nie wirklich: weitere Bombenangriffe und Sanktionen haben seit 1991 mindestens 1,2 Millionen wehrlose Menschen get&ouml;tet. Trotz aller Propaganda &uuml;ber Kampf gegen den ?b&ouml;&shy;sen? Saddam Hussein be&shy;kam der Dik&shy;tator freie Hand zur Zerschlagung des Auftands der schiitischen MoslemInnen im S&uuml;dirak und der KurdInnen im Norden, bald nach&shy;dem die ?Koalition? ihren Krieg gegen den Irak beendet hatte.<br \/> Der fr&uuml;here US-Republikanische au&szlig;en&shy;politische Berater Samuel Francis gab zu: ?Die Kriege, die wir gef&uuml;hrt haben, die Bomben und Raketen, die wir abgeworfen und abgefeuert haben, die Menschen, die wir get&ouml;tet haben, die Rechte und Prinzi&shy;pien, die wir schon verletzt oder ignoriert haben, haben weder Frieden noch Stabili&shy;t&auml;t gebracht ? Die Kriege im Persischen Golf haben nichts erreicht.? (Independent on Sunday, 15. November 1998)<br \/> Was der Golfkrieg jedoch zeigte, war, dass der US-Imperialismus die einzige auf der Welt &uuml;briggebliebene Supermacht war. Die USA erwies sich als anderen L&auml;ndern in Milit&auml;rtechnologie und -kapazi&shy;t&auml;t weit voraus, auch wenn die Pr&auml;zision der ?intelligenten? Waffen, die im Golf&shy;krieg und im Krieg gegen Serbien letztes Jahr verwendet wurden, &uuml;bertrie&shy;ben wurde. Der Zusammenbruch des Stali&shy;nis&shy;mus und die Zersplitterung der So&shy;wjet&shy;union bedeuteten eine relative St&auml;r&shy;kung der Stellung des US-Imperia&shy;lismus, die durch den l&auml;ngsten Konjunk&shy;turauf&shy;schwung in der US-Geschichte ge&shy;st&uuml;tzt wurde. Aber die Welt ist kaum am Vor&shy;abend einer ?Pax Americana?. Das IISS wies in seinem Jahresbericht 1998 darauf hin: ?Globalisierung hat Bedingun&shy;gen ge&shy;schaffen, unter denen sich Krise mit wachsender Geschwindigkeit, aber an&shy;fangs auch mit ungewissen Folgen ent&shy;wi&shy;ckelt.?<br \/> Das Erbe der Niederlage des US-Impe&shy;ria&shy;lismus in Vietnam zusammen mit der ge&shy;genw&auml;rtigen Instabilit&auml;t auf der Welt und dem Be&shy;stehen vieler m&ouml;glicher Problem&shy;f&auml;lle halten die USA unter Kon&shy;trolle. Es wurde behauptet, dass das Vi&shy;etnam-Syn&shy;drom im Golfkrieg &uuml;berwun&shy;den worden sei. Aber beim Golfkonflikt gab es ein au&shy;&szlig;erordentliches Zusam&shy;mentreffen von Umst&auml;nden. Unmittelbar danach mussten die USA unr&uuml;hmlich zum R&uuml;ckzug aus Somalia blasen, um Verluste zu vermei&shy;den. Noch wichtiger war, dass der Bal&shy;kan\/Kosova-Krieg bewies, dass die US-W&auml;hlerInnen immer noch nicht bereit sind, Opfer zu akzeptieren, wo sie keine entscheiden&shy;den und unmittelbaren natio&shy;nalen Interessen auf dem Spiel sehen.<br \/> Bill Clinton &amp; Co wollen wenigstens den Anschein eines multinationalen Herange&shy;hens (durch die Vereinten Nationen etc.) bewahren. Aber es gibt innenpolitischen Druck in Richtung einseitiger Au&szlig;enpoli&shy;tik: dass US-Interessen entscheidend sind und &uuml;ber die K&ouml;pfe der EU- und Nato-Verb&uuml;ndeten hinweg Vorrang haben soll&shy;ten. Dies hatte eine Wirkung auf Clintons Politik und hat Abneigung durch europ&auml;i&shy;sche M&auml;chte erzeugt. Dies verst&auml;rkt die Spaltungen im imperialistischen Lager. Neue Widerspr&uuml;che werden auftreten. Die Ablehnung des Teststoppabkommens durch den US-Senat und Clintons Ent&shy;schlossenheit, ein neues Anti-Raketen-Programm zu entwickeln ? eine Fortset&shy;zung von Ronald Reagans ?Krieg der Sterne? ? werden einen neuen R&uuml;&shy;s&shy;tungswettlauf ausl&ouml;sen und k&ouml;nn&shy;ten ?die jetzt in Kraft befindlichen lange g&uuml;ltigen Nichtverbreitungsvertr&auml;ge [f&uuml;r Atomwaf&shy;fen] untergraben?. (Le Monde Diplomati&shy;que, Dezember 1999)<br \/> Bosnien ? die neue Weltordnung geht aus dem Leim<br \/> Der 50. Geburtstag der Nato letztes Jahr fiel mit ihrem ersten und bisher einzigen Krieg zusammen. Der Krieg der Nato ge&shy;gen Slobo&shy;dan Milo?evic? Serbien und seine Folgen zeigen die Grenzen der Mili&shy;t&auml;rintervention durch den westlichen Kapi&shy;talismus. Es ist eine Sache, mit Cruise Missiles als Weltpolizist zu handeln zu versuchen. Aber was macht man nach dem milit&auml;rischen Sieg? Der Krieg der Nato bedeutete, dass der westliche Impe&shy;rialismus keine andere Wahl hatte als eine milit&auml;rische Pr&auml;senz in Kosova auf viele Jahre hinaus beizubehalten ? wie in Bosnien. Er kennzeichnet eine neue Phase im blutigen Zusammenbruch Ju&shy;goslawiens.<br \/> Kaldor widmet einen gro&szlig;en Teil ihres Buchs dem Fall Jugoslawiens, besonders dem Krieg in Bosnien 1992-95. Der bos&shy;nische Kon&shy;flikt war ein bestimmender Moment in der Geschichte des modernen Europas. Ihm ging der kurze und kata&shy;st&shy;rophale Einmarsch der serbischen Ar&shy;mee (der ?Jugoslawischen Volksarmee?) in Slowenien im Sommer 1991 und der ver&shy;heerende Krieg in Kroatien 1991-92 vor&shy;aus. Das Auseinanderbrechen Jugo&shy;sla&shy;wiens bedeutete zum ersten Mal seit 1945 Krieg in Europa. Der Konflikt im fr&uuml;&shy;heren Ju&shy;go&shy;slawien eskalierte zu interna&shy;tionalen Kriegen.<br \/> Die Entstehung einer neuen Form von Nationalismus begleitete den Zerfall Ju&shy;goslawiens. Kaldor stellt dies einem fr&uuml;&shy;heren ?moder&shy;nen Nationalismus, der auf Staatsaufbau abzielte? gegen&uuml;ber. ?? ihm fehlt anders als fr&uuml;herem Nationalis&shy;mus eine Moderni&shy;sie&shy;rungsideologie?.<br \/> Diese ?neue Form? des Nationalismus im fr&uuml;heren Jugoslawien war im Versagen des stalinistischen Regimes bei der &Uuml;berwindung ethnischer und nationaler Spaltungen verwurzelt, au&szlig;erdem im Fehlen einer unabh&auml;ngigen sozialisti&shy;schen Bewegung der Arbeiter&shy;klasse. Die&shy;ses Ph&auml;nomen entstand auch in anderen stalinistischen Staaten. Die Bildung von 15 neuen Nationalstaaten in Europa nach 1989 veranschaulicht, dass das Aufbre&shy;chen der Struktur der Sowjetunion und des fr&uuml;heren Jugoslawiens von der Arbei&shy;terklasse als schnellster Weg zu Demo&shy;kratie und Wohlstand gesehen wurde. Dieser Prozess entwickelte sich jedoch im Rahmen einer interna&shy;tionalen kapitalisti&shy;schen Konterrevolution, nachdem die Ar&shy;beiterklasse besiegt und zur&uuml;ckgesto&szlig;en war. Dies hie&szlig; zum Beispiel, dass der Aufstieg des Nationalismus in Jugoslawi&shy;en Teil einer reaktion&auml;ren b&uuml;rgerlichen und chauvinistischen Gegenbewegung wurde. Die reaktion&auml;ren Tr&auml;ume eines kapitalistischen ?Gro&szlig;serbien? oder ?Gro&szlig;&shy;kroatien? konnten nur auf Kosten schw&auml;cherer Nationalit&auml;ten verwirklicht werden. Dies war der Weg zu Krieg und Ruin.<br \/> Wie Kaldor erkl&auml;rt, ?war die internationale Reaktion bestenfalls verwirrt und manchmal dumm, schlimmstenfalls schuldhaft am Ge&shy;schehen beteiligt?, ob&shy;wohl sie eine vergebliche Hoffnung hegt, dass der westliche Imperialismus viel&shy;leicht etwas aus dem Versagen gelernt habe. Der Krieg der Nato gegen Serbien sch&uuml;tzte weder die AlbanerInnen in Koso&shy;va nach schw&auml;chte er Milo?evic? Milit&auml;r&shy;ma&shy;schine ernsthaft. Statt dessen destabi&shy;lisierte er die Region weiter und brachte Kosova auf den Weg, ein ethnisch reiner Staat zu wer&shy;den, der von Gangstern in und um die Kosova-Befreiungsarmee (U&Ccedil;K) regiert wird.<br \/> Der Aufstieg dieser Art Nationalismus und die Spaltung der Arbeiterklasse war je&shy;doch kein unausweichlicher Prozess. Es war kein Zufall, dass Milo?evic zu einer Zeit anfing, die nationalistische Karte zu spielen, als Serbien von Arbeiterstreiks und Protesten gegen Arbeitslosigkeit und soziale H&auml;rten ersch&uuml;ttert wurde. Wie Mi&shy;cha Glenny in seinem Buch ?Der Fall Ju&shy;goslawiens? ? immer noch das beste Buch &uuml;ber die schrecklichen Ereignisse, die Ex-Jugoslawien Anfang der neunziger Jahre ersch&uuml;tterten ? beobachtete: ?Bos&shy;nien h&auml;tte gerettet werden k&ouml;nnen, wenn sich eine politische Partei, die die drei Volksgruppen umfasst h&auml;tte, als m&auml;chtigste Par&shy;tei nach dem Zusammen&shy;bruch der kommunistischen Macht gebil&shy;det h&auml;tte?. Abgesehen von der falschen Bezeichnung ?kommunistische Macht? ? wir beschreiben diese Regimes als ?stali&shy;nistisch? und nicht ?kommunistisch?, um auf ihren brutalen, tota&shy;lit&auml;ren Charak&shy;ter hinzuweisen ? ist dieses Urteil richtig. Aber solch eine Partei h&auml;tte eine echte demokratisch-sozialistische Partei sein m&uuml;ssen ? eine revolution&auml;re Partei, die auf der St&auml;rke und Solidarit&auml;t der Arbei&shy;terklasse beruht.<br \/> Kaldor sieht diesen wesentlichen Punkt nicht, obwohl sie auf die multiethnischen Widerstandsnester hinweist, die es gab. Leider machte es das Fehlen einer klaren Klassenalternative ? oder der F&auml;higkeit zur bewaffneten Selbstverteidigung ? im Kontext des schweren R&uuml;ckschlags f&uuml;r die Arbeiterklasse unm&ouml;glich, dass diese Gruppen gegen die Kr&auml;fte des rechtsex&shy;tremen Nationalismus und Sektierertum aufstanden.<br \/> Der Krieg in Bosnien wurde von Armeen und paramilit&auml;rischen Verb&auml;nden gef&uuml;hrt. Die Vereinbarung zwischen dem damali&shy;gen Pr&auml;si&shy;denten von Kroatien, Franjo Tudjman, und Milo?evic zur Aufteilung Bosniens auf Kosten der MoslemInnen (die die Mehrheit waren) bedeutete Krieg: der Krieg wurde eine Fortsetzung der Po&shy;litik mit anderen Mitteln. Die bosnischen MoslemInnen waren am wenigsten auf Krieg vorbereitet und wurden als erste die Hauptopfer von ?ethnischen S&auml;uberun&shy;gen? ? der Vertreibung ganzer Bev&ouml;lke&shy;rungen durch den Einsatz von Massen&shy;hin&shy;richtungen, systematischer Vergewal&shy;ti&shy;gung und Terror. Der Krieg &auml;nderte sich, nachdem der westli&shy;che Imperialismus den kroatischen Staat voll anerkannte unter der Bedingung, dass er ein B&uuml;ndnis mit den bosnischen Moslems schloss. Da&shy;nach waren es die SerbInnen ? wie in Kosova heute ? die die Hauptopfer von ?ethnischen S&auml;uberungen? sowohl in Kro&shy;atien als auch in Bosnien wurden.<br \/> In den Worten von Carl Bildt, dem fr&uuml;he&shy;ren schwedischen Ministerpr&auml;sidenten und damaligen Hohen Vertreter des We&shy;stens in Bos&shy;nien, war das 1995 erreichte Friedensabkommen ?ein Abkommen, das die politischen F&uuml;hrer als Fortsetzung des Krieges, aber mit anderen Mitteln, be&shy;trachteten.? Bosnien heute ist ein imperia&shy;listisches Protektorat. Kosova ist auf dem Weg, das selbe zu werden.<br \/> Was ist die Alternative zu ?neuer Bar&shy;barei??<br \/> Kaldor skizziert in ihrem Schlusskapitel, was sie als den Weg vorw&auml;rts sieht. Das Hauptthema ist, dass ein dauernder Friede eine Grundlage auf einer alternati&shy;ven Politik haben muss: ?der Politik der Zivilit&auml;t? und der ?Entwicklung von kos&shy;mopolitischen Regierungs&shy;formen?. Dies bedeutet, dass die reichen L&auml;nder mehr Ressourcen f&uuml;r das bereitstellen m&uuml;ssen, was sie ?Rekonstruktion? nennt und ?ein paar der neoliberalen Annahmen aufge&shy;ben m&uuml;ssen?. Warum nur ?ein paar?, wird nie erkl&auml;rt.<br \/> Angesichts des Niedergangs des Kapita&shy;lismus und des Ausbeutungs- und Klas&shy;sencharakters des Imperialismus ist dies ein utopi&shy;scher Traum. Die der Globalisie&shy;rung innewohnende Zersplitterung und das An-Den-Rand-Dr&auml;ngen und die Su&shy;perausbeutung der Massen in den &auml;rm&shy;s&shy;ten L&auml;ndern schaffen Spannungen, die die Gesellschaft zerrei&szlig;en ? nicht nur in weniger entwickelten L&auml;ndern, sondern zunehmend auch in der fortgeschrittenen kapitalistischen Welt.<br \/> Obendrein ist Globalisierung weder das letzte Stadium in der Entwicklung des Weltkapitalismus noch hat sie das Nie&shy;derrei&szlig;en von Staatsgrenzen m&ouml;glich gemacht, wie Kaldor zu meinen scheint. Die kapitalistische Welt ist immer noch in rivalisierende L&auml;nder ge&shy;teilt und diese Ri&shy;valit&auml;t wird immer mehr in den Vorder&shy;grund treten, je mehr die Produktivkr&auml;fte gegen die Schranken des Privatei&shy;gen&shy;tums und des Nationalstaats sto&szlig;en.<br \/> Der einzige Weg zu dauerndem Frieden und ?einer kosmopolitischen Politik im In&shy;teresse der Menschheit?, um Kaldor zu zi&shy;tieren, ist der Aufbau der internationalen Arbeiterbewegung, die die unterdr&uuml;ckten Massen im gemeinsamen Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus, gegen die Schrecken von Krieg und Ungleichheit&nbsp; vereint. Der Kampf f&uuml;r Weltsozialismus ist ein Kampf f&uuml;r Frieden und eine Gesell&shy;schaft auf der Grundlage menschlicher Solidarit&auml;t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[<a href=\"http:\/\/www.socialismtoday.org\/\">Socialism Today<\/a>, Nr. 49, Juli-August<br \/>\n2000]<br \/>\nIst Krieg zwischen Nationalstaaten ein Ding der Vergangenheit geworden? Bedeutet<br \/>\nGlobali&shy;sierung, dass Konflikte aus anderen Gr&uuml;nden als fr&uuml;her<br \/>\nausgek&auml;mpft werden. In einem k&uuml;rz&shy;lich ver&ouml;ffentlichten<br \/>\nBuch, ?Neue Krieg &amp; Alte Kriege: Organisierte Gewalt in einer Globalen<br \/>\n&Auml;ra?, vertritt Mary Kaldor diese Sicht. 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