{"id":10115,"date":"2002-09-06T10:50:19","date_gmt":"2002-09-06T10:50:19","guid":{"rendered":".\/?p=10115"},"modified":"2002-09-06T10:50:19","modified_gmt":"2002-09-06T10:50:19","slug":"10115","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/09\/10115\/","title":{"rendered":"Uruguay in der Krise"},"content":{"rendered":"<p><i>Die Krisenspirale in Lateinamerika dreht sich weiter<\/i><\/p>\n<p>  In Venezuela gab es Zusammenst&ouml;&szlig;e mit der Polizei, weil das Oberste Gericht Teilnehmer des Putschversuchs vom April freisprach. In Kolumbien verh&auml;ngte die Regierung den Ausnahmezustand. Uruguay n&auml;hert sich argentinischen Verh&auml;ltnissen.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p align=\"right\"><a href=\"\/modules.php?name=Content&#038;pa=showpage&#038;pid=5\"><img src=\"\/media\/images\/ssz.gif\"[ ]border=\"0\"><\/a><\/p>\n<p>  <i>von Wolfram Klein, Stuttgart<\/i><br \/>  Durch die enge Verflechtung mit Argentinien steckt Uruguay schon das vierte Jahr in einer Rezession. Die offizielle Arbeitslosigkeit betr&auml;gt inzwischen 16 Prozent. Die Regierung hat auf die Krise mit K&uuml;rzungen und Steuererh&ouml;hungen reagiert, was schon zu massiven Protesten bis hin zu einem Generalstreik im Juni gef&uuml;hrt hat.<br \/>  Jetzt ist Uruguay die Rolle als &#x84;Schweiz Lateinamerikas&#x93; zus&auml;tzlich zum Verh&auml;ngnis geworden. In der Vergangenheit hatte die verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Stabilit&auml;t des Landes (die aber nicht mit Demokratie gleichbedeutend war, sondern brutale Milit&auml;rdiktaturen einschloss) das Land zu einem Finanzzentrum, auch f&uuml;r die Nachbarl&auml;nder, gemacht. Als Folge haben zum Beispiel viele reiche Argentinier ihr Geld nicht nur in Europa, sondern auch in Uruguay angelegt. <br \/>  Als Ende letzten Jahres die argentinische Regierung die Geldbetr&auml;ge drastisch begrenzte, die von den Konten abgehoben werden d&uuml;rfen, gingen diese Reichen daran, ihre Konten in Uruguay zu leeren. Im ersten Halbjahr wurde ein Drittel der Bankeinlagen in Uruguay abgehoben. Die Folge war ein Kursverlust des uruguayischen Peso und ein drastischer R&uuml;ckgang der Devisenreserven des Landes, da die Notenbank Devisen verkaufte, um den Peso zu st&uuml;tzen, bis sie schlie&szlig;lich den Kurs freigab, worauf der Peso im Juli die H&auml;lfte seines Wertes gegen den Dollar verlor. <\/p>\n<p>  <font color=\"#cc0000\"><b>Generalstreik<br \/>  <\/b><\/font><br \/>  Ende Juli zog die Regierung die &#x84;Notbremse&#x93;. Die Banken wurden f&uuml;r sechs Tage geschlossen. Die Bev&ouml;lkerung, die nicht mehr an ihr Geld kam, reagierte wie in Argentinien mit Protesten und vereinzelten Pl&uuml;nderungen, um an Lebensmittel zu kommen. Am 30. Juli fand ein Generalstreik statt, zu dem die 42 Mitgliedsgewerkschaften des gr&ouml;&szlig;ten Dachverbandes PIT-CNT einstimmig aufriefen.<br \/>  Inzwischen sah sich die US-Regierung gezwungen, ihre Politik zu &auml;ndern, die lateinamerikanischen L&auml;nder seelenruhig wirtschaftlich gegen die Wand fahren zu lassen. Sie gab Uruguay einen &Uuml;berbr&uuml;ckungskredit von 1,5 Milliarden Dollar, der durch Kredite von IWF, Weltbank und Interamerikanische Entwicklungsbank abgel&ouml;st werden soll, die EU will gro&szlig;z&uuml;gige 18,6 Millionen Euro geben.<br \/>  Im Vergleich zu den wirtschaftlichen Sch&auml;den, die IWF, Weltbank, die multinationalen Konzerne und die ihnen dienenden Regierungen in den USA, Europa und auch Lateinamerika den Menschen dort zugef&uuml;gt haben, sind diese Betr&auml;ge kl&auml;glich und v&ouml;llig unzureichend &#x96; und vor allem mit der Fortsetzung der bisherigen Politik verbunden. Die UN-Wirtschaftskommission f&uuml;r Lateinamerika und die Karibik CEPAL sch&auml;tzt, dass dieses Jahr die Wirtschaft in ganz Lateinamerika um 0,8 Prozent schrumpfen wird, in Uruguay um 5 Prozent und in Argentinien sogar um 13,5 Prozent.<br \/>  Der Kredit erm&ouml;glichte der Regierung zwar, die Banken wieder zu &ouml;ffnen, die Proteste gingen aber weiter, unter anderem mit einem dreit&auml;gigen Streik im Gesundheitswesen (viele Krankenh&auml;user k&ouml;nnen ihre PatientInnen nicht mal mehr ern&auml;hren) und einem weiteren Generalstreik am 7. August.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><i>Die Krisenspirale in Lateinamerika dreht sich weiter<\/i><\/p>\n<p> In Venezuela gab es Zusammenst&ouml;&szlig;e mit der Polizei, weil das Oberste Gericht Teilnehmer des Putschversuchs vom April freisprach. In Kolumbien verh&auml;ngte die Regierung den Ausnahmezustand. 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