{"id":10104,"date":"2002-09-06T09:36:35","date_gmt":"2002-09-06T09:36:35","guid":{"rendered":".\/?p=10104"},"modified":"2002-09-06T09:36:35","modified_gmt":"2002-09-06T09:36:35","slug":"10104","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/09\/10104\/","title":{"rendered":"Skandale ersch&uuml;ttern das Weltfinanzsystem"},"content":{"rendered":"<p><i>Peter Taaffe, 9. Juli 2002<\/i><\/p>\n<p> &#x84;Wenn das Kreditwesen als Haupthebel der &Uuml;berproduktion und &Uuml;berspekulation im Handel erscheint, so nur, weil der Reproduktionsprozess, der seiner Natur nach elastisch ist, hier bis zur &auml;u&szlig;ersten Grenze forciert wird, und zwar deshalb forciert wird, weil ein gro&szlig;er Teil des gesellschaftlichen Kapitals von den Nichteigent&uuml;mern desselben angewandt wird, die daher ganz anders ins Zeug gehen als der &auml;ngstlich die Schranken seines Privatkapitals erw&auml;gende Eigent&uuml;mer, soweit er selbst fungiert &#8230;<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDas Kreditwesen beschleunigt daher die materielle Entwicklung der Produktivkr&auml;fte und die Herstellung des Weltmarkts, die als materielle Grundlagen der neuen Produktionsform bis auf einen gewissen H&ouml;hegrad herzustellen die historische Aufgabe der kapitalistischen Produktionsweise ist. Gleichzeitig beschleunigt der Kredit die gewaltsamen Ausbr&uuml;che dieses Widerspruchs, die Krisen, und damit die Entwicklung der Elemente der Aufl&ouml;sung der alten Produktionsweise<br \/>  Die dem Kreditsystem immanenten doppelseitigen Charaktere: einerseits die Triebfeder der kapitalistischen Produktion, Bereicherung durch Ausbeutung fremder Arbeit, zum reinsten und kolossalsten Spiel- und Schwindelsystem zu entwickeln, und die Zahl der den gesellschaftlichen Reichtum ausbeutenden Wenigen immer mehr zu beschr&auml;nken; andrerseits aber die &Uuml;bergangsform zu einer neuen Produktionsweise zu bilden, &#x97; diese Doppelseitigkeit ist es, die den Hauptverk&uuml;ndern des Kredits &#x85; ihren angenehmen Mischcharakter von Schwindler und Prophet gibt.&#8220; [Karl Marx, Kapital, Band 3, Kapitel 27, Marx Engels Werke, Band 25, S. 457.]<br \/>  Obwohl der moderne Kapitalismus unendlich komplexer als in Marx&#x92; Tagen ist, erkl&auml;ren diese vor mehr als 100 Jahren geschriebenen Zeilen die Wirklichkeit hinter der j&uuml;ngsten Flut von Finanzskandalen und -kollapsen mehr als die Millionen Worte, die aus den M&uuml;ndern und aus den Stiften kapitalistischer Kommentatoren und &Ouml;konomen gestolpert sind. Kredit dehnt in einer kapitalistischen Wirtschaft, sagt Marx, den Boom &uuml;ber seine &#x84;nat&uuml;rliche Grenze&#x93;, wie ein St&uuml;ck Gummi manchmal bis zum Zerrei&szlig;en gedehnt wird.<\/p>\n<p>  <font color=\"#cc0000\"><b>WorldCom-Schwindler<br \/>  <\/b><\/font><br \/>  Ein wesentlicher Teil dieses System ist der &#x84;angenehmen Mischcharakter von Schwindler und Prophet&#8220;, der sich am &#x84;reinsten und kolossalsten Spielsystem&#x93; beteiligt. Aber die t&auml;gliche Litanei von Finanzzusammenbr&uuml;chen &#x97; Enron, Global Crossing, WorldCom, Xerox, Vivendi &#x97; hat moderne Schwindler hervorgebracht &#x97; Kenneth Lay von Enron, Bernard Ebbers von WorldCom &#x97; die die Schwindler aus Marx&#x92; Tagen wie Wohnungseinbrecher gegen&uuml;ber Bankr&auml;ubern erscheinen lassen. Selbst der Daily Mirror in London musste zugeben: &#x84;Karl Marx muss sich vor Freude seine H&auml;nde reiben und sagen: &#x91;Ich hab&#x92;s euch doch gesagt&#x92;.&#8220; [29. Juni 2002.]<br \/>  Die gro&szlig;e Mehrheit der kapitalistischen Kommentatoren eilt aber zur Verteidigung ihres Systems &#x97; &#x84;US-Kapitalismus unten, nicht raus&#8220; [Financial Times]; oder: &#8222;Dies ist keine Krise des Kapitalismus, nach der sich die Alte Linke sehnt &#8220; [Polly Toynbee, The Guardian, London]. Andere spielen auf der Klaviatur, dass der Kapitalismus &#x84;das beste System ist, das wir haben&#8220;, w&auml;hrend manche in einem grotesken Nachklang des ber&uuml;chtigten Gordon Gecko in Oliver Stones Wall Street, sogar verk&uuml;ndeten, dass &#x84;Gier gut ist&#x93; [Samuel Brittan, Financial Times].<br \/>  Alles das wird gemacht, um die Furcht der Kapitalisten und ihrer Mietlinge zu maskieren, dass das Kartenhaus, das in den neunziger Jahren aufgebaut wurde, vor dem Zusammenbruch steht. Wir m&uuml;ssen uns erinnern, das der Boom zum &#x84;neuen Paradigma&#8220; ausgerufen wurde, das sich in die unbestimmte Zukunft ausdehnen werde. Die Behauptung, dass der Zusammenbruch dieser Firmen nicht mehr anzeigt als dass es &#x84;ein paar faule &Auml;pfel&#x93; gibt, stellt die Wahrheit auf den Kopf. Der ganze Korb voll &Auml;pfel und der Korb selber faulen und sind dicht daran, durchzufaulen. Gerade der Charakter des Booms der neunziger Jahre sorgte daf&uuml;r.<br \/>  Wie immer beim Kapitalismus, der ein System ist, das blind funktioniert, wird das erst jetzt mit der Ersch&ouml;pfung des Booms offenkundig. In den Worten von Warren Buffett, dem reichsten und bestbekannten &#x84;Investor&#x93; der USA: &#x84;erst wenn der Wasserspiegel sinkt, kann man sehen, wer ohne Badekleidung schwimmt&#8220;. Als 1997 die Asienkrise hereinbrach, knurrten US-Wirtschaftskommentatoren &uuml;ber asiatischen &#x84;G&uuml;nstlingskapitalismus&#x93;. Fortune, das US-Unternehmermagazin, warnte seine Leser vor den Gefahren von Investitionen in S&uuml;dostasien: &#x84;Man kann den Firmen nicht trauen, man kann den Regierungen nicht trauen, man kann der Analyse nicht trauen, man kann nicht mal den Anlagefondsmanagern trauen.&#8220; Asien 1997, die USA heute!<br \/>  Das vielger&uuml;hmte neoliberale angels&auml;chsische Modell f&uuml;r den Kapitalismus, das angeblich Asien oder Europa weit &uuml;berlegen sein sollte, vom krisengesch&uuml;ttelten Japan ganz zu schweigen, liegt jetzt in Ruinen. Der Schmarotzercharakter dieses Modells &#x97; Entscheidungen auf der Grundlage von Aktion&auml;rsdruck und Wert, der kolossale Prozess der Fusionen und Aufk&auml;ufe, die sich allein 1999 auf mindestens eine Billion in Europa und den Vereinigten Staaten beliefen &#x97; ist klar. Es hat jetzt den gr&ouml;&szlig;ten Bankrott (Enron) und den gr&ouml;&szlig;ten Buchf&uuml;hrungsbetrug  (WorldCom) der Welt erzeugt. Zus&auml;tzlich haben die zwei gr&ouml;&szlig;ten Aufk&auml;ufe in der Geschichte, Vodaphone&#x97;Mannesmann und AOL&#x97;Time Warner, &#x84;Hunderte Milliarden Dollar an Mitteln der Aktion&auml;re zerst&ouml;rt.&#8220; [The Guardian, 27. Juni, 2002.]<br \/>  Will Hutton, fr&uuml;herer Herausgeber des Observer in London, und Verteidiger des &#x84;europ&auml;ischen Kapitalismus&#x93; gegen das US-Modell, bemerkt scharf &uuml;ber diesen Prozess: &#x84;Die Mehrheit der Fusionen und &Uuml;bernahmen in dieser b&ouml;rsendominierten Wirtschaft (der USA) haben sich als zerst&ouml;rerisch erwiesen; wenige hatten irgendeinen Wert und die meisten verringern ihn. Zwischen 1993 und 2000, hat Wall Street 3.500 kleine High-tech-Firmen an die B&ouml;rse gebracht. Schon bevor die Dotcom-Blase geplatzt ist, wurde mehr als die H&auml;lfte unter ihrem Einf&uuml;hrungskurs gehandelt oder war pleite gegangen. W&auml;hrend sich die ausgesch&uuml;ttete Dividende als Teil des Profits verdoppelt hat, waren Investitionen im Kern der amerikanischen Wirtschaft besorgniserregend niedrig, die US haben weniger investiertes Kapital pro Besch&auml;ftigte als Frankreich oder Deutschland&#8220;.<br \/>  Tats&auml;chlich machte die industrielle Basis der USA in den neunziger Jahren den selben &#x84;Aush&ouml;hlungs&#x93;prozess durch wie Britannien fr&uuml;her durch die verr&uuml;ckte thatcheristische Entindustrialisierungspolitik. Die Giganten in den USA, die weitgehend vom Finanzmarkt getrieben und Sklaven des &#x84;Shareholder Value&#x93; sind, haben alles gemacht, um den B&ouml;rsenwert der Firma zu maximieren, einschlie&szlig;lich der F&uuml;llung der Taschen der Firmenvorst&auml;nde (CEOs). In der Tat lassen die &#x84;Industriekapit&auml;ne&#x93; (in Wirklichkeit &#x84;Nicht-Industrie&#x93;) in den neunziger Jahren Gordon Gecko im Vergleich als einf&auml;ltigen Liberalen erscheinen.<br \/>  Die kapitalistischen Kommentatoren tr&ouml;sten sich mit der Bemerkung, dass alle Booms &#x84;Unkosten&#x93; (will sagen: Schwindelei in massivem Ausma&szlig;) mit sich bringen. Dies enth&uuml;llt sich erst, wenn der Boom platzt, angefangen mit der Tulpenmanie im 17. Jahrhundert &uuml;ber den Wall-Street-Krach 1929. Aber nie in der Geschichte haben Finanzkniffe, Betrug und &#x84;G&uuml;nstlingskapitalismus&#x93; in solchem Ausma&szlig; wie im Boom der neunziger Jahre stattgefunden. Selbst der Guardian musste kommentieren: &#x84;Es wird klar, dass es in den sp&auml;ten neunziger Jahren tats&auml;chlich um unkontrollierte Gier und Korruption ging. Es war eine Zeit, wo viele die Augen zudr&uuml;ckten und das Niveau des Firmenmanagement und der Buchpr&uuml;fung in vielen F&auml;llen klar lasch wurde.&#8220;<br \/>  Der Ausdruck &#x84;lasch&#x93; ist eine massive Untertreibung, wenn man ihn auf die j&uuml;ngsten Beispiele von Finanzskandalen anwendet. Buchpr&uuml;fer sind die angeblichen Wachhunde der Wirtschaft, aber Buchpr&uuml;fungsfirmen wie Andersen sind Komplizen bei der Vertuschung, die die Verewigung des massiven Betrugs erm&ouml;glichte, zum Beispiel im Fall Enron. Die riesigen Geb&uuml;hren, die an Buchpr&uuml;fer gezahlt werden, die selbst multinationale Konzerne sind, sichern ihre Komplizenschaft bei dem Betrug, der stattfindet.<br \/>  Firmenvorst&auml;nde, die mehr als 50 Prozent ihres Gehalts in den USA in &#x84;Aktienoptionen&#x93; ausgezahlt erhalten, haben auch ein Interesse, einen Anstieg des B&ouml;rsenkurses sicherzustellen, der wiederum einen Anstieg ihres Einkommens sichert. Dies f&uuml;hrte im Fall von WorldCom zur Vertuschung eines &#x84;schwarzen Lochs&#x93; von 4 Milliarden Dollar. Sie stiegen immer noch die goldene Treppe des Kapitalismus nach oben. Dies alles half, Aktienkurse auf beispielhafte H&ouml;hen des 30-, 40- oder gar 50-fachen, des wirklichen Wert des Sachkapitals anzuheben.<\/p>\n<p>  <font color=\"#cc0000\"><b>Massive Lohnunterschiede<br \/>  <\/b><\/font><br \/>  Egal, die Geh&auml;lter der Bosse stiegen auf beispiellose Weise. 1980 bekam ein Vorstandsmitglied in den USA 42 Dollar f&uuml;r jeden Dollar, den seine oder ihre ArbeiterInnen verdienten. 1990 hatte sich dies auf 85 Dollar gespreizt und 2000 verdienten Vorstandsmitglieder 531 Dollar f&uuml;r jeden Dollar, den einfache ArbeiterInnen bekamen! Jay Lorsch von der Harvard Business School, der urspr&uuml;nglich die &#x84;Faule-&Auml;pfel&#x93;-Theorie vorschlug, aber dann gezwungen war, sie zu &auml;ndern, kommentiert das Verhalten der Vorstandsmitglieder: &#x84;Ich komme immer mehr zu der Schlussfolgerung, dass es eine riesige Verschiebung in den Werten und Zielen der Firmenvorst&auml;nde in den vergangenen 20 Jahren gegeben hat vom Aufbau gro&szlig;er Firmen zu ihrer eigenen Ber&uuml;hmtheit und pers&ouml;nlichem Reichtum. Sie wurden die &uuml;berlebensgro&szlig;en John Wayne, und fangen an zu glauben, was die Zeitungen &uuml;ber sie schreiben.&#8220;<br \/>  Der durchschnittliche Industriearbeiter ist verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig verarmt, viele auch real. Aber die Mehrheit der W&auml;hlerInnen bei US-Wahlen haben auch bei dem B&ouml;rsenzusammenbruch verloren, der stattgefunden hat. F&uuml;nfzig Prozent der Leute, die bei den letzten US-Wahlen w&auml;hlten, besitzen Aktien. Der Fall der B&ouml;rsenkurse wird sie getroffen haben, aber der Prozess ist noch nicht zu Ende. 1996 griff der Vorsitzende der US-Notenbank, Alan Greenspan, den &#x84;irrationalen &Uuml;berschwang&#8220; der Aktienanleger an. Seit dem ist der Wert der Aktien vor&uuml;bergehend um 50 Prozent &uuml;ber das Niveau von 1996 gestiegen. Selbst mit dem j&uuml;ngsten Fall ist es immer noch nicht auf das Niveau von 1996 zur&uuml;ckgekehrt. Dies zeigt, dass weitere R&uuml;ckg&auml;nge von Aktienkursen wahrscheinlich sind, die nicht v&ouml;llig durch einen Anstieg der Hauspreise ausgeglichen werden.<br \/>  Was diese Ereignisse unterstrichen haben, ist das v&ouml;llig falsche Bild des Booms der neunziger Jahre, das die kapitalistischen &Ouml;konomen damals pr&auml;sentierten, das leider damals manche angeblichen &#x84;MarxistInnen&#x93; einnahm. Der US-Kapitalismus, sagten sie, habe eine neue langfristige Wachstumsphase begonnen, die sich in die unbestimmte Zukunft ausdehne und durch ein beispielloses Wachstum in der Produktivit&auml;t besonders der USA gest&uuml;tzt werde. Alles daran hat sich jetzt als falsch erwiesen: Profite waren k&uuml;nstlich aufgebl&auml;ht und die Firmenbilanzen &#x84;vergiftet&#x93;. Das viel ger&uuml;hmte &#x84;Produktivit&auml;tswunder&#x93; wurde damals als Tatsache akzeptiert, aber das CWI und die Socialist Party in Britannien argumentierten in ihrem schriftlichen Material heftig dagegen.<br \/>  Nat&uuml;rlich versucht die herrschende Klasse, sich mit der Idee zu beruhigen, dass all diese Entwicklungen &#x84;Schaum&#x93; seien, weil die &#x84;Grunddaten&#x93; der US- und Weltwirtschaften &#x84;gesund&#x93; blieben. Sie pfeifen im Dunkeln, um den Mut nicht zu verlieren. In der Tat hat in den letzten paar Monaten die Mehrheit der kapitalistischen &Ouml;konomen behauptet, dass nicht nur das &#x84;Schlimmste&#x93; vorbei sei, sondern dass wir in der Tat eine &#x84;Rezession, die es nie gab&#x93;, durchgemacht h&auml;tten. Sie verglichen die Weltwirtschaft mit einem Flugzeug und argumentierten, dass sie statt einer Landung &#x97; einer Rezession &#x97; blo&szlig; die Landebahn &#x84;ber&uuml;hrt habe&#x93; und erneut in den Himmel entfleuchen werde. Dies ist ein v&ouml;llig falsches Bild der wirtschaftlichen Ereignisse der letzten 12 Monate. Es gab nicht nur eine betr&auml;chtliche Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft, sondern die Zunahme des Welthandels schrumpfte von 12 Prozent auf fast Null 2001. Dies war ein noch tieferer Fall als in der Rezession 1990-92. Die OECD erwartet jetzt, dass die Besch&auml;ftigung in den fortgeschrittenen kapitalistischen L&auml;ndern dieses Jahr zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten f&auml;llt.<\/p>\n<p>  <font color=\"#cc0000\"><b>Die US-Wirtschaft ist der Schl&uuml;ssel<br \/>  <\/b><\/font><br \/>  Die US-Wirtschaft ist immer noch der Schl&uuml;ssel f&uuml;r die Aussichten der Weltwirtschaft. US-VerbraucherInnen, wir m&uuml;ssen das wiederholen, waren die VerbraucherInnen des letzten Auswegs, die es schafften, die Welt selbst w&auml;hrend der asiatischen Finanzkrisen von 1997, dem Finanzkollaps von Russland 1998, den Problemen Brasiliens 1999 und selbst w&auml;hrend der letzten tiefen Krise freizukaufen. Sie saugten Importe aus dem Rest der Welt ein und &#x97; noch wichtiger &#x97; ausl&auml;ndische Investoren waren gl&uuml;cklich, Geld in den US-Markt zu sch&uuml;tten, um von den boomenden High-tech-Industrien zu profitieren. Jetzt sind sie abgeschreckt, mehr Geld in die US-Wirtschaft zu pumpen. Ein &#x84;globaler &Ouml;konom&#x93; hat kommentiert: &#x84;Wir dachten, es sei eine Blase, aber vielleicht war das Ganze &uuml;bertrieben. Der Dollar-Bullenmarkt war schlicht und einfach falsch.&#8220;<br \/>  Das riesige Zahlungsbilanzdefizit von 4,3 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2002 (und es ist auf dem Weg zu einem Rekorddefizit von 5 Prozent) wurde durch die Milliarde Dollar t&auml;glich gedeckt, die ausl&auml;ndische Investoren in die US-M&auml;rkte sch&uuml;tteten. Aber die j&uuml;ngste Abwertung des Dollar, gerade weil die &#x84;Grunddaten&#x93; der US-Wirtschaft keineswegs gesund sind, drohte ohne die Intervention der Bank von Japan und wahrscheinlich, hinter den Kulissen, auch anderer Zentralbanker, in den freien Fall &uuml;berzugehen. Der Dollar ist jetzt fast gleichauf mit dem Euro und k&ouml;nnte in der n&auml;chsten Periode auf ein noch niedrigeres Niveau rutschen.<br \/>  Folglich haben die Finanziers die &#x84;Auferstehung&#x93; des vorher &#x84;geschm&auml;hten&#x93; Euro gepriesen. Die Financial Times erkl&auml;rte triumphierend: &#x84;F&uuml;r die stolzen Eltern des gepiesackten Kindes (des Euro) ist dies eine gl&uuml;ckliche Zeit. Der Tag ihres Euro ist gekommen.&#8220; Aber der Anstieg des Euro ist ein gemischter Segen f&uuml;r die europ&auml;ischen Kapitalisten, da er die Kosten europ&auml;ischer Exporte auf den US-Markt hochtreibt, der f&uuml;r eine von wirtschaftlicher Stagnation und steigender Arbeitslosigkeit heimgesuchte Eurozone entscheidend ist (f&uuml;r die Arbeiterklasse bedeutete die Einf&uuml;hrung des Euro, dass die Bosse die Preise f&uuml;r Waren und Dienstleistungen erh&ouml;hten). Japan war auch betroffen, weil die Abwertung des Yen teilweise durch den Fall im Dollar wettgemacht wurde.<br \/>  Aber die wirkliche Sorge ist, dass es eine Weltfinanzkrise ausl&ouml;sen k&ouml;nnte, wenn der Dollar in den freien Fall &uuml;bergehen w&uuml;rde, was wiederum selbst die ersten &#x84;Spr&ouml;sslinge&#x93; der angeblichen Erholung der Weltwirtschaft ersticken k&ouml;nnte. Der Zusammenbruch der Aktien und der Niedergang des Dollar, der Importpreise in den USA hochtreiben wird, m&uuml;ssen eine Wirkung auf die vielger&uuml;hmte Neigung der US-Bev&ouml;lkerung haben, immer und immer schneller zu konsumieren.<br \/>  Manche kapitalistischen Kommentatoren haben sich damit beruhigt, dass sich die verarbeitende Industrie in den USA in der vergangenen Periode etwas verbessert zu haben scheint. Aber dies lag weitgehend am Wiederauff&uuml;llen von Lagerbest&auml;nden mit einer leichten Verbesserung bei der Besch&auml;ftigung, besonders von ZeitarbeiterInnen. Die USA leiden jetzt praktisch an einem dreifachen Defizit: Haushalte verschuldet, die Regierung verschuldet und die Nation als Ganzes verschuldet. Werden die VerbraucherInnen mit dem &#x84;Verbrauchen&#x93; weitermachen d&uuml;rfen? Wenn es nach Greenspan geht, wird dies weiterhin der Fall sein, da die US-Notenbank eine Politik der Verringerung von Kreditkosten mit Zinsen unterhalb der Inflation betrieben hat.<\/p>\n<p>  <font color=\"#cc0000\"><b>Boomender Wohnungsmarkt<br \/>  <\/b><\/font><br \/>  Der Boom auf dem Wohnungsmarkt in Britannien und den USA insbesondere ist ein Faktor, der es Hauseigent&uuml;mern erlaubt, den vergr&ouml;&szlig;erten Wert ihrer H&auml;user zu beleihen und daher weiter Geld auszugeben. Auf der anderen Seite k&ouml;nnte die Deflation bei den Aktien, deren Kurse, wie oben argumentiert, weiter fallen k&ouml;nnen, VerbraucherInnen, besonders in den USA, &uuml;berzeugen, ihre F&uuml;hler einzuziehen und ihre Ersparnisse wiederaufzubauen. Zusammen mit dem &#x84;hei&szlig;en Geld&#x93;, das in der j&uuml;ngsten Periode in die USA ging und jetzt in den sichereren und gewinnbringenderen Hafen Europa geht, ist es kein Wunder, dass die Financial Times die Aussichten f&uuml;r die US-Wirtschaft mit der Schlagzeile zusammenfasst: &#x84;Der Adler landet&#8220;. Die Furcht vor einem weiteren Zusammenbruch wurde von einem britischen Aktienh&auml;ndler zusammengefasst, &#x84;zu jung, um die Wirtschaftskrise 1974 miterlebt zu haben, aber alt genug, um w&auml;hrend dem Krach 1987 gearbeitet zu haben. Er bat, nicht namentlich genannt zu werden, da seine Ansichten mit denen seiner Firma nicht &uuml;bereinstimmten. &#x91;Offiziell ist der Hintergrund in der globalen Wirtschaft nicht zu schlecht. Es gibt irrationalen Pessimismus. Inoffiziell ist es beschissen.&#x92;&#8220;<br \/>  Erneut haben kapitalistische &Ouml;konomen begonnen, sich um ein gef&uuml;rchtetes &#x84;doppeltes Eintauchen&#x93; der US-Wirtschaft zu sorgen, das sie bis vor kurzem abtaten. Dies w&auml;re &#x84;furchtbar f&uuml;r Deutschland und Japan, die beide schwache Binnennachfrage haben und so von der Exportnachfrage aus den Staaten abh&auml;ngen.&#8220; [Hamish McRae, The Independent.] Nachdem McRae dieses Gespenst angesprochen hat, tut er es ab: &#x84;Die Gefahr ist klein.&#8220; Aber andere kapitalistische &Ouml;konomen benutzen die selben Ausdr&uuml;cke wie die MarxistInnen, dass dies keine &#x84;episodische&#x93;, sondern eine &#x84;Systemkrise&#x93; ist.<br \/>  Entscheidend ist, dass Profite und Investitionen in den letzten zwei Jahren gefallen sind und jetzt stagnieren. Dies ist die Lage in Japan: &#x84;Schwache Kapitalinvestitionen in Japan&#8220; [Financial Times] und &#8222;Fall bei Investitionen erzeugt dauerhaften Schaden&#8220; [Financial Times &uuml;ber die britische Wirtschaft]. Der j&uuml;ngste Bericht von der Unternehmerinformationsfirma Experian sagt, dass &#x84;der durchschnittliche Ertrag von Firmenkapital auf 8,37 Prozent fiel. Dies ist im Vergleich zu 9,05 Prozent im vorigen Quartal und 10,84 Prozent im ersten Quartal letztes Jahr. Peter Brooker, ein Direktor von Experian, der die Rentabilit&auml;t von 2.000 Unternehmen untersucht hat, die drei Viertel des britischen BIP au&szlig;erhalb des Finanzsektors erzeugen, sagte: &#x91;Die Wirtschaft ist zwar weiter gewachsen, es war aber auf Kosten der Gewinnspanne und von Arbeitspl&auml;tzen&#x92;&#x85;<br \/>  Rentabilit&auml;t bei Maschinenbaufirmen fiel von 6,93 Prozent auf 4,81 Prozent in einem Jahr, was den R&uuml;ckgang auf etwa 60 Prozent &uuml;ber drei Jahre erh&ouml;hte. Aber der sch&auml;rfste Fall bei den Ertr&auml;gen war unter Autoh&auml;ndlern, die von Preissenkungen bei Herstellern getroffen wurden, die auch einen Preisfall bei Gebrauchtwagen ausl&ouml;sten. Hier ging der Kapitalertrag um mehr als ein Drittel im Verlauf des Jahres auf 6,16 Prozent zur&uuml;ck.&#8220; [Financial Times, 6. Juli 2002.]<br \/>  Gleichzeitig kommentiert die gleiche Zeitung: &#x84;Das Verh&auml;ltnis der Haushaltsschulden zu den Einkommen ist auf einem Allzeithoch&#8220;. Dies ist vor dem Hintergrund von umfangreichen Entlassungen, scheiternder Firmen, besonders in den kr&auml;nkelnden Telekom- und Technologiebranchen der Wirtschaft. Motorola und Cap Gemini, Ernst and Young, zum Beispiel haben zusammen fast 12.500 Arbeitspl&auml;tzen wegen der fortgesetzten Krise in dieser Branche gestrichen.<br \/>  Wenn die US-Wirtschaft ins Trudeln geraten sollte &#x97; eine schwere Krise oder ernste Rezession &#x97; wird es L&auml;nder und sogar Regionen der Weltwirtschaft &uuml;ber die Kante sto&szlig;en, die entweder in einer wirtschaftlichen Kernschmelze sind &#x97;Argentinien &#x97; oder drohen, andere in den Abgrund zu sto&szlig;en, wie Brasilien, Uruguay und Paraguay in Lateinamerika. Das selbe k&ouml;nnte mit der T&uuml;rkei passieren, die zwischen Europa und Asien steht. Als Argentinien zusammenbrach, schien der Gro&szlig;teil von Lateinamerika das gleiche Schicksal zu vermeiden. Die herrschenden Klassen von Lateinamerika und auch die herrschende Klasse der USA gratulierten sich, dass sie eine Lage &auml;hnlich der Asienkrise 1997-98 vermeiden hatten, wo L&auml;nder einander in Finanzpanik und Zusammenbruch folgten.<\/p>\n<p>  <b><font color=\"#cc0000\">&#x84;Moralisches Risiko&#x93;<\/font><\/b><\/p>\n<p>  Besonders die herrschende Klasse der USA redete Phrasen &uuml;ber die Vermeidung von &#x84;moralischem Risiko&#x93;, Vorschriften f&uuml;r staatliches Eingreifen in das sogenannte &#x84;freie Spiel der Marktwirtschaft&#x93;. Aber jetzt stehen sie davor, dass die Schatten von Asien sich auf Lateinamerika auswirken, indem sich finanzielle und wirtschaftliche Dominoeffekte vom Sorgenkind Argentinien auf den Rest des Kontinents ausbreiten. Uruguay hat einen betr&auml;chtlichen Fall in seinem Bruttoinlandsprodukt seit 1998 erlebt. Brasilien auf der anderen Seite schien zuerst von Argentiniens Schwierigkeiten zu profitieren mit der Abwertung der brasilianischen W&auml;hrung Real und gesteigerten Exporten.<br \/>  Aber auf der anderen Seite der Gleichung war in Brasilien der dramatische Anstieg der Schulden des &ouml;ffentlichen Sektors von 34 Prozent 1987 auf 49 Prozent 1995, die jetzt  bei 55 Prozent des BIP stehen. Nur eine Minderheit dieser Schulden sind gegen&uuml;ber dem Ausland, aber ein betr&auml;chtlicher Teil ist an den Dollar gebunden. Brasiliens gesamte Auslandsschuld, die weniger als 50 Prozent des BIP betr&auml;gt, besteht obendrein in erster Linie gegen&uuml;ber dem Privatsektor im Westen. Gleichzeitig ist diese Summe mehr als 310 Prozent der Exporte von Waren und Dienstleistungen, was die M&ouml;glichkeit aufwirft, dass Brasilien nie in der Lage sein wird, seine Schulden zu bezahlen. Das reale Wachstum in der Wirtschaft fiel von 4,4 Prozent 2001 auf 1,5 Prozent 2002.<br \/>  Dazu kommt die &#x84;Gefahr&#x93; eines Sieges von Lula und der Arbeiterpartei (PT) bei den Wahlen im Oktober. Die herrschende Klasse in Brasilien und international scheint von Panik erfasst zu werden, obwohl Lula und sein Vizepr&auml;sidentschaftskandidat, ein f&uuml;hrender brasilianischer Industrieller, Gesch&auml;ftsleuten versicherten, dass eine PT-Regierung eine streng orthodoxe Finanzpolitik verfolgen w&uuml;rde. Aber die PT war nie an der Macht auf nationaler Ebene und ist daher ein unbekannter Faktor. Die Kapitalisten f&uuml;rchten, dass von einer wachger&uuml;ttelten Arbeiterklasse auf eine Lula-gef&uuml;hrte Regierung Druck ausge&uuml;bt werden kann, radikale Ma&szlig;nahmen durchzuf&uuml;hren, besonders wenn sie vor dem Hintergrund einer Finanz- und Wirtschaftskernschmelze an die Macht kommt.<br \/>  Die herrschende Klasse der USA scheint offiziell die selbe H&auml;nde-weg-Politik gegen&uuml;ber Brasilien wie dem Rest von Lateinamerika betreiben zu wollen, die sie bis vor kurzem gegen&uuml;ber Argentinien betrieben. Der US-Schatzminister, der wirtschaftliche Hinterw&auml;ldler O&#x92;Neill, erkl&auml;rte im Juni: &#x84;Mehr Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Brasilien ist ein Fehler&#8220;. Aber sein B&uuml;ro &#x84;stellte&#x93; diese Erkl&auml;rung &#x84;klar&#x93; und distanzierte sich praktisch von O&#x92;Neill.<br \/>  Die Bush-Regierung ist, obwohl sie das Gegenteil behauptet, eine der interventionistischsten in der j&uuml;ngsten US-Wirtschaftsgeschichte. Sie hat im Gefolge des 11. September riesige Geldmengen durch Ma&szlig;nahmen der Notenbank bei der Zinssenkung, Steuersenkungen, vergr&ouml;&szlig;erte Milit&auml;rausgaben etc. in die Wirtschaft gepumpt. Gegenw&auml;rtig nutzt sie Druck &uuml;ber den IWF, um das Abgleiten des Dollar zu verhindern. Durch ihren Einfluss bei Weltbank, IWF etc. stellte sie letztes Jahr Ressourcen  zum Loskaufen der T&uuml;rkei bereit. Jetzt steht die vor einer weiteren wirtschaftlichen und politischen Krise mit der Aussicht, dass eine pro-islamistische Partei in Ankara an die Macht kommt, und der IWF hat eilig einen Kredit von mehr als einer Milliarde Dollar bewilligt, um das Land weiter loszukaufen.<br \/>  In der Tat ist eine der Folgen dieser Krise weltweit der Zwang, den die verschiedenen kapitalistischen Regierungen f&uuml;hlen, gegen das &#x84;nichtinterventionistische&#x93; Glaubensbekenntnis zu s&uuml;ndigen, das angeblich das &#x84;Allerheiligste&#x93; der nahtlosen Globalisierung war. Jetzt, wo die Krise erst in ihren ersten Etappen ist, greifen die Kapitalisten zum wirtschaftlichen Steuerkn&uuml;ppel und drohen mit einer Kehrtwende. Selbst das neuinstallierte rechte Regime von Chirac in Frankreich hat hinter den Kulissen beim Zusammenbruch des Medienkonglomerat Vivendi interveniert und erforscht die M&ouml;glichkeit der Wiederverstaatlichung der privatisierten France Telecom.<br \/>  Dies ist die Zukunftsmusik im Falle einer ernsthaften Wirtschaftsrezession oder schweren Krise. Es ist ein weiteres Anzeichen f&uuml;r die ungewisse Periode f&uuml;r Kapitalisten, dass sie aus den Aktien in die &#x84;sicheren H&auml;fen&#x93; sogenannter realer Verm&ouml;genswerte gehen: Immobilien, Gold, Bergbauaktien und langfristiger Anlagen in Form von Staatsanleihen. Ob dies eine neue sehr schwere Wirtschaftskrise des Kapitalismus oder eine ernsthafte Rezession, ein doppeltes Eintauchen, andeutet, bleibt abzuwarten. Ein f&uuml;hrender Aktienanalyst in Britannien hat Stagnation bei den Aktien f&uuml;r die n&auml;chsten zehn Jahre &agrave; la Japan vorausgesagt. Stephen King, der f&uuml;r Wirtschaft zust&auml;ndige Direktor der HSBC [Hong Kong Shanghai Banking Corporation in London], hat pointiert geschrieben: &#x84;Obwohl die Politik gegenw&auml;rtig wachstumsf&ouml;rdernd ist, kann es letztlich der Fall sein, dass das Erbe der Seifenblase der sp&auml;ten neunziger Jahre dazu f&uuml;hren wird, nur eine z&ouml;gerliche und zerbrechliche wirtschaftliche Erholung zu erzeugen&#8220;. Dies bedeutet, dass die wirtschaftliche Zukunft f&uuml;r die absehbare Zukunft eine von Stagnation, steigender Arbeitslosigkeit, schrumpfendem Lebensstandard f&uuml;r betr&auml;chtliche Teile der Bev&ouml;lkerung ist.<br \/>  Die Auswirkungen der Deflation der Seifenblase der neunziger Jahre waren schon im Pensionsbereich zu sp&uuml;ren. Millionen ArbeiterInnen in den USA und Europa und auch betr&auml;chtliche Teile der Mittelschicht hatten die Aussicht auf eine verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sichere Zukunft gehabt, die ihnen durch die Milliardenverluste der Pensionsfonds weggeschnappt wurde. Gleichzeitig versucht die herrschende Klasse angesichts der sogenannten demographischen Zeitbombe &#x97; die Menschen leben l&auml;nger &#x97; als Teil der allgemeinen Offensive gegen den Lebensstandard der Arbeiterklasse das Rentenalter f&uuml;r M&auml;nner und Frauen heraufzusetzen. Dies wird bedeuten, dass ein gr&ouml;&szlig;erer Kampf der ArbeiterInnen zur Verteidigung vergangener Errungenschaften auf der Tagesordnung steht.<\/p>\n<p>  <font color=\"#cc0000\"><b>Neue &#x84;Wachhunde&#x93;<\/b><\/font><\/p>\n<p>  Nach jeder Serie gr&ouml;&szlig;erer Finanzskandale, die eine Krise entweder zu begleiten oder auszul&ouml;sen scheinen, erhebt sich der Ruf der kapitalistischen Kommentatoren, dass Finanzwachhunde ihre Arbeit nicht gemacht haben, die Alarmglocken wegen der Finanzunregelm&auml;&szlig;igkeiten der Firmen zu l&auml;uten. Die Financial Times schrieb in Bezug auf Enron: &#x84;Der [Enron-]Aufsichtsrat fragte auch nicht nach Interessenkonflikten, die Aktion&auml;rsinteressen sch&auml;digten. Vorstandsmitglieder durften au&szlig;erhalb der B&uuml;cher Partnerschaften betreiben, die Hunderte Million Dollar auf Enrons Kosten einnahmen.&#8220; [8. Juli 2002.]<br \/>  Ihre L&ouml;sung ist, weitere &#x84;Wachhunde&#x93; zu ernennen. Nach dem Wall-Street-Krach von 1929 verabschiedete der US-Kongress das Securities Exchange Act [Wertpapiertauschgesetz] von 1934. Aber wie John Galbraith in seinem Buch The Great Crash of 1929 [Der Gro&szlig;e Krach von 1929] kommentiert, war es &#x84;damals nicht besonders notwendig. M&auml;rkte und Finanzabenteuer wurden damals und f&uuml;r eine lange Zeit zur&uuml;ckgehalten, nicht durch das SEC, sondern durch die Erinnerung an das, was so vielen 1929 geschah.&#8220;<br \/>  Aber diese &#x84;Kontrollen&#x93; hielten die &#x84;Schwindler und Propheten&#x93; nicht davon ab, sp&auml;ter immer gr&ouml;&szlig;eren Betrug zu begehen, genauso wenig, wie es die &#x84;Wachhunde&#x93; zur Bewachung der &#x84;Wachhunde&#x93; heute machen werden. Die Kapitalisten werden Wege finden, um alle  Beschr&auml;nkungen zu umgehen, die ihnen auferlegt werden. Das Allermindeste, was von arbeitenden Menschen &#x97; die f&uuml;r diese Schwindler zahlen &#x97; gefordert werden sollte, ist die &Ouml;ffnung der Gesch&auml;ftsb&uuml;cher f&uuml;r Komitees von ArbeiterInnen, GewerkschafterInnen und VertreterInnen der VerbraucherInnen. Sogenannte &#x84;Gesch&auml;ftsgeheimnisse&#x93; sollten abgeschafft werden. Sie sind ein Mittel, die dunklen Geheimnisse &#x97; Finanzkniffe &#x97; vor dem Blick der &Ouml;ffentlichkeit verborgen zu halten.  Wenn wir bei den Finanzbetr&uuml;gereien und Verbrechen der Gro&szlig;konzerne alle &#x84;Halt pfeifen&#x93;, dann brauchen wir niemanden Spezielles mehr zum &#x84;Halt  pfeifen&#x93;.<br \/>  Diese Finanzkrise wirkt sich schon auf arbeitende Menschen aus. Arbeitspl&auml;tze gehen verloren, weil Firmen zusammenbrechen und Millionen vor Verlusten bei ihren Ersparnissen und Pensionen stehen. Der Ruf nach der Verteidigung von Arbeitspl&auml;tzen und der &Uuml;bernahme von Firmen, die Besch&auml;ftigung abbauen, in &ouml;ffentliches Eigentum, muss von der Arbeiterbewegung aufgegriffen werden. Vor allem muss die Forderung zu Geh&ouml;r gebracht werden, dass nur die Reichen f&uuml;r diese Krise zahlen und der Staat angemessene Renten f&uuml;r alle garantieren sollte.<br \/>  Kapitalismus bietet eine Periode von Unsicherheit und Ungewissheit. Es ist ein blindes System, bei dem selbst seine &#x84;Experten&#x93; bei Vorhersagen f&uuml;r die Zukunft &#x84;im Kaffeesatz lesen&#x93;. In der heutigen Lage der Weltwirtschaft ist die M&ouml;glichkeit einer weiteren verheerenden Wirtschaftskrise nach dem Vorbild von 1929 enthalten. Auf der anderen Seite ist eine Periode von Stagnation, von Deflation, eine ausgedehnte Periode von Wirtschaftsdepression mit nur schwachem, blutleerem Wachstum der Produktion und eine damit verbundene Zunahme der Bosheiten der Gesellschaft, von Armut, steigender Arbeitslosigkeit, wachsendem Klassenkonflikt etc. m&ouml;glich. Wir m&uuml;ssen auf eine Ver&auml;nderung in der Lage vorbereitet sein, die SozialistInnen und MarxistInnen gro&szlig;e M&ouml;glichkeiten geben wird.<\/p>\n<p>  Peter Taaffe, CWI, 9. Juli 2002<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><i>Peter Taaffe, 9. 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