{"id":10101,"date":"2002-09-04T19:50:59","date_gmt":"2002-09-04T19:50:59","guid":{"rendered":".\/?p=10101"},"modified":"2002-09-04T19:50:59","modified_gmt":"2002-09-04T19:50:59","slug":"10101","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/09\/10101\/","title":{"rendered":"Afghanistan nach den Russen"},"content":{"rendered":"<p>  Editorial in Militant, 10. Februar 1989<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Zur gro&#223;en &#220;berraschung der westlichen kapitalistischen Regierungen   werden alle russischen Kr&#228;fte vor dem 15. Februar aus Afghanistan   abgezogen sein.<br \/>Gorbatschows Gier, den vereinbarten Stichtag   einzuhalten, ist aber so einseitig wie das Genfer Abkommen vom letzten   Jahr. Unter dem von der UN vermittelten Abkommen zwischen der UdSSR, den   USA und Pakistan vereinbarten beide Seiten, die &quot;Einmischung&quot; zu beenden   und die milit&#228;rische Unterst&#252;tzung f&#252;r die miteinander k&#228;mpfenden Kr&#228;fte   in Afghanistan auslaufen zu lassen. W&#228;hrend sich die Sowjetunion   peinlich genau an den Buchstaben des Vertrags hielt haben weder die USA   (durch die CIA) noch Pakistan die Finanzierung und Bewaffnung der   Mudschaheddin eingestellt.<br \/>Als es klar wurde, dass die russischen   Kr&#228;fte tats&#228;chlich am Stichtag drau&#223;en sein w&#252;rden, haben die westlichen   M&#228;chte unter F&#252;hrung der USA, die von Thatcher leidenschaftlich   unterst&#252;tzt werden, ihre Bem&#252;hungen zur Destabilisierung des Regimes von   Pr&#228;sident Nadschibullah gesteigert. Zum Beispiel war der Abzug aller   westlichen diplomatischen Missionen ein offensichtlich kalkulierter   Versuch, bei der Herbeif&#252;hrung des Zusammenbruchs des Kabuler Regimes zu   helfen.<br \/>&#220;bertriebene Propagandageschichten waren immer ein Merkmal   der Berichte aus Afghanistan und dies geht zweifellos weiter.<br \/>Trotzdem   ist das Bild von Chaos und immer gr&#246;&#223;erem Zusammenbruch, das aus den   Fernsehberichten und seri&#246;sen kapitalistischen Medien entsteht, zu   schl&#252;ssig, um ignoriert zu werden.<br \/>Nadschibullah behauptet   trotzig, dass er die Mudschaheddin bis zum bitteren Ende bek&#228;mpfen   werde. Er bekr&#228;ftigt, dass er nicht zur&#252;cktreten werde, um Platz f&#252;r   eine Kompromissregierung zu machen. Er weist Behauptungen zur&#252;ck, dass   sein Regime am Rande des Zusammenbruchs stehe und erkl&#228;rt, dass die   afghanische Armee gest&#228;rkt worden sei. Er behauptet, Kabul werde mit   russischer Hilfe weiterhin versorgt werden.<br \/>Aber die Mudschaheddin   haben trotz ihrer internen Rivalit&#228;ten den Druck verst&#228;rkt, Kabul und   anderen St&#228;dte zu belagern und Kabuls Rettungsleine, die   Salang-Fernstra&#223;e abzuschneiden. Berichte zeigen Brot- und   Erd&#246;lknappheit an.<br \/>Die Stadt ist durch &#252;ber eine Million   Fl&#252;chtlinge angeschwollen. Die gro&#223;en H&#228;rten f&#252;r Teile der Bev&#246;lkerung   wurden durch einen au&#223;erordentlich kalten Winter noch schlimmer gemacht.   Ein paar Berichte, die zweifellos dem Regime gegen&#252;ber feindlich sind,   behaupten, dass Staatsbeamte und Armeeangeh&#246;rige zunehmend ihre Posten   verlassen.<br \/>Nadschibullah sagte k&#252;rzlich Journalisten: &quot;Sicher, sicher   &#8212; ich bin zuversichtlich&quot;. Die Sprecher der westlichen Regierungen   behaupten jedoch, dass seine Tage gez&#228;hlt seien.<br \/>Egal wie sich   die Dinge entwickeln, es gibt keinen Zweifel, dass die Lage einen   kritischen Punkt erreicht hat.<br \/>Die verschiedenen   Mudschaheddin-Gruppen sind durch den russischen Abzug ermutigt und habe   ihre Offensive gesteigert. Sie sind in ihrer Opposition gegen das   Nadschibullah-Regime einig und lehnen jetzt auch unnachgiebig die   Teilnahme der herrschenden Partei, der Volkdemokratischen Partei   Afghanistans (PDPA) in einer provisorischen Versammlung oder   &#220;bergangsregierung ab. Nachdem die PDPA die russische   Milit&#228;runterst&#252;tzung verloren hat, sehen die Mudschaheddin keinen Grund   zum Kompromiss.<br \/>Abgesehen davon sind die Mudschaheddin jedoch v&#246;llig   gespalten. Es gibt sieben Gruppen mit F&#252;hrern, deren Basis Pakistan ist,   und acht Gruppen mit F&#252;hrern im Iran. Sie vertreten verschiedene Teile   der alten herrschenden Schicht Afghanistans und haben verschiedene   reaktion&#228;re Zahlmeister und Patrone im Ausland (wenn auch die meisten   von ihnen einen Teil des Geldes und der Waffen der USA erhalten).<br \/>Sie   sind nach &#246;rtlichen ethnischen und Stammeslinien gespalten. Manche von   ihnen sind sunnitisch und andere schiitisch, viele von ihnen exteme   islamische Fundamentalisten.<br \/>Rivalisierende Gruppen haben   gegeneinander um Kontrolle &#252;ber Gebiete und Beute ebenso sehr wie gegen   das Regime gek&#228;mpft. Bis vor kurzem hatten manche Gruppen einen langen   Waffenstillstand mit der russischen Armee. Diese &quot;heroischen   Widerstandsk&#228;mpfer&quot; sind verantwortlich f&#252;r einen gro&#223;en Teil der eine   Million Toten. Viele der sieben Millionen jetzt als Fl&#252;chtlinge lebenden   AfghanInnen wurden von den barbarischen Aktivit&#228;ten der Mudschaheddin   zur Flucht aus ihren Heimatgebieten gezwungen.<br \/>In den Mudschaheddin   hat sich der Imperialismus ein Monster geschaffen. Der F&#252;hrer einer   Fraktion, der &quot;gem&#228;&#223;igten&quot; Nationalen Islamischen Front mit Sitz in   Pakistan griff seine schiitischen Rivalen an als &quot;wilder als die   Kommunisten, weil sie unter dem Deckmantel des Islam pl&#252;ndern und   morden. Wenn sie die Macht &#252;bernehmen, wird das Blutbad weitere zehn   Jahre weitergehen.&quot;<br \/>Jetzt gibt es Zeichen, dass das Kabuler   Regime in ernsthafter Gefahr ist, die Kontrolle &#252;ber Schl&#252;sselst&#228;dte im   S&#252;den und strategische Fernstra&#223;en zu verlieren, die   &quot;Widerstands&quot;bewegung bedroht das Land mit einer gewaltsamen und   barbarischen Reaktion.<br \/>Das &quot;Abkommen&quot; zwischen dem Imperialismus und   der herrschenden B&#252;rokratie der UdSSR wird keineswegs Frieden   garantieren, sondern eine Periode von B&#252;rgerkrieg einl&#228;uten, in der   Afghanistan zwischen rivalisierenden Kriegsherren zerrissen werden wird.<br \/>Einmarsch<br \/>Wie   ist diese Lage zustande gekommen? Warum hat die russische F&#252;hrung ihre   Kr&#228;fte, nachdem sie Weihnachten 1979 einmarschierten, so &#252;berst&#252;rzt   abgezogen? Was wird das Schicksal des Regimes und der grundlegenden   (wenn auch verzerrten) sozialen Ver&#228;nderungen sein, die 1878-79 begannen?<br \/>Als   die russische B&#252;rokratie in Afghanistan einmarschierte, lehnte   &quot;Militant&quot; das ab. Alle durch die Verteidigung der Abschaffung von   Gro&#223;grundbesitz und Kapitalismus in Afghanistan erreichten   Errungenschaften wurden nach unserer Argumentation v&#246;llig durch die   negativen Wirkungen auf das Bewusstsein der Arbeiterklasse international   wettgemacht.<br \/>Trotzdem argumentierten wird, dass es ein Fehler w&#228;re,   den Abzug der russischen Truppen zu fordern, nachdem sie schon   reingegangen waren. Dies h&#228;tte in der Praxis bedeutet, die Mudschaheddin   zu unterst&#252;tzen, deren Programm der Wiedererrichtung mittelalterlicher   Reaktion war.<br \/>Diese Analyse wurde durch die Ereignisse best&#228;tigt. Die   falsche Strategie der Kreml-F&#252;hrung hat zusammen mit den in Afghanistan   angewandten b&#252;rokratischen Methoden zur schlimmsten aller Welten gef&#252;hrt.<br \/>Als   Breschnew den Einmarsch in Afghanistan befahl, erwartete er nicht die   w&#252;tende Reaktion, die von den USA und ihren Verb&#252;ndeten kam. Schlie&#223;lich   war Afghanistan selbst unter dem fr&#252;heren b&#252;rgerlich-bonapartistischen   Regime von Daud im russischen Einflussbereich gewesen.<br \/>Dass im April   1978 unter Tariki ein proletarisch-bonapartistisches Regime (eines auf   der Grundlage von verstaatlichter, geplanter Wirtschaft, &#252;ber die aber   eine totalit&#228;re Elite herrscht) an die Macht kam, &#252;berraschte den Kreml   sichtlich. Aber als das &#220;berleben des neuen Regimes durch seine eigene   innere Zwietracht und der autokratischen Methoden des Aufzwingens der   Revolution von oben bedroht war, f&#252;hlte sich die russische F&#252;hrung   gezwungen, zur Verteidigung eines Klientenregimes einzugreifen.<br \/>Die   B&#252;rokratie hatte kurz vorher Waffen und Wirtschaftshilfe geschickt, um   die proletarisch-bonapartistischen Regime zu festigen, die in Angola und   Mosambik die Macht &#252;bernahmen. Und in dieser Periode war Washington   immer noch durch die Wirkungen der Niederlage in Vietnam von aktiver   Intervention gegen revolution&#228;re Bewegungen abgehalten.<br \/>Der   Einmarsch in Afghanistan kam aber, als es eine Verschiebung in der   Position des US-Imperialismus gab. Unter Carter und besonders unter   Reagan versuchten die USA, das &quot;Vietnamsyndrom&quot; zu &#252;berwinden und ihre   Macht in der Weltarena zu bekr&#228;ftigen.<br \/>Der Einmarsch war eine   goldene Gelegenheit, ein Propagandageschenk, das zur Anprangerung der   &quot;kommunistischen Aggression&quot; und Rechtfertigung eines neuen Spurts beim   Aufbau von US-Waffenarsenalen und Schlagkraft verwendet werden konnte.   Unter Breschnew war die russische F&#252;hrung bereit, sowohl die Kosten des   Krieges als auch die internationalen Auswirkungen durchzustehen. Aber   seit 1979 hat sich die Stellung der B&#252;rokratie auch ge&#228;ndert. Unter   Gorbatschow war sie gezwungen, mit den Folgen des wegen dem   b&#252;rokratischen Missmanagement zur&#252;ckgehenden Wirtschaftswachstums der   verstaatlichten Wirtschaft fertigzuwerden.<br \/>Milit&#228;rausgaben, die etwa   15 Prozent der Produktion verbraucht hatten, waren eine ungeheure Last   geworden. Die B&#252;rokratie musste Ressourcen f&#252;r die Modernisierung der   Industrie finden und zugleich versuchen, den Lebensstandard der   Arbeiterklasse aufrecht zu erhalten.<br \/>So versucht Gorbatschow, ein   &#220;bereinkommen mit dem US-Imperialismus zu erreichen. Er sucht   verzweifelt Abkommen, die die zerst&#246;rerische Eskalation der   R&#252;stungsausgaben verlangsamen sollen.<br \/>In den letzten paar Tagen   hat er eine Senkung des offiziellen Verteidigungshaushalts (der   wirkliche Haushalt ist viel h&#246;her) der UdSSR um 19 Prozent angek&#252;ndigt.   Eine halbe Million Soldaten wird demobilisiert werden. Diese K&#252;rzungen   sollen sowohl die kapitalistischen F&#252;hrer beruhigen als auch die   &#246;ffentliche Meinung im Westen beeinflussen, um auf ihre Regierungen   Druck zur R&#252;stungssenkung auszu&#252;ben.<br \/>In Gorbatschows   Rechnungen ist das Halten der Stellung in Afghanistan gegen&#252;ber der   M&#246;glichkeit, mit der US-Supermacht und ihren kapitalistischen   Verb&#252;ndeten Abkommen zu erzielen, zweitrangig.<br \/>Sein Glaube, dass   es m&#246;glich sein wird, eine dauerhafte Vereinbarung mit dem Imperialismus   zu erreichen, ist jedoch eine Illusion.<br \/>Trotz allen Gespr&#228;chen und   bisherigen russischen Zugest&#228;ndnissen steigert die USA ihre   Unterst&#252;tzung f&#252;r die Mudschaheddin in Afghanistan weiterhin.<br \/>Wenn   sich die Krise des Weltkapitalismus versch&#228;rft, werden die grundlegenden   sozialen Gegens&#228;tze zwischen Imperialismus und Stalinismus   unausweichlich eine R&#252;ckkehr zu offen feindseliger Politik bedeuten.<br \/>Afghanistan   ist auch nicht der einzige R&#252;ckzug auf Seiten der russischen B&#252;rokratie.   Der Kreml macht Druck, ein Abkommen mit den USA und S&#252;dafrika wegen   Namibia zu erreichen. Er hat nennenswerte Unterst&#252;tzung f&#252;r das   sandinistische Regime in Nicaragua zur&#252;ckgehalten, das nahe am   wirtschaftlichen Zusammenbruch ist. In S&#252;dostasien dr&#228;ngt die russische   F&#252;hrung auf den Abzug der vietnamesischen Kr&#228;fte aus   Kambodscha\/Kamputschea.<br \/>Abzug<br \/>Aber im Fall Afghanistans zieht sich   die russische B&#252;rokratie ohne entscheidenden Erfolg bei der Festigung   des Regimes zur&#252;ck.<br \/>In manchen Gebieten, besonders im Norden,   wurde die Bodenreform erfolgreich durchgef&#252;hrt. Sanit&#228;re Verh&#228;ltnisse   und Gesundheitswesen wurden verbessert und die Stellung von manchen   Teilen der Frauen hat sich ungeheuer verbessert. Bildung hat begonnen,   den &#252;berw&#228;ltigenden Analphabetismus der afghanischen Bev&#246;lkerung   anzugehen. Aber die Fortschritte sind vereinzelt und nur die   Unterst&#252;tzung einer ziemlich d&#252;nnen Schicht der Gesellschaft wurde fest   gesichert.<br \/>Die russische B&#252;rokratie intervenierte zun&#228;chst wegen der   plumpen b&#252;rokratischen Methoden des afghanischen Regimes.<br \/>In   Gebieten, in denen es gro&#223;e L&#228;ndereien gab, erhielt die Bodenreform   allgemein Unterst&#252;tzung. In anderen Gebieten war die Lage aber   komplizierter, es gab viele verschiedene Formen von Landbesitz, Pacht,   Weiderechte und so weiter.<br \/>Das Regime versuchte, die Ma&#223;nahmen ohne   den Aufbau von Massenunterst&#252;tzung unter den B&#228;uerInnen und   Stammesangeh&#246;rigen durchzudr&#252;cken und ohne die notwendige materielle   Unterst&#252;tzung, um den Erfolg der Ma&#223;nahmen sicherzustellen.<br \/>Die   afghanische Gesellschaft war immer nach Stammesloyalit&#228;ten geteilt und   Kabuls bonapartistische Methoden erzeugten in manchen Gebieten heftige   Opposition. Keine Regierung in Kabul hat jemals mehr als lose Oberhoheit   &#252;ber das ganze Land ausge&#252;bt. Dann erzeugte die Intervention eines   ausl&#228;ndischen Invasoren, um das Regime in Kabul zu st&#252;tzen noch weiter   verbreitete Opposition von den verschiedenen Gesellschaftsgruppen und   St&#228;mmen.<br \/>Die russische B&#252;rokratie hat gro&#223;z&#252;gige Wirtschafts-   und Milit&#228;rhilfe gegeben. Sie zwang Nadschibullah, das &quot;sozialistische&quot;   Etikett aufzugeben, um seine Unterst&#252;tzung zu verbreitern. Aber sie   konnten immer noch keine feste Basis f&#252;r ihn schaffen. Dieses Versagen   hat dem Imperialismus einen fruchtbaren Boden breitet, um religi&#246;sen und   nationalistischen Widerstand aufzupeitschen.<br \/>Der russische Abzug   unter diesen Umst&#228;nden ist eine Niederlage f&#252;r die B&#252;rokratie. Dies   wurde durch j&#252;ngste Erkl&#228;rungen von Gorbatschow und Au&#223;enminister   Schewardnadse unterschwellig zugegeben. Einfache russische Soldaten   gehen ohne jedes Gef&#252;hl von &quot;revolution&#228;ren Errungenschaften&quot;.<br \/>Aber   der Vergleich zwischen der Niederlage der B&#252;rokratie und der Niederlage   des US-Imperialismus in Vietnam ist v&#246;llig falsch. Trotz der Kosten des   Krieges, der 15.000 russischen Toten und vieler weiterer Verwundeter   wird die B&#252;rokratie nicht durch eine milit&#228;rische Niederlage   hinausgezwungen.<br \/>Gorbatschow und Co haben entschieden, dass es sich   angesichts ihrer globalen politischen Ziele nicht lohnt, an Afghanistan   festzuhalten.<br \/>Obendrein standen die USA in Vietnam einem vereinigten   nationalen Kampf auf der Grundlage der sozialen Interessen der   Bauernschaft, besonders ihrer Forderung nach Land, gegen&#252;ber. Der   Lumpensack aus religi&#246;sen und Stammesgruppen, der den &quot;afghanischen   Widerstand&quot; bildet, ist unf&#228;hig, sich zu einer zusammenh&#228;ngenden   nationalen Bewegung mit gemeinsamen Zielen zu vereinigen.<br \/>Mit Geld   und Waffen von ausl&#228;ndischen Patronen konnten sie das Regime in vielen   Gebieten l&#228;hmen. Sie drohen jetzt, Afghanistan in eine neue und noch   blutigere Phase des B&#252;rgerkriegs zu st&#252;rzen. Aber sie sind unf&#228;hig,   selbst eine neue Regierung zu bilden.<br \/>Wird Nadschibullahs Regime   &#252;berleben? Sein Schicksal ist klar in der Schwebe.<br \/>Gorbatschow   und Schewardnadse versprechen immer noch nicht wankende Unterst&#252;tzung.   Aber in den letzten Wochen haben die Kreml-Diplomaten intensiv mit   Mudschaheddin-F&#252;hrern verhandelt. Sie haben die Idee einer Schura   (Versammlung), die alle Gruppen einschlie&#223;lich der PDPA vertritt,   propagiert.<br \/>Sie haben angedeutet, dass sie als Gegenleistung f&#252;r eine   neue Regierung unter Einschluss &quot;guter Moslems&quot; (gegenw&#228;rtiger   nicht-PDPA-Minister) und ein oder zwei PDPA-Mitgliedern Nadschibullah   aufgeben und ihn und sein Kabinett aus dem Land zu den Villen fliegen   w&#252;rden, die f&#252;r sie schon in der UdSSR bereitstehen.<br \/>Zwar   sind machen Mudschaheddin-F&#252;hrer bereit, &quot;gute Moslems&quot; zu akzeptieren,   aber niemand ist bereit, Beteiligung der PDPA zu akzeptieren. So bleibt   dem Kreml wenig Wahl als Nadschibullah die Treue zu halten. Ihm den   Teppich unter den F&#252;&#223;en wegzuziehen w&#252;rde jetzt zweifellos den v&#246;lligen   Zusammenbruch des Regimes einl&#228;uten.<br \/>Obendrein hat Nadschibullah   immer noch die Unterst&#252;tzung derjenigen die ein direktes Interesse am   Regime haben, besonders Soldaten, Polizisten und Staatsbeamte, deren   Kopf unters Henkersbeil kommt, wenn das Regime f&#228;llt. Viele afghanische   Soldaten werden bis zum Schluss k&#228;mpfen, egal welche Zweifel sie haben,   wenn die Alternative blutige Rache von Seiten der Mudschaheddin ist.<br \/>Es   gibt jedoch wenig Zweifel, dass Moskau schon begonnen hat,   Alternativpl&#228;ne f&#252;r den Fall aufzustellen, dass Kabul f&#228;llt. Es gibt   Berichte, die andeuten, dass die Russen sogar w&#228;hrend ihrem Abzug eine   befestigte Enklave &#8212; in der ein zusammengestutztes Nadschibullah-Regime   verteidigt werden k&#246;nnte &#8212; um die n&#246;rdliche Stadt Mazar-i-Scharif nahe   der sowjetischen Grenze befestigen.<br \/>Teilung<br \/>Viele Regierungsbeamte   und ihre Familien sind dorthin gezogen, zusammen mit einer gro&#223;en   Konzentration an afghanischen Soldaten; russische Waffen und Vorr&#228;te   wurden da konzentriert und etwas russisches Personal bleibt vielleicht   in dieser Gegend.<br \/>Dies ist die Region, in der die Bodenreform und   andere &#196;nderungen am erfolgreichsten waren. Die Landwirtschaft ist   verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig fruchtbar und das Gebiet hat Erdgasreserven. Dort hat   auch der Gro&#223;teil der j&#252;ngsten Industrieentwicklung stattgefunden.<br \/>Wenn   Kabul f&#228;llt, w&#252;rde die russische B&#252;rokratie h&#246;chstwahrscheinlich die   Fortsetzung des Nadschibullah-Regimes in dieser Enklave unterst&#252;tzen,   zumindest, um ihre entscheidenden strategischen Interessen in der Region   zu sch&#252;tzen. Das w&#252;rde praktisch die Teilung Afghanistans bedeuten.<br \/>Die   Zone im Norden w&#252;rde von einem proletarisch-bonapartistischen   Klientenstaat der russischen B&#252;rokratie kontrolliert. Der Rest des   Landes w&#252;rde zwischen rivalisierenden Kriegsherren aufgeteilt, die   wiederum Klienten der USA, der pakistanischen herrschenden Klasse und   des iranischen Regimes sind.<br \/>Schritte aus den Reihen der afghanischen   Armeeoffiziere zur Entfernung Nadschibullahs sind auch m&#246;glich. Ein   neues bonapartistisches Regime, das die PDPA zur&#252;ckweist, k&#246;nnte   durchaus ein paar der Mudschaheddin-F&#252;hrer einbeziehen. So sehr sie auch   Kabul wollen, w&#252;rde ein Frontalangriff durch gespaltene Guerillagruppen   zu einem schrecklichen Massaker f&#252;hren.<br \/>Ein Milit&#228;rputsch mit   der Unterst&#252;tzung von Teilen des Offizierskorps, der   Freiberuflerschicht, Kaufleuten und einem Teil der Mudschaheddin-F&#252;hrer   k&#246;nnte ein neues Regime in Kabul errichten. Die russische B&#252;rokratie ist   schon mit der Idee einer breiteren Regierung hausieren gegangen. Es kann   nicht ausgeschlossen werden, das sie ein neues bonapartistisches Regime   unterst&#252;tzen w&#252;rden, vorausgesetzt, ihre strategischen Interessen an der   afghanisch-sowjetischen Grenze w&#252;rden gewahrt.<br \/>In solch einer   instabilen Lage, bei der viele Faktoren unbekannt sind, ist es   unm&#246;glich, den wahrscheinlichen Gang der Ereignisse mit Sicherheit   vorherzusagen. Was immer aber auch passiert, es scheint jetzt   unvermeidlich, dass die 1978\/79 eingeleiteten revolution&#228;ren   Ver&#228;nderungen in einem gro&#223;en Gebiet von Afghanistan zur&#252;ckgedreht   werden.<br \/>Die Verantwortung f&#252;r diesen R&#252;ckschlag liegt beim   Stalinismus, der mit dem wirklichen Marxismus oder Internationalismus   nichts gemein hat.<br \/>Wenn das gegenw&#228;rtige Regime untergraben wird, sei   es nur in einem Teil des Landes, wird der soziale Fortschritt um viele   Jahrzehnte zur&#252;ckgeworfen werden. Herrschaft durch die Mudschaheddin   bedeutet einen R&#252;ckfall in die Barbarei. Im Lauf der Zeit werden sich   nach einer Periode schmerzlicher Reaktion die Bedingungen f&#252;r eine neue   Bewegung zur Ver&#228;nderung der Gesellschaft entwickeln.<br \/>Aber die   Lehre der letzten zehn Jahre ist, das eine neue Bewegung sich auf eine   Bewegung von unten st&#252;tzen und die ArbeiterInnen, B&#228;uerInnen und   Stammesangeh&#246;rigen Afghanistans mit einem marxistisches Programm   mobilisieren muss. Die Revolution in Afghanistan muss durch eine   internationalistische Perspektive mit dem Kampf der ArbeiterInnen und   B&#228;uerInnen in ganz Asien verbunden werden.<br \/>Um eine Revolution   entlang von gesunden sozialistischen Linien zu sichern, muss die   afghanische Revolution auch mit dem Programm der politischen Revolution   in der Sowjetunion, Osteuropa und China zum Sturz der B&#252;rokratie und   Errichtung von Arbeiterdemokratie verbunden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Editorial in Militant, 10. 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