{"id":10089,"date":"2009-10-27T17:20:30","date_gmt":"2009-10-27T17:20:30","guid":{"rendered":".\/?p=10089"},"modified":"2009-10-27T17:20:30","modified_gmt":"2009-10-27T17:20:30","slug":"10089","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/10\/10089\/","title":{"rendered":"B&#246;rsencrash 1929 und Beginn der Weltwirtschaftskrise"},"content":{"rendered":"<p>  80. Jahrestag des &quot;Schwarzen Freitag&quot;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der schwarze Freitag am 25. Oktober 1929 an der New Yorker B&#246;rse leitete   die schwerste Krise der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ein.   Konkurse, Bankenpleiten, Massenarbeitslosigkeit und Verarmung weiter   Schichten der Bev&#246;lkerung, schwere soziale und politische Krisen waren   die Folge. Wie kam es zu dem Crash? K&#246;nnte so etwas heute nochmal   passieren?<\/p>\n<\/p>\n<h4>  <i>von Angela Bankert<\/i><\/h4>\n<\/p>\n<p>  Die Zeitspanne vor dem gro&#223;en Krach nannte man die Goldene 20er Jahre,   wenngleich sie nicht &#252;berall und f&#252;r alle so golden waren. Einen starken   Aufschwung gab es insbesondere in den USA, die aus dem I. Weltkrieg als   gr&#246;&#223;te Wirtschafts- und Milit&#228;rmacht hervorging und nicht von   Kriegsfolgen belastet war. Konnten sich noch 1919 nur Reiche ein   Automobil leisten, so gab es schon 1926 in vielen Durchschnittsfamilien   ein Auto. In den 20er Jahren wurden langlebige Konsumg&#252;ter f&#252;r breitere   Schichten erschwinglich. Kauf auf Pump, ob Haushaltsger&#228;te, Autos aber   auch Immobilien und Aktien, wurde erstmals zu einer Massenerscheinung.   Dies heizte wiederum die Investitionen an, in der Hoffnung auf st&#228;ndig   expandierende M&#228;rkte. US-Kapital wurde au&#223;erdem in alle Welt exportiert,   investiert und verliehen. Ende der 20er zeichneten sich in den USA   deutlich &#220;berkapazit&#228;ten ab damals noch in Form von &#220;berproduktion auf   Halde besonders in der Automobilindustrie, bei Haushaltsger&#228;ten, in der   Bau und Landwirtschaft. Absatz und Gewinne der Unternehmen gingen   zur&#252;ck, doch die B&#246;rse boomte zun&#228;chst unverdrossen weiter. Es   entwickelte sich eine Spekulationsblase, die Aktienkurse l&#246;sten sich   immer weiter von den ihnen zugrunde liegenden realwirtschaftlichen Daten   &#228;hnlich wie in Japan Ende der 80er Jahre und vor der S&#252;dostasienkrise   vor zwei Jahren.<\/p>\n<p>Deutschland<\/p>\n<p>In Deutschland gab es nach   der Niederlage der revolution&#228;ren Bewegung am Ende des I. Weltkriegs,   nach Inflation und Lockerung der Bedingungen zur Reparaturzahlungen an   die Siegerm&#228;chte, eine prek&#228;re Stabilisierung des Kapitalismus. Im   Konjunkturaufschwung der 20er Jahre setzte eine gewisse Modernisierung   der Industrie ein. Investitionen wie auch der aufstrebende Wohnungsbau   wurden vor allem durch US-Kapital finanziert. Um diesen Zufluss zu   erhalten, wurde Hochzinspolitik zum Anlocken des Kapitals betrieben.   Reparationszahlungen und beginnende Wiederaufr&#252;stung belasteten den   Haushalt, dessen Ausgleich von Konservativen wie internationalen   Geldgebern gefordert wurde. Bereits im Fr&#252;hjahr 1929 schw&#228;chte sich die   Konjunktur merklich ab. Im Dezember 1929 legte der Reichsverband der   Deutschen Industrie (RDI, Vorg&#228;nger des BDI) eine Denkschrift vor, in   der von der SPD-gef&#252;hrten Gro&#223;en Koalition u.a. gefordert wurde:   Steuererleichterungen f&#252;r die Industrie, Privatisierung &#246;ffentlicher   Betriebe, Entlastung des Haushalts von sozialen Ausgaben, Anhebung der   indirekten Besteuerung (= Massenverbrauchsteuern). Die heutige   neoliberale Politik hei&#223;t deshalb &quot;neo&quot;, weil sie eine Wiederauflage der   klassischen wirtschaftsliberalen Politik vor der Weltwirtschaftskrise   ist. Staatliche Eingriffe waren verp&#246;nt, man glaubte an die   Selbstheilungskr&#228;fte des Marktes. Geldwertstabilit&#228;t, feste Wechselkurse   und Goldstandard wichtig f&#252;r die Geldbesitzer und das internationale   Leihkapital hatten oberste Priorit&#228;t in den zentralen Industriel&#228;ndern.   Ausgeglichene Haushalte und Sparpolitik, zu Lasten der Masse der   Bev&#246;lkerung, versch&#228;rften den einsetzenden wirtschaftlichen Abschwung   zus&#228;tzlich.<\/p>\n<p>USA: New Deal<\/p>\n<p>Die Regierungen und   Politiker standen der Wucht der Krise und der Anarchie des Marktes   v&#246;llig hilflos gegen&#252;ber. Gepr&#228;gt durch die wirtschaftsliberale Doktrin   versch&#228;rften manche Ma&#223;nahmen die Krise sogar noch, wie das Festhalten   an der Goldw&#228;hrung oder Sparhaushalte wie unter den Notverordnungen des   deutschen Reichskanzlers Br&#252;ning. Doch die Tiefe der Krise lie&#223; keine   andere Wahl als massive staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, ohne die   das ganze System v&#246;llig zusammengebrochen w&#228;re, da auch gro&#223;e Konzerne   und Banken erfasst waren. Es wurde zunehmend unm&#246;glich, den   zerst&#246;rerischen Marktkr&#228;ften weiter freien Lauf zu lassen. In den USA   als Land mit den meisten Reserven gab es den umfassendsten Versuch der   Krisenbew&#228;ltigung mit der Politik des sogenannten New Deal (neuer   Gesellschaftsvertrag) unter Pr&#228;sident Roosevelt. Roosevelts Ma&#223;nahmen   bestanden zun&#228;chst vor allem darin, bewusst inflation&#228;re Tendenzen   herbeizuf&#252;hren, um die Schuldenlast zu senken und die Produktion bei   steigenden Preisen wieder profitabler zu machen. Die Agrarpreise wurden   staatlich festgesetzt, untermauert durch Pr&#228;mien f&#252;r brachgelegte   Anbaufl&#228;chen und Subventionierung der Landwirtschaft. Die Kartellbildung   wurde gef&#246;rdert. Das Kreditsystem wurde vor dem Zusammenbruch bewahrt,   indem eine staatliche Garantie der Einlagen gegeben wurde. Weitergehende   staatliche Eingriffe, besonders eine Senkung der Wochenarbeitszeit und   Festlegung von Mindestl&#246;hnen, waren im Land des &quot;freien Kapitalismus&quot;   Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen innerhalb der herrschenden   Klasse. Inzwischen waren die Unruhen in der Bev&#246;lkerung und besonders   die Radikalisierung in der Arbeiterschaft un&#252;bersehbar geworden. Es gab   Sitzblockaden und Streiks in der Autoindustrie. In San Francisco fand im   Juni 1934 ein viert&#228;giger erfolgreicher Generalstreik statt. Die   Gewerkschaften polarisierten sich in gem&#228;&#223;igte und radikale Kr&#228;fte, und   die radikaleren Gewerkschaftsstr&#246;mungen erhielt Zulauf. Der Gouverneur   von Louisiana, Long, griff die Stimmung auf und besteuerte die Reichen   st&#228;rker, um damit staatliche Ausgabenprogramme, besonders f&#252;r die   Farmer, zu finanzieren. Er propagierte die Umverteilung zu Lasten der   Reichen, gr&#252;ndete einen &quot;Verein zur Teilung des Reichtums&quot; und wurde   damit so popul&#228;r, dass er als aussichtsreicher Kandidat f&#252;r die   Pr&#228;sidentschaft gegen Roosevelt gehandelt wurde. (Er wurde &#252;brigens im   September 1936 ermordet&#8230;) Erst unter diesem Eindruck ging auch   Roosevelt zu Ma&#223;nahmen &#252;ber, die sp&#228;ter der popul&#228;rere Teil des New Deal   werden sollten: gesetzliche Festlegung von Mindestl&#246;hnen und   gewerkschaftlichen Rechten, die Einf&#252;hrung der Sozialversicherung,   Erhebung einer Erbschaftssteuer von den Reichen, Subventionierung der   Farmer, &#246;ffentliche Arbeitsbeschaffungsprogramme. Mit dieser Politik   gelang seine Wiederwahl mit einem erdrutschartigen Wahlsieg und   zumindest zeitweilige Tendenzen zur wirtschaftlichen Erholung,   wenngleich diese auch zusammenfielen mit einer allgemeinen &#246;konomischen   Belebung nach Jahren der Krise und Wertevernichtung. Die Politik des New   Deal wurde in Ans&#228;tzen auch von anderen Staaten, z.B. Frankreich,   aufgegriffen. Doch in diesem Ausma&#223; konnte sie sich nur die relativ   reichste Nation USA leisten. Zu den Akten gelegt wurde aber &#252;berall die   Politik des Wirtschaftsliberalismus. &#220;berall gab es staatliche   Eingriffe, wenngleich alle auf dem Boden der kapitalistischen   Wirtschaftsordnung, und einen wachsenden Anteil der Staatsquote am   Sozialprodukt. Kombiniert mit gewissen sozialen Wohltaten wurden diese   nur, wo und wenn es eine starke Arbeiterbewegung und heftige   Klassenk&#228;mpfe gab. In Deutschland griff der Faschismus zwar die massive   staatliche Regulierung auf, die jedoch einherging mit der Vernichtung   der organisierten Arbeiterbewegung, mit der Versklavung der   einheimischen Arbeitskr&#228;fte und sp&#228;ter der Bev&#246;lkerung in den eroberten   Gebieten. Doch auch diese Politik brachte letztlich nur einen Aufschub   und keine L&#246;sung. Nach einem kurzen und labilen internationalen   Aufschwung zeichnete sich Ende der 30er Jahre erneut die n&#228;chste Krise   ab, der letztlich mit fieberhafter Aufr&#252;stung, Krieg und Kampf um die   Neuaufteilung der wirtschaftlichen und politischen Einflussgebiete   begegnet wurde.<\/p>\n<p>Tiefere Ursachen<\/p>\n<p>Die tieferen Ursachen der   Weltwirtschaftskrise lagen nicht nur einfach in &quot;falscher&quot; Politik   begr&#252;ndet, sondern im kapitalistischen System selbst. Seit vor dem   ersten Weltkrieg war das System in eine grundlegende Krise geraten, weil   die Produktionsm&#246;glichkeiten bei weitem die Grenzen des Systems   gesprengt hatten. Die inneren Widerspr&#252;che, die sich aus dem Konkurrenz   und Profitmechanismus ergeben, f&#252;hren immer wieder zu &#220;berproduktion,   vor allem zu &#220;berproduktion von Kapital, das keine ausreichend   profitablen Verwertungsm&#246;glichkeiten mehr findet. Doch die profitable   Verwertung von Kapital, nicht die Befriedigung von Bed&#252;rfnissen, ist der   einzige Motor des Kapitalismus. Der B&#246;rsenkrach fiel in die abflauende   Konjunktur Ende der 20er und brachte die strukturellen Probleme nur zum   Vorschein. Gel&#246;st wurde die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre durch   keine Wirtschaftspolitik. Denn die grundlegenden Widerspr&#252;che und   krisenhaften Erscheinungen des Kapitalismus blieben bestehen. Der   Liberalismus versch&#228;rfte sie, der Keynesianismus f&#252;hrte zur zeitweiligen   Abmilderung und zum Aufschub. &quot;Gel&#246;st&quot; wurde die Krise durch Krieg,   Faschismus und Diktatur. Die Geschichte wiederholt sich nicht einfach.   Aber heute haben sich alle Faktoren f&#252;r eine globale Krise aufgebaut:   &#220;berproduktion, spekulativ aufgebl&#228;hte Aktienm&#228;rkte, deflation&#228;re   Tendenzen. In manchen Regionen, Asien, Russland, Lateinamerika, haben   sie schon zu Wirtschaftskrisen mit einem dramatischen Anstieg von   Arbeitslosigkeit und Armut gef&#252;hrt. In anderen brodeln sie noch unter   der Oberfl&#228;che. Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist unheilbar   krank. Es muss durch eine demokratisch geplante Wirtschaftsordnung,   durch eine sozialistische Demokratie ersetzt werden.<\/p>\n<p>Die Krise<\/p>\n<p>Am   25. Oktober 1929 krachte es an der New Yorker Wall Street. An diesem Tag   wurden 25 Milliarden Dollar ausradiert. Dies war der Ausl&#246;ser der   folgenden Depression. Die Industrieproduktion ging in den   kapitalistischen L&#228;ndern von 1929 bis 33 im Durchschnitt um 40% zur&#252;ck.   In Deutschland sank sie auf 58% des Standes von 1928. Noch drastischer   sank in vielen Industriel&#228;ndern die Auslastung der   Produktionskapazit&#228;ten, in Deutschland stand sie 1932 bei nur noch 35%.   Entsprechend brachen die Gewinne der Unternehmen ein. In den USA   betrugen sie 1932 nur noch 7% des Standes von 1928. In Deutschland ging   die Summe der Unternehmensgewinne von 315 Millionen Mark (1929) auf 73   Millionen Mark (1932) zur&#252;ck. Die Aktienkurse an den wichtigsten   internationalen B&#246;rsen brachen zwischen 40% und 70% ein. Der   Dow-Jones-Index, der seit M&#228;rz 1926 bis zum September 1929 von 135   Punkten auf 381 Punkte geklettert war, d&#252;mpelte auf seinem Tiefstand im   Juli 1932 nur noch bei 41 Punkten. In den USA gingen zwischen 1930 und   33 rund 5.000 Banken pleite, 15% aller Einlagen wurden vernichtet. Das   gesamte nationale und internationale Finanzsystem geriet aus den Fugen.   Gro&#223;banken kamen ins Trudeln und wurden staatlicherseits unterst&#252;tzt,   wie die Dresdner Bank in Deutschland und die Wiener Creditanstalt in   &#214;sterreich.<\/p>\n<p>Deflation<\/p>\n<p>Eine Begleiterscheinung der   Krise war ein drastischer Verfall aller Preise (Deflation), der schon   zuvor eingesetzt hatte. Die Preise f&#252;r Rohstoffe und landwirtschaftliche   Erzeugnisse waren schon vor dem B&#246;rsenkrach stark r&#252;ckl&#228;ufig auch ein   Symptom der &#220;berproduktion. Neu war allerdings das Ausma&#223;. In<br \/>den   vorhergehenden zyklischen Krisen, durch die sich der Kapitalismus seit   seinem Bestehen immer wieder bewegt, waren die Preise um etwa 10%   gesunken, um im anschlie&#223;enden Aufschwung wieder anzuziehen. Dieses Mal   hielt der Preisverfall &#252;ber Jahre an und erfasste alle Bereiche. In   Deutschland sanken die Gro&#223;handelspreise zwischen 1929 und 33 um 32%, in   Frankreich um 36%, in den USA und GB um 31%. Der Preisverfall, bedingt   durch &#220;berproduktion, bewirkte die Krise des Kreditsystems, denn der   Schuldendienst musste aus verminderten Profiten gezahlt werden. Dies   l&#246;ste die Welle von Konkursen aus, die schlie&#223;lich auch Gro&#223;industrie   und Banken erfasste. Die &quot;normalen&quot; Absurdit&#228;ten des Kapitalismus   steigerten sich zum Wahnsinn. W&#228;hrend Millionen arbeitslos waren, gab es   andererseits &#220;berstunden und Kinderarbeit. W&#228;hrend millionenfach   Menschen verarmten und hungerten, wurden wegen der Absatzkrise   gleichzeitig Lebensmittel vernichtet. In den USA wurde 1933 ein Viertel   der Baumwollernte unter den Boden gepfl&#252;gt; in Brasilien mit 10 Mio.   Sack Kaffee der j&#228;hrliche Weltbedarf ins Meer geworfen oder verbrannt.<\/p>\n<p>Welthandel   bricht zusammen<\/p>\n<p>Gab es vor der Krise einen integrierten   Weltmarkt, wenn auch nicht ganz so eng verflochten wie heute, so wurden   die internationalen Wirtschaftsbeziehungen durch die Krise gr&#252;ndlich   zerr&#252;ttet und kamen stellenweise ganz zum Erliegen. Gedr&#252;ckt von der   Last der inneren und &#228;u&#223;eren Schulden, konnten viele L&#228;nder ihren   internationalen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Als erste   stellten kolonial beherrschte L&#228;nder in Osteuropa, Asien und   Lateinamerika sowie kleinere Industriel&#228;nder die Bezahlung ihrer   Auslandsschulden auf unbestimmte Zeit ein (Schuldenmoratorium). Beim   Tiefstand der Krise erkl&#228;rten auch die zentralen Industriel&#228;nder wie   Deutschland, &#214;sterreich, Frankreich, England den Schuldendienst f&#252;r   ausgesetzt; 1933 f&#252;r kurze Zeit auch die USA, als die Bankenkrise dort   ihren H&#246;hepunkt erreichte. Manche Staaten erkl&#228;rten den Zahlungsstopp   nicht nur f&#252;r Staats, sondern auch f&#252;r private Gesch&#228;ftsschulden. Die   allgemeine Nichtbezahlung von Schulden f&#252;hrte nat&#252;rlich zum   Zusammenbruch des Welthandels. Wer verleiht noch Geld oder liefert   Waren, wenn die Zahlungsverpflichtung nicht mehr gew&#228;hrleistet ist.   Insgesamt schrumpfte der Welthandel auf 1\/3 seines Volumens von 1928   zusammen. Die Staaten gingen zu einer Art Tauschhandel &#252;ber, um keine   Zahlungsverpflichtungen in Gold- oder W&#228;hrungsreserven entstehen zu   lassen, die man selbst nicht begleichen konnte oder deren Begleichung   durch andere unsicher war. Die USA tauschten Weizen gegen Kaffee mit   Brasilien, Ungarn Weizen gegen Holz mit &#214;sterreich, Japan Textilien   gegen Baumwolle mit Indien.<\/p>\n<p>Die Lage der Arbeiterklasse<\/p>\n<p>Von   Herbst 1929 bis Sommer 1930 stieg die Arbeitslosigkeit in den USA von 1   auf 4 Millionen, 1933 gab es 14 Millionen Arbeitslose und weitere   Millionen Kurzarbeiter. In Gro&#223;britannien waren 1931 6-8 Millionen   arbeitslos. In Deutschland schwoll das Arbeitslosenheer auf bis zu 6,3   Millionen an. Hinzu kamen aber weitere Millionen von Unterbesch&#228;ftigten.   Nach gewerkschaftlichen Angaben gab es in Deutschland 1932 gemessen an   der erwerbsf&#228;higen Bev&#246;lkerung (ohne Beamte) nur noch 33,6%   Vollbesch&#228;ftigte; 22,6 % arbeiteten kurz und 43,8% waren ganz   arbeitslos. Viele erhielten kaum oder gar keine   Arbeitslosenunterst&#252;tzung. Die Arbeitslosenunterst&#252;tzung wurde in der   Krise mehrfach nach Anspruch und Umfang gek&#252;rzt, so dass in Deutschland   1932 etwa 50 % der Arbeitslosen ganz aus der Arbeitslosenversicherung   herausfielen. Auch die Einkommen derer, die noch Besch&#228;ftigung hatten,   wurden massiv abgesenkt. Zu Beginn wurden &#252;bertarifliche L&#246;hne und   Zuschl&#228;ge abgebaut. Die Steuern und Abz&#252;ge wurden f&#252;r die Masse immer   wieder erh&#246;ht: So wurden Sozialabgaben erh&#246;ht, eine Krisensteuer von 1%   eingef&#252;hrt, oder gar eine &quot;Ehestandhilfe&quot; erhoben, eine Zusatzsteuer f&#252;r   Ledige. Schlie&#223;lich wurden auch die Tarifl&#246;hne abgesenkt und   Beamtenbez&#252;ge gek&#252;rzt. Trotz Verfall der Preise ergab dies eine   drastische Senkung der Reall&#246;hne. Diese fiel in den verschiedenen   Branchen unterschiedlich stark aus, im Durchschnitt betrug sie in   Deutschland 26%. Die ausgezahlte Lohn und Gehaltssumme f&#252;r Arbeiter,   Angestellte und Beamte lag im Jahr 1929 noch bei 44,5 Milliarden Mark.   Im 1. Halbjahr 1933 war sie auf 12,4 Milliarden Mark gefallen. In den   USA sank die Lohnsumme f&#252;r Fabrikarbeiter auf 40 % des Standes von 1925.   Parallel wurden verst&#228;rkt Elemente der Zwangsarbeit eingef&#252;hrt,   besonders gegen&#252;ber Jugendlichen, indem man sie z.B. zu Hungerl&#246;hnen in   &#246;ffentliche Arbeitsdienste steckte oder an Bauern zuwies. Armut und   Hunger grassierten, die Suppenk&#252;chen hatten Hochkonjunktur.<\/p>\n<h5>  <\/h5>\n<h5>  <i>Dieser Artikel erschien erstmals im Jahr 2002.<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      80. 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