{"id":10072,"date":"2002-09-02T15:53:34","date_gmt":"2002-09-02T15:53:34","guid":{"rendered":".\/?p=10072"},"modified":"2002-09-02T15:53:34","modified_gmt":"2002-09-02T15:53:34","slug":"10072","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/09\/10072\/","title":{"rendered":"Imperialismus"},"content":{"rendered":"<p>Vor hundert Jahren ist der Kapitalismus in ein neues Stadium getreten, in das Stadium des Imperialismus. Das vergangene Jahrhundert, das Jahrhundert des Imperialismus, war das blutigste in der gesamten Menschheitsgeschichte. Hundert Millionen kamen in den Kriegen des 20. Jahrhunderts ums Leben, mehr als zwischen dem Beginn der Zivilisation und dem Ende des 19. Jahrhunderts.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p align=\"right\"><a href=\"\/modules.php?name=Content&#038;pa=showpage&#038;pid=5\"><img src=\"\/media\/images\/ssz.gif\"[ ]border=\"0\"><\/a><\/p>\n<p>  Imperien gab es bereits vor dem Aufstieg des Kapitalismus. Die Sklavenreiche in Griechenland und Rom eroberten Land, unterwarfen andere V&ouml;lker und h&auml;uften ungeheure Reicht&uuml;mer f&uuml;r die Klasse der Sklavenhalter an. Auch das Mittelalter, der Feudalismus, war von Eroberungskriegen gepr&auml;gt, wie den Kreuzz&uuml;gen im Nahen Osten, in denen Adel, Feudalherren und Kirche AraberInnen unterjochten.<br \/>  Der Imperialismus stellt eine neue Stufe in der Geschichte von Klassengesellschaften dar. Der russische Revolution&auml;r Lenin gab seinem Buch mit einer grundlegenden Analyse aus marxistischer Sicht zurecht den Titel: &#x84;Der Imperialismus, das h&ouml;chste Stadium im Kapitalismus&#x93;. Nach Lenin zeichnete sich der Imperialismus &ouml;konomisch dadurch aus, dass Monopole im Wirtschaftsleben dominieren, dass Industrie- und Bankkapital zum Finanzkapital verschmelzen, der Kapitalexport gegen&uuml;ber dem Warenexport an Bedeutung gewinnt, die Aufteilung der Erde unter die multinationalen Konzerne beginnt und die territoriale Aufteilung des Planeten unter den Gro&szlig;m&auml;chten abgeschlossen ist.<br \/>  Bis 1900 hatten Britannien und Frankreich die Welt weitgehend kolonialisiert. Die Kolonialstaaten wurden durch die neuen imperialistischen M&auml;chte wirtschaftlich ausgepresst und ausgepl&uuml;ndert (Rohstoffe, billige Arbeitskr&auml;fte, Absatzm&auml;rkte). Nach dem die Welt unter den Gro&szlig;m&auml;chten aufgeteilt war, versuchten die &#x84;Zu-kurz-Gekommenen&#x93;, eine Neuaufteilung herbeizuf&uuml;hren. Die Folge waren zwei Weltkriege.<br \/>  Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die unterdr&uuml;ckten Massen in Afrika, Asien und Lateinamerika in revolution&auml;ren K&auml;mpfen die formale Unabh&auml;ngigkeit ihrer L&auml;nder erreichen. Trotz der rechtlichen Unabh&auml;ngigkeit ist die &ouml;konomische Abh&auml;ngigkeit f&uuml;r die meisten fr&uuml;heren Kolonialstaaten geblieben &#x96; und gestiegen. Darum bezeichnen SozialistInnen diese L&auml;nder heute auch als neo-koloniale L&auml;nder. <br \/>  Die Wirtschaft vieler L&auml;nder ist von Monokulturen gekennzeichnet (in Chile dominierte jahrzehntelang Kupfer, in Kolumbien Kaffee und so weiter). Die Preispolitik der f&uuml;hrenden Industriestaaten zwang die unterentwickelten L&auml;nder, Rohstoffe zu verkaufen und Fertigprodukte zu kaufen. Die Schere zwischen den armen und reichen L&auml;ndern hat sich weiter ge&ouml;ffnet: Die Schweiz ist heute 400 Mal so reich wie Mosambik. Die Verschuldung der so genannten &#x84;Dritten Welt&#x93; gegen&uuml;ber den f&uuml;hrenden kapitalistischen Staaten ist allein in den neunziger Jahren von 1,5 auf 2,2 Billionen US-Dollar angestiegen.<br \/>  Die Merkmale des imperialistischen Stadiums, wie sie Lenin herausgearbeitet hatte, gelten in diesen Tagen mehr als je zuvor. 500 Multis kontrollieren 90 Prozent des Weltmarktes. Unter den 100 gr&ouml;&szlig;ten Wirtschaftseinheiten sind 51 Konzerne und 49 Nationalstaaten. Der Jahresumsatz von DaimlerChrysler entspricht dem Bruttoinlandsprodukt von Indonesien. Zw&ouml;lf Prozent von DaimlerChrysler geh&ouml;ren der Deutschen Bank direkt, &uuml;ber weitere Teile verf&uuml;gt sie durch bei ihr gelagerte Aktiendepots.<br \/>  Ob ein Land imperialistisch ist, h&auml;ngt von seiner Wirtschaftsstruktur und dem von ihr bestimmten Interessen der herrschenden Klasse ab. Auch ein wirtschaftlich schw&auml;cheres Land, in dem die wenige vorhandene Industrie stark monopolisiert und mit den Banken verflochten ist, ist ein imperialistisches Land. Die Kapitalistenklasse des ex-kolonialen (oder neo-kolonialen) Indiens versucht beispielsweise, aus anderen L&auml;ndern Profite zu saugen und einen Staat wie Sri Lanka in ihre Abh&auml;ngigkeit zu bringen.<br \/>  Krieg ist nach wie vor die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Mit dem Krieg gegen Afghanistan und dem geplanten Krieg gegen den Irak werden die &ouml;konomischen, politischen und geostrategischen Interessen der gr&ouml;&szlig;ten imperialistischen M&auml;chte mit milit&auml;rischen Mitteln verfolgt. In diesen Kriegen werden neue Waffen getestet &#x96; um sich auf k&uuml;nftige Kriege vorzubereiten. Diese Ereignisse strafen die These von den Autoren des Buches &#x84;Empire&#x93; L&uuml;gen, die von einer post-imperialistischen Epoche sprechen, in denen Kriege nur noch die Aufgabe von Polizeiaktionen h&auml;tten, Nationalstaaten &uuml;berwunden w&auml;ren und die Macht nicht mehr lokalisierbar w&auml;re.<br \/>  W&auml;hrend die Erw&auml;rmung des Klimas steigt, k&uuml;hlen sich die Beziehungen zwischen Konzernen und Nationalstaaten &#x96; im Verlauf der Weltwirtschaftskrise &#x96; ab. Handelskonflikte und Handelskriege werden verst&auml;rkt zu milit&auml;rischen Auseinandersetzungen f&uuml;hren &#x96; wenn die arbeitende Bev&ouml;lkerung sich nicht &uuml;ber alle Grenzen hinweg zusammentut, und dem Imperialismus nicht &#x84;den Krieg erkl&auml;rt&#x93;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor hundert Jahren ist der Kapitalismus in ein neues Stadium getreten, in das Stadium des Imperialismus. 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