{"id":10060,"date":"2002-08-30T20:02:30","date_gmt":"2002-08-30T20:02:30","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10060"},"modified":"2017-10-10T16:36:02","modified_gmt":"2017-10-10T14:36:02","slug":"10060","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10060\/","title":{"rendered":"Che Guevara"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-23522\" title=\"El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/El_Che_leyendo_La_Naci\u00f3n-e1357234901166.jpg 729w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Revolution\u00e4r und Internationalist: Weltweit gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung<\/strong><\/p>\n<p><em>von Tony Saunois<\/em><\/p>\n<h4>Vorwort<\/h4>\n<p>Diese Brosch\u00fcre erschien erstmals 1997 zu Ches 30. Todestag auf englisch. Die Zahl von Menschen, die sich auf Che beziehen, die Kapitalismus, Ausbeutung und Krieg nicht einfach hinnehmen, die f\u00fcr eine sozialistische Alternative eintreten, hat seither weiter zugenommen. Gerade in der globalen Protestbewegung werden Themen wieder diskutiert, die auch zu Zeiten von Che von zentraler Bedeutung waren: &#8222;Wie die Herrschaft des Imperialismus bek\u00e4mpfen?&#8220; und &#8222;Wer kann diesen Kampf gewinnen?&#8220;. Che, bleibt als Held, als K\u00e4mpfer und als Internationalist ein Symbol. Daran kann auch die gleichzeitig stattfindende Vermarktung nichts \u00e4ndern: Gro\u00dfe Kleiderketten, die Che-T-Shirts verkaufen und gleichzeitig in Sweatshops produzieren lassen, Che als Zigarettenmarke, Che weil er chic ist? Ches revolution\u00e4rer und internationalistischer Geist ist mit dieser Kommerzialisierung unvereinbar. Diese Brosch\u00fcre soll mithelfen, Che in all seinen Widerspr\u00fcchen zu verstehen, sein Leben und seinen Kampf einzuordnen und Mut machen, den Kampf auch hier und heute aufzunehmen. Im Anhang ein Text zur Situation von Kuba heute. Wir bedanken uns bei Tony Sanois vom Komitee f\u00fcr eine ArbeiterInneninternationale KAI\/CWI f\u00fcr die Erstellung dieser Brosch\u00fcre, sowie bei den GenossInnen der SAV-Stuttgart f\u00fcr die \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>auch als <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/m\/Che.pdf\">PDF-Datei zum Download<\/a><\/p>\n<p><big><strong>Che Guevara &#8211; Revolution\u00e4r und Internationalist: Weltweit gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung<\/strong><\/big><\/p>\n<p>von Tony Saunois, September 1997<\/p>\n<p>Um des 30sten Jahrestages seiner Ermordung zu gedenken wurden 1996\/97 zahlreiche B\u00fccher, Brosch\u00fcren und Artikel diverser AutorInnen \u00fcber Ernesto Guevara ver\u00f6ffentlicht. Auf der ganzen Welt war er einfach als &#8222;Che&#8220; bekannt. Diesen Spitznamen erhielt er von FreundInnen und KampfgenossInnen in den 50er Jahren in Mexiko. &#8222;Che&#8220; war in Argentinien &#8211; seinem Heimatland &#8211; ein g\u00e4ngiger Begriff. Nun tragen Jugendliche in Lateinamerika und Europa Che T-Shirts und h\u00e4ngen Poster mit seinem Bild auf. Ein paar zynische und oberfl\u00e4chliche JournalistInnen, die ganz im Sinne der KapitalistInnen schreiben, haben versucht, dieses wiedererwachte Interesse an Che abzutun. Aber sie liegen falsch, wenn sie versuchen so zu tun, als ob es nur um die Sehnsucht nach den &#8222;freiz\u00fcgigen 60er-Jahren&#8220; ginge. Viele Jugendliche haben zweifellos ein romantisches Bild von Che dem &#8222;Rebellen&#8220;, viele identifizieren sich auch mit diesem Bild.<\/p>\n<p>Wichtiger ist aber, dass das wiedererwachte Interesse an Che Guevara jene Anziehungskraft widerspiegelt, die er immer schon f\u00fcr die hatte, die nach einem Weg suchen, die Gesellschaft zu ver\u00e4ndern und der Ausbeutung durch Kapitalismus und Imperialismus ein Ende zu setzen. Che und Kuba werden von vielen als ein Symbol des Widerstandes gesehen. In der breiten Unterst\u00fctzung f\u00fcr Che Guevara durch eine neue Generation zeigt sich der Beginn einer Suche nach revolution\u00e4r-sozialistischen Ideen, die eine echte Alternative zum Kapitalismus darstellen.<\/p>\n<p>Warum hat nun das CWI eine weitere Brosch\u00fcre \u00fcber Che und Kuba erstellt, wenn schon so viel geschrieben wurde? Abgesehen von den zynischen und gelegentlich schnoddrigen Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften wurden auch ein paar ernst zu nehmende B\u00fccher und Biographien produziert. Che Guevara &#8211; A Revolutionary Life (Che Guevara &#8211; ein revolution\u00e4res Leben) vom US-Journalisten und Autor Jon Lee Anderson ist eine gut recherchierte und unterhaltsame Biographie. Das gilt auch f\u00fcr Ernesto Guevara tambien conocido come El Che (Ernesto Guevara auch bekannt als El Che) vom mexikanischen Autor Paco Ignacio Taibo (nur auf spanisch erh\u00e4ltlich).<\/p>\n<p>Trotz der umfangreichen Forschung und Untersuchung, die solche AutorInnen unternommen haben, fehlt ihrer Arbeit jedoch zwangsl\u00e4ufig etwas. Sie ziehen aus Ches Beitrag zur revolution\u00e4ren Bewegung keine politische Bilanz die den heutigen Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus unterst\u00fctzen kann. Diese Aufgabe k\u00f6nnen solche AutorInnen, auch wenn sie einen wertvollen Beitrag zur Aufzeichnung der Geschichte leisten, aber nicht erf\u00fcllen. Der Grund daf\u00fcr ist einfach. Sie sind keine aktiven TeilnehmerInnen am Kampf zum Sturz des Kapitalismus und seiner Ersetzung durch Sozialismus.<\/p>\n<p>Das CWI hat diese Brosch\u00fcre \u00fcber Che und die Kubanische Revolution von 1959 auch deshalb erstellt, um den Aufbau einer internationalen revolution\u00e4ren sozialistischen Organisation zu unterst\u00fctzen. Einer Organisation, die in der Lage sein wird, Kapitalismus und Imperialismus zu besiegen. Die Geschichte wiederholt sich nie in genau der gleiche Weise. Aber wenn wir erfolgreich sein wollen, so gibt es doch wichtige Lehren aus fr\u00fcheren K\u00e4mpfen und Revolutionen, die heute von denjenigen gezogen werden m\u00fcssen, die f\u00fcr Sozialismus k\u00e4mpfen. Deshalb wurde diese Brosch\u00fcre zu eben diesem Zeitpunkt erstellt. Die kubanische Revolution und besonders Ches Beitrag f\u00fcr sie, bietet viele Lehren f\u00fcr den Kampf gegen Ausbeutung. F\u00fcr einen Kampf, der heute vor allem in Lateinamerika, Afrika, Asien und im Nahen Osten stattfindet.<\/p>\n<p>Um solch eine Bilanz zu ziehen ist es notwendig, nicht nur den geschichtlichen Ereignissen zu folgen, sondern die von den beteiligten zentralen Figuren bef\u00fcrworteten Ideen und Methoden zu diskutieren. Diese Brosch\u00fcre ist ein Beitrag zur Diskussion \u00fcber die Erfahrungen, Ideen und Kampfmethoden, die sich w\u00e4hrend der kubanischen Revolution, in der Che eine f\u00fchrende Rolle spielte, entwickelten. Folglich strebt diese Brosch\u00fcre keine vollst\u00e4ndige pers\u00f6nliche Biographie von Ches Leben an. Viele Gesichtspunkte seines Lebens (einschlie\u00dflich seiner zwei Ehen) werden nicht behandelt. Gleichwohl tragen solche pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nde viel zur Charakterbildung jedes Menschen bei und haben auf seine\/ihre politische Entwicklung Auswirkungen. Es war auch nicht m\u00f6glich, alle historischen Ereignisse, die stattfanden und an denen Che teilnahm, vollst\u00e4ndig darzustellen. Die LeserInnen werden f\u00fcr solche Informationen andere Biographien und Arbeiten \u00fcber Kuba, Che und die kubanische Revolution studieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des drei\u00dfigsten Jahrestages seines Todes ist es richtig, sich den heldenhaften und aufopfernden Kampf in Erinnerung zu rufen, den Che gegen Kapitalismus und Imperialismus gef\u00fchrt hat. Er war ein erbitterter Gegner der kapitalistischen Ausbeutung und bek\u00e4mpfte sie. Es waren v.a. seine eigenen Erfahrungen, die ihn zum Sozialismus brachten und seine Sehnsucht, international dessen Sieg zu erleben, war eine starke Motivation f\u00fcr ihn. Anf\u00e4nglich sah er die UdSSR und Osteuropa als alternative sozialistische Gesellschaften. Er tat das &#8222;aus der Entfernung&#8220;. Sp\u00e4ter f\u00fchlte er sich durch seine eigenen, unmittelbaren Erfahrung von den b\u00fcrokratischen Regimen, die im Namen des Sozialismus herrschten, abgestossen.<\/p>\n<p>Seit Mitte seiner 30er hatte er sich dem Leben eine Revolution\u00e4rs verpflichtet, im Alter von 39 Jahren kostete ihm der Kampf f\u00fcr die internationale Revolution das Leben. Er f\u00fchrte durch sein Vorbild und war ein nicht korrumpierbarer Internationalist. Es sind diese Eigenschaften, die ihn auch heute noch zu einem Symbol des Kampfes gegen Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung machen.<\/p>\n<p>Guerillataktik<\/p>\n<p>Vom Standpunkt eines umfassenden marxistischen Verst\u00e4ndnisses aus waren seine Ideen allerdings nicht v\u00f6llig ausgereift. Insbesondere seine Ideen zur Guerillataktik hatten auf die kubanische Revolution und die daraus v.a. in Lateinamerika folgenden Ereignisse, eine entscheidende Wirkung. Er hielt dies f\u00fcr eine in ganz Lateinamerika zu \u00fcbernehmende Kampfmethode und stellte sie so in das Zentrum der Diskussion der revolution\u00e4r-sozialistischen Bewegung auf diesem Kontinent und dar\u00fcber hinaus. Weil diese Ideen Ches auch f\u00fcr den heutigen Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus wichtige Lehren bieten, werden sie in dieser Brosch\u00fcre diskutiert. Che entwickelte auch andere Ideen, die sich auf die Wirtschaft bezogen und das was er &#8222;Sozialismus und den neuen Menschen&#8220; nannte. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie die Haltung der Menschen gegen\u00fcber der Gesellschaft nach dem Sturz des Kapitalismus entwickelt werden k\u00f6nnte. Diese Arbeiten spiegeln einige jener Themen wider, mit denen er sich nach der Revolution 1959 befassen musste. Aus Platzgr\u00fcnden ist es nicht m\u00f6glich, sie in dieser Brosch\u00fcre zu diskutieren.<\/p>\n<p>Bei der Betrachtung von Ches Leben zeigt sich, dass sich seine Ideen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit entwickelten und oft das Ergebnis seiner eigenen Erfahrungen waren. Da er im verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig jungen Alter von 39 starb, ist klar, dass er zum Zeitpunkt seines Todes seine Ideen immer noch entwickelte. In dieser Hinsicht gibt es gewisse Parallelen zwischen Che, Malcolm X und George Jackson in den USA.<\/p>\n<p>Angesichts der schwierigen Lage auf Kuba und der erschreckenden Situation, die er bei seinen Besuchen hinter dem &#8222;Eisernen Vorhang&#8220; in der UdSSR und Osteuropa erlebte, schien er nach einer Alternative zu suchen und begann sich mit neuen Ideen zu befassen. So begann er ein paar Jahre vor seinem Tod Schriften von Trotzkis zu lesen. Wir k\u00f6nnen nur spekulieren: h\u00e4tte er, wenn er das Studium von Trotzkis Ideen fortgesetzt h\u00e4tte, diese \u00fcbernommen? 1964 war er in Moskau und nahm an den Feierlichkeiten zum 47. Jahrestag der Russischen Revolution teil. W\u00e4hrend seinem Besuch protestierte er nicht nur gegen den Lebensstil der russischen Beamten, sondern argumentierte auch, dass aus \u00f6konomischer Sicht &#8222;\u2026die Sowjets in einer wirtschaftlichen Sackgasse sind, beherrscht durch die B\u00fcrokratie&#8220;.<\/p>\n<p>Zu jener Zeit gab sich die b\u00fcrokratische Kaste in China international ein &#8222;radikaleres\u201d Image, um nach dem Bruch, der zwischen ihr und der B\u00fcrokratie der UdSSR stattgefunden hatte, Unterst\u00fctzung zu gewinnen. Dieser Bruch war Ergebnis des Konflikts beschr\u00e4nkter nationaler Interessen zwischen den Regimen. Da sie sich in dieser Periode &#8222;radikalere&#8220; pr\u00e4sentierte und auch aufgrund des Sieges der B\u00e4uerInnenarmee 1949, f\u00fchlte sich Che zur chinesischen B\u00fcrokratie hingezogen. Seine eigenen Analyse schien best\u00e4tigt. In Moskau wurde er daf\u00fcr als &#8222;prochinesisch&#8220; beschimpft. Dadurch, dass er auch begann, sich intensiver mit den Ideen von Leo Trotzki zu besch\u00e4ftigen. wurde er zus\u00e4tzlich noch als &#8222;Trotzkist&#8220; angegriffen.<\/p>\n<p>Bei einem Treffen mit kubanischen StudentInnen in der kubanischen Botschaft bezog er sich auf diese, ihm bekannten, Vorw\u00fcrfe. Dieser Vorfall ist in Paco Ignacio Talibos Biographie wiedergegeben. Che kommentierte: &#8222;\u2026Ich habe Meinungen ausgedr\u00fcckt, die der chinesischen Seite n\u00e4her sein k\u00f6nnten\u2026 und auch solche sind aufgekommen, die mit dem Trotzkismus vermengt sind. Sie sagen, dass sowohl die Chinesen Fraktionsmacher seien als auch die Trotzkisten und ich.&#8220; Er fuhr fort: &#8222;Ansichten, die mit Kn\u00fcppeln zerst\u00f6rt werden m\u00fcssen, sind Ansichten, die uns Vorteile bringen. Es ist nicht m\u00f6glich, Ansichten mit Kn\u00fcppeln zu zerst\u00f6ren und es ist gerade das, was die Wurzel der Intelligenz ist\u2026 es ist klar, dass man aus Trotzkis Gedanken eine Reihe von Dingen gewinnen kann.&#8220;<\/p>\n<h4>Trotzkismus<\/h4>\n<p>Welche Schlussfolgerungen Che aus dem Lesen von Trotzkis Schriften zog wissen wir nicht und er setzte sich auch nicht f\u00fcr Ideen ein, die sich aus einer \u00dcbernahme des Trotzkismus ergeben h\u00e4tten. Er fuhr jedoch mit ihrem weiteren Studium fort. Kurz vor seinem Tod 1967 gab ihm der franz\u00f6sische Intellektuelle Regis Debray, der damals in Bolivien war und mit Trotzkis GenossInnen zusammenarbeitete, einige B\u00fccher von Trotzki. Damals schaffte es die Hauptstr\u00f6mung des Trotzkismus nicht, eine offene politische Debatte zu f\u00fchren. Das w\u00e4re notwendig gewesen, um Che bei der Entwicklung vollst\u00e4ndig ausgearbeiteter Ideen zur sozialistischen Revolution zu helfen. Stattdessen unterst\u00fctzten und f\u00f6rderten sie lediglich die von ihm bef\u00fcrwortete Guerillataktik und unterst\u00fctzten Fidel Castros Regime.<\/p>\n<p>Diese Linie wurde damals von einigen innerhalb der trotzkistischen Bewegung bek\u00e4mpft &#8211; darunter auch die kleinen Kr\u00e4fte, die in Britannien in Militant (jetzt Socialist Party) organisiert waren und sp\u00e4ter das Komitee f\u00fcr eine ArbeiterInneninternationale (Committee for a Workers&#8220; International, CWI) gr\u00fcndeten. Die Mitglieder von Militant begr\u00fc\u00dften 1960, zur Zeit der st\u00fcrmischen Ereignisse auf Kuba, begeistert die Revolution und den Sturz Batistas. Sie erkl\u00e4rten aber auch den Charakter des neuen, sich entwickelnden Regimes und wiesen auf die Notwendigkeit hin, sich auf die ArbeiterInnenklasse zu st\u00fctzen, um die Revolution in ganz Lateinamerika voranzutreiben. Sp\u00e4ter erkl\u00e4rte Peter Taaffe in der britischen Zeitung Militant (Ausgabe 390) die Prozesse, die sich auf Kuba entwickelt hatten. &#8222;Castro und Guevara st\u00fctzten sich auf die B\u00e4uerInnen und die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung. Die ArbeiterInnenklasse trat erst durch den Generalstreik in Havanna in den Kampf ein, als die Guerillas schon triumphiert hatten und Batista um sein Leben lief.&#8220; Indem er erkl\u00e4rte, wie die l\u00e4ndliche Basis den ganzen Charakter der Bewegung gestaltete, fuhr er mit der Skizzierung fort, wie sich die Revolution entfaltete und mit der Abschaffung des Kapitalismus und des Privateigentums der Gro\u00dfgrundbesitz an Land endete, aber &#8222;wegen der beteiligten Kr\u00e4fte &#8211; einer \u00fcberwiegend b\u00e4uerlichen Armee&#8220; dem neuen Regime bewusste demokratische Kontrolle und Verwaltung der Wirtschaft durch die ArbeiterInnenklasse fehlte.<\/p>\n<p>Auch wenn er auf seiner Suche nach einer Alternative auf ein paar von Trotzkis Ideen stie\u00df, \u00fcbernahm Che leider nicht die alternativen Ideen und Methoden des Trotzkismus. Trotzdem waren seine Taten ausreichend, um eine Reaktion im Kreml und dar\u00fcberhinaus hervorzurufen. In Kuba und unter den lateinamerikanischen Massen war Che ein Held, dessen revolution\u00e4rem Beispiel nachgeeifert werden sollte. Von den herrschenden Kreisen der B\u00fcrokratie in Moskau wurde er als &#8222;ein Abenteurer&#8220;, als &#8222;prochinesisch&#8220; und &#8211; am allerschlimmsten &#8211; als ein &#8222;Trotzkist&#8220; angegriffen. Die herrschende Klasse der kapitalistischen L\u00e4nder hasste alles, was er verteidigte und f\u00fcr das er k\u00e4mpfte.<\/p>\n<h4>Ein Anfang als Boheme<\/h4>\n<p>Vielleicht ist es f\u00fcr einen Argentinier passend, eine Yerba-Mate-Teeplantage zu besitzen, wie sie Ernesto Guevara Lynch im abgelegenen Dschungel von Misiones an der Grenze zu Paraguay und Brasilien hatte. ChilenInnen sind ber\u00fchmt daf\u00fcr Tee zu trinken und BrasilianerInnen daf\u00fcr Kaffee zu trinken. Die ArgentinierInnen konsumieren den ganzen Tag ein bitteres Kraut, w\u00e4hrend sie arbeiten oder sich mit Freunden entspannen.<\/p>\n<p>Ernesto Guevara Lynch war der Urenkel von einem der reichsten M\u00e4nnern S\u00fcdamerikas, desen Vorfahren sowohl spanische als auch irische Adlige waren. Fr\u00fchere Generationen hatten den Gro\u00dfteil des Familienverm\u00f6gens verloren und so investierte Guevara Lynch das was er hatte in die Yerba-Mate-Teeplantage, mit der er hoffte sein Gl\u00fcck zu machen. 1927 traf und heiratete er Celia de la Serna, eine Argentinierin, die ebenfalls Vorfahren im spanischen Adel hatte. Das erste der vier Kinder, Ernesto, wurde als der weltber\u00fchmte Revolution\u00e4r Che Guevara bekannt. Es passt f\u00fcr einen Revolution\u00e4r, der den Gro\u00dfteil seines Lebens im Untergrund verbrachte, dass seine Geburts- und Sterbeurkunde gef\u00e4lscht wurden.<\/p>\n<p>Denn tats\u00e4chlich war Ernesto einen Monat vor dem 14. Juni 1928, der in seiner Geburtsurkunde stand, geboren worden. Die T\u00e4uschung war notwendig, weil seine Mutter an ihrem Hochzeitstag im 3. Monat schwanger war. Am 8. Oktober 1967 wurde Che in Bolivien von der Central Intelligence Agency (CIA) der Vereinigten Staaten und der bolivianischen Armee hingerichtet. 30 Jahre nach seiner Hinrichtung lebt der Name Che Guevara in ganz Lateinamerika und dar\u00fcber hinaus weiter. Er hat eine gro\u00dfartige Tradition als Internationalist und aufopfernder Revolution\u00e4r hinterlassen und steht als ein Symbol f\u00fcr den Kampf gegen Ausbeutung das heute noch und wieder begeistert.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des 30sten Jahrestages seiner Hinrichtung ist es angemessen, wenn Revolution\u00e4rInnen Ches auch als Symbol des Kampfes gegen Unterdr\u00fcckung gedenken und die heroische Rolle anerkennen, die er in der kubanischen Revolution 1959 spielte. Der Guerillakampf, der sich haupts\u00e4chlich auf die unterdr\u00fccktesten B\u00e4uerInnen auf Kuba st\u00fctzte, endete mit dem Sturz der verhassten Batista-Diktatur. Dies war auf Grund der konkreten Lage auf Kuba und in anderen L\u00e4ndern Lateinamerikas und der Karibik m\u00f6glich. Es war Che jedoch nicht m\u00f6glich, die Erfahrung der Revolution in jenen L\u00e4ndern Lateinamerikas zu wiederholen wo andere Bedingungen herrschten &#8211; vor allem eine m\u00e4chtigere st\u00e4dtische und eine kleinere l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung als in Mittelamerika. Der Versuch Ches, die selben Methoden anzuwenden, die er auf Kuba benutzte, wirft wichtige Fragen zu seinen Ideen und Methoden auf, die von revolution\u00e4ren SozialistInnen diskutiert und analysiert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<h4>Seine Herkunft<\/h4>\n<p>Che kam nicht auf direktem Weg zu politischer Arbeit. Durch seine Herkunft aus der Mittelschicht und sein Mitleid f\u00fcr Arme und Kranke f\u00fchlte er sich urspr\u00fcnglich zur Medizin hingezogen und machte 1953 seinen Doktor an der Medizinischen Fakult\u00e4t in Buenos Aires. Seine Familie war aus Misiones in Cordoba weggezogen &#8211; teilweise aus gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnden, teilweise war es auch der Versuch, Ches chronischem Asthma durch einen Klimawechsel beizukommen. Letzlich zogen sie nach Buenos Aires, wo sich seine Eltern schlie\u00dflich trennten. Das Asthma verfolgte Che sein ganzes Leben lang. Die Einschr\u00e4nkungen aufgrund der Krankheit machen die Guerillak\u00e4mpfe, an denen er sich schlie\u00dflich beteiligte, um so bemerkenswerter.<\/p>\n<p>Sein Handicap hatte, wie es oft der Fall ist, Einfluss auf die fr\u00fche Entwicklung Ches. Er konnte oft nicht gehen, war ans Bett gefesselt und entwickelte so ein gro\u00dfes Interesse am Lesen und Schachspiel. Er war zwar entschlossen, seine Behinderungen zu \u00fcberwinden und bestand darauf, Sport zu machen. Dennoch wurde er durch sie eher ein Einzelg\u00e4nger, der einen gro\u00dfen Teil seiner Zeit mit Lesen und Lernen verbrachte. Das wurde durch die Trennung seiner Eltern, den Tod seiner Gro\u00dfmutter und die finanziellen Probleme, vor denen seine Familie nun stand, verst\u00e4rkt. An der Universit\u00e4t wurde Che zunehmend mit politischerer Lekt\u00fcre konfrontiert, auch wenn er am politischen Leben nicht aktiv teilnahm. Er begann, sich in sozialistische Ideen zu vertiefen. Nach seiner eigenen Erinnerung studierte er etwas Marx, Engels, Lenin und auch Material von Stalin. Er las die Romanautoren Zola, Jack London und argentinische Sozialisten wie Alfredo Palacios. Seine Liebe zur Dichtung wurde unter anderem durch die Werke des chilenischen Schriftstellers und Mitglieds der Kommunistischen Partei Pablo Neruda und den Dichter Lorca aus dem spanischen B\u00fcrgerkrieg befriedigt.<\/p>\n<p>Aber trotz seiner erwachten Neugierde auf sozialistische Ideen, nahm er, abgesehen von Diskussionen mit einigen Mitgliedern der Kommunistischen Jugend und anderer linker Gruppen, nie an politischer T\u00e4tigkeit teil. Es wird berichtet, dass er der Per\u00f3nistischen Jugend, einer populistischen und nationalistischen argentinischen Bewegung unter der F\u00fchrung von General Per\u00f3n, beitrat um sich leichteren Zugang zur Universit\u00e4tsb\u00fccherei zu verschaffen.<\/p>\n<p>Von denen, die er traf, wurde er als radikal und freim\u00fctig wahrgenommen. Jedoch hatte er keine schl\u00fcssigen und ausgearbeiteten Ideen. Auch als Marxist betrachtete er sich sicherlich noch nicht. Sein Hauptziel war immer noch, Arzt zu werden, um den Kranken und Armen helfen zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig regte sich in ihm jedoch die Reisesehnsucht. Anf\u00e4nglich reiste er innerhalb Argentiniens, sp\u00e4ter zwei Mal quer durch Lateinamerika und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<h4>Entdeckungsreisen<\/h4>\n<p>Die Erfahrungen, die er w\u00e4hrend seiner Odyssee machte, \u00e4nderten seine Auffassung dar\u00fcber, was zur Beendigung von Armut und Unterdr\u00fcckung notwendig w\u00e4ren. Was er auf diesen Reisen erlebte, \u00fcberzeugte ihn von sozialistische Ideen. Ches erste wirkliche Reise war 1950, als er einen gro\u00dfen Teil Argentiniens durchreiste. Zum ersten mal erlebte er die massive soziale Ungleichheit, die es im Land gab. Nat\u00fcrlich hatte er in Buenos Aires schon vorher Armut gesehen, aber erstmals wurde deutlich, dass im Gro\u00dfteil S\u00fcdamerikas zwei Welten existieren. Buenos Aires war in Kultur und Lebensstil eine der europ\u00e4ischsten s\u00fcdamerikanischen St\u00e4dte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Reise kam er in die r\u00fcckst\u00e4ndigen und vernachl\u00e4ssigten Zentren von Argentinien. Er besuchte Krankenh\u00e4user und kam in Kontakt mit den am meisten unterdr\u00fcckten Armen vom Lande. Aber noch sah er das meiste durch die Augen eines angehenden Arztes. Che Schlussfolgerung aus diesen Erfahrungen war, dass die moderne argentinische Nation ein &#8222;luxuri\u00f6se Fassade&#8220; sei, unter der die wirkliche &#8222;Seele&#8220; liege. Eine Seele, die morsch und krank war.<\/p>\n<p>Ches erste internationale Reise fand 1952 statt, die zweite 1953\/54. Die Auswirkungen dieser Reisen waren gr\u00f6\u00dfer und \u00e4nderten letztlich die Richtung seines ganzen Lebens. Besonders seine zweite Odyssee durch den ganzen Kontinent hatte gro\u00dfen Einfluss auf sein sp\u00e4teres Leben. Niemand kann den Folgen m\u00e4chtiger sozialer Erhebungen und K\u00e4mpfe entgehen. Manchen Menschen, besonders, wenn sie aus der Mittelschicht kommen, reicht es, solche Ereignisse zu beobachten. Andere jedoch werden immer st\u00e4rker in die gro\u00dfen sozialen Ereignissen und die K\u00e4mpfen zwischen den verschiedenen Klassen hineingezogen. Am Anfang seiner Reise beschr\u00e4nkte sich Che Guevara darauf die Rolle eines Beobachters zu spielen. Doch immer st\u00e4rker und st\u00e4rker wurde er in den revolution\u00e4ren Kampf, der ihn schlie\u00dflich das Leben kostete, hineingezogen.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Reise interessierten sich er und sein Reisegef\u00e4hrte Alberto eher daf\u00fcr, sich ein sch\u00f6nes Leben zu machen und medizinische Erfahrung zu sammeln, indem sie auf einer Harley Davidson durch S\u00fcdamerika fuhren. Ches k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Motorradtageb\u00fccher bieten daf\u00fcr mehr als reichlich Beispiele. Saufgelage, romantische Begegnungen und andere &#8222;Jugendabenteuer&#8220; standen bei der Reise \u00fcber den Kontinent im Vordergrund. Gleich nach dem Grenz\u00fcbertritt nach Chile gaben sie sich als Lepra\u00e4rzte aus. Die Lokalzeitungen der St\u00e4dte und D\u00f6rfer, durch die sie kamen, berichteten sogar \u00fcber die Reise der beiden jungen Abenteurer. Die Regionalzeitung von Temuco titelte &#8222;Zwei argentinische Lepraexperten reisen auf einem Motorrad durch S\u00fcdamerika&#8220;. H\u00e4ufig mussten sie aus St\u00e4dten und D\u00f6rfern fliehen, weil sie sich den Zorn der B\u00e4uerInnen und besonders den Zorn von V\u00e4tern attraktiver T\u00f6chter zugezogen hatten. W\u00e4hrend dieser ersten Reise f\u00fchrte Che das weitgehend sorglose Leben eines Bohemien, f\u00fcr das er als Student in Buenos Aires bekannt war. Dieser Lebensstil wurde durch den verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Reichtum seiner, aus der Mittelschicht kommenden, Familie um so leichter. Gleichzeitig spiegelte dieser Lebensstil auch den unabh\u00e4ngigen Geist wider, der seien Charakter kennzeichnete.<\/p>\n<p>Auch wenn dieser Aspekt der Reise das vorherrschende Merkmal in seinem Tagebuch bildet, so beeinflussten ihn doch auch andere Erfahrungen. Die Armut und die Lebensbedingungen, mit denen er konfrontiert war erweckten ein im Keim vorhandenes soziales Bewusstsein immer mehr. Ches Wut auf die Gleichg\u00fcltigkeit, die die herrschende Klasse gegen\u00fcber den Armen zeigte, wurde w\u00e4hrend dieser Reisen angeheizt. W\u00e4hrend Che im chilenischen Hafen Valparaiso Station machte, wurde er gebeten, einer alten Frau mit seinen medizinischen Kenntnissen zu helfen, die, wie es hie\u00df, wegen chronischem Asthma und schwachem Herzen im Sterben lag. Er konnte wenig f\u00fcr sie tun, aber die Erfahrung, sie inmitten von Armut zu behandeln, hinterlie\u00df offenkundig ihre Spuren.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter schrieb er: &#8222;Dort, in den letzten Lebensaugenblicken derjenigen Menschen, deren weitester Horizont immer morgen ist, sieht man die Trag\u00f6die, die das Leben des Proletariats der ganzen Welt ausmacht; in diesen sterbenden Augen gibt es eine unterw\u00fcrfige Rechtfertigung und h\u00e4ufig auch ein verzweifeltes Verlangen nach Trost, das in der Leere verlorengeht, so wie ihr K\u00f6rper bald in der Gr\u00f6\u00dfe des uns umgebenden Elends verlorengehen wird. Wie lange diese, auf einem absurden System von Kasten beruhende Ordnung der Dinge bestehen bleiben wird, vermag ich nicht zu sagen. Aber es ist h\u00f6chste Zeit, dass die Regierenden weniger Zeit zur Propagierung ihres Mitleid haben und viel, sehr viel mehr Geld f\u00fcr sozial n\u00fctzliche Dinge verwenden.&#8220;<\/p>\n<h4>BergarbeiterInnenkampf<\/h4>\n<p>Als Che und sein Reisegef\u00e4hrte nicht wie beabsichtigt ein Schiff zur Osterinsel bekamen, wandten sie sich nordw\u00e4rts, wo sie schlie\u00dflich in Chuquicamata, dem weltgr\u00f6\u00dften Tagebau-Kupferbergwerk, ankamen. &#8222;Chuqui&#8220;, wie es in Chile heute immer noch hei\u00dft, geh\u00f6rte US-Monopolen wie Anaconda und Kenecott. US-Eigentum an den Bergwerken in Chuqui war ein Symbol f\u00fcr die imperialistische &#8222;Gringo&#8220;herrschaft \u00fcber Chile. Die Bergwerke wurden von der Unidad-Popular-Regierung unter Salvador Allendes von der Sozialistischen Partei zwischen 1970 und 1973 schlie\u00dflich verstaatlicht.<\/p>\n<p>Hier lernten Che und Alberto die harte Wirklichkeit des Klassenkampfes kennen. Sie trafen einen fr\u00fcheren Bergarbeiter und seine Frau von der damals illegalen chilenischen Kommunistischen Partei. Che erfuhr die bittere Geschichte von Unterdr\u00fcckung, Verschleppungen und schwarzen Listen, Ma\u00dfnahmen, die das Unternehmen und die Regierung gegen jene einsetzten, die versuchten, f\u00fcr ArbeiterInnenrechte zu k\u00e4mpfen. Che und Alberto schafften es, ins Bergwerk zu kommen. Es wurde gerade ein Streik vorbereitet. Sie wurden von einem Vorarbeiter herumgef\u00fchrt, der &#8211; wie Che berichtete &#8211; von &#8222;hirnlosen Gringos&#8220; sprach, die &#8222;in einem Streik Millionen Pesos pro Tag verlieren, um den armen ArbeiterInnen ein paar Centavos mehr zu verweigern.&#8220;<\/p>\n<p>Der Besuch in Chuqui beeinflusste Che nicht nur vor\u00fcbergehen und er machte Notizen, in denen er nicht nur detailliert seine Eindr\u00fccke von den ArbeiterInnen schilderte sondern auch die Produktionstechniken und die politische Bedeutung der Bergwerke f\u00fcr Chile festhielt. In Bezug auf die rohstoffreichen Berge protestierte er gegen das &#8222;ausgebeutete Proletariat&#8220; und die Umweltzerst\u00f6rung gegen\u00fcber der Landschaft. &#8222;Die H\u00fcgel zeigen ihre grauen R\u00fccken, die im Kampf gegen die Elemente vorzeitig gealtert sind. Sie tragen Altersfalten, die nicht ihrem geologischen Alter entsprechen. Wie viele dieser Begleiter ihres ber\u00fchmte Bruders (Chuquicamata) enthalten in ihrem schweren Scho\u00df \u00e4hnliche Reicht\u00fcmer wie er und warten auf die trockenen Arme der mechanischen Schaufeln, die als unumg\u00e4ngliche Begleiterscheinung des menschlichen Lebens ihre Eingeweide aufrei\u00dfen?&#8220;<\/p>\n<p>Damals fand in Chile Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf statt, den schlie\u00dflich der populistisch-nationalistische Kandidat General Carlos Ibanez del Campo gewann. Sobald er an der Macht war, schloss er ein Abkommen mit dem US-Imperialismus und f\u00fchrte ein brutales K\u00fcrzungspaket ein, mit dem er sich auch von seinem Versprechen zur Verstaatlichung der Kupferbergwerke von Chuqui verabschiedete. Bei den Wahlen kam der sozialistische und linke Kandidat Salvador Allende auf den letzten Platz, teilweise wegen des Verbots der Kommunistischen Partei und ihrer Unterst\u00fctzerInnen. Allende wurde schlie\u00dflich 1970 zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt, der erste sozialistische Kandidat, der in S\u00fcdamerika einen Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf gewann. Als er siegte bezeichnete er sich als Marxist. Eine der ersten Ma\u00dfnahmen der sozialistisch gef\u00fchrten Regierung war die Verstaatlichung der Bergwerke von Chuqui. Allendes Regierung wurde von einem durch die CIA unterst\u00fctzten blutigen Putsch 1973 gest\u00fcrzt. [Zu den Fehlern der Unidad-Popular-Regierung, die diesen Putsch m\u00f6glich machten, siehe Tony Saunois: HeldInnentum war nicht genug, in: SOV (Hg.): Chile 1973-99. Der Kampf lebt weiter. Wien 1999, S. 3-18 &#8211; der \u00dcbersetzer])<\/p>\n<p>Aber trotz dieser Bilder und des Einflusses, den sie auf Che hatten, brauchte er weitere Erfahrungen und musste gr\u00f6\u00dfere Ereignisse erleben, bevor er sich einem Leben als Revolution\u00e4r verschrieb.<\/p>\n<h4>Inkakultur<\/h4>\n<p>Der n\u00e4chste Halt seiner Reise war Peru. Insbesondere die Begegnung mit dem prominenten F\u00fchrer der peruanischen Kommunistischen Partei, Doktor Hugo Pesce, war f\u00fcr die Herausbildung sozialistischer Ideen bei Che entscheidend. Bevor Che und Alberto am 1. Mai 1952 in Lima ankamen, hatten sie die Gelegenheit, die Perlen der antiken Inkakultur kennenzulernen. Die tiefgreifenden Folgen von vierhundert Jahren &#8222;wei\u00dfer&#8220; europ\u00e4ischer Eroberung Lateinamerikas und brutaler Unterdr\u00fcckung der indigenen Bev\u00f6lkerung des Kontinent hat sich bei Ches Besuch der alten Inkahauptstadt Cuzco und der beeindruckenden Tempelruinen von Macchu Picchu zweifellos in sein Bewusstsein eingegraben, so wie es wohl allen BesucherInnen dieser St\u00e4tten ergeht.<\/p>\n<p>Pablo Neruda nahm in sein gefeiertes Werk \u00fcber Lateinamerika Canto General (Allgemeiner Gesang) ein Gedicht Alturas de Macchu Picchu (Die H\u00f6hen von Macchu Picchu) auf, das das Bild widerspiegelt, das diese alten Ruinen hoch in den Anden in denen erzeugen, die gegen Ausbeutung k\u00e4mpfen. &#8222;Damals bin ich die Treppe der Erde emporgestiegen zwischen grausem Gestr\u00fcpp verlorener W\u00e4lder bin zu dir, Macchu Picchu. Hohe Stadt aus stufigem Gestein, endlich Wohnstatt dem, der das Irdische nicht verbarg in schlafbefallenen Gew\u00e4ndern. In dir wiegte sich wie zwei parallele Linien des Blitzes und des Menschen Wiege in einem Dornenwind. Mutter des Steins, Schaumkrone der Condore. Der Menschheitsd\u00e4mmerung hohes Riff.\u201d (Pablo Neruda, Das lyrische Werk I. Darmstadt- Neuwied 1984, S. 245-262, hier S. 252)<\/p>\n<p>In Ches Heimatland Argentinien waren die indigenen V\u00f6lker praktisch ausgerottet und ihre Kultur zerst\u00f6rt worden. In Peru, Bolivien, Mexiko und ein paar anderen lateinamerikanischen L\u00e4ndern war dies nicht der Fall. Sie \u00fcberlebten als die unterdr\u00fccktesten und ausgebeutetsten Schichten der Gesellschaft und stellten auf dem Land oft sogar die Mehrheit. Die &#8222;Mischlinge&#8220;, die MestizInnen war entstanden und aus ihr stammten gro\u00dfe Teile der Arbeiterklasse in den St\u00e4dten. Die reichen und m\u00e4chtigen herrschenden Klassen waren und sind weitgehend rein europ\u00e4ischer Herkunft. Die Geschichte von Eroberung und der anhaltenden Ausbeutung des Kontinents durch den Imperialismus, besonders des US-Imperialismus, hat unter den ausgebeuteten Klassen ein starkes antiimperialistisches Bewusstsein geformt.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts richtete sich diese Bitterkeit weitgehend gegen die &#8222;Yankee-Gringos&#8220; n\u00f6rdlich des Rio Grande. Che nahm w\u00e4hrend seines Besuches in Peru diesen Hass auf die vorherrschende imperialistische Macht zunehmend in sich auf. Nachdem sie durch die Ankunft einer Gruppe von &#8222;Gringo&#8220;-TouristInnen die freie Unterkunft, die sie sich organisiert hatten, aufgeben mussten, notierte Che: &#8222;Nat\u00fcrlich wissen diese Touristen, die in ihren komfortablen Bussen reisten, nichts von den Bedingungen der Indianer \u2026 Die Mehrheit der Amerikaner fliegt direkt von Lima nach Cuzco, besucht die Ruinen und kehrt dann zur\u00fcck ohne irgend etwas anderem Bedeutung beizumessen.&#8220;<\/p>\n<p>Am 1. Mai kamen die zwei Reisenden in Lima an. Che traf Dr. Pesce, ein f\u00fchrendes Mitglied der Kommunistischen Partei und Anh\u00e4nger des peruanischen Philosophen Jos\u00e9 Mar\u00edategui. Mar\u00edateguis Hauptarbeit &#8211; Sieben Versuche, die peruanische Wirklichkeit zu verstehen &#8211; wurde 1928 geschrieben und betont die Rolle der indigenen V\u00f6lker und die B\u00e4uerInnenschaft im Kampf f\u00fcr Sozialismus.<\/p>\n<p>Die Diskussionen mit Pesce hatten sichtbar eine tiefgreifende Wirkung auf Che. Ein Jahrzehnt sp\u00e4ter schickte er dem Doktor ein Exemplar seines ersten Buchs Guerillakrieg mit der Widmung &#8222;f\u00fcr Doktor Hugo Pesce, der, vielleicht ohne es zu wissen, eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung in meiner Haltung gegen\u00fcber dem Leben und der Gesellschaft hervorrief. Zwar den selben Abenteuergeist wie zuvor bewahrend, aber auf, mit den Bed\u00fcrfnissen Amerikas mehr \u00fcbereinstimmende Ziele gerichtet.&#8220;<\/p>\n<p>Aber trotz all der Diskussionen, die er mit Pesce f\u00fchrte, war Che damals immer noch nicht bereit, sich offen mit &#8222;marxistischen&#8220; Ideen zu identifizieren. Aber seine Ansichten fingen schon an, Gestalt anzunehmen und er begann sie auszudr\u00fccken. Besonders begann er, offen internationalistische Ideen zu entwickeln, zumindest im Rahmen Lateinamerikas.<\/p>\n<h4>Internationalismus<\/h4>\n<p>Bei einer Party in Peru anl\u00e4\u00dflich seines vierundzwanzigsten Geburtstags meinte Che in einem Trinkspruch das &#8222;(Latein-) Amerikas Spaltung in illusorische und unbestimmte Nationalit\u00e4ten v\u00f6llig fiktiv ist. Wir stellen eine einzige Mestizenrasse dar, der sich von Mexiko bis zur Magellanstra\u00dfe erstreckt und merklich ethnographische \u00c4hnlichkeiten aufweist. Deshalb spreche ich, um mich vom Gewicht jedes kleinlichen Provinzialismus zu befreien, einen Trinkspruch auf Peru und auf ein Vereinigtes Amerika aus.&#8220; Das spiegelte klar seine sich entwickelnden internationalistischen Bestrebungen wider. Eine voll entwickelte, umfassende marxistische Analyse war das allerdings nicht und es war auch eine etwas vereinfachte Einsch\u00e4tzung der Lage.<\/p>\n<p>Die Bestrebung nach einem vereinigten Lateinamerika hat es seit Sim\u00f3n Bol\u00edvar (der bewaffnete Rebellionen gegen Spanien anf\u00fchrte und die Unabh\u00e4ngigkeit eines Gro\u00dfteils Lateinamerikas sichern half) und den nationalen Befreiungskriegen des 19. Jahrhunderts gegeben. Der Wunsch nach Einheit des ganzen Kontinents ist immer noch ein starker Wunsch unter den lateinamerikanischen Massen, der Seite an Seite mit dem jeweiligen nationalen Bewusstsein besteht. Die wiederkehrenden Bestrebungen zur Vereinigung Lateinamerikas k\u00f6nnen im Rahmen des Kapitalismus allerdings nicht verwirklicht werden, da die herrschende Klasse jeder einzelnen lateinamerikanischen Nation ihre eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen zu verteidigen hat.<\/p>\n<p>Dar\u00fcberhinaus sind sie mit wirtschaftlichen und materiellen Interessen des Imperialismus verbunden, von denen sie sich nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen. Auch der Imperialismus selbst lehnt die Einheit des Kontinents unter dem Kapitalismus ab, weil er es im Allgemeinen vorzieht, einer Reihe von Staaten seinen Willen aufzuzwingen, die schw\u00e4cher sind als er. Die Errichtung einer demokratischen F\u00f6deration Lateinamerikas als Schritt zur Vereinigung des Kontinents ist nur m\u00f6glich durch die Befreiung von Kapitalismus und Imperialismus und den Aufbau des Sozialismus. Der Geist des Internationalismus war ein Thema, zu dem Che oft zur\u00fcckkehrte und in sp\u00e4teren Jahren trat er f\u00fcr die Idee einer Revolution gegen Imperialismus und Kapitalismus mit internationaler Grundlage ein.<\/p>\n<p>Der Unterschied seiner Position zu einer umfassenden marxistischen Analyse war in der Frage, wie und durch welche Klasse dies erreicht werden sollte. Nachdem Che sich von seinem Reisegef\u00e4hrten und Freund Alberto, der nach Argentinien zur\u00fcckkehrte, um seine Studien zu vollenden und die Pr\u00fcfungen an der Universit\u00e4t abzulegen, getrennt hatte, setzte er seine Reise nach Kolumbien und Venezuela fort. Die Wirkung dieser ersten Reise auf ihn wird in seinen Notas de Viaje deutlich, die auf Grundlage seines Reisetagebuch erschienen. Er war nicht mehr die Person, die Argentinien verlassen hatte. &#8222;Die Person, die diese Notizen geschrieben hat, starb bei der R\u00fcckkehr auf argentinischen Boden, wer sie herausgibt und ausfeilt, \u2018ich&#8220; bin nicht ich; zumindest bin ich nicht dasselbe \u2018ich&#8220; wie vorher. Das Herumstreifen durch unser \u2018Am\u00e9rica&#8220; hat mich mehr ver\u00e4ndert als ich dachte.&#8220;<\/p>\n<p>Nach seiner R\u00fcckkehr nach Argentinien hoffte seine Familie, dass seine Tage als Vagabund beendet w\u00e4ren und dass er seinen erw\u00e4hlten Beruf als Mediziner ergreifen w\u00fcrde. Che vervollst\u00e4ndigte sein Studium im April 1953 und erlangte im Juni den Doktorgrad, ein paar Tage vor seinem f\u00fcnfundzwanzigsten Geburtstag. Aber die Hoffnungen seiner Familie wurden schnell zerschlagen, als seine zweite Amerikatour begann. Diesmal wurde sie zusammen mit seinem Freund aus Kindertagen, Carlos &#8222;Calica&#8220; Ferrer geplant, der das Medizinstudium abgebrochen hatte. Laut Calica hatten die zwei Freunde davon gesprochen, durch Bolivien zu reisen, da Che die Inkaruinen und Macchu Picchu wiedersehen wollte. Che hoffte aber auch Indien zu besuchen und Calica wollte Paris sehen.<\/p>\n<p>So war Che, als die zwei Reisegef\u00e4hrten Anfang Juli Buenos Aires im Zug verlie\u00dfen, immer noch weit entfernt von der Vorstellung, sich dem Leben eines disziplinierten und aufopfernden revolution\u00e4ren Kampfes zu widmen. Der Bohemien beherrschte immer noch seinen Charakter. Dies sollte sich allerdings in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurzer Zeit \u00e4ndern. Menschen werden aus vielen Gr\u00fcnden in revolution\u00e4re Bewegungen hineingezogen. Manche sind haupts\u00e4chlich durch politische Ideen motiviert, andere durch die Abscheu gegen\u00fcber dem bestehenden System und manche durch die Teilnahme an gro\u00dfen sozialen Erhebungen, bei denen sie einfach nicht beiseite stehen k\u00f6nnen. Der Grund, warum Ches Leben eine scharfe Wendung machte, ist nicht auf eine einzige Ursache zur\u00fcckzuf\u00fchren. Er interessierte sich zweifellos f\u00fcr politische Ideen und war \u00fcber die sozialen Zust\u00e4nde emp\u00f6rt, die er erlebte. Er war auch zutiefst beeinflusst durch die m\u00e4chtigen sozialen Explosionen, die er w\u00e4hrend seiner zweiten amerikanischen Tour erlebte. Diese umfassten zwei revolution\u00e4re Bewegungen in Bolivien und in Guatemala, nach denen sein Leben eine v\u00f6llig neue und unerwartete Richtung einschlug.<\/p>\n<p>In Bolivien<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der zweiten Tour schrieb Che ein weiteres Tagebuch, dass er Otra Vez (&#8222;Noch einmal&#8220;) nannte. Er selbst schrieb \u00fcber den Beginn dieser Reise: &#8222;Diesmal hat sich der Name des Beifahrers ge\u00e4ndert, Alberto hei\u00dft jetzt Calica, aber die Reise ist dieselbe: zwei Versprengte werden sich \u00fcber Amerika ausdehnen ohne genau zu wissen, was sie suchen oder in welcher Himmelsrichtung der Norden ist.&#8220; (Dieses Tagebuch, das drei Jahre von Ches Leben umfasst, wurde nie voll ver\u00f6ffentlicht. Es wurde von seiner Witwe Aleda March nach Ches Tod abgeschrieben und dem Autor Jon Lee Anderson zur Verf\u00fcgung gestellt, der es f\u00fcr seine gepriesene Biographie &#8222;Che Guevara &#8211; Ein revolution\u00e4res Leben&#8220;, die 1997 ver\u00f6ffentlicht wurde, ausgiebig nutzte.)<\/p>\n<p>Che kam mit seinem Gef\u00e4hrten im Juli 1953 in der bolivianischen Hauptstadt La Paz an. Sofort wurden sie in den revolution\u00e4ren Aufruhr, der damals eine der \u00e4rmsten und &#8222;indianischsten&#8220; amerikanischen Nationen erfasste, hineingezogen. Eine Massenrevolte der vorwiegend indigenen B\u00e4uerInnen und Zinn-BergarbeiterInnen war zw\u00f6lf Monate zuvor ausgebrochen. Der Massenaufstand hatte die radikale Movimiento Nationalista Revolucinaria (MNR) an die Macht gebracht. Das neue Regime versuchte zwar, die Massenbewegung unter Kontrolle zu halten, war aber durch Aufst\u00e4nde, die seine Macht gef\u00e4hrdeten, gezwungen, weitreichende Reformen durchzuf\u00fchren. Die B\u00e4uerInnen erzwangen durch eine Reihe von Landbesetzungen ein sehr weitgehendes Programm f\u00fcr den Agrarsektor. Die Zinnbergwerke, damals Boliviens Haupteinnahmequelle, wurden verstaatlicht. Die Bergleute und B\u00e4uerInnen hatten sich bewaffnet, Teile der Armee wechselten auf die Seite der ArbeiterInnen und B\u00e4uerInnen. Eine Miliz wurde errichtet und f\u00fcr eine kurze Zeit wurde die Armee offiziell aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Die Revolution wurde aber nicht zu Ende gef\u00fchrt, es wurde kein neues Regimes mit ArbeiterInnendemokratie errichtet und so wurde die Bewegung schlie\u00dflich besiegt. W\u00e4hrend dieser revolution\u00e4ren Ereignisse spielten die BergarbeiterInnen in den Zinnmienen eine f\u00fchrende Rolle bei der Errichtung eines neuen unabh\u00e4ngigen Gewerkschaftsdachverbandes, der Central Obrera Boliviana (COB). Das die COB, zumindest auf dem Papier, das von Leo Trotzki 1938 geschriebene \u00dcbergangsprogramm annahm, ist Ausdruck der revolution\u00e4ren Erhebung, die stattfand. In La Paz verbrachte Che viel Zeit in Caf\u00e9s und Bars, wo er politische MigrantInnen, die aus ganz Amerika gekommen waren, traf.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Revolution war Bolivien ein politisches Mekka geworden, weil Radikale und linke Revolution\u00e4rInnen von den ausbrechenden st\u00fcrmischen Ereignissen angezogen wurden. &#8222;La Paz ist das Schanghai von ganz Amerika. Eine gro\u00dfe Anzahl von Abenteurern aller Nationalit\u00e4ten leben und bl\u00fchen in der buntschillernden Mestizenstadt&#8220; schrieb Che in Otra Vez. Hier mischte er sich unter eine Vielzahl politischer AktivistInnen und diskutierte mit ihnen. Er traf ein paar Leute aus der argentinischen Gemeinde von La Paz, unter ihnen ein Exilchilene namens Nogues. Der Einfluss der m\u00e4chtigen sozialen Ereignisse, die in Bolivien stattfanden, spiegeln sich in Ches Kommmentaren \u00fcber diesen F\u00fchrer der argentinischen Exilgemeinde wider. &#8222;Seine politischen Ideen sind in der Welt seit einiger Zeit veraltet, aber er h\u00e4lt sie unabh\u00e4ngig von dem proletarischen Hurrikan, der in unserem kriegerischen Bereich losgelassen wurde, aufrecht.&#8220;<\/p>\n<p>Durch diese sozialen Kontakte f\u00fchrte Che in La Paz eine Doppelleben und wechselte zwischen der Beobachtung der revolution\u00e4ren Bewegungen und dem Leben der High Society, in das er durch die argentinische Gemeinde eingef\u00fchrt wurde. Einmal zeigte Nogues&#8220; Bruder, der k\u00fcrzlich aus Europa zur\u00fcckgekommen war, Che und Calica eine Einladung, die er zur Hochzeit des griechischen Schiffahrtsk\u00f6nigs Aristoteles Onassis erhalten hatte.<\/p>\n<h4>Flamme der Revolution<\/h4>\n<p>Es war jedoch der revolution\u00e4re Prozess, dessen Zeuge er in La Paz wurde, der den dauerhaftesten Eindruck auf Che machte. Er schrieb seinem Vater im Juli und teilte ihm mit, dass er l\u00e4nger in Bolivien bleiben wolle weil &#8222;\u2026dies ein sehr interessantes Land ist und gerade einen besonders brodelnden Augenblick erlebt. Am zweiten August geht die Landreform durch und im ganzen Land werden Aufruhr und K\u00e4mpfe erwartet. Wir haben unglaubliche Aufm\u00e4rsche bewaffneter Leute mit Mausern und \u2018pripipi&#8220; (Maschinengewehren) gesehen, mit denen viel geschossen wird. Jeden Tag h\u00f6rt man Sch\u00fcsse und es gibt Verwundete und Tote durch Schusswaffen.&#8220; Che wollte die ber\u00fchmten bolivianischen BergarbeiterInnen mit eigenen Augen sehen und besuchte das Balsa-Negra-Bergwerk das direkt au\u00dferhalb von La Paz liegt. Vor der Revolution hatte der Werksschutz mit einem Maschinengewehr auf streikende Bergleute geschossen. Jetzt war das Bergwerk verstaatlicht. Che traf LKWs voll mit bewaffneten Bergleuten, die aus der Hauptstadt zur\u00fcckkamen, wo sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Bodenreform und den Kampf der B\u00e4uerInnen Nachdruck verliehen hatten. Mit ihren &#8222;steinernen Gesichtern und roten Plastikhelmen schienen sie wie Krieger aus einer anderen Welt&#8220;.<\/p>\n<p>Obwohl Che Zeuge der gewaltigen St\u00e4rke der bolivianischen BergarbeiterInnen wurde, nahm er das Potential und die Rolle der ArbeiterInnenklasse in der sozialistischen Revolution nie wirklich in sich auf. Selbst in L\u00e4ndern wie Bolivien, wo die ArbeiterInnenklasse eine Minderheit der Bev\u00f6lkerung darstellte, war ihre Macht zu sehen. Diese Fehleinsch\u00e4tzung hatte, zusammen mit anderen Faktoren, direkte Auswirkung auf die Ideen, die er sp\u00e4ter entwickelte. In diesem Stadium in Ches politischer Entwicklung ist es jedoch ausreichend, die Auswirkung der Ereignisse in Bolivien auf seine Weltsicht festzuhalten. Zum ersten Mal in seinem Leben wurde er direkt von der hei\u00dfen Flamme der Revolution ber\u00fchrt. Aber trotz der Kraft der Ereignisse war er dennoch immer noch ein Beobachter und kein aktiver Teilnehmer.<\/p>\n<p>Nachdem Che und Calica ihren Aufenthalt in La Paz auf fast einen Monat ausgedehnt hatten, fuhren sie weiter. Sie verbrachten etwas Zeit in Peru und trafen in Lima erneut Dr. Pesce und auch Gobo Nogues. Gobo sorgte auch daf\u00fcr, dass sie ein paar mal im Country Club und in Limas teuerstem Hotel, dem Gran Hotel Bol\u00edvar, a\u00dfen. Sie zogen weiter nach Ecuador, wo sie neue Freundschaften mit einer Gruppe von Abenteurern schmiedeten. Ches urspr\u00fcngliche Absicht war es gewesen, mit Calica nach Venezuela weiterzugehen. Aber nach einigen Ausfl\u00fcgen trennten sich Calica und Che, ersterer ging nach Caracas, w\u00e4hrend letzterer mit einem neuen Gef\u00e4hrten, Gualo, nach Guatemala ging. Sie waren v\u00f6llig pleite und mussten sich ihr Fahrgeld auf einem Schiff verdienen. Bevor sie Guatemala erreichten, durchquerten sie Costa Rica, Panama und Nicaragua und trafen auf dem ganzen Weg Menschen, mit denen sie diskutierten.<\/p>\n<p>Durch die Reise nach Norden, nach Mittelamerika, hatte Che eine andere Welt als jene im S\u00fcdkegel von Lateinamerika betreten. Der Imperialismus beherrschte die s\u00fcdlichen L\u00e4nder in Verbindung mit einer schwachen nationalen KapitalistInnenenklasse. Es lebten verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele Menschen in den St\u00e4dten, wo es auch eine starke ArbeiterInnenklasse gab, die Gesellschaft als ganzes war tendenziell weiter entwickelt. Sogar in den damals \u00e4rmsten L\u00e4ndern wie Bolivien und Peru war das der Fall.<\/p>\n<p>In einer Reihe mittelamerikanischer L\u00e4nder setzte der US-Imperialismus arrogant \u00f6rtliche Tyrannen und diktatorische Staatschefs ein, w\u00e4hrend verachtete und gehasste Firmen wie Coca Cola und die United Fruit Company die Wirtschaften auspl\u00fcnderten. Wie Che kommentierte: &#8222;die L\u00e4nder waren keine wirklichen Nationen, sondern private Landg\u00fcter&#8220;. Es waren erst f\u00fcnfzig Jahre seit der Schaffung Panamas durch den US-Imperialismus vergangen. Immer noch wurde es von ihm in v\u00f6lliger Abh\u00e4ngigkeit gehalten wurde um den Kanal zu kontrollieren, den die USA aus Handels- und strategischen Interessen gebaut hatte. Nicaragua war seit drei\u00dfig Jahren von der korrupten Somoza-Diktatur regiert worden. El Salvador wurde von aufeinanderfolgenden Diktaturen beherrscht, deren Zweck die Verteidigung der Interessen der Eigent\u00fcmer der Kaffeeplantagen war, und Honduras wurde praktisch von der United Fruit Company als Verpackungsfabrik betrieben.<\/p>\n<p>Die United Fruit Company symbolisierte die Ausbeutung des Kontinents durch den Imperialismus. Ches Lieblingsdichter Pablo Neruda schrieb ein ironisches Gedicht United Fruit Co., das die Gef\u00fchle von Lateinamerika gegen\u00fcber der imperialistischen Beherrschung widerspiegelt: &#8222;Als die Posaune erklang, alles war vorbereitet auf Erden, und Jehovah verteilte die Welt an die Coca-Cola Inc., die Anaconda, die Ford-Motors und andere Wesenheiten: Die United Fruit Company reservierte sich das Gehaltvollste, meines Kontinents Zentralk\u00fcste; Amerikas lieblichen G\u00fcrtel\u2026&#8220; An einer anderen Stelle des Gedicht greift Neruda die Firma an, weil sie die &#8222;Diktatur der Schmei\u00dffliegen&#8220; der Diktatoren von Mittelamerika schaffte: Trujillo, Tachos, Ubico, Mart\u00ednez, Car\u00edas &#8211; die &#8222;Tyrannei&#8220; der &#8222;bluthungrigen Fliegen.&#8220; (Pablo Neruda, Das lyrische Werk I. Darmstadt-Neuwied 1984, S. 438f.)<\/p>\n<h4>Nach Guatemala<\/h4>\n<p>Die Ereignisse in Bolivien hatten Eindruck auf Che gemacht, die Entwicklungen in Guatemala, bei denen er zum ersten Mal aktiv teilnahm, \u00e4nderten die Richtung seines Lebens. Er kam am Weihnachtsabend in Guatemala Stadt an und identifizierte sich offen mit einer politischen Sache und mit Ideen, denen er jetzt sein Leben widmen wollte. Unmittelbar vor seiner Ankunft (10. Dezember) hatte er seiner Tante Beatriz, zu der er eine besonders enge Beziehung hatte, einen Brief geschrieben, in dem er seine politischen Ansichten umriss. Darin wurde deutlich, welche Wirkung die Ereignisse in Bolivien offensichtlich auf ihn gehabt hatten. Zum ersten Mal identifizierte er sich klar ideologisch mit sozialistischen Ideen. &#8222;Mein Leben war ein Meer gefundener L\u00f6sungen, bis ich mutig mein Gep\u00e4ck ablegte und mich mit dem Rucksack auf der Schulter mit dem Genossen Garc\u00eda auf den gewundenen Pfad begab, der uns hierher f\u00fchrte. Auf dem Weg hatte ich die Gelegenheit, die Reiche der United Fruit zu durchqueren, die mich erneut davon \u00fcberzeugte, wie schrecklich diese kapitalistischen Kraken sind. Ich habe vor einem Bild des alten und betrauerten Stalin geschworen, dass ich nicht ruhen w\u00fcrde, bevor diese kapitalistischen Kraken vernichtet sind. In Guatemala werde ich mich vervollkommnen und erlernen, was ich k\u00f6nnen muss, um ein echter Revolution\u00e4r zu sein.&#8220; Er unterschrieb seinen Brief mit &#8222;von deinem Neffen mit der eisernen Verfassung, dem leeren Magen und dem leuchtenden Glauben an die sozialistische Zukunft. Chao, Chancho&#8220;.<\/p>\n<p>1953 stand die populistische, linkslastige Regierung Guatemalas, an deren Spitze Oberst Jacobo Arbenz stand, in unmittelbaren Konflikt mit dem US-Imperialismus und der reichen Elite in Guatemala Stadt. Arbenz f\u00fchrte das von der Vorg\u00e4ngerregierung begonnene reformistische Programm fort. Diese war in den 40er Jahren an die Macht kam und hatte die brutale Ubico-Diktatur gest\u00fcrzt. Der US-Imperialismus war durchaus zu Zugest\u00e4ndnisse an diese reformistische Regierung bereit. Aber 1952 ging die Arbenz-Regierung einen Schritt zu weit. Es wurde eine Bodenreform erlassen, die das Latifundiensystem abschaffte und das Eigentum der verhassten United Fruit Company verstaatlichte.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahme provozierte einerseits den Zorn von Guatemalas wei\u00dfer Kreolenelite und bekam andererseits massive Unterst\u00fctzung durch die haupts\u00e4chlich aus Indigenen und Mestizen bestehenden B\u00e4uerInnen auf dem Land und den ArbeiterInnen in den St\u00e4dten. Die United Fruit Company und die Eisenhower-Regierung waren emp\u00f6rt. Es war nur eine Frage der Zeit bis die CIA Schritte zum Sturz der Arbenz- Regierung setzen w\u00fcrde. Das &#8222;sozialistische&#8220; Experiment in Guatemala hatte Tausende aus ganz Lateinamerika angezogen. Sie wollten aus erster Hand sehen, wie der US-Imperialismus herausgefordert wurde. W\u00e4hrend der gesamten Zeit gab es Massenmobilisierungen und sowohl die Regierung als auch die verschiedenen Parteien errichtet zahlreiche Milizen. W\u00e4hrend die Milizen aber zum Gro\u00dfteil unbewaffnet waren begannen die Kr\u00e4fte der Reaktion jedoch sich zu bewaffnen und zu mobilisieren.<\/p>\n<p>Neben Che Guevara waren w\u00e4hrend dem guatemaltekischen Drama auch zahlreiche andere k\u00fcnftige Anf\u00fchrer linker lateinamerikanischer Organisationen wie Rodolfo Romero, der sp\u00e4tere F\u00fchrer der nicaraguanischen sandinistischen FSLN (Frente Sandinista de la Liberaci\u00f3n Nacional), die 1979 die Somoza-Diktatur st\u00fcrzte. Che diskutierte mit den verschiedenen politischen AktivistInnen, die er traf. Er verschaffte sich Arbeit als Arzt in einem Krankenhaus und kam in Kontakt mit Hilda Gadea, einer im Exil lebenden F\u00fchrerin der Jugendorganisation der radikalen populistischen peruanischen APRA-Bewegung. Sie f\u00fchrte ihn bei AktivstInnen und F\u00fchrerInnen verschiedener politischer Gruppen ein und gab ihm politische Schriften zu lesen, einschlie\u00dflich einiger Schriften von Mao Tsetung.<\/p>\n<p>Damals traf Che auch eine Reihe von ExilkubanerInnen. Das Arbenz-Regime hatte ihnen, nachdem sie auf Kuba am Angriff auf die Moncada- Kaserne am 26. Juli 1953 teilgenommen hatten, Asyl gew\u00e4hrt. Zum ersten Mal erfuhr Che etwas \u00fcber den Kampf, der sich gegen das Batista-Regime auf Kuba entwickelte.<\/p>\n<h4>Volksfront<\/h4>\n<p>Die Geschwindigkeit mit der sich die Ereignisse in Guatemala entwickelten trug auch zur Reifung von Ches Ideen bei. Er begann die Kommunistischen Parteien zu kritisieren, die eine Politik der &#8222;Volksfront&#8220; \u00fcbernommen hatten. Das brachte sie in B\u00fcndnisse mit Teilen der nationalen KapitalistInnenklassen. Die F\u00fchrung der Kommunistischen Parteien argumentierte zu Unrecht, dass ein taktisches B\u00fcndnis mit diesem &#8222;fortschrittlichen&#8220; Fl\u00fcgel der nationalen Kapitalistenklasse zum Kampf gegen den Imperialismus notwendig sei, um die parlamentarische Demokratie zu verbreitern und auszudehnen. Sie sagten, eine Etappe &#8222;kapitalistischer Demokratie und wirtschaftlicher Entwicklung&#8220; sei notwendig, bevor die ArbeiterInnenklasse mit der Aussicht auf Erfolg f\u00fcr den Sozialismus k\u00e4mpfen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Diese Politik f\u00fchrte dazu, dass die F\u00fchrernnen der Kommunistischen Parteien die K\u00e4mpfe der ArbeiterInnenklasse beschr\u00e4nkten, damit sie nicht in Konflikt mit den Interessen der KapitalistInnen geraten k\u00f6nnten. Die ArbeiterInnenbewegung wurde durch diese Strategie nicht nur h\u00e4ufig gel\u00e4hmt, sie f\u00fchrte auch oft zu blutigen Niederlagen durch die Reaktion. Entscheidende Teile der KapitalistInnen hatten kein Problem damit, demokratische Rechte abzuschaffen und mit diktatorischen Methoden zu herschen, um ihre eigenen Klasseninteressen zu verteidigen. Che hatte zwar keine klare Alternative zu dieser Politik, f\u00fchlte aber, dass sich die Kommunistischen Parteien von den Massen entfernten, um einfach in einer Koalitionsregierung einen Teil der Macht zu bekommen. Er argumentierte damals zu Unrecht, dass keine Partei in Lateinamerika an Wahlen teilnehmen und gleichzeitig revolution\u00e4r bleiben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Che begann zwar, seine Gedanken auszudr\u00fccken, seine Ideen wurden aber erst sp\u00e4ter voll ausformuliert. Inzwischen \u00fcberrollten die Ereignisse in Guatemala die Debatte, an der er teilnahm. Die USA hatten die Schlussfolgerung gezogen, dass die Regierung gest\u00fcrzt werden m\u00fcsse. Das Beispiel der Bewegung in Guatemala begann, sich auf andere L\u00e4nder Mittelamerikas auszuwirken. In Honduras brach ein Generalstreik aus. In Nicaragua f\u00fcrchtete Diktator Somoza, die Bev\u00f6lkerung k\u00f6nne dem Beispiel in den Nachbarl\u00e4ndern folgen. Die CIA hatte einen Plan zum Sturz der guatemaltekischen Regierung zusammengebastelt. Eine Kreatur namens Castillo Arbas wurde auserw\u00e4hlt, Arbenz als Pr\u00e4sident zu ersetzen. Eine paramilit\u00e4rische Einheit wurde in Nicaragua ausgebildet und diejenigen in der Armee, die den USA gegen\u00fcber freundlich gesinnt waren, wurden in die Verschw\u00f6rung gegen die Regierung einbezogen. Arbenz weigerte sich, gegen diejenigen im Milit\u00e4r vorzugehen, von denen er wusste, dass sie mit den PutschistInnen sympathisieren und versuchte, das Milit\u00e4r zu befrieden. Noch ein paar Tage vor dem Sturz seiner Regierung 1954 durch die Verschw\u00f6rung appellierte er an die Armee selbst, an die Milizen, die errichtet worden waren, Waffen zu verteilen. Das Milit\u00e4rkommando weigerte sich und die Regierung fiel.<\/p>\n<p>Die bestehende kapitalistische Staatsmaschine war intakt gelassen worden. Es war keine Alternative durch ArbeiterInnen- und B\u00e4uerInnenkomitees, die einen Appell an die einfachen Soldaten h\u00e4tten richten k\u00f6nnen, errichtet worden. Die Niederlage von Arbenz und sein Versagen, tats\u00e4chliche Schritte gegen den kapitalistischen Staatsapparat zu setzen, waren f\u00fcr Che eine Lehre, die er nicht verga\u00df, als sich die Revolution auf Kuba entfaltete. Nachdem Che in der argentinischen Botschaft Unterschlupf suchte und sich eine Weile lang versteckte, kam er im September nach Mexiko.<\/p>\n<p>Wenn auch ein Frischling unter den AktivistInnen war, blieben seine Bewegungen nicht unbeobachtet. Die CIA legte die erste Akte \u00fcber ihn an. Im Verlauf der kommenden Jahre wurde dieser Akt einer der dicksten, die sie je \u00fcber eine Einzelperson erstellt hatten. W\u00e4hrend seines Mexikoaufenthalt traf Che schlie\u00dflich einen der F\u00fchrer der Bewegung des 26. Juli, die gegen die Batistadiktatur auf Kuba k\u00e4mpfte &#8211; Fidel Castro. Nach ihrem ersten Treffen, das 1955 stattfand, trat Che schlie\u00dflich der Bewegung bei.<\/p>\n<p>Nach seinen Erfahrungen in Bolivien und besonders nach seiner Teilnahme an den Ereignissen in Guatemala trat Che in die n\u00e4chste Phase seines Lebens nicht mehr als Arzt und Beobachter ein. Von diesem Tag an war er ein aktiver Teilnehmer und schlie\u00dflich F\u00fchrer historischer Ereignisse.<\/p>\n<h4>Wo trete ich ein?<\/h4>\n<p>Als Che in Mexiko eintraf war seine offene Unterst\u00fctzung f\u00fcr sozialistische Ideen herangereift. In Mexiko hatte er seine Studien von Marx, Engels und Lenin entwickelt und sie mit Lekt\u00fcre von Jack London und anderen AutorInnen erg\u00e4nzt. Aber trotz der Entwicklung von Ches politischem Wissen war seine Auffassung von marxistischer Theorie immer noch einseitig und unvollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Diese Schw\u00e4che zeigte sich besonders in seiner Interpretation, wie die marxistische Methode auf die kolonialen und halbkolonialen L\u00e4nder Lateinamerikas angewandt werden m\u00fcsse. Dies wurde auf sehr deutliche, als er am konkreten Kampf f\u00fcr den Sturz der Batistadiktatur auf Kuba teilnahm. Che f\u00fchlte sich eher zur Bewegung des 26. Juli, die von Fidel Castro gegr\u00fcndet worden war, und nicht zur kubanischen Kommunistischen Partei hingezogen. Diese Entscheidung hat viele Linke, besonders in Lateinamerika, verwirrt. Die Antwort findet sich in der damaligen Rolle der Kommunistischen Parteien und der von ihnen bef\u00fcrworteten Politik einerseits und dem Charakter der Bewegung des 26. Juli andererseits.<\/p>\n<p>Die Bewegung des 26. Juli trug diesen Namen zum Gedenken an den Angriff auf die Moncada-Kaserne in der kubanischen Stadt Santiago 1953. Dieser Angriff wurde von einer Gruppe junger Leute, die haupts\u00e4chlich mit der Kubanischen Volkspartei (Partido del Pueblo Cubano), bekannt als Orthodoxe Partei, in Verbindung standen, durchgef\u00fchrt. Dies war eine radikal-nationalistische kubanische Formation, die sich 1947 von den Auth\u00e9nticos (Authentische Revolution\u00e4re Bewegung) abgespalten hatte und von Eduardo Chibas gef\u00fchrt wurde, dessen Hauptprogramm aus &#8222;Ehrlichkeit der Regierung&#8220; bestand. Die Auth\u00e9nticos hatten sich in den drei\u00dfiger Jahren reorganisiert und versuchten sich als die Erben der nationaldemokratisch-revolution\u00e4ren Tradition von Kubas Nationalhelden Jos\u00e9 Mart\u00ed zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Jenes Dichterers und Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfers, der 1895 get\u00f6tet wurde, als er einen Reiterangriff gegen die spanische Armee anf\u00fchrte. Mart\u00ed und die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung hatten viele verschiedene politische Facetten darunter auch anarchistische Einfl\u00fcsse aus der wachsenden spanischen ArbeiterInnenbewegung. Mart\u00ed selbst unterst\u00fctzte ein radikales Sozialprogramm und war durch gewisse anarchistische Organisationen beeinflusst. Aber Hugh Thomas weist in seinem ausf\u00fchrlichen Werk Cuba &#8211; The pursuit of Freeedom darauf hin, dass &#8222;Mart\u00ed nach seinen Schriften eher ein Zeitgenosse von Rousseau als von Marx zu sein schien\u2026&#8220; Mart\u00ed war im Wesentlichen ein K\u00e4mpfer f\u00fcr nationale Unabh\u00e4ngigkeit und Verteidiger von &#8222;sozialer Gerechtigkeit&#8220;. Er trat aber nicht f\u00fcr einen Bruch mit dem Kapitalismus ein und verteidigte auch keine sozialistischen Ideen.<\/p>\n<p>Die Aut\u00e9nticos \u00e4nderten ihre Haltung zunehmend, ebenso wie es auch die Orthodoxe Partei weniger als ein Jahrzehnt sp\u00e4ter tat. In der Jugendorganisation der Orthodoxen Partei gab es eine radikale Str\u00f6mung, die zunehmend frustriert war, weil die Partei nicht ernsthaft gegen das Batista-Regime k\u00e4mpfte. Die Leute, die den Angriff auf die Moncada-Kaserne anf\u00fchrten, hofften, er w\u00fcrde der Beginn eines nationalen Aufstands gegen den Tyrannen sein. Statt dessen wurde er brutal zerschlagen und seine TeilnehmerInnen wurden entweder get\u00f6tet oder eingesperrt. Dazu geh\u00f6rten auch Fidel Castro und sein Bruder Ra\u00fal. Die meisten der 170 TeilnehmerInnen kamen entweder aus der unteren Mittelschicht oder der ArbeiterInnenklasse &#8211; waren aber keine SozialistInnen. Ra\u00fal Castro war zwar Mitglied der Kommunistischen Jugend, hatte aber auf eigen Faust und ohne Wissen der Kommunistischen Partei an dem Angriff teilgenommen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2002\/08\/che-guevara-2-teil\/\">\u00a0 weiter zum zweiten Teil<\/a><br \/>\n<!-- too long \"ZuLang20051102154911.inc\" --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Revolution&#228;r und Internationalist: Weltweit gegen Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":23522,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10060"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10060"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10060\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35400,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10060\/revisions\/35400"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10060"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10060"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10060"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}