{"id":10058,"date":"2002-08-30T19:18:23","date_gmt":"2002-08-30T17:18:23","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10058"},"modified":"2012-05-29T13:04:52","modified_gmt":"2012-05-29T11:04:52","slug":"10058","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10058\/","title":{"rendered":"Befreiungsbewegungen und islamischer Fundamentalismus"},"content":{"rendered":"<p>  von Aron Amm (November 2001)<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Nach dem Terroranschlag vom 11. September wurde von den Herrschenden in   den USA und in den f&#252;hrenden kapitalistischen Staaten ein neues   Schreckgespenst an die Wand gemalt: das Gespenst des islamischen   Fundamentalismus. Angeblich wird die &quot;freie Welt&quot; nach dem Zusammenbruch   der Sowjetunion und des Ostblocks, dem alten &quot;Reich des B&#246;sen&quot;, von   einem neuen &quot;Reich des B&#246;sen&quot; bedroht, diesmal von den Anh&#228;ngerInnen des   Dschihad (&quot;Heiliger Krieg&quot;).<\/p>\n<\/p>\n<p>  Der Pr&#228;sident der Vereinigten Staaten, George Bush, bem&#252;hte sogar den   Vergleich zu den &quot;Kreuzz&#252;gen&quot;, als er die f&#252;r den Westen jetzt   anstehenden Aufgaben benannte. (Auf den Kreuzz&#252;gen im Mittelalter waren   die westlichen Monarchien unter dem Deckmantel der &quot;Verteidigung des   christlichen Glaubens&quot; im arabischen Raum auf Beute gegangen und hatten   eine Spur von Gewalt und Verw&#252;stung hinterlassen &#8211; die seinerzeit   sch&#228;tzungsweise f&#252;nf Millionen Moslems, Juden und Christen das Leben   kostete).<\/p>\n<\/p>\n<p>  Der Krieg, den die USA und die NATO gegen Afghanistan f&#252;hren, wird keine   &#196;ra von Frieden und Freiheit einleiten, sondern die Grundlagen f&#252;r   weitere Kriege schaffen. Der Krieg wird den Terrorismus nicht schw&#228;chen,   sondern st&#228;rken. F&#252;r jede Bombe, die in Zentralasien abgeworfen wird   unter dem Vorwand, Bin Laden zu treffen, werden sich Hunderte und   Tausende Bin Laden zuwenden. Die Spirale von Krieg, Terror und Gewalt   wird sich weiter und in erh&#246;htem Tempo drehen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Zwischen Marokko und den Philippinen leben heute mehr als 1,2 Milliarden   Moslems. Damit stellen sie ein F&#252;nftel der Weltbev&#246;lkerung. In den   letzten zwanzig Jahren konnten die fundamentalistischen Kr&#228;fte des Islam   erheblich an Unterst&#252;tzung gewinnen. Vor dem Hintergrund der iranischen   Revolution 1979 entstand aus Sicht der radikalen Muslime unter Chomeini   der erste &quot;Gottesstaat&quot;. Zehn Jahre sp&#228;ter folgte die Machtergreifung   extremistischer Islamisten im Sudan. Auch in Algerien hatte die   Islamische Heilsfront (FIS) zum gleichen Zeitpunkt &#8211; vor ihrem Verbot &#8211;   auf der Wahlebene die H&#228;lfte der W&#228;hlerInnen hinter sich. Im Zuge der   neunziger Jahre konnte der islamische Fundamentalismus nicht nur in   Afghanistan, sondern ebenfalls in der T&#252;rkei, in Pal&#228;stina und im   Libanon, aber auch in Pakistan oder in Saudi-Arabien seinen Einfluss   st&#228;rken.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die wachsende Unterst&#252;tzung f&#252;r den islamischen Fundamentalismus ist die   Reaktion auf die jahrzehntelange imperialistische Ausbeutung im Nahen   Osten und in Zentralasien. Sie resultiert aber auch aus der fatalen   Politik der Kommunistischen Parteien, die in mehreren L&#228;ndern eine   Massenbasis besa&#223;en, und der heutigen Schw&#228;che   revolution&#228;r-sozialistischer Organisationen in der Region.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Arm und Reich<\/p>\n<\/p>\n<p>  Es sind Armut, Hunger und Elend, die Menschen in die Arme von religi&#246;ser   Fanatikern treiben. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in den USA   ist zehnmal so hoch wie zwischen Bangladesh und Marokko: In den USA   liegt das Jahreseinkommen im Schnitt bei 34.260 US-Dollar, in den   &quot;islamischen&quot; L&#228;ndern bei 3.700 US-Dollar. F&#252;r Millionen von Menschen   besteht das ganze Leben darin, tagein tagaus ums nackte &#220;berleben   k&#228;mpfen zu m&#252;ssen. In Afghanistan ereicht nur jedes vierte Kind das   f&#252;nfte Lebensjahr. Die allgemeine Lebenserwartung liegt bei 44 Jahren.   Aber auch in einem Land wie Indonesien, (das weltweit die gr&#246;&#223;te   muslimische Nation z&#228;hlt), und das lange Zeit als &quot;Tigerstaat der   zweiten Generation&quot; gehandelt wurde, hat sich die Zahl derjenigen, die   in absoluter Armut dahinvegetieren m&#252;ssen, seit der so genannten   S&#252;dostasienkrise 1997\/98 von 30 auf 60 Millionen verdoppelt.<\/p>\n<\/p>\n<p>  W&#228;hrend im Zweiten Weltkrieg 54 Millionen Menschen ums Leben kamen,   sterben heute j&#228;hrlich 52 Millionen an Hunger und seinen Folgen (Jean   Ziegler, UN-Sonderbeauftragter f&#252;r Ern&#228;hrung). Die Kluft zwischen Arm   und Reich in der Welt ist heute gr&#246;&#223;er denn je. Lag die Einkommensl&#252;cke   zwischen dem reichsten F&#252;nftel der Weltbev&#246;lkerung und dem &#228;rmsten   F&#252;nftel im Jahr 1930 bei 30:1, so liegt sie mittlerweile bei 74:1 (11.   Bericht der Bundesregierung zur Entwicklungspolitik). Hinter den Reichen   und Superreichen in den f&#252;hrenden Industrienationen steht die Macht der   Banken und Gro&#223;konzerne. 500 multinationale Konzerne kontrollieren heute   vier F&#252;nftel der Weltproduktion und drei Viertel des Welthandels. Von   den 100 gr&#246;&#223;ten Wirtschaftseinheiten auf diesem Planeten sind 49   Nationalstaaten und 51 private Unternehmen. Der Jahresumsatz von   DaimlerChrysler entspricht inzwischen dem Bruttosozialprodukt von   Indonesien, einem Land von 220 Millionen Menschen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die Armut und Ausbeutung in den unterentwickelten L&#228;ndern von heute ist   die Kolonialpolitik von gestern. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden   Asien, Afrika und Lateinamerika unter den kapitalistischen Staaten   aufgeteilt &#8211; zur Pl&#252;nderung der Bodensch&#228;tze und Rohstoffvorkommen, zur   Auspressung billiger Arbeitskr&#228;fte und f&#252;r den Zugang zu neuen   Absatzm&#228;rkten. Mit dem Abschluss der territorialen Aufteilung der Welt,   der Monopolisierung der Firmenwelt und der Schaffung von Finanzkapital   aus der Verschmelzung von Bank- und Konzernkapital war ein neues Stadium   im Kapitalismus erreicht &#8211; das Stadium des Imperialismus.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es den ArbeiterInnen und der verarmten   Bauernschaft in der &quot;Dritten Welt&quot; mit der Kraft einer der gr&#246;&#223;ten   Massenbewegungen in der Menschheitsgeschichte, das Joch der   Kolonialherrschaft abzusch&#252;tteln. Doch obwohl die politische   Unabh&#228;ngigkeit erreicht wurde, blieb die &#246;konomische Abh&#228;ngigkeit   bestehen. Eine eigenst&#228;ndige wirtschaftliche Entwicklung blieb den   meisten unterentwickelten L&#228;ndern versagt. Bis heute sind die   Wirtschaftsverh&#228;ltnisse in vielen dieser L&#228;nder von Monokulturen   gekennzeichnet. Die Preispolitik der f&#252;hrenden Industriestaaten zwang   die ex-koloniale Welt dazu, ihre Rohstoffe zu verkaufen, um   Fertigprodukte einzukaufen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  In der &#196;ra der kapitalistischen Globalisierung und der neoliberalen   Offensive gerieten die unterdr&#252;ckten Massen der &quot;Dritten Welt&quot; noch   fester in den W&#252;rgegriff des Imperialismus. Mit der Weltwirtschaftskrise   Anfang der achtziger Jahre zerplatzten alle Tr&#228;ume, die eine Reihe von   Entwicklungsl&#228;ndern an der Schwelle von entwickelten Industriel&#228;ndern   sahen. Die &quot;Dritte Welt&quot; konnte ihre Schulden nicht l&#228;nger zur&#252;ckzahlen,   die Banken gaben kaum noch Kredite und forderten die alten mit hohen   Zinsen zur&#252;ck. In den achtziger Jahren flossen 670 Milliarden Dollar aus   der &quot;Dritten&quot; in die &quot;Erste Welt&quot;. Nach dem Wegfall des   Ost-West-Gegensatzes spitzte sich die Ungleichheit in den letzten zehn   Jahren weiter zu.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Aufstieg des islamischen Fundamentalismus<\/p>\n<\/p>\n<p>  Am Beginn der neunziger Jahre waren die Herrschenden in den westlichen   L&#228;ndern alarmiert vom Wachstum der radikalen islamischen Str&#246;mungen.   Zun&#228;chst im Sudan, dann in Afghanistan eroberten sie die Macht. In   Algerien holte die Islamische Heilsfront (FIS) bei den Kommunalwahlen   1990 nach ihrer Umwandlung in eine Partei auf Anhieb 54 Prozent der   Stimmen. Bei den Parlamentswahlen ein Jahr sp&#228;ter kam die FIS im ersten   Wahlgang auf 47 Prozent. Da die regierende Nationale Befreiungsfront   (FLN) um ihre Macht f&#252;rchtete, und sich auch das Milit&#228;r mit der Sorge   eines fundamentalistischen Regimes trug, griff der b&#252;rgerliche   Staatsapparat in Algerien ein, untersagte den zweiten Wahlgang und   verh&#228;ngte ein Verbot gegen die FIS.<\/p>\n<\/p>\n<p>  1993 intervenierte der US-Imperialismus milit&#228;risch in Somalia. Ein   Faktor f&#252;r ihr Eingreifen war die Angst davor, dass die islamischen   Fundamentalisten beim Zerfall des Landes zu einem Anziehungspunkt werden   k&#246;nnten.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Auch in der T&#252;rkei konnte die islamistische Wohlfahrtspartei an Einfluss   gewinnen und bei den Parlamentswahlen im Dezember 1995 mehr als 20   Prozent der Stimmen holen. Mit Erbakan gelang es ihnen vor&#252;bergehend,   den Posten des Ministerpr&#228;sidenten zu besetzen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Mit der Kriegsf&#252;hrung gegen Afghanistan und der rassistischen Hetze   gegen die arabische Welt sch&#252;tten die USA und die NATO &#214;l ins Feuer   (sollte der Krieg w&#228;hrend des Fastenmonats Ramadan fortgesetzt werden,   wird die Emp&#246;rung noch steigen). Auch wenn es gelingen sollte, die   Taliban zu Fall zu bringen, drohen neue islamistische Regimes in   Zentralasien und im Nahen Osten. Erster Kandidat ist Pakistan. Die 1999   an die Macht geputschten Gener&#228;le unter Musharraf stehen mit dem R&#252;cken   zur Wand. Das Land ist bankrott. Die Staatverschuldung bel&#228;uft sich auf   36 Milliarden US-Dollar. Das j&#228;hrliche Durchschnitteinkommen betr&#228;gt   keine 1.000 Mark. Laut einer Gallup-Umfrage vom 20. September stehen 62   Prozent der Bev&#246;lkerung in Opposition zu Musharrafs Zusammenarbeit mit   der Bush-Regierung. Am 21. September organisierten 35 islamische Gruppen   einen landesweiten Proteststreik. In einer weiteren Meinungsumfrage nach   Beginn der Bombenangriffe auf Afghanistan &#228;u&#223;erten sogar 83 Prozent   Sympathien gegen&#252;ber der Taliban (Gallup vom 15. Oktober). Die   verschiedenen islamischen Gruppen z&#228;hlen 700.000 bewaffnete   AktivistInnen. Dazu kommen Millionen von Waffen in privaten H&#228;nden. Ein   islamisch-fundamentalistisches Regime in einem Land von 140 Millionen   Menschen, noch dazu im Besitz von Atomwaffen, w&#252;rde die Instabilit&#228;t in   der gesamten Region und auf Weltebene erh&#246;hen und k&#246;nnte die   milit&#228;rischen Konflikte um das von Indien und Pakistan besetzte   Jammu\/Kaschmir oder sogar einen neuen Krieg zwischen Pakistan und der   Atommacht Indien, deren Regierung von der nationalistisch-hinduistischen   Partei BJP gef&#252;hrt wird, heraufbeschw&#246;ren.<\/p>\n<\/p>\n<p>  In Saudi-Arabien ist der Sturz von K&#246;nig Fahd und die Abl&#246;sung des   islamischen Regimes durch eine radikalere Variante des islamischen   Fundamentalismus nicht ausgeschlossen. Damit w&#252;rden die extremistischen   Muslime auf einen Schlag die Kontrolle &#252;ber 25 Prozent der weltweiten   Erd&#246;lreserven aus&#252;ben.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Bangladesh war das erste islamische Land, in dem nach dem 11. September   gew&#228;hlt wurde. Die nationalistische BNP unter ihrer F&#252;hrerin Khaleda   Zia, die sich mit den islamistischen Parteien offen verb&#252;ndete, gelang   Anfang Oktober ein erdrutschartiger Wahlsieg: W&#228;hrend die BNP und ihre   Partner auf 202 Parlamentssitze kamen, musste die bislang regierende   sozialdemokratische Awami Liga mit 62 Sitzen eine vernichtende   Niederlage einstecken.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Auch in Israel und Pal&#228;stina sammeln die Fundamentalisten Punkte. Die   islamistische Pal&#228;stinenserorganisation Hamas konnte bereits in den   letzten Jahren eine Massenbasis aufbauen. Am 8. Oktober konnte sie in   Gaza-Stadt Tausende von Studierenden zu einem Marsch gegen die   US-Bombenangriffe auf Afghanistan mobilisieren. Inspiration war ihnen   Bin Ladens Ausspruch: &quot;Amerika wird solange nicht in Frieden leben,   solange kein Frieden in Pal&#228;stina herrscht.&quot;<\/p>\n<\/p>\n<p>  Stellenwert der Religion<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die Religion des Islam (&quot;Ergebung in Gottes Willen&quot;), die auf den   Propheten Mohammed zwischen 610 und 632 in Mekka und Medina   zur&#252;ckzuf&#252;hren ist, stellt von Nordafrika bis S&#252;dostasien eine reale   Kraft dar. Aber auch die muslimische Diaspora in Westeuropa z&#228;hlt   inzwischen 12,5 Millionen Anh&#228;ngerInnen. Allein in Deutschland leben   heute 3,2 Millionen Moslems. Die beiden gr&#246;&#223;ten Konfessionen innerhalb   des Islam sind die Sunniten, zu denen sich mehr als 90 Prozent der   Gl&#228;ubigen z&#228;hlen, und die Schiiten, zu denen sich 7,5 Prozent bekennen.   Will man die Frage nach dem Zulauf f&#252;r die Fundamentalisten beantworten,   dann ist die Auseinandersetzung mit der Religion des Islam zwar nicht   unerheblich, letztendlich sind aber die sozialen Hintergr&#252;nde   ausschlaggebend.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Bei der fundamentalistischen Deutung handelt es sich jedenfalls nicht um   eine Besonderheit des Islam. &quot;Religi&#246;sen Wahn hat es zu allen Zeiten in   allen Glaubensrichtungen gegeben&quot; (Der Spiegel 41\/2001). Anfang der   Neunziger hatte der franz&#246;sische Soziologe Gilles Kepel in seinem Buch   &quot;Die Rache Gottes&quot; darauf hingewiesen, dass religi&#246;se Extremisten nicht   nur unter Muslimen, sondern auch unter Christen und Juden wieder auf dem   Vormarsch sind. In Indien zum Beispiel organisierte die chauvinistische   hinduistische Regierungspartei BJP unl&#228;ngst antimuslimische Pogrome in   Bombay, bei denen Tausende niedergemetzelt wurden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Was in der arabischen Welt bis heute mit dem Islam verbunden wird, ist   die Tatsache, dass unter Mohammed die verschiedenen St&#228;mme zu einer   Nation vereinigt wurden. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Orient   weniger von Seuchen und Hungersn&#246;ten gebeutelt als das &#8211; christliche &#8211;   Europa. In dieser Zeit entstanden sogar &#246;ffentliche Krankenh&#228;user und   Bibliotheken. Entwicklungen, die offenkundig nicht auf den islamischen   Glauben zur&#252;ckgef&#252;hrt werden k&#246;nnen, allerdings heute noch im   Bewusstsein vieler Muslime sind. Mit dem Streben nach einer radikalen   Verwirklichung der unverf&#228;lschten Grundlagen des Islam geht die   Ablehnung aller westlicher Einfl&#252;sse einher. Hinter der antiwestlichen   Einstellung verbirgt sich im Kern eine antiimperialistische Einstellung   oder Stimmung.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Schlie&#223;lich wurde der Nahe Osten, das Kernland des Islam, von den   westlichen Gro&#223;m&#228;chten kolonialisiert und zersplittert, zwanzig Staaten   waren k&#252;nstlich geschaffen worden. In &#196;gypten wurde 1928 unter dem   Islamisten Hassan al-Banna die Muslimbruderschaft gegr&#252;ndet, die bald   Hunderttausende Anh&#228;ngerInnen z&#228;hlte und den Kampf gegen die &quot;modernen   Kreuzfahrer&quot;, die franz&#246;sischen und britischen Kolonialherren, aufnehmen   wollte.<\/p>\n<p>  In den letzten f&#252;nfzig Jahren dominierte der US-amerikanische   Imperialismus die Region. Mit der Schaffung des Staates Israel hatte er   sich nach dem Zweiten Weltkrieg einen Br&#252;ckenkopf gebaut.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die Sprache des Koran bietet das entsprechende Vokabular gegen den   &quot;gro&#223;en Satan&quot; USA. Vordergr&#252;ndig scheint die antiwestliche Rhetorik mit   sozialen Anliegen gepaart zu sein, enth&#228;lt der Koran doch auch eine   Verpflichtung der Reichen, den &quot;Zakat&quot;, den &quot;Zehnten&quot; abzugeben. Karl   Marx bezeichnete die Religion einmal als den &quot;Seufzer der bedr&#228;ngten   Kreatur&quot;. Mangels einer &quot;Erl&#246;sung&quot; vom sozialen Elend wird auf eine   Erl&#246;sung auf geistlichem Wege gehofft. Erm&#246;glicht werden soll diese   Erl&#246;sung in den Augen der radikalen Muslime &#252;ber die Schaffung eines   Gottesstaates (f&#252;r den einzigen Gott &quot;Allah&quot;), in dem das islamische   Recht &quot;Scharia&quot; durchgesetzt ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Der islamische Fundamentalismus ist durch und durch reaktion&#228;r. Die   Einf&#252;hrung der islamistischen Gesetze gipfelt in der kompletten   Entrechtung aller Frauen. Angefangen mit einer vorgeschriebenen   Kleiderordnung, in der das Schleiertragen Pflicht ist, &#252;ber ein   weitgehendes Arbeitsverbot bis hin zum systematischen Ausschluss aus dem   &#246;ffentlichen Leben.<\/p>\n<p>  Es w&#228;re verk&#252;rzt, die ganze Bewegung der Fundamentalisten &#252;ber einen   Kamm zu scheren. Schlie&#223;lich repr&#228;sentiert die Bewegung grundlegend   verschiedene soziale Interessen &#8211; Klasseninteressen. Auf der einen Seite   Diktatoren, Stammesf&#252;hrer und Million&#228;re wie ein gewisser Osama Bin   Laden, auf der anderen Seite die unterdr&#252;ckten Massen. Darum verk&#246;rpern   die Revolten und Aufst&#228;nde &quot;im Namen Allahs&quot; in verzehrter Form die   Befreiungsbewegungen der (ex-)kolonialen Welt.<\/p>\n<\/p>\n<p>  St&#252;tzen kann sich der islamische Fundamentalismus in erster Linie auf   die verarmte und verzweifelte Jugend in den Vororten der Gro&#223;st&#228;dte und   auf die soziale Klasse des Kleinb&#252;rgertums, auf H&#228;ndler oder Handwerker,   die ihre traditionelle &#246;konomische Basis, den &quot;Basar&quot;, durch den   Vormarsch der (westlichen) Kapitalisten bedroht sehen. Die treibende   Kraft der Islamisten sind aber die Jugendlichen, die ohne jede Aussicht   auf Arbeit und Zukunft nichts mehr zu verlieren haben. Sie sind in den   letzten Jahren zahlenm&#228;&#223;ig enorm angewachsen. So machen die unter   25j&#228;hrigen im Iran die H&#228;lfte der Gesamtbev&#246;lkerung aus.<\/p>\n<\/p>\n<p>  In den Koranschulen der Taliban wurden Zehntausende Kinder und   Jugendliche der Fl&#252;chtlingslager nicht nur mit dem Islam in Kontakt   gebracht, sondern mit Bildung &#252;berhaupt. &quot;Sie hatten weder eine   Vergangenheit noch Pl&#228;ne f&#252;r die Zukunft &#8211; nur die Gegenwart z&#228;hlte. Sie   waren Kriegswaisen im klassischen Sinn: entwurzelt, rast- und   arbeitslos, arm und ohne jede Kenntnisse. Ihnen gefiel der Krieg, da er   m&#246;glicherweise die einzige Besch&#228;ftigung war, der sie sich anpassen   konnten. Ihr schlichter Glaube an einen messianischen, puritanischen   Islam, eingetrichtert von einfachen Dorfmullahs, war ihr einziger Halt   und gab ihrem Leben eine gewisse Bedeutung. Ohne Ausbildung und ohne   Kenntnis traditioneller Besch&#228;ftigungen wie Ackerbau, Viehzucht oder   Handwerkskunst waren sie was Karl Marx Lumpenproletariat nannte&quot; (Ahmed   Rashid in seinem Buch &quot;Taliban. Afghanistans Gotteskrieger und der   Dschihad&quot;).<\/p>\n<\/p>\n<p>  Aufgebaut wurde die Bewegung des islamischen Fundamentalismus von den   einheimischen Machthabern als Gegengewicht zu sozialen Bewegungen. In   Algerien wirkten die Islamisten zum Beispiel w&#228;hrend der   Lebensmittelunruhen von 1988 m&#228;&#223;igend auf die Aufst&#228;nde ein. Dar&#252;ber   hinaus griffen auch die f&#252;hrenden kapitalistischen Staaten diesen   Kr&#228;ften als Ventil f&#252;r soziale Unzufriedenheit unter die Arme.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Warum dann aber dieser Kurswechsel heute? Warum wurden die   Fundamentalisten inzwischen von Vertretern des Wei&#223;en Hauses schon als   &quot;neue Hitler&quot; gebrandmarkt? Weil der Imperialismus keine Kontrolle &#252;ber   diese Kr&#228;fte und Regimes hat und vor allem in der radikalisierten   Massenbewegung von unten eine Bedrohung sieht. Vor diesem Hintergrund   bef&#252;rchten sie eine weitere Destabilisierung im arabischen Raum, die   ihre &#246;konomischen und strategischen Ziele gef&#228;hrden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Stalinismus<\/p>\n<\/p>\n<p>  Auch wenn ein direkter Zusammenhang zwischen dem Absinken der Lebens-   und Arbeitsverh&#228;ltnisse auf der einen Seite und dem Aufstieg des   islamischen Fundamentalismus auf der anderen Seite existiert, ist die   wachsende Unterst&#252;tzung f&#252;r religi&#246;se Fanatiker keine zwangsl&#228;ufige   Entwicklung. Der Zulauf f&#252;r Hamas, Hisbollah, Islamischer Dschihad oder   Al Qaida ist die Folge des Scheiterns sozialer Bewegungen gegen die   unertr&#228;glichen Lebens- beziehungsweise Sterbebedingungen im arabischen   Raum.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die letzten Jahrzehnte waren nicht nur gepr&#228;gt von Kriegen und   B&#252;rgerkriegen, sondern auch von Revolutionen und Konterrevolutionen, von   Streiks, Aufst&#228;nden und K&#228;mpfen der ArbeiterInnen, Bauern und   Jugendlichen. Ob im Irak oder im Iran, ob in Syrien oder im Sudan,   &#252;berall dort gab es f&#252;r sozialistische und kommunistische Ideen   Massenunterst&#252;tzung.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Nach der russischen Revolution von 1917 war die arbeitende Bev&#246;lkerung   zum ersten Mal in einem Land der Welt an der Macht. Die Bildung von   R&#228;ten, die Enteignung des Gro&#223;grundbesitzes und die Verstaatlichung der   Industrie l&#246;sten international eine Welle der Begeisterung aus, auch im   Nahen und Mittleren Osten hatten die neu gegr&#252;ndeten Kommunistischen   Parteien damals starken Zulauf. Im Anschluss an Stalins Machtergreifung   unmittelbar nach dem Tod Lenins 1924 wurde in der Sowjetunion eine   politische Konterrevolution durchgezogen. Die in der Folge von Krieg und   B&#252;rgerkrieg bereits extrem geschw&#228;chten R&#228;testrukturen wurden   vollst&#228;ndig aufgel&#246;st, die regierenden VertreterInnen der unterdr&#252;ckten   Massen wurden ihrer &#196;mter enthoben und an die Spitze setzte sich eine   abgehobene und privilegierte b&#252;rokratische Clique. Trotz der   Stalinisierung auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens blieben   die &#246;konomischen Grundlagen des Arbeiterstaates &#8211; Planwirtschaft,   staatliches Eigentum an den Produktmitteln und das staatliche   Au&#223;enhandelsmonopol &#8211; bestehen. Auf dieser Basis war es der Sowjetunion   m&#246;glich, innerhalb weniger Jahrzehnte von einem r&#252;ckst&#228;ndigen   halbfeudalen zaristischen Regime zu einer f&#252;hrenden Industrienation zu   werden. Trotz aller b&#252;rokratischen Fesseln konnte der Lebensstandard   dank der &#220;berlegenheit einer geplanten Wirtschaft gegen&#252;ber der   kapitalistischen Anarchie in einem Ma&#223; angehoben werden, dass die UdSSR   in den unterentwickelten L&#228;ndern gro&#223;e Ausstrahlungskraft besa&#223;.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Diese Entwicklung verhalf dem stalinistischen Apparat zu Masseneinfluss   in diesen L&#228;ndern, nicht zuletzt im Nahen Osten und in Zentralasien. Und   das mit verheerenden Folgen f&#252;r den Ausgang revolution&#228;rer K&#228;mpfe.<\/p>\n<\/p>\n<p>  W&#228;hrend dem Zweiten Weltkrieg waren gro&#223;e Teile des Nahen Ostens von   britischen Truppen besetzt, teilweise als &quot;Mandatsgebiete&quot;, teilweise   aus &quot;milit&#228;rischen Gesichtspunkten&quot;. Da Stalin und die UdSSR zwischen   1941 und 1945 Kriegsverb&#252;ndete des britischen Imperialismus waren,   machten sie auf die Kommunistischen Parteien in der Region ihren ganzen   Einfluss geltend, die massenhafte arabische Befreiungsbewegung nicht nur   zu ignorieren, sondern sogar systematisch zu sabotieren. Den arabischen   ArbeiterInnen und Bauern sollte die Kollaboration mit den eigenen   Kolonialherren aufgezwungen werden. Dank dieser Erfahrung mit   stalinistischer Politik wandten sich viele Befreiungsbewegungen nach dem   Zweiten Weltkrieg b&#252;rgerlichen Nationalisten zu.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Trotz dieser Diskreditierung bot sich in mehreren L&#228;ndern noch bis in   die siebziger Jahre hinein wiederholt die Gelegenheit f&#252;r die dortigen   Kommunistischen Parteien, die unterdr&#252;ckten Massen an die Macht zu   bringen. Diese erneuten Gelegenheiten f&#252;hrten jedoch nur zu neuen   Trag&#246;dien.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Im Irak konnte die dortige KP 1959 in Bagdad eine 1. Mai-Demonstration   von einer halben Million Menschen anf&#252;hren. Ihre Massenbasis nutzten sie   allerdings in keiner Weise, um den Kampf f&#252;r lebenswichtige soziale   Reformen mit dem Kampf f&#252;r eine grundlegende Ver&#228;nderung der   Wirtschafts- und Gesellschaftsverh&#228;ltnisse zu verbinden. Stattdessen   st&#228;rkten sie der b&#252;rgerlichen Regierung unter Kassem den R&#252;cken, die   1958 im Irak an die Macht gekommen war, und die repressive Ma&#223;nahmen   gelockert hatte. Kassem selber wurde bereits 1963 durch einen   Milit&#228;rputsch aus seinem Amt vertrieben. Kurz darauf wurden 5.000   Anh&#228;ngerInnen der KP durch die neue Milit&#228;rdiktatur umgebracht.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Im Sudan hatte die Kommunistische Partei in den sechziger Jahren eine   Million Mitglieder &#8211; in einem Land von 14 Millionen Menschen.   Fatalerweise unterst&#252;tzte die F&#252;hrung der Partei 1969 die milit&#228;rische   Macht&#252;bernahme unter der Leitung des Generals Numeiri. Nachdem Numeiri   seine Herrschaft gefestigt hatte, lie&#223; er die f&#252;hrenden AktivistInnen   der Gewerkschaftsbewegung und der KP inhaftieren. Viele von ihnen wurden   unmittelbar im Anschluss daran hingerichtet.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Etappentheorie<\/p>\n<\/p>\n<p>  Wie waren die wiederholten Entt&#228;uschungen und Niederlagen m&#246;glich? Das   Vorgehen von Moskau und seinen Anh&#228;ngerInnen in den verschiedenen   Kommunistischen Parteien ist nicht auf individuelles Versagen   zur&#252;ckzuf&#252;hren. Das Ma&#223; aller Dinge in der Au&#223;enpolitik der Sowjetunion   war die konsequente Umsetzung der Interessen des Kreml in der   Innenpolitik. Da die B&#252;rokraten im Kreml in erster Linie um die   Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft bem&#252;ht waren, ging es ihnen um   stabile Verh&#228;ltnisse auf internationaler Ebene. Eine erfolgreiche   revolution&#228;re Bewegung in irgendeinem anderen Land, die zur Bildung von   R&#228;ten und einer demokratischen Einbeziehung aller in die Diskussions-   und Entscheidungsprozesse in einer geplanten Wirtschaft gef&#252;hrt h&#228;tte,   h&#228;tte ihre eigene Diktatur in der UdSSR direkt in Frage gestellt.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Ausgehend von der 1924 durch Stalin k&#252;nstlich geschaffenen &quot;Theorie vom   Sozialismus in einem Land&quot; wurde international die Notwendigkeit von   zwei Etappen auf dem Weg zum &quot;Sozialismus&quot; verk&#252;ndet: Auf den Sturz   eines r&#252;ckst&#228;ndigen halbfeudalen Regimes sollte zun&#228;chst eine erste   Etappe b&#252;rgerlich-demokratischer Herrschaft folgen, und sehr viel   sp&#228;ter, in ferner Zukunft, eine zweite &quot;sozialistische&quot; Etappe. Es ist   unumstritten, dass in den halben Agrarstaaten der (ex-)kolonialen Welt   zuallererst die Aufgaben der b&#252;rgerlichen Revolution anstehen:   Landreform, Schaffung eines Nationalstaates, &#220;berwindung der feudalen   Hindernisse einer wirtschaftlichen Entwicklung (Kleinstaaterei verbunden   mit einer Vielzahl von Zollschranken etc.).<\/p>\n<\/p>\n<p>  Aber sp&#228;testens die russische Revolution von 1917 hatte bewiesen, dass   die Kapitalisten in den unterentwickelten L&#228;ndern die B&#252;hne der   Geschichte zu sp&#228;t betreten haben, und auf Grund ihrer Verflechtung mit   dem Gro&#223;grundbesitz (vielfach in Personalunion) unf&#228;hig sind, die   Aufgaben der b&#252;rgerlichen Revolution zu l&#246;sen. Dazu ist nur die   Arbeiterklasse mit der Unterst&#252;tzung der Bauernschaft in der Lage. Die   Arbeiterklasse kann jedoch nicht bei den b&#252;rgerlich-demokratischen   Aufgaben stehen bleiben, sondern muss sofort weitergehen zu den Aufgaben   der sozialistischen Revolution. Dies ist im Kern die Theorie der   Permanenten Revolution, die der russische Revolution&#228;r Leo Trotzki   bereits unter dem Eindruck der russischen Revolution von 1905 entwickelt   hatte und die 1917 die Unterst&#252;tzung von Lenin und den russischen   Revolution&#228;ren, den Bolschewiki, fand.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Trotz der Au&#223;enpolitik Moskaus gingen die Prozesse in einzelnen L&#228;ndern   weiter, als es der Kreml-B&#252;rokratie lieb war. In Syrien, Birma oder   S&#252;d-Jemen wurden Staaten nach dem Vorbild der UdSSR errichtet,   allerdings in diesen F&#228;llen von Anfang an deformierte Arbeiterstaaten.   Aufgrund der F&#228;ulnis von Gro&#223;grundbesitz und Kapitalismus in der Region   reichte massenhafter Druck von unten, dass einzelne Gener&#228;le und   Regierungsvertreter dazu getrieben wurden, Teile der Wirtschaft zu   verstaatlichen und Ma&#223;nahmen gegen die Feudalherren zu ergreifen.   Schritte, die aufgrund der Schw&#228;che dieser Wirtschafts- und   Gesellschaftsordnungen dazu f&#252;hrten, dass die Eckpfeiler des alten   Systems einst&#252;rzten und diese Regimes begannen, sich an den Ostblock   anzulehnen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Iranische Revolution<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die gleichen Fehler, die die Spitze der Kommunistischen Parteien im Irak   oder im Sudan begingen, wurden auch im Iran gemacht. Auch im Iran hatte   die KP, die Tudeh-Partei, nach dem Zweiten Weltkrieg eine Massenbasis.   Statt die Streikbewegung seinerzeit weiter aufzubauen, entschied sich   die Parteif&#252;hrung 1946, in die Regierung einzutreten.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Trotz aller Entt&#228;uschungen mit der Regierungspolitik seitens der   Tudeh-Partei war sie noch nicht so weit kompromittiert, dass sie in den   darauf folgenden Jahren nicht weiterhin ein Faktor in der politischen   Landschaft blieb. Anfang der f&#252;nfziger Jahre orientierte sie in den   revolution&#228;ren K&#228;mpfen ihren Massenanhang auf den Repr&#228;sentanten des   b&#252;rgerlichen Lagers Mossadegh. Vor diesem Hintergrund konnte der Schah   mit Hilfe des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA 1953 wieder an die   Macht geputscht werden. Jahrzehntelang war das Regime des Schah ein   Sch&#252;tzling des US-Imperialismus. Trotz Kriegsrecht und diktatorischer   Herrschaftsmethoden konnte 1977 eine Streikbewegung entstehen, die &#252;ber   ein Jahr lang anhielt und in den Aufstand vom Fr&#252;hjahr 1979 m&#252;ndete. Das   R&#252;ckgrat der revolution&#228;ren K&#228;mpfe bildeten Hunderttausende von   streikenden &#214;l- und ChemiearbeiterInnen. Auch im Dienstleistungssektor   beteiligten sich die Belegschaften scharenweise. Gefordert wurden   k&#252;rzere Arbeitszeiten, mehr Urlaub und h&#246;here L&#246;hne. Forderungen, die im   damaligen Iran an die Grenzen des kapitalistischen Systems stie&#223;en.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Statt die Alternative einer sozialistischen Demokratie zu propagieren,   und daf&#252;r einzutreten, dass die Streikorgane in Zentren des Machtkampfes   umgewandelt werden, sch&#252;rte die Tudeh-Partei nicht nur Illusionen in   b&#252;rgerliche Politiker, sondern auch in die Mullahs. Den Anh&#228;ngern   Chomeinis kam zu gute, dass die Moscheen in der Zeit der Verfolgung und   Unterdr&#252;ckung aller oppositioneller T&#228;tigkeit unter dem Schah zu den   wenigen Pl&#228;tzen geh&#246;rten, in denen Unzufriedenheit artikuliert werden   konnte. Die Mullahs waren vor allem deshalb mit dem Schah in Konflikt   geraten, weil der Schah nicht davor halt machte, Eigentum der   Kirchenh&#228;user zu konfiszieren. Dazu kamen die Verbindungen zwischen den   Mullahs und den Basar-H&#228;ndlern, f&#252;r die die seitens des Schah betriebene   &#214;ffnung des Landes f&#252;r das Auslandskapital eine reale Bedrohung   bedeutete.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Da die revolution&#228;re Bewegung im Iran aus einem B&#252;ndnis verschiedener   gesellschaftlicher Kr&#228;fte mit verschiedenen Interessen bestand, war der   Klerus nach der Machteroberung mit stark auseinandergehenden Erwartungen   konfrontiert. Der neu gegr&#252;ndete Revolutionsrat und die   Islamisch-Republikanische Partei waren eng mit den r&#252;ckst&#228;ndigsten   Teilen des Kleinb&#252;rgertums und der Basar-H&#228;ndler verbunden, die auf den   Schutz des Privateigentums aus waren. Auf der anderen Seite setzten sich   die revolution&#228;ren K&#228;mpfe der Industriearbeiter fort, und zwangen das   Regime noch im Jahr 1979, Banken, Versicherungen und gro&#223;e Teile der   Wirtschaft zu verstaatlichen. Chomeini sah sich Fabrikbesetzungen und   der Flucht vieler Unternehmer ins Ausland gegen&#252;ber.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Aber die Klasseninteressen des neuen Regimes kamen sehr schnell zum   Vorschein: Nach und nach wurde die Leitung der Betriebe an Geistliche   &#252;bertragen, die islamisch-republikanischen Garden wurden zur   Unterdr&#252;ckung linker Oppositioneller eingesetzt. Am gleichen Tag, an dem   die Versicherungsgesellschaften in Staatseigentum &#252;berf&#252;hrt wurden, lie&#223;   Chomeini Gerichte einsetzen, die bis zu zehnj&#228;hrige Gef&#228;ngnisstrafen im   Fall von &quot;St&#246;rungstaktiken in den Fabriken oder Arbeiteragitation&quot;   verh&#228;ngen konnten. Bis 1982 war die Scharia, eingef&#252;hrt, Tausende von   StreikaktivistInnen ermordet, 40.000 kritische LehrerInnen aus dem   Schuldienst entlassen und Frauen zum Schleiertragen gezwungen worden.   1983 wurde die einzige legale Partei der Arbeiterbewegung, die   Tudeh-Partei verboten und ihre f&#252;hrenden AktivistInnen in die   Gef&#228;ngnisse gesteckt. Neben Repressalien setzte Khomeini auf   antiwestliche Stimmungen. Die Geiselnahme von US-Amerikanern 1979 und   der 1980 begonnene Krieg gegen den Irak wurden als Ma&#223;nahmen zur   Verteidigung der Revolution verkauft.<\/p>\n<\/p>\n<p>  PLO<\/p>\n<\/p>\n<p>  Ma&#223;geblich f&#252;r die verzweifelte Hinwendung unterdr&#252;ckter Schichten und   vor allem Millionen Jugendlicher zum islamischen Fundamentalismus war   nicht allein der Verrat der Kommunistischen Parteien, sondern ebenso die   Sackgasse, in die sie unter der Leitung von radikalen b&#252;rgerlichen   Nationalisten gerieten. So richteten sich zum Beispiel lange Zeit gro&#223;e   Erwartungen in die Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation (PLO), die   1964 unter Jassir Arafat ins Leben gerufen worden war. Tragischerweise   trug die PLO-F&#252;hrung zu keinem Zeitpunkt dazu bei, Ans&#228;tze f&#252;r   revolution&#228;re Massenk&#228;mpfe aufzugreifen und zum Erfolg zu verhelfen. Im   Gegenteil, ihnen war in den letzten Jahrzehnten ausschlie&#223;lich daran   gelegen, Wut und Unzufriedenheit der in absoluter Armut gehaltenen   Pal&#228;stinenserInnen in geordnete Bahnen zu lenken. Millionen   Pal&#228;stinenserInnen waren seit der Bildung des Staates Israel verfolgt   und vertrieben worden. Mehr als einmal bot sich in verschiedenen   &quot;Gastl&#228;ndern&quot; die Gelegenheit zur Erhebung und zur Machtergreifung.   Obwohl die Pal&#228;stinenserInnen in Jordanien die Mehrheit stellen und ein   Sturz der verhassten Monarchie Ende der sechziger Jahre zum Greifen nah   war, arbeitete die PLO-Spitze gegen jede Verbr&#252;derungstendenz zwischen   den vertriebenen Pal&#228;stinenserInnen und den arabischen Massen. Seitens   der PLO wurde sowohl 1969\/70 in Jordanien, als auch wenige Jahre sp&#228;ter,   1976, im Libanon eine Revolution verhindert. In beiden F&#228;llen endete die   Niederlage in Massakern an den pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlingen, die von   der jordanischen sowie der syrischen Armee ver&#252;bt wurden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Weder die von der PLO viele Jahre verfolgte Politik der Terroraktionen   und Anschl&#228;ge noch die Orientierung auf eine L&#246;sung auf dem   Verhandlungswege konnte die pal&#228;stinensischen Massen von ihrem Schicksal   befreien. Im Gegenteil. Das Osloer Abkommen von 1993 f&#252;hrte sogar zu   einer Verdoppelung der j&#252;dischen Siedlungen in den besetzten Gebieten im   Westjordanland und im Gazastreifen. Mit der Pal&#228;stinensischen   Autonomiebeh&#246;rde sind die Pal&#228;stinenserInnen nach wie vor weit von einem   eigenen Staat entfernt. Armut und Massenarbeitslosigkeit sind   Dauererscheinungen. Ganz gleich, ob die PLO auf den individuellen   Terrorismus oder auf diplomatische Taktierereien setzte, beiden Linien   gemein war ihre grundlegende Abneigung davor, einen Br&#252;ckenschlag zu der   j&#252;dischen Arbeiterklasse zu suchen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Auch wenn die Intifada (Aufstand) von 1987 bis 1993 sowie die vor einem   Jahr begonnene neue Intifada eine einschneidende Entwicklung darstellt,   ist ein gemeinsamer Kampf von pal&#228;stinensischen und israelisch-j&#252;dischen   ArbeiterInnen und verarmten Landbev&#246;lkerung immer noch in weiter Ferne.   Vor allem die erste Intifada tat wichtige Schritte in Richtung   Massenaktionen, konnte aber isoliert von dem Kampf der arabischen und   j&#252;dischen Massen im ganzen Nahen Osten keinen Ausweg aufweisen. Das   verhalf der reaktion&#228;ren islamisch-fundamentalistischen Hamas   fatalerweise zum Aufstieg.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die Geister, die sie riefen&#8230;<\/p>\n<\/p>\n<p>  &quot;Osama Bin Laden ist das amerikanische Familiengeheimnis, der dunkle   Doppelg&#228;nger des amerikanischen Pr&#228;sidenten&quot;, so die indische   Schriftstellerin Arundhati Roy. Als Ulrich Wickert diesen Satz in den   Tagesthemen zitierte, forderten CDU und CSU seine sofortige Absetzung   als Moderator. Ein weiterer Hinweis daf&#252;r, dass &quot;die Wahrheit im Krieg   immer das erste Opfer ist&quot;. Schlie&#223;lich ist es eine Tatsache: Bin Laden   und die Taliban wurden in der Vergangenheit vom US-Imperialismus   unterst&#252;tzt, stark gemacht und bekamen in den Achtzigern vier bis f&#252;nf   Milionen US-Dollar Hilfsgelder.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Nachdem sich 1978 in Afghanistan ein pro-sowjetisches Regime an die   Macht putschte und 1979 Truppen der UdSSR einmarschierten, organisierten   die westlichen Kapitalisten und ihre Regierungsvertreter eine   antikommunistische Kampagne nach der Devise: &quot;Der Feind meines Feindes   ist mein Freund.&quot; Weltweit rekrutierte der CIA in den achtziger Jahren   80.000 radikale Moslems, gab ihnen eine milit&#228;rische Ausbildung und lie&#223;   sie gegen die Moskau treue Nadschibullah-Regierung in Afghanistan in den   Guerilla-Krieg ziehen. Unter denjenigen, die vom US-Imperialismus   unterst&#252;tzt und aufgebaut wurden, war auch Osama Bin Laden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Bekanntlich ist auch das Verh&#228;ltnis zwischen den USA und Saddam Hussein   im Irak mit dem Verh&#228;ltnis zwischen &quot;Dr. Frankenstein und seinem   Monster&quot; vergleichbar. Schlie&#223;lich erhielt auch Hussein im Golfkrieg der   achtziger Jahre finanzielle und milit&#228;rische Hilfen, als es gegen   Khomeinis Iran ging. Damals sah der US-Imperialismus auch &#252;ber die   Kurdenverfolgung und den Einsatz von Giftgas beim Angriff auf den   kurdischen Ort Halabja 1988 hinweg, der seinerzeit 5.000 Menschen das   Leben kostete. &quot;Er ist ein Bastard, o.k.! Aber er ist unser Bastard&quot;,   lie&#223; damals ein Sprecher des US-Au&#223;enministeriums verlautbaren.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die Losung von Bush, Cheney und Co. nach &quot;grenzenloser Gerechtigkeit&quot;   ist grenzenloser Unsinn. Wenn die USA ihre Kriegsziele erreichen   sollten, dann werden sie das Taliban-Regime durch ein anderes   reaktion&#228;res, aber dem Imperialismus freundlich eingestelltes Regime   ersetzen. Die von den USA aufgebaute Bande der Nordallianz ist nichts   anderes als eine Bande von Verbrechern &#8211; unter ihnen selber islamische   Fundamentalisten. In der Regierungszeit der Mudschahidin, die sich heute   in der Nordallianz zusammengeschlossen haben, zeichneten sie sich   zwischen 1992 und 1996 f&#252;r Gewalt und Zerst&#246;rung verantwortlich, t&#246;teten   50.000 ZivilistInnen und vergewaltigten 10.000 Frauen. Mit diesen   Kr&#228;ften wollen die USA und die NATO gemeinsame Sache machen. Da die   Nordallianz keine Basis bei der gr&#246;&#223;ten ethnischen Gruppe, den   Paschtunen hat, sondern nur bei den ethnischen Minderheiten (Usbeken,   Tadschiken und Harara), lie&#223; die &quot;freie Welt&quot; ein B&#252;ndnis zwischen der   Nordallianz und dem Ex-K&#246;nig, ein Paschtune, der im italienischen Exil   weilt, schmieden. Auf den Sturz der Taliban soll eine so genannte Gro&#223;e   Versammlung folgen, die &#252;ber die Zukunft Afghanistans beraten und   entscheiden soll. Von den 120 TeilnehmerInnen dieser Versammlung soll   die H&#228;lfte vom K&#246;nig pers&#246;nlich ausgew&#228;hlt werden, die anderen 60 sollen   aus den verschiedenen Fraktionen der Nordallianz zusammengestellt werden   &#8211; die Taliban sollen auch vertreten sein&#8230;<\/p>\n<\/p>\n<p>  Perspektiven<\/p>\n<\/p>\n<p>  Der Bombenterror gegen Afghanistan hat eine Fl&#228;chenbrand in der gesamten   Region ausgel&#246;st. Pal&#228;stina, Libanon, Pakistan, Jammu\/Kaschmir, Irak,   Indonesien, Philippinen und andere L&#228;nder werden von Massenprotesten und   Stra&#223;enk&#228;mpfen ersch&#252;ttert. In vielen F&#228;llen sind die Islamisten die   treibende Kraft. Auf den Philippinen kam es beispielsweise zu einer   Welle von Demonstrationen auf den Inseln im S&#252;den, wo die Moslems (5   Prozent der Gesamtbev&#246;lkerung) besonders verankert sind. In Indonesien   drohte am 15. Oktober eine Erst&#252;rmung des Parlamentsgeb&#228;udes in der   Hauptstadt Jakarta, bei denen sich vor allem rechte muslimische Gruppen   stark hervortaten. Die Islamisten haben Zulauf, weil sie die   antiwestliche Stimmung &#8211; letztendlich ein verwirrter Ausdruck   tieferliegender antiimperialistischer Bestrebungen &#8211; scheinbar am   radikalsten artikulieren.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Allerdings werden die Fundamentalisten nicht stetig weiter zugewinnen.   Beten, Fasten und Schleiertragen macht niemanden satt und schafft keine   Arbeitspl&#228;tze. Die Fundamentalisten haben keine Antwort auf die   brennende soziale Frage. Dort, wo sie Verantwortung tragen, tritt das   noch deutlicher zutage. Was bleibt, sind ihre reaktion&#228;ren   diktatorischen Ma&#223;nahmen, die menschenverachtend im allgemeinen und   frauenfeindlich im besonderen sind. Selbst in Afghanistan g&#228;rte es seit   l&#228;ngerem. In den letzten Monaten war es zu Streiks und   Studierendenprotesten in Dschalalabad gekommen. Proteste, die sich gegen   Lebensmittelknappheit und Inflation richteten. Die mehr als f&#252;nf   Millionen afghanischen Fl&#252;chtlinge schon vor Kriegsbeginn sprechen eine   eigene Sprache. Auch im islamischen Saudi-Arabien brodelt es. Vor zehn   Jahren war Arbeitslosigkeit noch ein Fremdwort, heute sind offiziell 18   Prozent ohne Besch&#228;ftigung. In den letzten zehn Jahren ist der   Lebensstandard um ein Drittel gesunken. Dagegen laufen inzwischen   wachsende Teile der Jugend Sturm, die mehr als die H&#228;lfte der 20   Millionen starken Bev&#246;lkerung ausmachen. Im Iran hatte der Unmut auf   Wahlebene vor&#252;bergehend ein Ventil in der Unterst&#252;tzung von   &quot;Reformkr&#228;ften&quot; innerhalb des Establishments gefunden. Allerdings   wandelt sich die Wut bereits verschiedentlich auch in Widerstand um. Vor   zwei Jahren wurden Teheran und andere Gro&#223;st&#228;dte von Revolten der   Studierenden ersch&#252;ttert.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Auf den Philippinen wurde der verhasste Pr&#228;sident Estrada zum   Jahreswechsel 2000\/01 durch eine Massenbewegung gest&#252;rzt. In Indonesien   gipfelten die K&#228;mpfe von ArbeiterInnen, Armen und Jugendlichen 1998 in   einen revolution&#228;ren Aufstand, der die seit Mitte der sechziger Jahre   herrschende Milit&#228;rdiktatur von Suharto zu Fall brachte. Auch in   Algerien demonstrierten in diesem Fr&#252;hjahr Hunderttausende. &quot;Viel mehr   als in der Vergangenheit besch&#228;ftigt viele die desolate wirtschaftliche   und soziale Lage. So wurden auf Plakaten der Demonstranten auch   Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot angeprangert. Nach inoffiziellen Zahlen   sind mehr als drei&#223;ig Prozent arbeitslos&quot; (FAZ vom 25.5.01).<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die heutige zahlenm&#228;&#223;ige St&#228;rke der Arbeiterklasse macht Hoffnung. Im   Irak liegt die Urbanisierung mittlerweile bei 75 Prozent, im Iran bei 59   Prozent, auf den Philippinen bei 54 Prozent. So wichtig die K&#228;mpfe   anderer unterdr&#252;ckter Teile der Gesellschaft sind, kommt der Klasse der   Lohnabh&#228;ngigen die zentrale Rolle bei einer grundlegenden   Gesellschaftsver&#228;nderung zu. Schlie&#223;lich k&#246;nnen streikende ArbeiterInnen   den gr&#246;&#223;ten &#246;konomischen Druck aus&#252;ben. Dar&#252;ber hinaus sind sie aufgrund   ihrer Rolle im Produktionsprozess mehr als Bauern, Handwerker oder   kleine H&#228;ndler in der Lage, ein kollektives Bewusstsein zu entwickeln.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Der russische Revolution&#228;r Lenin bezeichnete den Kapitalismus einmal als   &quot;Horror ohne Ende&quot;. Das pr&#228;gt den Alltag f&#252;r die unterdr&#252;ckten Massen in   der ganzen ex-kolonialen Welt, nicht zuletzt im Raum zwischen Marokko   und den Philippinen. Religi&#246;se Wahnsinnstaten und Selbstmordattentate   sind eine grausame Reaktion auf diese Bedingungen. Aber auf der   verzweifelten Suche nach einem Ausweg werden auch andere radikale   gesellschaftliche Konzepte Geh&#246;r finden. In der Pal&#228;stinensischen   Autonomiebeh&#246;rde gaben 20 Prozent k&#252;rzlich an, die Hamas zu   unterst&#252;tzen, 27 Prozent Arafats Fatah; jene Umfrage zeigte aber auch   auf, dass keine der bestehenden politischen Alternativen eine Mehrheit   hat. Auch die international im Entstehen begriffene antikapitalistische   Bewegung, die je l&#228;nger der Krieg dauert, mit der Antikriegsbewegung   zusammen kommen kann, wird nicht ohne Einfluss bleiben. Bemerkenswert   war im &#252;brigen die Beteiligung von arabischen ArbeiterInnen und   Jugendlichen bei verschiedenen Antikriegsdemonstrationen in London,   Amsterdam und anderen Metropolen Westeuropas.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Der Zusammenbruch des Stalinismus hat dem Imperialismus eine   ideologische und politische Offensive erm&#246;glicht. Nicht zuletzt der   Verlauf des Krieges gegen den Irak 1991 hat das gezeigt. Gewerkschaften   wurden geschw&#228;cht. In den meisten L&#228;ndern existieren heute keine   Arbeiterparteien mit Massenbasis, die h&#228;tten dagegen halten k&#246;nnen.   Allerdings f&#228;llt damit auch ein Hindernis f&#252;r den Aufbau revolution&#228;rer   und sozialistischer Kr&#228;fte weg. Schlie&#223;lich hat der Kurs Moskaus   wiederholte Male Massenk&#228;mpfe scheitern lassen. Es gilt, die Lehren aus   den Fehlern der Stalinisten zu ziehen. Auch aus dem Versagen   b&#252;rgerlich-nationalistischer Kr&#228;fte wie der PLO m&#252;ssen   Schlussfolgerungen gezogen werden. Das CWI, das Komitee f&#252;r eine   Arbeiterinternationale, k&#228;mpft nicht nur international gegen den Krieg,   ob in Pakistan, Indien und in Jammu\/Kaschmir, ob in Israel oder Nigeria   oder in Deutschland, Russland und in den Vereinigten Staaten. Das CWI   hat auch eine umfassende gesellschaftliche Alternative zum   kapitalistischen Horror anzubieten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      von Aron Amm (November 2001)\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[92,34],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10058"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10058"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10058\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10058"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10058"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10058"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}