{"id":10055,"date":"2002-08-30T18:55:55","date_gmt":"2002-08-30T18:55:55","guid":{"rendered":".\/?p=10055"},"modified":"2002-08-30T18:55:55","modified_gmt":"2002-08-30T18:55:55","slug":"10055","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10055\/","title":{"rendered":"F&uuml;r uns &#x96; nicht f&uuml;r die Konzerne lernen wir"},"content":{"rendered":"<p>Artikel von Tinette Schnatterer aus der Solidarit&auml;t Nr.3 (Juni 2002)<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nInternational haben sich die Bedingungen sowohl an Schulen, Hochschulen als auch Berufsschulen massiv verschlechtert. Gute Bildung wird mehr und mehr f&uuml;r eine kleine Elite reserviert und der Einfluss der Wirtschaft auf Bildung nimmt zu. Mit Abkommen wie dem GATS (General Agreement on Trade in Services) oder der Bolognaerkl&auml;rung wird Bildung immer mehr zur Ware und den Profitinteressen der Unternehmer unterstellt.<br \/>  Doch dagegen formiert sich international Widerstand. Das wird auch einer der Hauptpunkte bei der Mobilisierung gegen den EU-Gipfel in Sevilla im Juni sein.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren haben sich die Lernbedingungen verschlechtert. Egal ob an Unis, Schulen oder Berufsschulen &#8211; &uuml;berall wird gespart und fehlt es an den elementarsten Dingen. <br \/>  An den Schulen werden die Klassen immer gr&ouml;&szlig;er und LehrerInnen fehlen, so dass nicht nur Arbeitsgemeinschaften oder Zusatzangebote gestrichen werden, sondern auch mehr und mehr Unterricht ausf&auml;llt (in Stuttgart ist das zum Beispiel derzeit eine Wochenstunde im Durchschnitt), Hauptschulen sind von Stundenausfall besonders betroffen. Geb&auml;ude werden nicht saniert, selbst wo das dringend n&ouml;tig w&auml;re. An einer Stuttgarter Schule wurde solange gewartet bis die Decke in mehreren Klassenzimmern einst&uuml;rzte, zuf&auml;llig w&auml;hrend den Sommerferien.<br \/>  Auch Lernmittel sind oft v&ouml;llig veraltet und in katastrophalen Zustand. Die Jugend- und Ausbildungsvertretung von DaimlerChrysler in Sindelfingen hat sich beispielweise in einem Brief an die Baden-W&uuml;rttembergische Kultusministerin Schavan dar&uuml;ber beschwert, dass Azubis Mathematikb&uuml;cher von 1981 ausgeteilt wurden. Von ihrem Lehrer aufgefordert diese zu entsorgen warten sie mittlerweile seit einem dreiviertel Jahr auf zugesagte neuere Exemplare.<br \/>  Auch die Situation an Hochschulen verschlechtert sich laufend. Die Universit&auml;t Ulm musste im letzten Jahr 60 Prozent ihrer Zeitschriften wegen Etatk&uuml;rzungen abbestellen, weitere werden dieses Jahr folgen. Die Bibliothek der Uni Freiburg entschloss sich sogar zu dem verzweifelten Schritt, zu B&uuml;cherspenden aufzurufen. Nach wie vor sind viele Vorlesungen &uuml;berlaufen. Eine ganze Reihe von Fakult&auml;ten wurden bundesweit geschlossen.<br \/>  Auch die Wohnsituation von StudentInnen sorgte in einigen Bundesl&auml;ndern f&uuml;r Aufsehen: aus Mangel an Studentenwohnheimen mussten in manchen St&auml;dten Notunterk&uuml;nfte und Wohncontainer aufgestellt werden.<br \/>  Gleichzeitig zu sich verschlechternden Lernbedingungen werden die Pr&uuml;fungen und die Auslese an allen Bildungseinrichtungen versch&auml;rft. An Universit&auml;ten werden zus&auml;tzliche Pr&uuml;fungen eingef&uuml;hrt wie die Orientierungspr&uuml;fung nach dem zweiten Semester in Baden-W&uuml;rttemberg und bestehende Pr&uuml;fungen erschwert. An Gymnasien wird in einigen Bundesl&auml;ndern die reformierte Oberstufe (Kurswahlsystem) abgeschafft und die Anzahl der Pr&uuml;fungsf&auml;cher im Abitur erh&ouml;ht. Hierbei ist jede Versch&auml;rfung in einem Bundesland eine Drohung f&uuml;r alle anderen. So Goran Hastenteufel, Student an der Uni Saarbr&uuml;cken: &#x84;Das Gesetz zur Einf&uuml;hrung von Langzeitstudiengeb&uuml;hren, gegen das wir uns hier zurzeit wehren m&uuml;ssen, ist fast vollst&auml;ndig von Baden-W&uuml;rttemberg abgeschrieben und droht mit Sicherheit bald auch anderen Bundesl&auml;ndern.&#x93;<\/p>\n<p>  Bildung f&uuml;r Reiche<\/p>\n<p>  Auslese wird mit versch&auml;rften Pr&uuml;fungen betrieben, nicht zuletzt aber auch &uuml;ber den Geldbeutel. Wer nebenher jobben muss, ist nicht in der Lage dem gestiegenen Pr&uuml;fungsdruck standzuhalten. Im Gegenteil, oft kommen nur diejenigen hinterher, die sich teure Nachhilfe beziehungsweise Zusatzkurse leisten k&ouml;nnen. Kommt dann auch noch die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren dazu, wird Bildung ein Privileg f&uuml;r Reiche. Dieser Trend zeigt auch bereits Ergebnisse: w&auml;hrend der Anteil der Arbeiterkinder an Universit&auml;ten seit Mitte der 80er Jahre von 7 auf 14 Prozent gestiegen war, ist er seit 1995 wieder auf 12 Prozent gesunken (Stuttgarter Zeitung vom 20.7.01). Auch die Zahl derer, die aus finanziellen Gr&uuml;nden oder der Belastung aus einem Nebenjob das Studium abbrechen, nimmt zu. 75 Prozent der StudentInnen m&uuml;ssen bereits neben dem Studium arbeiten und auch die PISA-Studie hat gezeigt, was schon vorher kein Geheimnis war: der soziale Hintergrund entscheidet in vielen F&auml;llen &uuml;ber die Bildung, die Kinder und Jugendliche erhalten.<br \/>  Gleichzeitig werden f&uuml;r eine kleine Elite immer bessere Angebote geschaffen, zum Beispiel mit Elitez&uuml;gen an Gymnasien und Privatuniversit&auml;ten. Privatuniversit&auml;ten erhalten in der Regel Unsummen von Geldern von St&auml;dten und L&auml;ndern und verlangen trotzdem Studiengeb&uuml;hren. Die International University Bremen wurde vor kurzem er&ouml;ffnet, 141 StudentInnen lernen dort unter besten Voraussetzungen.<br \/>  Daf&uuml;r zahlen sie 15.000 Euro j&auml;hrlich an Studiengeb&uuml;hren. Die Stadt Bremen gab alleine als Starthilfe &uuml;ber 100 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsetat dazu.<\/p>\n<p>  Profitinteressen<\/p>\n<p>  Dahinter stehen die Interessen der Wirtschaft. Im Nachkriegsaufschwung waren die Kapitalisten eher bereit Geld f&uuml;r Bildung locker zu machen, nicht zuletzt auch unter dem Druck von Bewegungen in den 60er und 70er Jahren. Dazu kam, dass im Aufschwung viele gut ausgebildete Fachkr&auml;fte gebraucht wurden. Au&szlig;erdem hatten die Herrschenden erkannt, dass Forschung und Bildung ein wichtiges Mittel in der Systemkonkurrenz mit der Sowjetunion war, besonders nach dem Sputnikschock waren sie deshalb bereit, Bildung st&auml;rker zu f&ouml;rdern.<br \/>  Heute sieht die Situation anders aus. Seit der tiefen internationalen Rezession Mitte der 70er Jahre befindet sich der Kapitalismus in einer Niedergangsphase (daran &auml;ndern auch die Abschnitte wirtschaftlicher Aufschw&uuml;nge nichts, die nur konjunkturell und nicht strukturell bedingt sind).<br \/>  Die Unternehmer sind verzweifelt auf der Suche nach neuen Bereichen, in denen sich Profit machen l&auml;sst. Um nach dem Einbruch in den 70er Jahren wieder einen Anstieg der Profitraten zu erreichen, haben sie in den letzten Jahren massiv Sozialabbau forciert und eine beispiellose Umverteilungspolitik von unten nach oben betrieben.<br \/>  Auch Bildung stand deshalb auf der K&uuml;rzungsliste. In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, die selbst in den konjunkturellen Aufschwungsphasen kaum noch zur&uuml;ckgeht und jetzt in der Krise munter steigt, sehen die Kapitalisten nicht ein, soviel Geld f&uuml;r die Bildung von Leuten zu zahlen, die nachher sowieso arbeitslos sind oder in Hilfsjobs arbeiten. Gute Bildung f&uuml;r eine reiche Elite reicht ihnen aus. Wenn dann trotzdem ein Mangel an Fachkr&auml;ften entsteht, soll der &uuml;ber wirtschaftsfreundliche Zuwanderungsregelungen ausgeglichen werden. Das hat dann nichts mit humaner Fl&uuml;chtlingspolitik zu tun, sondern bedeutet, dass der Staat die Leute ins Land l&auml;sst, die von der Wirtschaft gebraucht werden und denen man niedrigere L&ouml;hne zahlen kann.<br \/>  Gleichzeitig wittern sie die Chance auf Riesenprofite in einem fast noch unber&uuml;hrten Sektor: die Unternehmensberatung Meryll Lynch sch&auml;tzt den Wert des weltweiten Bildungssektors auf j&auml;hrlich etwa 2.200 Milliarden US-Dollar und sieht die M&ouml;glichkeit, in nur 10 Jahren den weltweiten Bildungsmarkt vollkommen zu privatisieren. Privatisierung bedeutet aber immer, die Profitinteressen einzelner weniger &uuml;ber die Interessen der Besch&auml;ftigten und NutzerInnen zu stellen, mit oft katastrophalen Folgen.<\/p>\n<p>  Privatisierung von Bildung<\/p>\n<p>  Der Einfluss der Wirtschaft auf Bildung hat in den letzten Jahren bereits zugenommen. Der Anteil privater Mittel im Bildungsbereich liegt in Deutschland bereits bei 18 Prozent (OECD, Paris 1998).<br \/>  Durch Sparma&szlig;nahmen sind Universit&auml;ten immer st&auml;rker auf Drittmittel aus der Wirtschaft angewiesen, Schulen gehen Partnerschaften mit Firmen ein und bekommen daf&uuml;r Computer gestellt oder den Sch&uuml;lerInnen wird eine Bevorzugung bei der Ausbildungsplatzvergabe versprochen&#8230; Doch das ist erst der Anfang. Durch Abkommen wie dem GATS (General Agreement on Trade in Services) oder der Bologna-Erkl&auml;rung (siehe Kasten) soll Bildung immer mehr zur Ware werden, laut EU- Kommission ist Bildung &#x84;reif f&uuml;r die Liberalisierung&#x93; (Le Monde Diplomatique, Juli 2000).<br \/>  W&auml;hrend bisher auch international vor allem Teile der Schulen wie die Kantinen privatisiert wurden, leitet das GATS-Abkommen die Privatisierung ganzer Bildungseinrichtungen und Sektoren ein. Die Bologna-Erkl&auml;rung und &auml;hnliche Erkl&auml;rungen dienen dazu, das Bildungssystem auf seine Privatisierung vorzubereiten und das bisherige Bildungssystem so umzustrukturieren, dass es den Unternehmern besser passt und eher Profit abwerfen kann. Die Verschulung des Studiums durch Bachelor- und Masterstudieng&auml;nge ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Damit soll das Studium direkter an den Anforderungen der Wirtschaft ausgerichtet sein. Nur diejenigen mit den besten Noten k&ouml;nnen nach dem Grundstudium ihr Studium fortf&uuml;hren, wissenschaftliches Arbeiten und freies Forschen wird verdr&auml;ngt. Dass die Privatisierung von Bildung sich auch auf die Lerninhalte auswirkt, daraus machen die Kapitalisten kein Geheimnis: Gerhard Cromme von Krupp-Thyssen beklagt sich zum Beispiel &uuml;ber ein Bildungssystem, in dem sich Studierende &#x84;die Freiheit nehmen, sich mit Themen zu besch&auml;ftigen, die nicht direkt mit der Wirtschaft verbunden sind. Statt dessen besch&auml;ftigen sie sich mit Themen, die keine praktische Anwendung haben.&#x93; Das soll sich durch die Privatisierung &auml;ndern.<br \/>  Gleichzeitig wird die Forderung immer wieder laut, LehrerInnen nach Leistung zu zahlen. Schavan, die Baden-W&uuml;rttembergische Kultusministerin, forderte vor einem Jahr ein unbezahltes Praktikum der LehrerInnen in der Wirtschaft w&auml;hrend den Sommerferien.<br \/>  In Britannien hat die Labour-Regierung bereits einem betr&auml;chtlichen Anteil von Schulen zugestanden, 10 Prozent der Sch&uuml;lerInnen selbst aussuchen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>  Folgen der Privatisierung<\/p>\n<p>  Damit private Bildungseinrichtungen attraktiv sind, m&uuml;ssen sie Profit erwirtschaften. <br \/>  Bevor die &ouml;ffentlichen Bildungseinrichtungen von privaten Unternehmen gepl&uuml;ndert werden, musste der Staat &uuml;ber die Finanzierung von Bauten, Grundausstattung und der Ausbildung des Personals daf&uuml;r herhalten, die Voraussetzungen zu schaffen. <br \/>  In den USA, in denen die Politik des Neoliberalismus noch ungez&uuml;gelter herrscht, lassen sich diese Prozesse besonders gut verfolgen: So k&uuml;rzte der private Konzern Edison nach der &Uuml;bernahme von 41 Schulen die LehrerInnenstellen um 27 Prozent. In einer Schule in Boston wurden die Klassen auf 28 Sch&uuml;lerInnen vergr&ouml;&szlig;ert, anstatt sie auf die Zahl von den versprochenen maximal 21 Sch&uuml;lerInnen zu beschr&auml;nken. Auch bei B&uuml;chereien, Schulessen, Sport und Freizeitangeboten wurde gek&uuml;rzt.<br \/>  Mit der steigenden Abh&auml;ngigkeit von der Wirtschaft h&auml;lt auch die Werbung Einzug in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Auch in dieser Beziehung sind die USA Vorreiter. Schon in den 90ern war Werbung auf Schulbussen und Toiletten, in Klassenzimmern und auf Schulb&uuml;chern keine Seltenheit mehr. Aus Geldmangel der Schulen wurden gesponserte Unterrichtsmaterialien mehr und mehr zum Alltag. Die Verbraucherorganisation Consumer International stellte bei einer Untersuchung dieser Materialien vor ein paar Jahren fest: &uuml;ber 80 Prozent enthielten voreingenommene oder unvollst&auml;ndige Informationen, propagierten Produkte der finanzierenden Firma oder verherrlichten deren Arbeit. So erkl&auml;rte zum Beispiel &#x84;Strom aus Kohle&#x93; vom American Coal Foundation zum Treibhauseffekt: &#x84;Zunahme von Kohlendioxid k&ouml;nnte der Erde eher nutzen als schaden&#x93;. McDonalds unterrichtet &uuml;ber den R&uuml;ckgang der Regenw&auml;lder ohne zu erw&auml;hnen, dass die gro&szlig;en Rinderfarmen eine der Hauptursachen f&uuml;r dessen Abholzung sind&#8230;<\/p>\n<p>  Proteste<\/p>\n<p>  International hat es in den letzten Jahren eine ganze Reihe von K&auml;mpfen gegen K&uuml;rzungen im Bildungsbereich und gegen die Privatisierung von Bildung gegeben &#8211; und der Unmut dagegen nimmt weiter zu.<br \/>  In Spanien demonstrierten Ende letzten Jahres mehrere hunderttausend Sch&uuml;lerInnen und StudentInnen gegen ein neues Hochschulgesetz, das in Richtung Elitebildung geht. Trotz massiver staatlicher Repressionen wurden die Proteste fortgesetzt: am 7. M&auml;rz waren 90 Prozent aller Sch&uuml;lerInnen im Ausstand.<br \/>  International Socialist Resistance (ISR), deren deutsche Gruppe widerstand International! ist, hat am 15. M&auml;rz anl&auml;sslich des Bildungsministertreffens in Spanien einen internationalen Aktionstag organisiert (siehe Berichte Seite 5). Am gleichen Tag rief allein im kanadischen Quebec der dortige Studierendenverband zur Besetzung von f&uuml;nf Universit&auml;ten auf.<br \/>  Und auch in Deutschland regt sich etwas. So haben im Dezember letzten Jahres 1.000 Studierende in Saarbr&uuml;cken gegen die Einf&uuml;hrung von Langzeitstudiengeb&uuml;hren protestiert.<br \/>  Die Angriffe sind international &#8211; unser Widerstand auch! In den letzten Jahren haben wir die Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung aufgebaut, &uuml;ber Seattle, G&ouml;teborg, Genua, Br&uuml;ssel&#8230; Jetzt kommt es darauf an, den Kampf gegen neoliberale Politik und kapitalistische Ausbeutung gemeinsam gegen die konkreten Privatisierungsvorhaben im Bildungsbereich zu richten.<br \/>  Die Mobilisierung gegen den EU-Gipfel in Sevilla am 22. Juni wird deshalb ein wichtiges Datum im Kampf gegen die Bildungsprivatisierung sein.<\/p>\n<p>  Was ist die Alternative?<\/p>\n<p>  Die PISA-Studie hat eine neue Diskussion dar&uuml;ber entfacht, was der Grund f&uuml;r das schlechte Abschneiden der deutschen Sch&uuml;lerInnen ist. Die Unternehmer nutzen die Ergebnisse, um K&uuml;rzungen und Privatisierungen weiter voranzutreiben, so forderte zum Beispiel Arbeitgeberpr&auml;sident Hundt ein Ende der &#x84;Kuschelp&auml;dagogik&#x93;. Aber viele LehrerInnen, Eltern und Sch&uuml;lerInnen schauen auf die L&auml;nder Finnland und Schweden, die sehr viel besser abgeschnitten haben. Auch in diesen L&auml;ndern hat es in den letzten Jahren Angriffe und Verschlechterungen im Bildungssystem gegeben, trotzdem ist das Bildungswesen dort noch viel mehr an den Bed&uuml;rfnissen der Sch&uuml;lerInnen ausgerichtet. In beiden L&auml;ndern wird in Gesamtschulen unterrichtet, das hei&szlig;t Sch&uuml;lerinnen werden nicht wie hier schon sehr fr&uuml;hzeitig nach Leistungen auf verschiedene Schultypen verteilt. Das erm&ouml;glicht eine sehr viel bessere F&ouml;rderung der schw&auml;cheren Sch&uuml;lerInnen, Sozialverhalten wird erlernt. In Schweden gibt es keinen Klassenverband, Sch&uuml;lerInnen sind entsprechend ihrer St&auml;rken in verschieden F&auml;chern verschiedenen Stufen zugeteilt. Noten gibt es nicht w&auml;hrend der Schulzeit, nur wer danach noch eine Aufbauschule besucht, ist damit konfrontiert. Damit werden die Kinder weniger dem Leistungsdruck und der Pr&uuml;fungsangst ausgesetzt. Dar&uuml;ber hinaus sind Angebote wie kostenloses Schulessen, das Lernen eines Instruments, Sportangebote usw. noch weniger zusammengek&uuml;rzt worden.<\/p>\n<p>  Bildung im Sozialismus<\/p>\n<p>  Im Kapitalismus untersteht aber alles den Profitinteressen einzelner weniger, auch die Bildung. Dadurch k&ouml;nnen heute viele M&ouml;glichkeiten nicht genutzt werden, die die menschliche Gesellschaft weiter bringen k&ouml;nnten. Vorhandene Technik, Arbeits- und Produktionskraft wird, obwohl das m&ouml;glich w&auml;re, nicht eingesetzt, um Hunger, Elend und Armut weltweit zu &uuml;berwinden. Genauso wenig k&ouml;nnen heute die M&ouml;glichkeiten genutzt werden, die sich aus einer guten Ausbildung der Allgemeinheit ergeben. Viele Ideen und viel Wissen bleibt heute ungen&uuml;tzt, weil es kurzfristig keinen Profit bringt oder weil Besch&auml;ftigte die Erfahrung machen m&uuml;ssen, dass die Verbesserungsvorschl&auml;ge, die sie einbringen, ihre Arbeitshetze erh&ouml;hen beziehungsweise ihren Arbeitsplatz wegrationalisieren.<br \/>  Um alle diese M&ouml;glichkeiten sinnvoll zu verwenden ist eine Gesellschaft n&ouml;tig, die nicht auf kapitalistischer Ausbeutung beruht, sondern auf gesamtgesellschaftlicher Planung. Es ist notwendig, die Produktionsmittel zu vergesellschaften und unter die demokratische Kontrolle und Verwaltung von den Besch&auml;ftigten zu stellen &#x96; n&ouml;tig ist eine sozialistische Gesellschaft. Im Kapitalismus soll nur gelernt werden, was nachher von Nutzen f&uuml;r Konzernchefs ist. Von Anfang an bekommen wir heute die Folgen der Klassengesellschaft zu sp&uuml;ren. Wir sollen lernen, uns Autorit&auml;ten unterzuordnen; Konkurrenz gegen&uuml;ber den Mitsch&uuml;lerInnen wird uns eingeimpft; vorgegaukelt wird die angebliche Unver&auml;nderbarkeit von System und Ungerechtigkeiten; au&szlig;erdem versuchen die Herrschenden Wahlen als das einzige legitime Mittel des Protests darzustellen.<br \/>  Eine sozialistische Gesellschaft dagegen beruht darauf, dass jede und jeder sich in die Gesellschaft einbringt und am politischen Leben dieser Gesellschaft teilnimmt, so dass demokratisch &uuml;ber alle Lebensbereiche entschieden werden kann. Deshalb kann und darf das Bildungssystem in einer sozialistischen Gesellschaft den Kindern und Jugendlichen nicht von oben verordnete Lehrpl&auml;ne aufzwingen, sondern muss sich an ihren Bed&uuml;rfnissen orientieren. Kinder und Jugendliche haben das Bed&uuml;rfnis, die Welt um sich herum zu verstehen und zu lernen. Wenn man daran ankn&uuml;pft, wird es nicht mehr n&ouml;tig sein, sie zum Lernen zu zwingen.<br \/>  Um so eine Gesellschaft effektiv weiter zu entwickeln, f&uuml;hrt kein Weg daran vorbei auch die Trennung von Hand -und Kopfarbeit aufzuheben. Lebenslanges Lernen wird Alltag werden. Auch heute wird &#x84;Weiterbildung&#x93; von vielen Unternehmern propagiert, allerdings verstecken sich im dem Fall Unternehmerinteressen dahinter: die Besch&auml;ftigten sollen sich auf immer neue Ideen einstellen, um den Profit der Bosse zu erh&ouml;hen, nicht um Eigenverantwortlichkeit zu erreichen oder die Freiheit zu lernen, was einen interessiert, zu gew&auml;hrleisten.<br \/>  Heute wird man entweder in die Produktion gesteckt und muss sein Leben lang malochen oder aber man hat &#x96; allerdings praxisfern &#8211; die M&ouml;glichkeit zu studieren, wie die Maschinen funktionieren &#x96; im Sozialismus wird jedem beides m&ouml;glich sein: Lernen und Arbeiten. Im Sozialismus wird es m&ouml;glich sein ein Leben lang zu lernen, sich fortzubilden, Urteilsverm&ouml;gen zu entwickeln, Zusammenh&auml;nge zu begreifen und verschiedene Berufe auszu&uuml;ben und verschiedenen Dingen nachzugehen. Dann wird die Arbeit auch kein l&auml;stiges &Uuml;bel mehr sein sondern eine T&auml;tigkeit, die der Erf&uuml;llung und Selbstverwirklichung dient. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel von Tinette Schnatterer aus der Solidarit&auml;t Nr.3 (Juni 2002)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[50],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10055"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10055"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10055\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}