{"id":10054,"date":"2002-08-30T18:53:01","date_gmt":"2002-08-30T16:53:01","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10054"},"modified":"2012-05-29T13:05:28","modified_gmt":"2012-05-29T11:05:28","slug":"10054","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10054\/","title":{"rendered":"Alle Atomkraftwerke sofort abschalten!"},"content":{"rendered":"<p>  von Conny Dahmen (Artikel aus der VORAN Nr. 212, Februar 2000)<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Im Sommer 1986 beschloss die SPD den Ausstieg aus der Atomkraft   innerhalb von 10 Jahren. Die Gr&#252;nen forderten den sofortigen Ausstieg.   Das geschah unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.   Im vergangenen Jahr ereignete sich in der japanischen   Uranverarbeitungsanlage Tokaimura der drittschwerste Unfall in der   Geschichte der Atomkraft, doch die Verhandlungen zwischen Atomlobby und   Bundesregierung ziehen sich wie Kaugummi. Selbst wenn die Position der   gr&#252;nen Basis von 25 Jahren Restlaufzeit durchgesetzt w&#252;rde, (was nicht   der Fall sein wird), k&#246;nnten alle Kernkraftwerke zusammen noch 121 Jahre   am Netz sein, bei 30 Jahren noch insgesamt 216 Jahre. Derweil strahlen   die Reaktoren weiter munter vor sich hin. Eine atomare Katastrophe ist   jederzeit m&#246;glich.<br \/>Dieser Artikel erschien zuerst in der VORAN   Nr. 212 im Februar 2000. Seitdem hat es den Atomkonsens zwischen   Rot\/Gr&#252;ner Bundesregierung und Atomindustrie gegeben, so dass einige   Entwicklungen nicht ber&#252;cksichtigt sind, wir denken dennoch, dass der   Artikel interessante Fakten und Argumente f&#252;r die heutige Diskussion   enth&#228;lt.<\/p>\n<p>Ob 40, 30, 25 Jahre oder auch nur ein Tag &amp;#x96   jede AKW-Laufzeit ist zu lang! Allein in der ersten H&#228;lfte des letzten   Jahres gab es 59 St&#246;rf&#228;lle in deutschen Kernkraftwerken. Offiziell waren   alle Reaktoren auf 25 Jahre Laufzeit ausgelegt, ein Uralt-Meiler wie   z.B. Obrigheim, der 1968 ans Netz ging, m&#252;&#223;te l&#228;ngst abgeschaltet sein,   aber die Betriebsgenehmigungen gelten unbefristet. In der EU werden 26   Atomkraftwerke als Risikoreaktoren eingestuft, aber klar ist, da&#223; die   gesamte Atomindustrie eine Gefahr ist &amp;#x96 kein einziger Reaktor hat   jemals st&#246;rungsfrei gearbeitet. Auf die Auswirkungen, die ein Super-GAU   &amp;#x96 der gr&#246;&#223;te anzunehmende Unfall &amp;#x96 auf das Leben auf der Erde   haben wird, haben wir 1986 durch das Reaktorungl&#252;ck von Tschernobyl   schon einen Vorgeschmack bekommen. Damals kam es zu einer Kernschmelze,   der Reaktor geriet in Brand. Etwa vier Prozent der Radioaktivit&#228;t wurden   freigesetzt, das 40fache der Atombombenexplosion von Hiroschima. Das   h&#246;rt sich nicht nach besonders viel an, aber es reichte aus, um die   H&#228;lfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fl&#228;che der Ukraine und 1,2   Millionen Hektar Waldfl&#228;che zu verseuchen. In ganzen Landstrichen   starben Pflanzen und Tiere aus. 35 Millionen Menschen wurden verstrahlt,   30 Millionen leiden unter verseuchtem Trinkwasser, in der Umgebung des   Ungl&#252;cksreaktors treten 30 Prozent mehr Krankheitsf&#228;lle auf als im Rest   des Landes. Bis Ende der 90er Jahre starben in der Ukraine tausende   Menschen an Strahlenkrankheiten. Krankheiten wie Krebs brechen aber zum   Teil erst nach mehreren Jahrzehnten aus, genetische Sch&#228;den kommen auch   erst in den n&#228;chsten Generationen zum Vorschein. Die radioaktive Wolke   zog &#252;ber weite Teile Europas. Es wurde gewarnt, Kinder im Sandkasten   spielen zu lassen, in einigen Regionen wurde Kuhmilch zu atomarem   Sonderm&#252;ll. 1987 kamen allein in Westberliner Krankenh&#228;usern 500 Prozent   mehr mongoloide Kinder zur Welt als sonst.<br \/>Ein &#228;hnlicher Unfall wie   in Tscher-nobyl oder noch schlimmer ist auch in deutschen   Atomkraftwerken m&#246;glich. Wegen der hohen Bev&#246;lkerungsdichte w&#228;ren sogar   noch viel mehr Menschen betroffen, man m&#252;&#223;te das ganze Land evakuieren   &amp;#x96 was kaum m&#246;glich sein d&#252;rfte.<\/p>\n<p>&quot;Normale&quot;   Verseuchung<\/p>\n<p>Aber AKW sind nicht nur im St&#246;rfall t&#246;dlich: schon im   Normalbetrieb verseuchen sie die Umwelt. Die Leuk&#228;mierate bei Kindern im   Umkreis deutscher AKW ist siebenmal so hoch wie im Rest Deutschlands.   Noch gef&#228;hrlicher sind die Wiederaufbereitungsanlagen, wie z.B. La Hague   in Frankreich. Sie gibt 40 mal mehr Radioaktivit&#228;t an die Umwelt ab als   alle 439 Atomkraftwerke weltweit zusammen. Dort werden auch Brennst&#228;be   aus Deutschland wiederaufbereitet.<br \/>In der Umgebung der englischen   Wiederaufbereitungsanlage Sellafield betr&#228;gt die Leuk&#228;mierate das   Zehnfache des landesweiten Durchschnitts. Wiederaufbereitungsanlagen   vergr&#246;&#223;ern den Atomm&#252;llberg noch zus&#228;tzlich. Aus einem Kubikmeter machen   sie sechzehn- und das, obwohl niemand weiss, wie wir den atomaren Abfall   je wieder loswerden sollen. Endlager gibt es nirgendwo auf der Welt,   stattdessen wird der M&#252;ll hin- und hergefahren, in die See geworfen, in   Fl&#252;sse gepumpt, auf Deponien geschafft oder in diverse Zwischenlager   gesteckt, von denen eines unsicherer ist als das andere. In Ahaus lagern   zur Zeit 4200 Tonnen radioaktiver Abfall, in Gorleben 3800 Tonnen.   Atomm&#252;ll ist eine Gefahr f&#252;r Hunderttausende von Jahren. Das Ultra-Gift   Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.300 Jahren. Das bedeutet, da&#223;   nach diesem unvorstellbar langen Zeitraum immer noch die H&#228;lfte der   urspr&#252;nglichen Menge weiterstrahlt. Die Kraftwerksbetreiber m&#252;ssen nur   f&#252;r sechs Jahre nachweisen, wo der M&#252;ll bleibt.<br \/>Und nicht   einmal das k&#246;nnen sie derzeit. In sechs bundesdeutschen Reaktoren sind   die Abklingbecken voll, geplante zus&#228;tzliche Zwischenlager in der N&#228;he   der AKW werden nicht rechtzeitig fertiggebaut werden. Wenn die   Bundesregierung den 1998 von der CDU-Umweltministerin verh&#228;ngten   Transportstopp, (damals kam ans Licht, da&#223; die Beh&#228;lter so stark   strahlen, da&#223; der zul&#228;ssige Grenzwert 3000fach &#252;berschritten wird),   nicht noch in diesem Jahr aufhebt, werden diese Meiler mangels   Lagerkapazit&#228;ten abgeschaltet werden m&#252;ssen. Allerdings arbeiten die   Kraftwerksbetreiber auch mit neuen Tricks, um Zeit zu gewinnen: Dichtere   Lagerung der Brennelemente und Beschickung von abfahrbereiten Castoren,   (Transportbereitstellung).<br \/>In La Hague und Sellafield lagern noch   insgesamt 4450 Tonnen Atomm&#252;ll, der irgendwann wieder nach Deutschland   zur&#252;ck muss. So wird ein erneuter Castor-Transport innerhalb diesen   Jahres immer wahrscheinlicher. K&#252;rzlich k&#252;ndigte Bundesumweltminister   Trittin einen Transport radioaktiven M&#252;lls von Neckarwestheim nach Ahaus   an.<\/p>\n<p>Castor &amp;#x96 Gr&#252;n angemalt<\/p>\n<p>Rot-Gr&#252;n sucht   derzeit nach einem Weg, wie sie den Widerstand der Castor-Gegner   politisch untergraben k&#246;nnen. Das ist der eigentliche Sinn der   Konsensgespr&#228;che. Sobald irgendeine Vereinbarung &#252;ber den sogenannten   Ausstieg mit der Atomindustrie unter Dach und Fach ist, eventuell   garniert mit der Absicht einen Uralt-Reaktor vor der n&#228;chsten Wahl   stillzulegen, werden sie etwa folgenderma&#223;en argumentieren: Jetzt, da   der Ausstieg beschlossen sei, g&#228;be es f&#252;r die Atomkraft-GegnerInnen doch   keinen Grund mehr die CastorTransporte zu bek&#228;mpfen. Schlie&#223;lich m&#252;&#223;ten   alle einsehen, dass der Abfall irgendwohin m&#252;sse.<br \/>Die Position   der KernkraftgegnerInnen aber mu&#223; weiterhin sein: Kein einziger   Atomm&#252;lltransport solange noch neuer M&#252;ll produziert wird. Einem   notorischen S&#228;ufer, der schon mehrere Unf&#228;lle verursacht hat, w&#252;rde man   schlie&#223;lich auch dann nicht die Fahrerlaubnis erteilen, wenn er erkl&#228;ren   w&#252;rde, dass er zwar nicht sofort aber doch in drei&#223;ig Jahren mit dem   Saufen aufh&#246;ren wolle und bis dahin sein Auto auch etwas seltener   benutzen w&#252;rde.<br \/>Der sofortige Ausstieg ist nicht nur n&#246;tig   sondern aufgrund der &#220;berkapazit&#228;ten bei der Stromerzeugung auch   m&#246;glich. Rot-Gr&#252;n ist nur nicht bereit der Atom-Mafia auf die F&#252;&#223;e zu   treten.<br \/>Die Anti-AKW-Bewegung hat in den letzten Jahrzehnten viel   erreicht. Ohne sie st&#228;nden hier heute nicht 19 Atommeiler sondern noch   viele mehr, der Bau der geplanten Wiederaufbereitungsanlage in   Wackersdorf konnte verhindert werden, der Schnelle Br&#252;ter in Kalkar ging   nie in Betrieb. Der Bau neuer Atomkraftwerke w&#228;re besonders in   Deutschland wegen des starken Widerstandes &#228;u&#223;erst schwer durchsetzbar.<br \/> Die Atom-Mafia will aus diesen Gr&#252;nden ihre vorhandenen strahlenden Goldesel   m&#246;glichst lange behalten und beim Atomkonsens durchsetzen, dass sie   jedes einzelne Kraftwerk solange laufen lassen kann, bis aufgrund der   Altersschw&#228;che die Reparaturkosten h&#246;her als die Erl&#246;se sind und eine   Abschaltung auch in ihrem Profitinteresse liegt.<br \/>Mit den Gr&#252;nen als   Verhandlungspartner d&#252;rfte das kein gro&#223;es Problem darstellen. Die sind   bereit, Laufzeiten von &#252;ber 30 Jahren zu akzeptieren. Sie haben auch in   Sachen Atomkraft nichts mehr mit dem Programm der Partei gemeinsam, die   nicht zuletzt aus der Anti-AKW-Bewegung der 70er Jahre entstand und die   1983 in den Bundestag einzog. Damals profitierten sie politisch von der   Anti-AKW-Bewegung und hatten sich den sofortigen Atomausstieg auf die   Fahnen geschrieben. Es ist noch nicht so lange her, da&#223; sie selbst   Proteste gegen die Kernkraft organisierten und in Gorleben gegen   Castor-Transporte demonstrierten. Heute pr&#252;gelt die Polizei in Ahaus   unter dem Befehl eines gr&#252;nen Polizeipr&#228;sidenten dem Atomm&#252;ll den Weg   frei und einen Atomausstieg nach den derzeitigen Vorstellungen der   Gr&#252;nen w&#252;rde der Gro&#223;teil der Mitgliedschaft wohl selbst nicht mehr   miterleben.<\/p>\n<p>Wem n&#252;tzt Atomkraft?<\/p>\n<p>Wenn man sieht, wie   gef&#228;hrlich die Kernkraft ist und auch, was f&#252;r Kosten die Gesellschaft   daf&#252;r zu tragen hat, dann stellt sich die Frage, wer hat oder hatte ein   Interesse an der sogenannten zivilen Nutzung der Atomkraft?<br \/>Das   treibende Motiv f&#252;r den Einstieg in die Atomwirtschaft war die Gewinnung   von spaltbarem Material zur Herstellung von Atombomben. Die zivile   Nutzung bot eine hervorragende Tarnung f&#252;r die milit&#228;rischen Ziele der   offiziellen Atomm&#228;chte. Und nat&#252;rlich besonders f&#252;r die Staaten, die   sich heimlich die M&#246;glichkeiten zum Bau von Atombomben verschaffen   wollten, darunter die BRD. Bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie   kann der Bombenbaustoff beiseite geschafft werden. Es ist anzunehmen,   da&#223; die Bundesrepublik sich auch schon heimlich ihren Teil Plutonium   abgezwackt hat.<br \/>Alle L&#228;nder versprachen sich von der Atomkraft ein   weiteres Standbein f&#252;r die nationale Energieversorgung, um von &#214;l- oder   Gasimporten unabh&#228;ngiger zu sein.<br \/>Ein weiterer Grund ist sicher,   da&#223; Gro&#223;projekte allgemein immer immense Profite f&#252;r ein paar wenige   Gro&#223;konzerne bedeuten und den Entscheidungstr&#228;gern noch mehr politische   Macht verleihen. Bei einer dezentralen Energiegewinnung w&#252;rden die   Entscheidungen und damit auch die Macht auf viel mehr Personen verteilt.   Deshalb wird auch nach wie vor die Stromerzeugung in wenigen   Gro&#223;kraftwerken gegen&#252;ber der dezentralen Versorgung durch   Blockheizkraftwerke, Wind-, Sonnen- und Bioenergie bevorzugt.<br \/>  Tats&#228;chlich kassierte die Atomindustrie immense Subventionen. Zwischen   1956 und 1980 betrugen die Subventionen f&#252;r die Kernkraft 27 Milliarden   DM. Davon profitierten vor allem Siemens, der einzige deutsche   Hersteller f&#252;r Atomanlagen, und die drei gr&#246;&#223;ten Stromkonzerne   RWE-Energie, Preu&#223;enElektra und Bayernwerk. Die direkte atomare   Forschungsf&#246;rderung betr&#228;gt heute 800 Millionen DM im Jahr. Alles in   allem d&#252;rfte der Steuerzahler mittlerweile 100 Milliarden DM f&#252;r die   Atomkraft geblecht haben. besonders in den 70er Jahren des letzten   Jahrhunderts. Damals gab es zwei gro&#223;e atomare Ausbauwellen und der   Anteil der Atomenergie am gesamten deutschen Energieaufkommen stieg auf   24 Prozent an. Doch damit stiegen auch die Strompreise, die   VerbraucherInnen wurden f&#252;r eine Energieform geschr&#246;pft, die sie gar   nicht wollten.<br \/>Und wir zahlen weiter: f&#252;r den Abri&#223;, die   Atomm&#252;ll-Beseitigung, f&#252;r die Polizei-Armeen, die bei den   Castor-Transporten aufgeboten werden, f&#252;r Krankheiten und Umweltsch&#228;den   infolge der atomaren Strahlung. Die Atomkraftwerksbetreiber haben   R&#252;cklagen von &#252;ber 70 Milliarden DM angeh&#228;uft, f&#252;r die sie keinen   Pfennig Steuern bezahlen brauchen.<br \/>Auf die Frage der Entsch&#228;digung   bei einem sofortigen Ausstieg lautet die richtige Antwort: Nicht die   breite Masse der Steuerzahler mu&#223; Entsch&#228;digung an die Atomindustrie   zahlen, sondern umgekehrt: Zuerst m&#252;ssen die Atomkonzerne die   Milliardensubventionen zur&#252;ckzahlen, die sie aus Steuergeldern erhalten   haben, dann m&#252;ssen sie Entsch&#228;digung zahlen, f&#252;r den Umweltschaden, den   sie dieser und kommenden Generationen mit der Atomkraft zugef&#252;gt haben   bzw. noch zuf&#252;gen werden.<\/p>\n<p>&#220;berkapazit&#228;ten<\/p>\n<p>  Heute sieht die Zukunft der Kernenergie nicht mehr so rosig aus. In den   letzten zehn Jahren ist die Stromgewinnung aus Atomkraft um nur zwei   Prozent gewachsen, der Anteil des Atomstroms am weltweiten   Gesamtenergieverbrauch ist mit sieben Prozent erstmals seit 1997   gesunken. Weltweit werden mehr Kernkraftwerke abgeschaltet als in   Betrieb genommen, in Deutschland ging das letzte vor zw&#246;lf Jahren ans   Netz. Da ohne direkte Milliardensubventionen konventionelle Kraftwerke   eindeutig profitabler sind als Atomanlagen, verringert sich der   Absatzmarkt f&#252;r die Atomindustrie. Und im Zuge der   Strommarktliberalisierung m&#252;ssen sich die Energiekonzerne auf einen   harten Konkurrenzkampf einstellen und Kosten sparen. Die &#220;berkapazit&#228;ten   auf dem Strommarkt sind sehr hoch: S&#228;mtliche Elektrizit&#228;ts-Kraftwerke in   Deutschland zusammen haben eine maximale Leistung von rund 80.000   Megawatt Strom. Der Bedarf betr&#228;gt selbst in Spitzenzeiten nie mehr als   rund 60.000 Megawatt In Nord- und Westeuropa betragen die   &#220;berkapazit&#228;ten insgesamt mehr als 100 Gigawatt.<\/p>\n<p>  Arbeitsplatz-L&#252;ge<\/p>\n<p>Skandal&#246;s ist das Verhalten der   Gewerkschaftsf&#252;hrer, die die Atomkraft unterst&#252;tzen. Unter dem Vorwand   verlorengehender Jobs propagierte die IG-Bergbau jahrzehntelang das   &quot;B&#252;ndnis von Kohle und Atomkraft&quot;. Ergebnis: Die meisten Arbeitspl&#228;tze   der Kohle-Kumpel sind inzwischen verschwunden, die Atomkraftwerke laufen   immer noch. &#214;TV-Chef Mai freut sich schon auf den n&#228;chsten Castor: &quot;Wir   haben die Zusage des Kanzlers, da&#223; er sich f&#252;r Transporte einsetzen   wird.&quot; (SZ, Juli 99). Mai hat das Wohl seiner Unternehmerfreunde im   Auge, die sich bisher noch nie um irgendwelche Arbeitspl&#228;tze geschert   haben. Laut Industrie und Gewerkschaften wird die Stromindustrie 40.000   Jobs in den n&#228;chsten Jahren vernichten. 1991 arbeiteten in der gesamten   Strombranche noch 220.000 Menschen, jetzt sind es noch 160.000. Und das   ganz ohne Atomausstieg! Was die Gewerkschaftsf&#252;hrer nicht erw&#228;hnen: der   Einsatz regenerativer Energien w&#252;rde f&#252;nf mal so viele Arbeitspl&#228;tze   schaffen wie die Nutzung der Atomenergie.<br \/>Stattdessen sollten sich   k&#228;mpferische GewerkschafterInnen und Betriebsr&#228;te f&#252;r einen gemeinsamen   Kampf der Gewerkschaften und AtomkraftgegnerInnen f&#252;r die sofortige   Stillegung aller Atomkraftwerke und gegen die Liberalisierung der   Stromm&#228;rkte einsetzen.<br \/>Auch die PDS darf sich nicht darauf   beschr&#228;nken irgendwo etwas gegen Atomkraft geschrieben zu haben, sondern   mu&#223; aktiv &#252;ber die Gefahren der Atomkraft informieren und zu Protesten   mobilisieren.<br \/>Doch dieser Kampf kann nur gegen die Energieunternehmer   zum Erfolg f&#252;hren. Sie interessieren sich nicht daf&#252;r, wie risikoreich   oder umweltsch&#228;dlich Energiegewinnung ist, solange die Kohle stimmt.   Diejenigen, die ein Interesse an umweltschonender Energieerzeugung und   sinnvollen Arbeitspl&#228;tzen haben, sind die VerbraucherInnen und die   Besch&#228;ftigten der Stromwirtschaft.<\/p>\n<p>Atommafia enteignen<\/p>\n<p> Um endlich mit Atomkraft und umweltverschmutzender Stromerzeugung aufzur&#228;umen,   mu&#223; die gesamte Energiewirtschaft enteignet und in Gemeineigentum   &#252;berf&#252;hrt werden. Demokratisch gew&#228;hlte VertreterInnen der   Belegschaften, der Gewerkschaften und des Staates sollten die   Energiebranche gemeinsam verwalten. Damit sich niemand von ihnen an   seiner T&#228;tigkeit bereichern kann, d&#252;rfen sie nicht mehr als einen   durchschnittlichen Facharbeiterlohn verdienen und m&#252;ssen jederzeit w&#228;hl-   und abw&#228;hlbar sein.<br \/>Um &#220;berkapazit&#228;ten und Verschwendung zu   vermeiden, brauchen wir eine landesweite Energieplanung. Bestehende   Kohle- und Gaskraftwerke m&#252;ssen technisch auf den neuesten Stand   gebracht werden, so da&#223; sie m&#246;glichst effektiv arbeiten, zum Beispiel   durch Kraft- W&#228;rme- Kopplung. Hinzu kommt der gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Einsatz   erneuerbarer Energien. Gerade dort ist viel mehr m&#246;glich als die   Gro&#223;konzerne heute zulassen. Auf Dauer stellen regenerative   Energieformen den einzigen Weg dar, die Energieversorgung der Menschheit   zu sichern; deswegen ist ein massives staatliches Investitionsprogramm   zur weiteren Forschung und Ausbau in diese Richtung notwendig.<br \/>Doch   gerade die Umweltfrage zeigt, da&#223; wir dort nicht beim Energiesektor   haltmachen k&#246;nnen. Weitere Probleme wie die Verschmutzung von Luft,   Wasser und B&#246;den w&#252;rden dadurch nicht gel&#246;st. Das kapitalistische System   insgesamt steht einer gesunden Umwelt und einer lebenswerten Zukunft f&#252;r   alle Menschen im Weg. Die Macht der Banken und Konzerne mu&#223; gebrochen   werden und durch eine sozialistische Planwirtschaft ersetzt werden. Nur   in einer demokratischen, sozialistischen Gesellschaft kann es eine   Garantie f&#252;r das &#220;berleben der Menschheit geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      von Conny Dahmen (Artikel aus der VORAN Nr. 212, Februar 2000)\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[115,114],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10054"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10054"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10054\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}