{"id":10051,"date":"2002-08-29T17:39:28","date_gmt":"2002-08-29T17:39:28","guid":{"rendered":".\/?p=10051"},"modified":"2002-08-29T17:39:28","modified_gmt":"2002-08-29T17:39:28","slug":"10051","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10051\/","title":{"rendered":"Eine andere Welt ist m&ouml;glich &#x96; eine sozialistische Welt ist n&ouml;tig"},"content":{"rendered":"<p>Bericht vom 2. Weltsozialforum in Porto Alegre 2002<br \/>  von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher und Teilnehmer beim WSF <br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#x84;Eine andere Welt ist m&ouml;glich&#x93; war das Motto des zweiten Weltsozialforums (WSF), das vom 31. Januar bis 5. Februar 2002 im brasilianischen Porto Alegre im Bundesstaat Rio Grande do Sul stattfand. F&uuml;r eine Woche war das WSF so etwas wie eine kleine &#x84;andere Welt&#x93;. Mit &uuml;ber 50.000 TeilnehmerInnen nahmen diesmal fast dreimal so viele Menschen teil, wie im letzten Jahr. darunter waren &uuml;ber 15.ooo Delegierte, die &uuml;ber 5.000 verschiedene Organisationen &#8211; Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Bauernvereinigungen, soziale Bewegungen, politische Organisationen &#8211; repr&auml;sentierten. Es fanden &uuml;ber 700 verschiedene Veranstaltungen &#8211; Konferenzen, Seminare, Workshops &#8211; statt.<br \/>  Allein diese Zahlen dr&uuml;cken aus, dass das WSF als ein gro&szlig;er politischer Erfolg f&uuml;r die Bewegung gegen Neoliberalismus und kapitalistische Globalisierung zu bewerten ist. Die Bewegung befindet sich seit der Demonstration gegen die Welthandelsorganisation (WTO) im Herbst 1999 in einem Aufschwung und dieser wurde durch den 11. September und den Krieg gegen Afghanistan nicht unterbrochen. Diese Wahrheit manifestierte sich beim WSF, auch wenn b&uuml;rgerliche Medien, Politiker und Wirtschaftsbosse in den letzten Monaten versucht haben, die Bewegung in &#x84;gute&#x93; und &#x84;schlechte&#x93; GlobalisierungskritikerInnen zu spalten, auch wenn versucht wurde die AktivistInnen der Bewegung in die Ecke von Terroristen zu schieben und auch wenn von den VertreterInnen des Kapitalismus gehofft wurde, die Bewegung k&ouml;nne durch die Ereignisse des 11. September in eine Desorientierung geraten. Das Gegenteil war der Fall: die Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung hat sich mit der Bewegung gegen den Krieg verbunden und beide Bewegungen haben sich gegenseitig befruchtet. <br \/>  Das Komitee f&uuml;r eine Arbeiterinternationale hat am Weltsozialforum und dem Interkontinentalen Jugendcamp (an dem noch einmal ca. 15.000 Jugendliche teilgenommen haben) mit einer Delegation von Mitgliedern aus Brasilien, Irland, Deutschland und dem Internationalen Sekretariat aktiv teilgenommen. Wir haben eigene Veranstaltungen im Rahmen des Jugendcamps angeboten und aktiv den Aufbau der &#x84;Movimento Dos Sem Educacao&#x93; (MSE &#8211; Bewegung der Bildungslosen) voran getrieben. MSE k&auml;mpft f&uuml;r ein kostenloses und &ouml;ffentliches Bildungswesen und fordert die M&ouml;glichkeit f&uuml;r alle Jugendlichen, die Universit&auml;t besuchen zu k&ouml;nnen. Hintergrund ist ein weitgehend privates Universit&auml;tswesen in Brasilien, in dem hohe Studiengeb&uuml;hren und sehr anspruchsvolle Aufnahmepr&uuml;fungen der breiten Mehrheit der Jugend den Zugang zu den Hochschulen verwehren. W&auml;hrend diese Bewegung vor dem WSF nur im Gro&szlig;raum Sao Paulo (mit &uuml;ber 20 Millionen EinwohnerInnen tats&auml;chlich ein Gro&szlig;raum) existierte, konnten w&auml;hrend des WSF\/Jugendcamps Jugendliche aus acht brasilianischen Bundesstaaten kennen gelernt werden, die nun ein Netzwerk bilden wollen und gemeinsam an den Aufbau von MSE gehen wollen. <br \/>  Das WSF ist als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum (WEF) konzipiert, welches seit Mitte der 70er Jahre j&auml;hrlich im schweizerischen Kurort Davos stattfindet und dieses Jahr zum ersten Mal in New York City. Das WEF ist das Forum der gro&szlig;kapitalistischen &#x84;Elite&#x93; der Welt. Dort kommen 2.500 Wirtschaftsbosse und Politiker zusammen. Die Teilnahme kostet $ 25.000 und Voraussetzung f&uuml;r die Teilnahme f&uuml;r Wirtschaftsvertreter ist, dass das Unternehmen einen Mindestumsatz von $ 1 Milliarde j&auml;hrlich macht. <br \/>  Auch das WEF hat ein Motto: &#x84;Verpflichtet den Zustand der Welt zu verbessern&#x93;. In Wirklichkeit ist das Leitmotiv der TeilnehmerInnen beim WEF &#x84;Verpflichtet den Zustand der Unternehmensbilanzen zu verbessern&#x93;. Das WEF ist das Forum zur Intensivierung neoliberaler Politik und weltweiter Ausbeutung. Dar&uuml;ber d&uuml;rfen die heuchlerischen Diskussionen &uuml;ber Bek&auml;mpfung der Armut und L&ouml;sung der Schuldenkrise der armen L&auml;nder nicht hinwegt&auml;uschen. Diese Diskussionen dr&uuml;cken vor allen Dingen den Druck aus, den die Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung seit 1999 entfalten konnte, auf den auch die SpitzenvertreterInnen von Wirtschaft und Politik reagieren m&uuml;ssen. <br \/>  Diese sind nach NYC gegangen, weil sie hofften dort Gegendemonstrationen und Protesten entgehen zu k&ouml;nnen. Im schweizerischen Davos war es im letzten Jahr zu Protesten und Demonstrationen gekommen und die Schweiz f&uuml;hrte den gr&ouml;&szlig;ten Milit&auml;reinsatz ihrer Geschichte zum &#x84;Schutz&#x93; des WEF durch. Ruhe hatten die Bosse und Bonzen in NYC aber nicht, dort demonstrierten &uuml;ber 10.000 Jugendliche, ArbeitnehmerInnen und Arbeitslose und machten deutlich, dass sie das WEF nicht willkommen hei&szlig;en. Damit wurde der nach dem 11.9. in den USA zerrissene Faden der globalisierungskritischen Bewegung wieder aufgenommen und ist die Bewegung dort an ihren weiteren Aufbau gegangen. <br \/>  Der Unterschied zwischen NYC und Porto Alegre h&auml;tte nicht gr&ouml;&szlig;er sein k&ouml;nnen. Dort mussten sich die Kapitalisten von 4.000 Polizisten sch&uuml;tzen lassen und sich verschanzen. Hier fand ein offenes und solidarisches Forum mit zehntausenden aus der ganzen Welt statt. Menschen aller Hautfarben, beider Geschlechter (43 Prozent der TeilnehmerInnen waren Frauen) und verschiedener sexueller Orientierungen kamen zusammen und gaben dem WSF auch einen Volksfestcharakter. Auf dem Campus der katholischen Universit&auml;t konnte man keine zwei Schritte gehen ohne in eine Demonstration oder eine Musik- oder Theaterauff&uuml;hrung zu geraten. <br \/>  Das WSF wird getragen von verschiedenen Organisationen &#8211; Nichtregierungsorganisationen, ATTAC, der Zeitung Le Monde Diplomatique &#8211; und dem Stadtrat von Porto Alegre und der Regierung des Bundesstaates Rio Grande do Sul. Stadt und Bundesstaat werden von der Arbeiterpartei (PT) regiert. Dort gibt es den sogenannten &#x84;partizipativen Haushalt&#x93; (oder Beteiligungshaushalt). Die Haushaltsberatungen werden &ouml;ffentlich und unter Einbeziehung sozialer Bewegungen, Gewerkschaften etc. gef&uuml;hrt. Diese kommen auf speziellen Versammlungen zusammen und k&ouml;nnen selber &uuml;ber die Vergabe von 15 Prozent der Haushaltsmittel entscheiden. <\/p>\n<p>  Lateinamerika<\/p>\n<p>  Der gr&ouml;&szlig;te Teil der TeilnehmerInnen kam aus Brasilien und Lateinamerika. Es ist kein Zufall, dass das WSF auf diesem Kontinent stattfindet und sein Charakter ist nur vor dem Hintergrund der Ereignisse in Lateinamerika zu verstehen. Einerseits ist Lateinamerika durch Neoliberalismus und kapitalistische Globalisierung schwer getroffen. Als Stichworte seien hier nur die Schuldenkrise, massive Privatisierungsprogramme und die Wirtschaftskrise der letzten Jahre genannt. Lateinamerika ist aber auch zu einem Zentrum des Widerstandes geworden. So gab es vor zwei Jahren einen Volksaufstand in Ecuador, der f&uuml;r einige Tage die Regierung st&uuml;rzte und der neue Formen der Selbstorganisation der Massen (die Volksparlamente) hervorbrachte. Im bolivianischen Cochabamba ging die Bev&ouml;lkerung gegen die Privatisierung der Wasserversorgung erfolgreich auf die Barrikaden und im Dezember des letzten Jahres st&uuml;rzte der argentinische Volksaufstand einen Pr&auml;sidenten nach dem anderen. <br \/>  Aber auch die Situation in Brasilien selber ist hochinteressant und explosiv. In diesem Jahr stehen Pr&auml;sidentschaftswahlen an und der wahrscheinliche Kandidat der Arbeiterpartei (PT), Lula, liegt bei den Meinungsumfragen vorne. Dabei darf die PT nicht mit der europ&auml;ischen Sozialdemokratie gleich gesetzt werden. W&auml;hrend diese ehemalige Arbeiterparteien sind, die heute zu durch und durch b&uuml;rgerlich-kapitalistischen Parteien und zur Speerspitze des Neoliberalismus geworden sind, ist die PT immer noch eine reformistische Arbeiterpartei. Auch sie hat eine F&uuml;hrung, die ihren Frieden mit dem Kapitalismus geschlossen und eine sozialistische Perspektive aufgegeben hat und auch die PT hat in den 90er Jahren dem Anpassungsdruck nachgegeben. Aber sie formuliert nach wie vor Reformforderungen, ist in der Arbeiterklasse und unter GewerkschafterInnen tief verankert und in ihr wirken verschieden linke und sozialistische Str&ouml;mungen, die sich unter dem Namen &#x84;Sozialismus oder Barbarei&#x93; zusammen geschlossen haben. Ein nationales Treffen von &#x84;Sozialismus oder Barbarei&#x93; mit 400 VertreterInnen fand w&auml;hrend des WSF in Porto Alegre statt. Bei diesem Treffen konnten Joe Higgins f&uuml;r die irische Socialist Party und Andrei Ferrari f&uuml;r die brasilianische CWI-Sektion &#x84;Socialismo Revolucionario&#x93; sprechen. <br \/>  Lula sprach unter anderem auf einer Kundgebung beim Jugendcamp und trat dort &auml;u&szlig;erst wortradikal auf. W&uuml;rde Gysi eine solche Rede halten w&uuml;rde er wahrscheinlich verhaftet und aus der PDS ausgeschlossen. Lula bezeichnete das kapitalistische Wirtschaftssystem als pervers und sagte, es biete der Jugend keine Bildung und eine Zukunft der Drogenabh&auml;ngigkeit und der Kriminalit&auml;t. Er sagte, wenn er Pr&auml;sident sei, werde das Volk Brasilien regieren und sprach sich gegen die nord- und s&uuml;damerikanische Freihandelszone aus. Die herrschenden Klassen Brasiliens und der USA haben Panik, dass die PT die Wahlen gewinnen k&ouml;nnte. Nicht zuletzt, weil dann nach Argentinien und Venezuela ein drittes Land &#8211; und diesmal das gr&ouml;&szlig;te des Kontinents &#8211; versuchen k&ouml;nnte aus dem neoliberalen Mainstream auszubrechen. <br \/>  Die Wahlen werden auch vor dem Hintergrund einer Zunahme der sozialen K&auml;mpfe stattfinden, so hat der Gewerkschaftsdachverband CUT f&uuml;r M&auml;rz einen Generalstreik gegen Flexibilisierung, Deregulierung und den Abbau von Arbeitnehmerrechten ausgerufen. Gegen diese Mobilisierungen der Arbeiterbewegung und der Linken organisiert sich die Rechte. So wurden in den letzten Wochen mehrere PT-Politiker entf&uuml;hrt und zwei ermordet, gab es einen Mordanschlag auf Jos&eacute; Rainha, den F&uuml;hrer der Landlosenbewegung MST und &uuml;berfiel eine bewaffnete Bande die Zentrale der CUT und stahl die gesamte Computerausr&uuml;stung. Niemand zweifelt daran, dass an diesen Aktionen Teile des Staatsapparates und des Milit&auml;rs beteiligt sind und es sich um Einsch&uuml;chterungsversuche handelt <\/p>\n<p>  FTAA\/ALCA <\/p>\n<p>  Neben den Ereignissen in Argentinien war die Freihandelszone der Amerikas (engl. FTAA, spanisch ALCA) ein wichtiges Thema w&auml;hrend des WSF. Dieser Plan stie&szlig; auf einhellige Ablehnung, da die ALCA nur den Interessen des nordamerikanischen Kapitals dienen wird. ALCA soll letztlich eine Erweiterung der NAFTA (Freihandelszone seit 1994 zwischen Kanada, USA und Mexiko) sein. Ziel der USA ist es einen einheitlichen und liberalisierten Wirtschaftsblock unter ihrer Dominanz zu schaffen, durch den sie den Einfluss europ&auml;ischer Konzerne in Lateinamerika zur&uuml;ck dr&auml;ngen k&ouml;nnen. <br \/>  Die Auswirkungen, die ALCA auf die lateinamerikanischen L&auml;nder haben wird, kann man sich ausmalen, wenn man sich die Auswirkungen der NAFTA auf Mexiko betrachtet. Hier sind acht Millionen Menschen in Armut geraten und eine Million ist unter den Mindestlohn gefallen. In den Freihandelszonen wurden Arbeitsschutzstandards und Umweltschutzauflagen abgebaut, die Arbeitszeit betr&auml;gt zw&ouml;lf Stunden und mehr, Kinderarbeit nimmt zu. <br \/>  ALCA wird auch einen weiteren Privatisierungsschub bedeuten und das Vertragswerk sieht vor, dass einmal privatisierte Betriebe nicht mehr r&uuml;ckverstaatlicht werden d&uuml;rfen. ALCA greift auch ein Prinzip des gescheiterten MAI-Abkommens und der WTO-Runde auf: die Gleichstellung von privaten Unternehmen und Staaten. Damit soll den &auml;rmeren L&auml;ndern die M&ouml;glichkeit genommen werden, sich gegen Investitionen und Interventionen der nordamerikanischen Konzerne zur Wehr zu setzen. <\/p>\n<p>  Krieg und Militarismus<\/p>\n<p>  Auch der Krieg gegen Afghanistan und die Militarisierung im allgemeinen waren ein zentrales Thema und stie&szlig;en auf einhellige Ablehnung. Zu den bestbesuchten Veranstaltungen geh&ouml;rte die Veranstaltung &#x84;Eine Welt ohne Kriege ist m&ouml;glich&#x93;, auf der Noam Chomsky sprach. <br \/>  Vittorio Agnolotti, der Sprecher des Genua Sozial Forums, sagte zu dem Thema: &#x84;Wir sind ein und dieselbe Bewegung: unser Kampf ist gegen den Neoliberalismus und gegen den Krieg.&#x93; Und in der Erkl&auml;rung der sozialen Bewegungen, die sich im Laufe des WSF mehrmals getroffen haben, hei&szlig;t es: &#x84;Im Namen des &#x91;Krieges gegen den Terrorismus&#x91; werden in der ganzen Welt zivile und politische Rechte verletzt. Mit dem Krieg gegen Afghanistan, in dem ebenfalls terroristische Methoden angewandt wurden, und mit den zuk&uuml;nftigen bereits vorbereiteten Kriegen, befinden wir uns in einem permanenten globalen Krieg. Seine Ausweitung wurde durch die Regierung der USA und ihrer Alliierten entfesselt, um ihre Herrschaft zu festigen. Dieser Krieg enth&uuml;llt das brutalste und nicht akzeptable Gesicht des Neoliberalismus. (&#8230;) Die Opposition gegen diesen Krieg ist eines der konstitutiven Elemente unserer Bewegungen.&#x93; <\/p>\n<p>  Konflikte auf dem WSF<\/p>\n<p>  Es gab bei diesem WSF aber auch Widerspr&uuml;che, Auseinandersetzungen und Kontroversen und Entwicklungen, die eine Gefahr f&uuml;r die Bewegung darstellen. Vergleicht man die &#x84;offiziellen Reden&#x93;, die bei den Konferenzen w&auml;hrend des WSF gehalten wurden mit den Debatten, die auf den Fluren und den Diskussionen in Seminaren und auf dem Jugendcamp stattfanden, dann dr&auml;ngt sich der Eindruck auf, dass die Masse der TeilnehmerInnen deutlich weiter links stand und weiter gehende, antikapitalistische Positionen vertrat, als die RednerInnen bei den Konferenzen (zu denen ja auch nur die Delegierten Zugang hatten und bei denen es keine offenen Diskussionen gab, sondern nur schriftlichen Fragen an das Podium gerichtet werden konnten). <br \/>  Es gab auch eine Auseinandersetzung &uuml;ber die Teilnehmerpolitik des WSF. Einerseits haben zum Beispiel sechs franz&ouml;sische Minister, ein Vertreter von Chirac, ParlamentarierInnen, die f&uuml;r den Krieg gestimmt haben, KommunalpolitikerInnen, die Abschiebungen unterst&uuml;tzen teilgenommen. Aus diesem &#x84;Spektrum&#x93; wurde von Seiten des Organisationskomitees des WSF nur zwei Menschen geraten, auf die Teilnahme zu verzichten: dem belgischen Premierminister und einem Vertreter der Weltbank. Andererseits wurde Fidel Castro, Hugo Chav&eacute;z, baskischen Befreiungsorganisationen und der kolumbianischen Guerilla FARC die Teilnahme verweigert. Begr&uuml;ndung: Staatsm&auml;nner und bewaffnete Organisationen k&ouml;nnen nicht teilnehmen. Doch mit Mitgliedern der franz&ouml;sischen Regierung war offensichtlich eine bewaffnete Organisation anwesend, n&auml;mlich der franz&ouml;sische Staat. <br \/>  Diese Teilnehmerpolitik halten wir f&uuml;r falsch, da sie eine Abgrenzung nach links darstellt, w&auml;hrend betont wird, dass der Dialog mit den Institutionen des Kapitalismus gef&uuml;hrt werden soll. Sie dr&uuml;ckt aus, dass die f&uuml;hrenden Kr&auml;fte des WSF keine Politik betrieben, die &uuml;ber die Grenzen der kapitalistischen Gesellschaft hinausgeht, sondern einen rein reformistischen Ansatz vertreten. <\/p>\n<p>  Alternativen?<\/p>\n<p>  Wir haben das Bewusstsein der Masse der AktivstInnen der Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung oft so charakterisiert: sie wissen wogegen sie sind, aber sie wissen nicht wof&uuml;r sie sind (bzw. sie haben keine Vorstellung einer gesellschaftlichen Alternative). <br \/>  Dies hat sich auch bei dem WSF ausgedr&uuml;ckt. Nat&uuml;rlich hat es intensive Diskussionen &uuml;ber aufzustellende Forderungen und m&ouml;gliche Alternativen gegeben. Aber die offiziellen RednerInnen sind weit hinter den Diskussionsstand zur&uuml;ckgefallen, den die Linke vor 1989 zur Frage gesellschaftlicher Alternativen entwickelt hatte. In vielen F&auml;llen m&ouml;gen sie nicht wissen wof&uuml;r sie sind, sie wissen aber wof&uuml;r sie nicht sind &#8211; f&uuml;r eine grundlegend sozialistische Ver&auml;nderung der Gesellschaft. So bleiben die meisten der VertreterInnen der verschiedenen NGO&#x91;s, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen ganz im Rahmen der b&uuml;rgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Nur sehr wenige werfen die Systemfrage in allgemeiner Form auf und kaum einer von ihnen beantwortet sie. <br \/>  Auf die Frage, welche Antworten denn zu geben sind, bekommt man viele verschiedene Antworten. <br \/>  Naomi Klein, ganz Aktivistin, w&uuml;rde sagen, dass es nicht nur eine Alternative zur kapitalistischen Globalisierung gibt, sondern hunderte und dass von diesen keine verworfen werden sollte. Gleichzeitig dr&uuml;ckt sie einen k&auml;mpferischen und aktionistischeren Ansatz aus, wenn sie sagt &#x84;Wir brauchen keine Zivilgesellschaft, sondern zivilen Ungehorsam.&#x93; <br \/>  Jos&eacute; Bov&eacute;&#x82; sagt, dass die fanz&ouml;sischen Volksmassen 1789 auch nicht wussten, was am n&auml;chsten Tag passieren w&uuml;rde, als sie die Bastille st&uuml;rmten und spricht sich daf&uuml;r aus, die Frage der Alternativen zu kl&auml;ren, wenn &#x84;die Bastille gest&uuml;rmt ist&#x93;. <br \/>  Vandana Shiva betonte, dass die &#x84;andere Welt&#x93; auf weiblichen Werten aufgebaut sein sollte. <br \/>  Martin Khor spricht sich eindeutig f&uuml;r eine keynesianistische Wirtschaftspolitik aus. <br \/>  Roberto Savio sagt, die Zivilgesellschaft m&uuml;sse darauf bestehen, dass die gew&auml;hlten Regierungen die Aufgaben erf&uuml;llen, die von ihnen erwartet werden. <br \/>  ATTAC stellt weiterhin die Besteuerung von Devisentransaktionen in den Mittelpunkt ihrer Alternativen. <br \/>  Das Internationale Forum zur Globalisierung, dem auch Vandana Shiva und Walden Bello angeh&ouml;ren, betont unter anderem die Bedeutung einer Reform der Vereinten Nationen. <br \/>  Walden Bello spricht sich eindeutig f&uuml;r eine Entglobalisierung auf kapitalistischer Grundlage aus und fordert die St&auml;rkung nationaler &Ouml;konomien und regionaler Wirtschaftsbl&ouml;cke. Er fordert die Aufl&ouml;sung des IWF und betont, dieser solle durch keine neue internationale Institution ersetzt werden. Sehr allgemein spricht er sich dann f&uuml;r eine St&auml;rkung von NGO&#x91;s und multilateralen Abkommen aus und fordert ein &#x84;pluralistisches, dezentrales und demokratisches System&#x93;. <br \/>  Susan George schl&auml;gt in ihrer Zustandsbeschreibung der Welt einen sch&auml;rferen Ton an, als die meisten anderen RednerInnen. Sie bezeichnet den Krieg der USA gegen Afghanistan als &#x84;imperialistisch&#x93; und sagt, das System m&uuml;sse aufgebrochen und die Herrschenden dazu gezwungen werden, ihre Macht aufzugeben, da sie es nicht freiwillig machen werden. Sie spricht von drei Krisen, denen die Menschheit sich ausgesetzt sieht: erstens die Krise der Armut und Ungleichheit (zu der sie die Weltwirtschaftsrezession, Entlassungen und &Uuml;berkapazit&auml;ten z&auml;hlt), zweitens die &ouml;kologische Krise und drittens die Krise der Demokratie. <br \/>  Doch in ihren Schlussfolgerungen geht sie nicht &uuml;ber die Forderung nach Umverteilung der Ressourcen, eine Demokratisierung des internationalen Raums und nach der Kontrolle &uuml;ber die Konzerne und Finanzm&auml;rkte hinaus. <br \/>  Zusammenfassend kann man sagen, dass die meisten der RednerInnen sich in einigen Fragen einig waren: so der Einf&uuml;hrung einer Tobinsteuer, der Streichung der Auslandsschulden der armen L&auml;nder, der Ablehnung von Krieg und Militarismus, der Notwendigkeit der Kontrolle der Finanzm&auml;rkte und multinationalen Konzerne und ganz allgemein den Zielen von Demokratie, Frieden, sozialer Gerechtigkeit, einer nachhaltigen umweltgerechten Entwicklung. Eine klare Strategie zur Erreichung dieser Ziele wurde nicht vertreten. Die vertretenen Ideen bewegten sich meist deutlich im Rahmen der kapitalistischen Marktwirtschaft. Die Frage der Kontrolle &uuml;ber M&auml;rkte und Konzerne wurde zwar immer wieder aufgeworfen, aber letztlich wurde die Idee vertreten, man k&ouml;nne die Multis kontrollieren und in Schach halten, ohne ihr Eigentum anzutasten. <br \/>  Diese Vorstellungen basieren auf der Annahme, die Ursache der heutigen Probleme liege nicht in der kapitalistischen Produktionsweise im allgemeinen, sondern in der neoliberalen Wirtschaftspolitik. Dies wird auch in der Erkl&auml;rung der sozialen Bewegungen deutlich. Dort hei&szlig;t es unter anderem: &#x84;All das vollzieht sich im Kontext einer globalen Rezession. Das neoliberale &ouml;konomische Modell zerst&ouml;rt die Rechte, die Lebensbedingungen und den Lebensstandard der V&ouml;lker.&#x93; <br \/>  Das beinhaltet implizit die M&ouml;glichkeit eines Kapitalismus mit menschlichem Antlitz, einer sozialen Marktwirtschaft und den Gedanken eine &#x84;andere Politik&#x93; auf der Basis der bestehenden Produktionsverh&auml;ltnisse reiche aus, um eine &#x84;andere Welt&#x93; zu erreichen. <\/p>\n<p>  Krise des Kapitalismus<\/p>\n<p>  Doch Neoliberalismus und Globalisierung sind Folgen der Krise des Kapitalismus. Seit der Weltwirtschaftsrezession 1973-75 befindet sich der Kapitalismus in einer niedergehenden Phase, die durch einen Mangel an profitablen Kapitalanlagem&ouml;glichkeiten gekennzeichnet ist. Dies hatte die Aufbl&auml;hung der Finanzm&auml;rkte zur Folge, da durch Finanzspekulationen mehr Gewinne erzielt werden konnten, als durch Investitionen in der Realwirtschaft. Neoliberalismus bedeutet vor allem eine versch&auml;rfte Ausbeutung der Arbeiterklasse, um die Profitraten zu verbessern. Das dr&uuml;ckt sich nicht zuletzt darin aus, dass der Anteil der L&ouml;hne am gesamten Volkseinkommen in den meisten L&auml;ndern auf historischen Tiefpunkten steht. Auch die Privatisierungswelle, die ja ein zentrales Merkmal der neoliberalen Offensive ist, diente dem Kapital dazu durch Aufk&auml;ufe (in der Regel zu Billigstpreisen) profitable Anlagem&ouml;glichkeiten zu finden. <br \/>  Der Kernwiderspruch besteht also nicht in der neoliberalen Politik, sondern in einer Gesellschaft, die auf Profitmaximierung privater Konzerne und auf Konkurrenz und Marktwirtschaft aufgebaut ist. Um diese Krise zu l&ouml;sen, m&uuml;ssen die Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise &uuml;berwunden werden und reicht eine alternative kapitalistische Politik zum Neoliberalismus nicht aus. Um die formulierten Ziele von Demokratie, Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit zu erreichen, muss eine neue gesellschaftliche Grundlage geschaffen werden. Damit die Allgemeinheit die Kontrolle &uuml;ber die Wirtschaft aus&uuml;ben kann, muss sie ihr geh&ouml;ren. Deshalb ist eine sozialistische Alternative n&ouml;tig, die als Eckpfeiler die &Uuml;berf&uuml;hrung von Banken und Konzernen in &ouml;ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch Gremien der arbeitenden Bev&ouml;lkerung und die Erarbeitung eines demokratisch aufgestellten Wirtschaftsplanes statt der Marktkonkurrenz vorsieht. <br \/>  Die Tr&auml;gerin einer solchen sozialistischen Ver&auml;nderung der Gesellschaft kann nur die Arbeiterklasse, die Klasse der Lohnabh&auml;ngigen, sein. Sie ist aufgrund ihrer Stellung in der Produktion als einzige gesellschaftliche Gruppe in der Lage gemeinsame Interessen und ein gemeinsames Klassenbewusstsein zu entwickeln und eine demokratische Kontrolle und Verwaltung der Wirtschaft auszu&uuml;ben. <br \/>  Das WSF war auch davon gepr&auml;gt den Gedanken der Klassengesellschaft durch den der Zivilgesellschaft zu ersetzen (was wiederum ausdr&uuml;ckt, dass das WSF selber keine Arbeiterveranstaltung war, sondern einen &#x84;Mehrklassencharakter&#x93; hatte).  F&uuml;r viele der RednerInnen waren die Widerspr&uuml;che zwischen den Lohnabh&auml;ngigen und den Unternehmern nicht die entscheidenden. Der Arbeiterklasse wurde keine zentrale Rolle im Prozess gesellschaftlicher Ver&auml;nderungen zugesprochen. Ein Redner dr&uuml;ckte das in dem Satz aus: &#x84;Wir sind acht Stunden Arbeiter, acht Stunden Konsumenten, aber 24 Stunden B&uuml;rger.&#x93; <br \/>  Dem wurde durch die SpitzenvertreterInnen der anwesenden Gewerkschaften nichts entgegengesetzt. Sie schienen sich hinter der globalisierungskritischen Bewegung und der &#x84;Zivilgesellschaft&#x93; verstecken zu wollen. So betonte ein COSATU-Sprecher, dass die Arbeiterbewegung &#x84;gemeinsam mit der Zivilgesellschaft&#x93; vorgehen m&uuml;sse, um sich nicht zu isolieren. <\/p>\n<p>  Argentinien<\/p>\n<p>  Die Dringlichkeit einer sozialistischen Alternative wird besonders deutlich, wenn man sich die Entwicklungen in Argentinien betrachtet. Nach dem v&ouml;lligen Zusammenbruch der argentinischen Volkswirtschaft und dem Volksaufstand im Dezember versucht die Regierung Duhalde nun einen neuen Ton anzuschlagen und eine Abkehr vom Neoliberalismus zu wagen. So sagte Duhalde: &#x84;F&uuml;r viele Jahre hat man uns in Argentinien glauben gemacht, dass es in dieser neuen Weltordnung nur ein m&ouml;gliches &ouml;konomisches Modell gebe. Das ist eine v&ouml;llige Unwahrheit.&#x93; <br \/>  Dies best&auml;tigt eine These, die wir in der Vergangenheit aufgestellt haben: die Weltwirtschaftsrezession kann den Prozess der Globalisierung stoppen und teilweise umkehren. Das kann zu Konflikten zwischen verschiedenen regionalen Wirtschaftsbl&ouml;cken f&uuml;hren und den Weg bereiten f&uuml;r eine Zunahme protektionistischer Ma&szlig;nahmen (Einf&uuml;hrung neuer Zollschranken etc.) und von Staatsinterventionen. <br \/>  Doch diese andere kapitalistische Politik dient nicht den verarmten argentinischen Volksmassen, sondern dem argentinischen Kapital. Eine Verbesserung der Lage f&uuml;r die breite Masse der Bev&ouml;lkerung ist nicht in Sicht. Dementsprechend gering ist die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Duhalde, die nach Umfragen im Gro&szlig;raum Buenos Aires zur Zeit bei nur f&uuml;nf Prozent liegt. <br \/>  W&auml;hrend das Thema Argentinien zwar immer wieder Erw&auml;hnung bei den verschiedensten Veranstaltungen fand, wurden von Seiten der offiziellen WSF-RednerInnen kaum konkrete Alternativen f&uuml;r das Land vorgeschlagen. <br \/>  Zumindest in Ans&auml;tzen fand man diese auf einer Veranstaltung, an der die vier gr&ouml;&szlig;ten trotzkistischen Organisationen Argentinien &#8211; MST, PO, MAS, FOS &#8211; teilnahmen. Hier wurde diskutiert, dass eine L&ouml;sung f&uuml;r Argentinien nur nach einem Systembruch m&ouml;glich und deshalb eine Arbeiterregierung notwendig ist, die sich ausschlie&szlig;lich den Interessen der Arbeitenden und Arbeitslosen verpflichtet f&uuml;hlt. Die Ans&auml;tze von demokratischer Selbstorganisation der Massen &#8211; in Form der Nachbarschaftskomitees und der Piqueteros &#8211; m&uuml;ssen daf&uuml;r weiter entwickelt werden und die Enteignung von Banken und Konzernen durchgef&uuml;hrt werden. <br \/>  W&auml;hrend diese Gruppen korrekt auf die Notwendigkeit von Arbeitermacht und Sozialismus hingewiesen haben, haben sie doch auch eine &uuml;bertrieben optimistische Einsch&auml;tzung der Lage in Argentinien vertreten, die zwangsl&auml;ufig zu einer falschen Politik f&uuml;hren muss. So betonten sie, es handele sich um eine revolution&auml;re Situation, in der sich die Machtfrage f&uuml;r die Arbeiterklasse stelle. Als Voraussetzung daf&uuml;r bezeichneten sie die Vereinigung ihrer, gerade mal etwa 5.000 Mitglieder z&auml;hlenden, verschiedenen Organisationen. Wie die SAV erkl&auml;rt hat, beinhaltet die Lage in Argentinien Elemente einer revolution&auml;ren Lage &#8211; die massenhafte Aktivit&auml;t von ArbeiterInnen und Arbeitslosen, die G&auml;rung unter den Mittelschichten, die Unf&auml;higkeit der herrschenden Klasse eine einheitliche Politik zu formulieren -, die aber nicht ausreichen, um eine vollst&auml;ndig entwickelte revolution&auml;re Situation zu schaffen, in der sich die Frage der Machtergreifung f&uuml;r die Arbeiterklasse unmittelbar stellt. Dazu fehlt zum einen ein unter breiteren Teilen der Arbeiterklasse vorhandenes grundlegendes sozialistisches Bewusstsein. Auch hier gilt, dass die Massen wissen wogegen sie sind (n&auml;mlich gegen das gesamte kapitalistische Establishment, was in der Parole &#x84;alle m&uuml;ssen weg!&#x93; zum Ausdruck kam), aber nicht genau wissen, wof&uuml;r sie k&auml;mpfen sollen. Zweitens fehlt eine revolution&auml;r-sozialistische Massenpartei mit tiefer Verankerung in der Arbeiterklasse. Diese fehlt heute nicht nur, sondern es gibt auch unter breiten Teilen der Jugend und der Arbeiterklasse eine explizite Ablehnung von Parteien und der Idee, sich in Parteien zu organisieren. Das sind verkomplizierende Faktoren, die den revolution&auml;ren Prozess in Argentinien verz&ouml;gern. Deshalb kann man heute nur von einer vor-vor-revolution&auml;ren Lage sprechen. <br \/>  Argentinien zeigt aber eines ganz deutlich: ohne revolution&auml;res Programm und eine revolution&auml;re F&uuml;hrung k&ouml;nnen die Massen einen Pr&auml;sidenten nach dem anderen st&uuml;rzen, der Kapitalismus bleibt aber bestehen und findet einen Ausweg, seine Macht zu erhalten. <\/p>\n<p>  Jugendkonferenz<\/p>\n<p>  Oftmals hatte man den Eindruck, es finden zwei Weltsozialforen statt &#8211; das eine, &#x84;offizielle&#x93; auf den Konferenzen, das andere w&auml;hrend der Debatten auf den Fluren, in den kleineren Seminaren und auf dem Interkontinentalen Jugendcamp. Hier wurde intensiv dar&uuml;ber diskutiert, wie &#x84;eine andere Welt&#x93; aussehen k&ouml;nnte und die Idee des Sozialismus war stark vertreten. <br \/>  Die zweit&auml;gige Jugendkonferenz hatte einen deutlich antikapitalistischen und grundlegend sozialistischen Charakter. Viele der RednerInnen aus allen Teilen der Welt betonten die Notwendigkeit einer sozialistischen Ver&auml;nderung der Gesellschaft. Eindrucksvoll forderte der argentinische Redner die &uuml;ber zweitausend Jugendlichen im Saal dazu auf, sich zu erheben und las dann die Namen der &uuml;ber drei&szlig;ig beim Dezemberaufstand von Polizei und Milit&auml;r erschossenen AktivistInnen vor, um diesen Tribut zu zollen. Anschlie&szlig;end betonte er, dass nicht nur ein sozialistisches Argentinien, sondern eine sozialistische Welt n&ouml;tig sind, um solche Krisen und Katastrophen in Zukunft zu verhindern. <br \/>  Zu Kontroversen f&uuml;hrte auf der Jugendkonferenz die Anwesenheit von RednerInnen des &#x84;offiziellen&#x93; Kuba, der Kommunistischen Jugend und des Studierendenverbandes. W&auml;hrend Teile der Anwesenden mit &#x84;Cuba si, Castro no&#x93;-Rufen ihre Ablehnung des politischen Regimes auf Kuba deutlich machten, reagierte ein anderer (gr&ouml;&szlig;erer) Teil der Anwesenden darauf mit w&uuml;tenden Pro-Castro-Rufen. Eine Diskussion zu dieser Frage war in dieser aufgehitzten Atmosph&auml;re nicht m&ouml;glich. Als dann noch ein Redner der brasilianischen KP auftreten sollte, kam es zu noch gr&ouml;&szlig;eren Unmuts&auml;u&szlig;erungen. Hintergrund daf&uuml;r sind die historischen Konflikte zwischen der PT (Arbeiterpartei) und den (stalinistischen) Kommunistischen Parteien, die in der Vergangenheit nicht selten b&uuml;rgerliche Kr&auml;fte gegen die PT unterst&uuml;tzt haben. Leider f&uuml;hrten diese Auseinandersetzungen dazu, dass viele Jugendliche die Konferenz verlie&szlig;en. Das wurde dadurch verst&auml;rkt, dass parallel die Massendemonstration gegen ALCA begann, an der viele teilnehmen wollten. So endete die Jugendkonferenz mit einigen hundert TeilnehmerInnen in einem ziemlichen Durcheinander. Trotz dieses Wermutstropfens, der auf die sektiererische Politik einiger Organisationen und allgemeiner Unerfahrenheit zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist, dr&uuml;ckten das Jugendcamp und die Jugendkonferenz aus, dass die neue Generation von AktivistInnen sich aktiv in die Bewegung einbringen und auf der Suche nach grundlegenden Antworten  und einer sozialistischen Alternative sehr aufgeschlossen sind. <\/p>\n<p>  Fazit<\/p>\n<p>  Das WSF war zweifelsfrei ein Erfolg f&uuml;r die Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung. Alleine die Teilnehmerzahl von &uuml;ber 50.000 ist ein Schlag ins Gesicht all jener b&uuml;rgerlicher Kommentatoren, die in den letzten Monaten das Ende der Bewegung herbeigeschrieben haben. <br \/>  Doch das WSF hat auch klar gemacht, dass die Bewegung vor einer gro&szlig;en Herausforderung steht. Ein politischer Kl&auml;rungsprozess ist notwendig. Die Fragen, wof&uuml;r gek&auml;mpft werden soll, was die Alternativen sind, m&uuml;ssen debattiert und beantwortet werden. Der Gedanke, die Vielfalt der Ideen sei die St&auml;rke der Bewegung ist gef&auml;hrlich, denn sie kann zu Unverbindlichkeit und L&auml;hmung f&uuml;hren. Angesichts der Weltwirtschaftskrise und Entwicklungen, wie der in Argentinien, sind deutliche Antworten gefragt. Entwickelt sich die Bewegung nicht weiter, wird sie ein Ende finden. Stillstand hei&szlig;t R&uuml;ckgang. Erich Fried schrieb einmal: &#x84;Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.&#x93; In Anlehnung daran kann man sagen: &#x84;Wer will, dass die Bewegung so bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.&#x93; <br \/>  Die politischen Kr&auml;fte, die das WSF ausgerichtet haben, verharren eindeutig im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft und entwickeln einen neuen Reformismus, der hinter den &#x84;sozialistischen&#x93; Reformismus der alten Arbeiterbewegung zur&uuml;ckf&auml;llt. Die jungen AktivistInnen suchen nach radikaleren Alternativen. W&auml;hrend die Einheit in der Aktion gewahrt werden muss, muss in den Strukturen der Bewegung, auf den Sozialforen, bei ATTAC usw. eine politische Diskussion intensiviert werden, die nicht davor Halt macht das Privateigentum, die Marktwirtschaft, das kapitalistische System zu hinterfragen. <br \/>  Die zweite wichtige Herausforderung f&uuml;r die Bewegung ist es, den Br&uuml;ckenschlag zu den allt&auml;glichen sozialen K&auml;mpfen in den Betrieben und Nachbarschaften zu erreichen. Das gilt auch f&uuml;r die Bundesrepublik. Die Rezession f&uuml;hrt zu Massenentlassungen, Betriebsschlie&szlig;ungen, weiteren Privatisierungen und Sozialk&uuml;rzungen. Dagegen regt sich erster Widerstand. Wenn sich die Bewegung darin ersch&ouml;pft, zu den internationalen Demonstrationen anl&auml;sslich der IWF-, WTO- oder EU-Gipfel zu mobilisieren, dann wird sie von den realen sozialen K&auml;mpfen &uuml;berholt werden. Aktive Unterst&uuml;tzung von Lohnk&auml;mpfen, K&auml;mpfen zur Verteidigung von Arbeitspl&auml;tzen und gegen Sozialabbau und Privatisierungen m&uuml;ssen zu einem Schwerpunkt von Organisationen wie ATTAC werden. <br \/>  Die zentrale Aufgabe, die sich angesichts der wachsenden Bedrohung durch Krisen und Kriege im Kapitalismus, stellt, ist der Aufbau einer starken sozialistischen Kraft innerhalb der globalisierungskritischen Bewegung und der Arbeiterklasse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom 2. Weltsozialforum in Porto Alegre 2002<br \/>\n von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher und Teilnehmer beim WSF <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[134],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10051"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10051"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10051\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10051"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10051"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10051"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}