{"id":10047,"date":"2002-08-29T16:01:43","date_gmt":"2002-08-29T14:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10047"},"modified":"2012-05-29T12:52:49","modified_gmt":"2012-05-29T10:52:49","slug":"10047","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10047\/","title":{"rendered":"Kleines 1 mal 1 der Tarifrunde"},"content":{"rendered":"<p>Begrifferkl&auml;rungen zu Tarifrunden<br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\na) Tarifrunde<\/p>\n<p>  Zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband wird verhandelt, wie viel Lohn die ArbeiterInnen bekommen. Am Ende kommt ein bestimmtes Ergebnis raus, darunter kommen dann die Unterschriften, fertig ist der Tarifvertrag. Dieser gilt (eigentlich) f&uuml;r die Mitglieder der Gewerkschaft und die Firmen die dem Arbeitgeberverband angeh&ouml;ren. Wie lange dieser Vertrag gilt, wird im Vertrag selber geregelt.<\/p>\n<p>  b) Friedenspflicht<\/p>\n<p>  In Westdeutschland gibt es seit den 70 er Jahren ein Abkommen, was f&uuml;r eine bestimmte Zeit der G&uuml;ltigkeit des Tarifvertrages, Streiks verbietet, die besagte Friedenspflicht (im Osten nicht). Dieses Jahr endete diese am 28. M&auml;rz. Streiken KollegInnen vorher, kriegen sie &Auml;rger mit dem Unternehmer und der Gewerkschaft.<\/p>\n<p>  c) Warnstreik<\/p>\n<p>  Als diese bezeichnet man Arbeitsniederlegungen, welche nicht von der Gewerkschaft bezahlt werden, also die KollegInnen m&uuml;ssen selber den Lohnverlust f&uuml;r die Zeit tragen.<\/p>\n<p>  d) Verhandlungspoker<\/p>\n<p>  Derzeit laufen die Verhandlungen in den verschiedenen Tarifbezirken (z.B. Bayern, NRW, Norden etc). Sogenannter Pilotbezirk ist Baden-W&uuml;rttemberg, damit ist gemeint, dass in diesem Bezirk ein Ergebnis angestrebt wird, was dann auf die anderen Bezirke &uuml;bertragen wird.<\/p>\n<p>  e) Gro&szlig;e Tarifkommission<\/p>\n<p>  Dieses Gremium der Gewerkschaft gibt es in jedem Bezirk. Dort werden die Verhandlungszwischenst&auml;nde diskutiert. Hier kann auch das Scheitern von Verhandlungen erkl&auml;rt und dann beim Vorstand der Gewerkschaft beantragt werden, dass die Urabstimmung eingeleitet wird. Dieser w&auml;hlt dann meistens nur einen Bezirk aus, wo dies gemacht wird.<\/p>\n<p>  f) Urabstimmung<\/p>\n<p>  Alle Gewerkschaftsmitglieder bekommen die Frage gestellt, ob sie f&uuml;r oder gegen Streik sind. Dann m&uuml;ssen noch 75% der Mitglieder (was nat&uuml;rlich total undemokratisch ist) f&uuml;r Streik sein und es kann los gehen. In diesem Fall bekommen die ArbeiterInnen Streikgeld von der Gewerkschaft.<\/p>\n<p>  g) Streikkasse<\/p>\n<p>  F&uuml;r die Zeit eines Arbeitskampfes gibt es f&uuml;r die ArbeiterInnen nat&uuml;rlich keinen Anspruch auf Lohn. Dennoch m&uuml;ssen die Besch&auml;ftigten und ihre Familien irgendwie &uuml;ber die Runden kommen. Das Streikgeld der Gewerkschaft ist f&uuml;r diesen Fall vorgesehen und ist in der Satzung festgelegt. Dieses Geld ist aber nicht so &uuml;ppig, dass es den Lohnverlust ausgleichen kann. Deshalb ist es, gerade bei l&auml;ngeren Streiks, immer sehr wichtig zus&auml;tzliche Kohle zu sammeln um den Kampf weiterf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Denn mit sehr knappen Finanzen und der ganzen nervlichen Anspannung die ein Streik mit sich bringt (Druck durch die Betriebsleitung, Vorgesetzte und Propaganda der Arbeitgeberverb&auml;nde, Medien, Parteien) steigen h&auml;ufig Konflikte zwischen den streikenden KollegInnen und in deren Familien. Eine der klassischen Soliarbeiten von uns ist deshalb auch das Sammeln von Spenden f&uuml;r die Streikenden.<\/p>\n<p>  h) Streikbrecher<\/p>\n<p>  Bei den Urabstimmungen hat es eine riesige Mehrheit f&uuml;r den Streik gegeben. Die Wahlbeteiligung war gemessen an dem Interesse an b&uuml;rgerlichen Wahlen nahezu traumhaft. Dennoch gab es eine Minderheit der KollegInnen die gegen den Streik war und ist. Dies ist einerseits Resultat der Politik der Gewerkschaftsf&uuml;hrung. Andererseits gibt es nun mal unterschiedliches Bewusstsein in der ArbeiterInnenklasse, eben auch r&uuml;ckst&auml;ndiges und dies wird es bis zur Revolution geben. Diese Lohnabh&auml;ngigen sind von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Kampfes gegen die Unternehmer nicht &uuml;berzeugt oder lehnen ihn sogar ab. Sie sind von der b&uuml;rgerlichen Vorstellung gepr&auml;gt, dass es keinen fundamentalen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit gibt und das man sich halt am Verhandlungstisch einigen sollte. Die meisten KollegInnen die gegen den Streik sind, beteiligen sich entweder dennoch direkt am Streik oder unterwandern diesen nicht. Es wird jedoch auch bei diesem Streik ArbeierInnen geben, die schlicht und einfach den Streik verraten und arbeiten gehen. Unternehmer versuchen dabei auch gezielt ausl&auml;ndische Kolleginnen mit unsicherem Aufenthaltsstatus f&uuml;r sich zu gewinnen. Wir sollten daf&uuml;r eintreten, dass man die Diskussion suchen sollte mit diesen KollegInnen und ihnen erkl&auml;ren muss, dass sie alle ArbeiterInnen und letztlich sich selber schaden, wenn sie den Streik sabotieren. Wenn das alles nichts n&uuml;tzt, muss mit Streikposten die vor den Werkstoren sich postieren, daf&uuml;r gesorgt werden,dass keiner in den Betrieb kommt und so den Erfolg des Streiks in Gefahr bringen kann.<\/p>\n<p>  i) Aussperrung<\/p>\n<p>  Diese findet statt, wenn streikenden ArbeiterInnen von der Firmenleitung verwehrt wird, wieder auf das Gel&auml;nde zu kommen.<\/p>\n<p>  j) Hei&szlig;e Aussperrung<\/p>\n<p>  Ist dann der Fall wenn Streikende direkt davon betroffen sind, z.b. die KollegInnen kommen den fr&uuml;hen Morgen zum Werkstor und dieses ist zu und durch Sicherheitsdienst werden sie nicht mehr rein gelassen. Ziel von Unternehmer ist Einsch&uuml;chterung und Einsatz von Streikbrechern, also KollegInnen den den Streik durch ihre Arbeit sabotieren.<\/p>\n<p>  k) Kalte Aussperrung<\/p>\n<p>  Ein Betrieb kann durch den Streik und den damit verbundenen Ausfall von Zulieferprodukten in Schwierigleiten kommen und die Produktion kann nicht fortgesetzt werden. In den 80 ern hat die IGM mit dieser Taktik mit relativ wenig Aufwand viele Betriebe lahmgelegt und konnte so gro&szlig;en Druck entfalten (gleichwohl lehnen wir das ab, weil es viele KollegInnen nur zuschauen l&auml;st und die B&uuml;rokratie die Kontrolle behalten m&ouml;chte). Die Kapitalisten haben daraufhin, diese als Folge des Streiks in einem anderen Betrieb f&uuml;r eine vor&uuml;bergehende Zeit arbeitslos gewordenen KollegInnen, ausgesperrt. Dies nennt man hei&szlig;e Aussperrung.<\/p>\n<p>  l) &sect; 116 Arbeitsf&ouml;rderungsgesetz (AFG) und Streiktaktik<\/p>\n<p>  Der oben beschriebene Fall hat sich 1984\/85 ereignet, als die Metallarbeiter und Drucker f&uuml;r die 35 Stundenwoche k&auml;mpften, mit der beschriebenen Taktik. Die KollegInnen der Betriebe, die durch einen anderen Streik keine Arbeit im Betrieb hatten, bekamen bis dahin Kurzarbeitergeld vom Arbeitsamt. Zun&auml;chst per Erlas des damaligen Pr&auml;sidenten der Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit (&#x84;Franke Erlas&#x93;) und sp&auml;ter per Gesetz wurde dies ge&auml;ndert (s.o.). Dies hatte zur Folge, dass diese hei&szlig; ausgesperrten KollegInnen ohne Lohn, Kurzarbeitergeld und ohne Streikgeld dastanden. Dies bedeutete eine massive Einschr&auml;nkung des Streikrechts und war ein direkter Angriff auf die ArbeiterInnenbewegung. Diese Einschr&auml;nkung stellt bis heute ein wichtiges Argument f&uuml;r die B&uuml;rokratie dar, um f&uuml;r begrenzte Streiks einzutreten, weil sonst hei&szlig;e Aussperrung drohen w&uuml;rde. Beim anstehenden Metallerstreik pr&auml;sentiert die IGM &#x96;Spitze ein &#x84;neues Streikkonzept&#x93;. Die Betriebe sollen nur noch f&uuml;r einen Tag bestreikt werden, dann kommt wieder ein anderer dran. So solle den Unternehmern kein Vorwand f&uuml;r Aussperrung geliefert und viele Besch&auml;ftigte einbezogen werden. Mit der sehr kurzfristigen Entscheidung welcher Betrieb bestreikt wird, sollten die Unternehmer verunsichert und die Produktionsabl&auml;ufe in der Metallindustrie getroffen werden. Wir sollten betonen, dass auch diese Taktik die ArbeiterInnen gr&ouml;&szlig;tenteils aufs Zuschauen beschr&auml;nkt und der Druck auf die Unternehmer relativ gering ist. Wir sollten f&uuml;r den Vollstreik argumentieren, weil er von Anfang an (m&ouml;glichst) alle Betrieb umfasst und so enormer Druck ausge&uuml;bt werden kann. Dies w&uuml;rde auch das Selbstbewusstein der ArbeiterInnen enorm steigern, die Gewerkschaften wieder in die Offensive bringen (Mitgliederwachstum, M&ouml;glichkeit betriebliche Verankerung zu steigern usw.) und somit das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis ver&auml;ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Begrifferkl&auml;rungen zu Tarifrunden<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10047"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10047"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10047\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}