{"id":10035,"date":"2002-08-28T17:15:48","date_gmt":"2002-08-28T17:15:48","guid":{"rendered":".\/?p=10035"},"modified":"2002-08-28T17:15:48","modified_gmt":"2002-08-28T17:15:48","slug":"10035","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10035\/","title":{"rendered":"Taliban: Islam und &Ouml;l"},"content":{"rendered":"<p>Per-&Aring;ke Westerlund <br \/>  aus Socialism Today Nr. 59, Sep&shy;tember 2001<br \/> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n <br \/>  Das Einsperren von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, die der christlichen Missionierung be&shy;schuldigt werden, hat die Bezie&shy;hungen zwischen den Talibanherr&shy;schern Afghanistans und Regie&shy;rungen auf der ganzen Welt bis zum Zerrei&szlig;en gespannt. Dies ist die j&uuml;ngste Episode in dem inter&shy;nationalen Machtkampf rings um diese strategisch entscheidende Weltregion. Per-&Aring;ke Westerlund betrachtet ein k&uuml;rzlich erschiene&shy;nes Buch von Ahmed Raschid, das Details f&uuml;r den Hintergrund des Aufstiegs der Taliban zur Macht und der Lage in Afghanistan heute gibt.<\/p>\n<p>  Im November 1994 nahm die Tail&shy;banbewegung nach ein paar Wochen K&auml;mpfen Kandahar ein, Afghanistans zweitgr&ouml;&szlig;te Stadt. Innerhalb von drei Monaten hatten die Taliban die Kon&shy;trolle &uuml;ber zehn der 31 Provinzen des Landes &uuml;bernommen. Im September 1996 eroberten sie die Hauptstadt Kabul. &Uuml;berall f&uuml;hrten sie das unter&shy;dr&uuml;ckerischste Scharia-Recht der Welt ein. Der Reporter Ahmed Ra&shy;schid hat &uuml;ber Afghanistan f&uuml;r die Far Eastern Economic Review und ande&shy;re Zeitungen mehr als 20 Jahre lang berichtet. Sein Buch &#x84;Taliban: Islam, &Ouml;l und das neue Gro&szlig;e Spiel in Zen&shy;tralasien&#x93; gibt einen frischen und fak&shy;tenreichen Bericht von einem Land im Zusammenbruch und einer potenziell explosiven Region.<br \/>  Trotz der wirtschaftlichen R&uuml;ckst&auml;n&shy;digkeit spielen Entwicklungen in Af&shy;ghanistan international eine wichtige Rolle. Hier bereiteten von Pakistan fi&shy;nanzierte Camps milit&auml;rische Aktio&shy;nen in Kaschmir vor. Bis letztes Jahr war das Land der gr&ouml;&szlig;te Heroinpro&shy;duzent der Welt und k&ouml;nnte es wieder werden. Fortgesetzter Krieg und Tali&shy;banherrschaft k&ouml;nnten die Region noch weiter destabilisieren. Und Ra&shy;schid weist darauf hin: &#x84;Der zentrale Punkt in diesem regionalen Macht&shy;spiel ist der Kampf um die gewaltigen &Ouml;l- und Gasvorkommen Zentralasi&shy;ens&#x93;.<br \/>  Er vergleicht dies mit dem &#x84;gro&szlig;en Spiel&#x93; zwischen Russland und Eng&shy;land im 19. Jahrhundert, als das briti&shy;sche Kolonialreich drei vergebliche Versuche unternahm, Afghanistan zu erobern und zu besetzen. Heute sind am &#x84;gro&szlig;en Spiel&#x93; Pakistan und Iran, Russland und die USA und auch die &#x84;m&auml;chtigsten Akteure&#x93;, wie sie Ra&shy;schid nennt, beteiligt: die &Ouml;lkonzerne.<br \/>  Nach dem Zweiten Weltkrieg geh&ouml;rte Afghanistan zur sogenannten &#x84;Vierten Welt&#x93; &#x97; wirtschaftlich &auml;rmer als selbst Dritt-Welt-L&auml;nder. Die Wirt&shy;schaft wurde von gro&szlig;en Landg&uuml;tern und nomadischen Viehhirten be&shy;herrscht. Afghanistan wurde immer noch mehr durch die Seidenstra&szlig;e, Dschingis Khan und Jahrtausende alte religi&ouml;se und Kulturdenkm&auml;ler gepr&auml;gt als durch die kapitalistische Entwicklung des 20. Jahrhunderts. Wegen seiner strategischen Lage er&shy;hielt das heruntergekommene K&ouml;nig&shy;reich jedoch begrenzte Wirtschaftshil&shy;fe durch die damalige UdSSR und die USA. In den siebziger Jahren schaute eine wachsende Schicht von nieder&shy;rangigen Offizieren auf den Stalinis&shy;mus als Modell, als Alternative zum kapitalistischen Westen. Eine andere Gruppe bewegte sich Richtung Islam.<br \/>  Im Dezember 1979 fiel die Sowjetuni&shy;on in Afghanistan ein, angeblich um das Land vor dem Hintergrund eines verst&auml;rkten Machtkampfs und Milit&auml;r&shy;putschen zu &#x84;stabilisieren&#x93;. Raschid beschreibt die folgenden 21 Jahre als &#x84;l&auml;ngsten B&uuml;rgerkrieg in unserer Zeit&#x93;, in dem 1,5 Millionen Menschen get&ouml;&shy;tet wurden.<br \/>  Der Abzug der UdSSR 1988 nach dem Abkommen von Genf, wurde durch Opposition gegen einen endlo&shy;sen und ungewinnbaren Krieg und durch die Krise in der UdSSR selbst verursacht. Der Krieg in Afghanistan half, den Zusammenbruch des Stali&shy;nismus ein paar Jahre sp&auml;ter zu be&shy;schleunigen. Der B&uuml;rgerkrieg ging weiter, zuerst gegen den sowjet&shy;freundlichen Pr&auml;sidenten Nadschib&shy;ullah und dann zwischen den Kriegs&shy;herren, die w&auml;hrend des Konflikts an&shy;n&auml;hernd 10 Milliarden Dollar von den USA und Saudi-Arabien erhalten hatten.<br \/>  Die Gr&uuml;nde f&uuml;r das schnelle Wachs&shy;tum der Taliban waren der Zusam&shy;menbruch der Wirtschaft und traditio&shy;nellen Lebensweise. Dies wurde durch die unterdr&uuml;ckerische Politik des westlichen Imperialismus ver&shy;schlimmert und wurde durch das ka&shy;tastrophale Fiasko des Stalinismus und die korrupte Herrschaft miteinan&shy;der rangelnder Kriegsherren weiter versch&auml;rft.<br \/>  1992 wurde Nadschibullah durch tad&shy;schikische Kr&auml;fte unter der F&uuml;hrung von Ahmed Schah Massud und turk&shy;menische Kr&auml;fte unter der F&uuml;hrung von Raschid Dostum gest&uuml;rzt. Bur&shy;hannudin Rabbani wurde der neue Pr&auml;sident. Aber die Pathanen und die extremislamistische Opposition mit Gulbuddin Hekmatjar an ihrer Spitze akzeptierte das Regime nicht und be&shy;gann eine brutale Bombardierung Ka&shy;buls. Dies war das Vorspiel zu ethni&shy;schen Konflikten, die bis dahin in Af&shy;ghanistan selten waren. Die ethni&shy;schen Pathanen sind im S&uuml;den eine Mehrheit und bilden 40% der gesam&shy;ten nationalen Bev&ouml;lkerung von 20 Millionen Menschen. T&uuml;rkische und persische ethnische Gruppen herr&shy;schen im Norden vor. Das Land wird durch das Hindukusch-Gebirge ge&shy;teilt, das von persischsprachigen Hasaris und Tadschiken bewohnt ist.<br \/>  Pakistans Einfluss<br \/>  Die meisten Taliban waren Studenten von den Madrisas (islamischen Reli&shy;gionsschulen) in Pakistan. Sie hatten am Krieg gegen die sowjetischen Truppen nicht teilgenommen. Mit pa&shy;kistanischer Hilfe &uuml;bernahmen sie Ende 1994 die Kontrolle &uuml;ber gro&szlig;e Waffenvorr&auml;te. Das ganze Land war mehr oder weniger zusammengebro&shy;chen. Talibanf&uuml;hrer Mullah Moham&shy;med Omar wurde fast als Robin-Hood-artige Figur gesehen, als die Taliban Kandahar eroberten und die Kriegsherren entwaffneten und Schie&shy;ber verhafteten. Nahrungsmittel wur&shy;den billiger, als die Stra&szlig;en ge&ouml;ff&shy;net wurden und die Stadt wurde ver&shy;h&auml;ltnism&auml;&szlig;ig ruhiger. <br \/>  Die Taliban f&uuml;hrten hartes Scharia-Recht ein. Nach 20 Jahren sich st&auml;n&shy;dig verschlechternder Bedingungen wurde Frauen Arbeit au&szlig;er Haus ver&shy;boten. Musik, Fernsehen, Video, Kartenspiel, Singen und Tanzen (sogar auf Hochzeiten), Papierdra&shy;chen und Drachensteigenlassen wur&shy;den allesamt verboten. Homosexuali&shy;t&auml;t wurde verboten. F&uuml;nfundvierzig Schulen wurden geschlossen und nur drei blieben offen. Selbst vor den Ta&shy;liban konnten 90% der M&auml;dchen und 60% der Jungen nicht lesen. Laut Ra&shy;schid sind die meisten Menschen mit irgendwelcher Bildung aus dem Land geflohen.<br \/>  Unter den jungen Talibansoldaten gab es &uuml;berhaupt keine Kritik an dieser Politik. Sie waren in den abgeschlos&shy;senen und ausschlie&szlig;lich m&auml;nnlichen Madrisas aufgezogen worden und sa&shy;hen sich selbst als &#x84;Soldaten Gottes&#x93;. Wichtiger war, dass es keine Alterna&shy;tiven gab. Die Taliban versprachen Frieden und verurteilten die Kriegs&shy;herren und bekamen Unterst&uuml;tzung durch die kriegsm&uuml;de Bev&ouml;lkerung. &#x84;Die Taliban hatten das Gl&uuml;ck, dass sie zu der Zeit auftraten, als die kommunistischen [das hei&szlig;t: stalini&shy;stischen] Machtstrukturen zerfallen waren, die Widerstandsf&uuml;hrer dis&shy;kreditiert und die traditionellen Stam&shy;mesf&uuml;hrer beseitigt waren&#x93;, fasst Ra&shy;schid zusammen.<br \/>  Die pakistanische Regierung unter Benasir Bhuttos Pakistanischer Volks&shy;partei (PPP) und die Inter Ser&shy;vice Intelligence Agency (ISI [pakista&shy;n&shy;ischer Geheimdienst]) schu&shy;fen die Taliban praktisch, indem sie Geld und Waffen lieferten. Kandahar wurde an Pakistans Telefonnetz an&shy;geschlos&shy;sen. Die USA unterst&uuml;tzten offiziell keine Seite, unterst&uuml;tzen die Zu&shy;sch&uuml;s&shy;se Pakistans und Saudi-Ara&shy;biens aber indirekt. Raschid kom&shy;mentiert: &#x84;Die Clinton-Regierung neig&shy;te den Taliban zu, weil sie in Wa&shy;shing&shy;tons anti-iranische Politik pass&shy;ten und f&uuml;r die M&ouml;glichkeiten zum Aufbau von nicht durch den Iran f&uuml;h&shy;renden &Ouml;lpipelines aus Zentralasien wichtig waren&#x93;.<br \/>  Die Rabbani-Regierung bekam Hilfe aus Iran, Russland und Indien. Die Taliban jedoch bekamen  wachsende Unterst&uuml;tzung in Kabul, wo sich die Bev&ouml;lkerung gegen die Pl&uuml;nderung und Schikanen durch Massuds Solda&shy;ten wandte. Die Talibann vergr&ouml;&szlig;er&shy;ten auch ihren Ruf, als sie die Le&shy;bensmittelblockade beendeten. Der fr&uuml;here Favorit des Westens, Hekmatjar, trat im Juni 1996 in die Regierung ein, um die Taliban-Of&shy;fensive zu beenden. Aber im Sep&shy;tember 1996 fuhren die vertrauten Taliban-Jeeps in Kabul ein. Die Be&shy;v&ouml;lkerung verstand nicht, was die Folgen sein w&uuml;rden. Innerhalb von 24 Stunden wurden M&auml;dchenschulen mit 75.000 Sch&uuml;lerinnen geschlossen.<br \/>  In Kabul wurden die Taliban wie sp&auml;&shy;ter in Herat und Masar eine Besat&shy;zungsarmee. Scharia-Recht, r&uuml;ck&shy;sichtslose Morde und pathanischer Nationalismus brachten die Einwoh&shy;nerInnen schnell gegen sie auf. In Masar vertrieb ein Aufstand die Tali&shy;ban. 600 Taliban wurden get&ouml;tet und 1000 gefangen genommen. Beide Seiten verwendeten schrecklich grau&shy;same Methoden, zum Beispiel Ge&shy;fangene in Containern in der W&uuml;ste sterben zu lassen. Kinder wurden mehr als alle anderen in den Krieg hineingezogen &#x97; zwei Drittel haben gesehen, wie jemand durch eine Ra&shy;kete oder ein Geschoss get&ouml;tet wird. Alle Kriegsherren werben Kindersol&shy;daten an.<br \/>  Im Herbst 1997 gab es 750.000 Fl&uuml;chtlinge im Norden. Etwa eine Mil&shy;lion der drei bis vier Millionen Hasaris hungerte. Gleichzeitig erhielten die Taliban 600.000 Tonnen Weizen aus Pakistan. Nahrung wurde zu einer Waffe.<br \/>  Drogen, Waffen und die CIA<br \/>  Nachdem die Taliban die Kontrolle in Kandahar &uuml;bernahmen, wurde der bekannte Obstanbau der Region durch Opium ersetzt. 80% alles Hero&shy;ins in Europa und 50% der Weltpro&shy;duktion stammten aus Afghanistan. Diese Produktion wurde unter dem Schutz der Central Intelligence Agency (CIA) der USA entwickelt. Die Produktion von Opium steigerte sich um 35% 1997. Die gro&szlig;en Gewinner waren die Verteiler und Dealer in Eu&shy;ropa und Nordamerika, die mehr als 90% der Profite kriegen.<br \/>  Unter dem Druck des Westens haben die Taliban dieses Jahr die Opium&shy;produktion drastisch verringert. Das Zur&uuml;ckdr&auml;ngen hatte eine verheeren&shy;de Wirkung und verschlimmerte die weitverbreiteten harten Lebensbedin&shy;gungen. In einem Land, in dem das durchschnittliche Monatsgehalt bei etwa 5 Dollar ist, konnten Kleinbauern durch Mohnanbau 500 Dollar im Jahr verdienen. Aber die Vereinten Natio&shy;nen belohnten Afghanistan statt der erwarteten Hilfe, um mit der schlimmsten Trockenheit seit 30 Jah&shy;ren fertig zu werden, mit h&auml;rteren Sanktionen. Die Taliban zerst&ouml;rten dann zwei bedeutsame Buddhastatu&shy;en, die im dritten Jahrhundert erbaut waren, wobei es im Kontrast zum Schweigen &uuml;ber das Elend von Millio&shy;nen afghanischer Menschen einen internationalen Aufschrei &uuml;ber diesen Kulturvandalismus gab.<br \/>  Die Taliban verst&uuml;mmelten &ouml;ffentlich Frauen. Fenster wurden schwarz an&shy;gemalt, damit niemand die Frauen in ihren Wohnungen sehen k&ouml;nne. Im Juli 1998 wurden die UN und alle Hilfsorganisationen aus Kabul vertrie&shy;ben, obwohl mehr als die H&auml;lfte der 1,2 Millionen EinwohnerInnen von ih&shy;nen abh&auml;ngig war. Zu dieser Zeit kontrollierten die Taliban 90% des Landes, ihre Herrschaft war von Pa&shy;kistan, Saudi-Arabien und den Verei&shy;nigten Arabischen Emiraten aner&shy;kannt.<br \/>  Das Scharia-Recht der Taliban hat nichts mit der afghanischen Kultur zu tun. Die meisten Moslems in Afgha&shy;nistan geh&ouml;rten zur Hanafi-Schule &#x97; der tolerantesten Str&ouml;mung im sunni&shy;tischen Islam. Die extremen Islami&shy;sten waren ein neues Ph&auml;nomen, die aus dem Krieg gegen die USA ent&shy;standen und von der CIA und der pa&shy;kistanischen ISI finanziert und be&shy;waffnet wurden. Von 1971 bis Ende der achtziger Jahre hatte die Zahl der Madrisas in Pakistan 900 auf 13.000 zugenommen. Mit dem Zusammen&shy;bruch der &ouml;ffentlichen Bildung waren diese Schulen oft die einzige M&ouml;g&shy;lichkeit, Bildung zu erlangen. Die Ma&shy;drisas geh&ouml;rten zur Deobandi-Schule des Islam, mit Verbindungen zur poli&shy;tischen Partei Dschamiat-e-Ulema-Islam (JUI &#x97; Gesellschaft der islami&shy;schen Gelehrten). Die JUI sa&szlig; ab 1993 in der von der PPP beherrsch&shy;ten Regierungskoalition. Von den De&shy;obandis &uuml;bernahmen die Taliban ihre Ablehnung des Stammeswesens. Der Rest ihres Programms, einschlie&szlig;lich der Ansicht, dass alle anderen Str&ouml;&shy;mungen den Islam verraten h&auml;tten, sind ein Produkt von Omar und den Taliban selber.<br \/>  Die Grundlage f&uuml;r die Geburt und Entwicklung dieser Ideen ist die ex&shy;treme Krise und Verzweiflung in Af&shy;ghanistan und die Schw&auml;che der so&shy;zialistischen und Arbeiterklasse-Tra&shy;ditionen und -alternativen. Raschid beschreibt Pakistan als ein Land mit einer &#x84;Identit&auml;tskrise, wirtschaftlicher Kernschmelze, ethnischen und reli&shy;gi&ouml;sen Zusammenst&ouml;&szlig;en und einer gierigen herrschenden Elite&#x93;. Die Unterdr&uuml;ckung durch die Taliban be&shy;ruht auf Ethnie und Geschlecht ebenso wie Klasse, Religion und Poli&shy;tik.<br \/>  Schon 1986 rekrutierte die CIA mos&shy;lemische &#x84;Radikale&#x93; auf der ganzen Welt, um sie nach Pakistan zu schi&shy;cken &#x97; insgesamt 80.000, von denen ein Drittel an den K&auml;mpfen in Afgha&shy;nistan teilnahm. Zu ihnen geh&ouml;rte Osama bin Laden, ein Freund von Mitgliedern der saudi-arabischen K&ouml;&shy;nigsfamilie. Nach den Bombenangrif&shy;fen auf US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 bezeichnete die CIA bin Laden als den F&uuml;hrer einer globa&shy;len islamischen &#x84;Terrorver&shy;schw&ouml;&shy;rung&#x93;. Zweifellos hat er Lager in Af&shy;gha&shy;nistan und hat die Taliban dahin beeinflusst, feindlicher zu den USA und dem Westen zu werden. Laut Raschid war bin Laden jedoch nie in der Lage, die f&uuml;hrende Rolle zu spielen, die die CIA im zu&shy;schrieb.<br \/>  Trotz des fortgesetzten Zustroms von neuen Kriegern aus den Madrisas wurden die Taliban von Massuds Truppen mit russischer und iranischer Unterst&uuml;tzung zur&uuml;ckgetrieben. Nach dem Massaker an iranischen Beam&shy;ten 1998 drohte der Iran mit offenem Krieg. Dies wurde zur&uuml;ckgenommen und Iran setzte seinen Stellvertreter&shy;krieg &uuml;ber Massud fort. Die Taliban&shy;armee hat nie 25.000-30.000 Mann &uuml;berstiegen, von denen die meisten keine milit&auml;rische Ausbildung haben. Massud kommandiert eine Kraft von 12.000 bis 15.00 viel erfahreneren M&auml;nnern.<br \/>  Die Taliban-Besatzung ist auf Wider&shy;stand gesto&szlig;en. Es gab Streiks und Studentenproteste in Dschalalabad und auch Ger&uuml;chte &uuml;ber einen Putsch. Die Proteste drehten sich um Nahrungsknappheit, Inflation und den Verlust von Auslandshilfe. Die Kin&shy;dersterblichkeit von 163 auf Tausend ist die vierth&ouml;chste der Welt. 260 Kin&shy;der von Tausend sterben, bevor sie das Alter von f&uuml;nf erreichen und 17 von Tausend M&uuml;ttern sterben bei der Geburt. Die Lebenserwartung betr&auml;gt 43-44 f&uuml;r M&auml;nner und Frauen. Nur 29% der Bev&ouml;lkerung haben Zugang zu Gesundheitsversorgung. Nach mili&shy;t&auml;rischen Niederlagen gab es Pro&shy;teste gegen die Herrschaft der Ta&shy;liban. Die Unzufriedenheit nimmt zu, aber die &#x84;Religionspolizei&#x93; in Kabul organisiert immer noch Tausende junger Fanatiker.<br \/>  Der gro&szlig;e &Ouml;lrausch<br \/>  Die anf&auml;ngliche Unterst&uuml;tzung von Bill Clintons Regierung f&uuml;r die Taliban beruhte auf der Kampagne gegen den Iran, aber noch mehr auf dem &Ouml;l und Gas der Region. 1996-98 unterst&uuml;tzte die US-Regierung die Pl&auml;ne der &Ouml;l&shy;gesellschaft Unocal f&uuml;r eine Pipeline von Turkmenistan nach Pakistan durch Afghanistan.<br \/>  Die Entdeckung gro&szlig;er &Ouml;l- und Gas&shy;vorkommen in Zentralasien er&ouml;ffnete einen Wettlauf zwischen den &Ouml;lge&shy;sellschaften. F&uuml;r Turkmenistan be&shy;deutete der Zerfall der UdSSR wirt&shy;schaftlichen Zusammenbruch, da es nicht mehr f&uuml;r &Ouml;l und Gas bezahlt wurde, das es an andere Republiken der fr&uuml;heren Sowjetunion verkaufte. Pr&auml;sident Saparmurad Nijasow unter&shy;zeichnete Abkommen mit der T&uuml;rkei, dem Iran und der argentinischen &Ouml;l&shy;gesellschaft Bridas f&uuml;r zwei Pipelines. Mobil Oil setzte sich auch in Turk&shy;menistan fest. Die USA und andere westliche Regierungen hatten keine Einw&auml;nde gegen die halbdiktatori&shy;schen Regimes von Nijasow oder Is&shy;lam Karimow in Usbekistan. In der Tat verachtfachten die USA ihren Handel mit Usbekistan zwischen 1995 und 1998. Die Nato machte Abkom&shy;men und f&uuml;hrte Man&ouml;ver mit den Ar&shy;meen dieser Staaten durch.<br \/>  Der russische Staat war &uuml;ber die Ausbreitung der Taliban besorgt. Die Wirtschaftskrise in den neuen zen&shy;tralasiatischen Staaten war neben Korruption und Unterdr&uuml;ckung die Rekrutierungsquelle f&uuml;r die islamisti&shy;schen Gruppen. Aber noch wichtiger f&uuml;r Moskau war das &Ouml;l. Die Regierung unter Boris Jelzin machte es klar, dass sie nicht akzeptieren w&uuml;rde, dass &Ouml;l in nichtrussischen Pipelines transportiert w&uuml;rde.<br \/>  Unter Druck aus Russland endete der B&uuml;rgerkrieg in Tadschikistan mit ei&shy;nem Abkommen 1998. Die Regierung in Tadschikistan und die Opposition f&uuml;rchteten beide die Taliban. Jelzin stationierte dann 25.000 Soldaten im Land und errichtete Lager f&uuml;r Massud. Ein Viertel der Bev&ouml;lkerung Afghani&shy;stans sind TadschikInnen, die einzige ethnische Gruppe in Zentralasien, die persischer &#x97; im Unterschied zu t&uuml;rki&shy;scher &#x97; Abkunft ist. Der russische Einfluss auf die Regierungen in Kasachstan und Kirgistan ist auch stark.<br \/>  Da t&uuml;rkische Dialekte im Gro&szlig;teil Zentralasiens einschlie&szlig;lich Xinjiangs [Sinkiangs] in China gesprochen wer&shy;den, haben die T&uuml;rkei und das t&uuml;rki&shy;sche Kapital viel in der Region inve&shy;stiert. Die USA und die T&uuml;rkei dr&auml;n&shy;gen auf eine Pipeline von Baku in Aserbaidschan nach Ceyhan an der t&uuml;rkischen Mittelmeerk&uuml;ste. Im Mittel&shy;punkt dieses Machtkampfes steht Af&shy;ghanistan. Russische, iranische und t&uuml;rkische Interessen haben gute Gr&uuml;nde, Massuds Nordallianz zu un&shy;terst&uuml;tzen. Ihr Ziel ist, die Taliban und ihre Pl&auml;ne f&uuml;r eine Pipeline durch Af&shy;ghanistan zu stoppen. Die USA stan&shy;den hinter Unocal. Wie Raschid sagt: &#x84;Die USA sagten kein einziges kriti&shy;sches Wort, als die Taliban Herat be&shy;setzten und Tausende M&auml;dchen aus den Schulen vertrieben. Tatsache ist, dass die USA gemeinsam mit der pakistanischen ISI den Fall Herats als Schritt vorw&auml;rts f&uuml;r Unocal und als R&uuml;ckschlag f&uuml;r den Iran betrachte&shy;ten.&#x93; Im September 1996 glaubte die CIA, dass die Taliban in ganz Afgha&shy;nistan siegreich sein k&ouml;nnten und dass Beziehungen &auml;hnlich denen zwi&shy;schen den USA und Saudi-Arabien m&ouml;glich seien. Unocal bot den Tali&shy;ban Bildung und materielle Ressour&shy;cen. Erst sp&auml;ter kam die Clinton-Re&shy;gierung unter Druck, wegen der Be&shy;handlung der Frauen durch die Tali&shy;ban. Das fiel mit fallenden &Ouml;lpreisen zusammen und das Pipeline-Projekt wurde auf Eis gelegt.<br \/>  &Ouml;l war ein anderer Grund, warum die herrschende Elite in Pakistan die Ta&shy;liban unterst&uuml;tzte. Pakistan braucht verzweifelt billige Energie. Seine ei&shy;genen Gasfelder ersch&ouml;pfen sich und Importe nehmen zu. Der Hauptgrund f&uuml;r seine Unterst&uuml;tzung der Taliban ist jedoch der Kampf in Kaschmir. Das Regime in Pakistan hat immer Kaschmir als nationalistischen Kleb&shy;stoff verwendet und braucht die Ba&shy;sen in Afghanistan. Aber die Kosten sind riesig. Im Juni 1998 zahlte die Regierung in Pakistan trotz der schweren Wirtschaftskrise 6 Millionen an Geh&auml;ltern f&uuml;r die Talibanverwal&shy;tung in Kabul.<br \/>  Aber die Br&uuml;che zwischen der paki&shy;stanischen herrschenden Klasse und den Taliban haben zugenommen. Letztere haben pathanischen Natio&shy;nalismus angeheizt und bewaffnete Gruppe gef&ouml;rdert, die eine islamische Konterrevolution in Pakistan unter&shy;st&uuml;tzen.<br \/>  Raschid zeigt, dass es aus wirtschaft&shy;lichen, milit&auml;rischen und ethnischen Gr&uuml;nden den Taliban unm&ouml;glich ist, ein stabiles Regime zu errichten. Massud auf der anderen Seite hat weder die notwendige St&auml;rke noch Unterst&uuml;tzung, um die Macht zu &uuml;bernehmen. Das K&auml;mpfen h&auml;ngt zwar v&ouml;llig von pakistanischer Hilfe f&uuml;r die Taliban und iranisch-russischer Hilfe f&uuml;r Massud ab, aber keiner von ihnen will eine st&auml;ndige Teilung des Landes mit einer Fl&uuml;chtlingskrise f&uuml;r die ganze Region. Iran hat schon zwei Millionen Fl&uuml;chtlinge aus Afghanistan. Es gibt eine wachsende Zahl von Gruppen innerhalb der Talibanbewe&shy;gung selbst, was zu einem B&uuml;rger&shy;krieg innerhalb der Taliban oder ei&shy;nem Putsch gegen Omar und seine Kandahar-Clique f&uuml;hren k&ouml;nnte.<br \/>  Ahmed Raschid hat ein reichhaltiges Buch geschrieben, angef&uuml;llt mit Fak&shy;ten und einer Analyse der j&uuml;ngsten Geschichte. Er ist ein sehr kritischer Beobachter. Aber ohne sozialistische Ideen sind seine Alternativen vage. Raschid scheint zu glauben, dass die USA Afghanistan vor dieser Trag&ouml;die h&auml;tten retten k&ouml;nnen. Er bef&uuml;rwortet einen Waffenstillstand. Er schl&auml;gt eine schwache Zentralregierung, von der UNO vermittelte Abkommen mit Garantien f&uuml;r alle Gruppen ein&shy;schlie&szlig;lich von Auslandshilfe und ei&shy;nem Paket zum Wiederaufbau des Landes vor.<br \/>  Aber die USA und UNO sind in gro&shy;&szlig;em Umfang verantwortlich f&uuml;r die schwere Krise. Ebenso die herr&shy;schenden Klassen in den anderen beteiligte L&auml;ndern. Um den Albtraum in Afghanistan und Zentralasien zu beenden, sind sozialistische und in&shy;ternationalistische L&ouml;sungen notwen&shy;dig. Der Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Kapitalismus ist die Aufgabe der ArbeiterInnen und Unter&shy;dr&uuml;ckten in Afghanistan, der Region und global. Nur die Arbeiterklasse kann die Rechte aller ethnischen Gruppen garantieren. Gegenw&auml;rtige und k&uuml;nftige K&auml;mpfe gegen reaktio&shy;n&auml;re politische und religi&ouml;se Regime werden die Schulen der revolution&auml;&shy;ren sozialistischen Kr&auml;fte sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Per-&Aring;ke Westerlund <br \/>\n aus Socialism Today Nr. 59, Sep&shy;tember 2001<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10035"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10035"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10035\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10035"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10035"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}