{"id":10033,"date":"2002-08-28T16:56:52","date_gmt":"2002-08-28T16:56:52","guid":{"rendered":".\/?p=10033"},"modified":"2002-08-28T16:56:52","modified_gmt":"2002-08-28T16:56:52","slug":"10033","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10033\/","title":{"rendered":"Zu den Aufgaben der antifaschistischen Bewegung"},"content":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SAV vom Oktober 2000<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nSollen antifaschistische B&uuml;ndnisse mit den Regierungsparteien und dem b&uuml;rgerlichen Establishment zusammenarbeiten? Welche Haltung sollen sie zum staatlichen Rassismus einnehmen? Sollen sie die sozialen Probleme thematisieren? Diese und andere Fragen werden in der antifaschistischen Bewegung zur Zeit diskutiert und sind von gro&szlig;er Bedeutung. Die SAV schl&auml;gt folgende Antworten vor:<\/p>\n<p>  Das &Uuml;bel an der Wurzel packen<\/p>\n<p>  Es gibt drei Hauptfaktoren f&uuml;r das Erstarken der faschistischen Bewegung, die in einem Zusammenhang miteinander stehen. Diese sind: die soziale Krise, der staatliche Rassismus und der Rechtsruck bzw. die Unt&auml;tigkeit der F&uuml;hrung der organisierten Arbeiterbewegung.<br \/>  Die soziale Krise, also akute soziale Probleme und Zukunfts&auml;ngste, haben zu einer Entfremdung von den b&uuml;rgerlichen Institutionen gef&uuml;hrt und eine Offenheit f&uuml;r radikale L&ouml;sungsangebote unter Teilen des Mittelstandes, der Arbeiterklasse und bei Arbeitslosen und Jugendlichen entstehen lassen. Soziale Probleme f&uuml;hren nicht automatisch zu Rassismus oder Unterst&uuml;tzung f&uuml;r faschistische Organisationen. Sie werden aber von den Faschisten ausgenutzt, indem sie mit ihrer sozialen Demagogie (zum Beispiel NPD-Parole &#x84;Arbeit statt Profite&#x93;) erstens den Eindruck vermitteln, sie w&uuml;rden die Interessen der &#x84;kleinen Leute&#x93; vertreten und zweitens mit ihrem Rassismus einen S&uuml;ndenbock f&uuml;r die sozialen Probleme liefern. Dies wird aber nur m&ouml;glich, weil die etablierten gesellschaftlichen Kr&auml;fte (von CDU\/CSU &uuml;ber SPD bis hin zu einzelnen Gewerkschaftsf&uuml;hrerInnen und den Medien) ihrerseits in unterschiedlicher Art und Weise Einwanderung und ImmigrantInnen zur Ursache f&uuml;r soziale Probleme abgestempelt haben und sich rassistische Vorurteile deshalb in Teilen der Bev&ouml;lkerung ausbreiten konnten. Die Faschisten k&ouml;nnen sich so als die Kraft darstellen, die bereit ist, das Problem &#x84;Ausl&auml;nderInnen&#x93; radikal anzugehen. <br \/>  Durch den Rechtsruck in der F&uuml;hrung der Arbeiterbewegung und die Schw&auml;che der Linken gibt es keine starke und k&auml;mpferische Alternative, die einen Weg aufzeigt gegen Unternehmer und Regierung zu k&auml;mpfen. <\/p>\n<p>  Soziales Programm n&ouml;tig<\/p>\n<p>  Diesen Zusammenhang zwischen sozialer Krise und Erstarken der Faschisten zu verneinen w&auml;re falsch und w&uuml;rde auch keiner historischen Betrachtung des Ph&auml;nomens Faschismus standhalten. Gerade die Entstehung der faschistischen Regime in Europa in den 20er und 30er Jahren basierte auf der sozialen Krise und einer daraus folgenden enormen Polarisierung in der Gesellschaft.<br \/>  Um den Faschisten den Boden zu entziehen, m&uuml;ssen AntifaschistInnen deshalb Antworten auf die sozialen Probleme geben und Argumente gegen rassistische Vorurteile liefern. Die grundlegendsten Wahrheiten m&uuml;ssen immer und immer wieder erkl&auml;rt werden: nicht die ImmigrantInnen sind verantwortlich f&uuml;r Arbeitslosigkeit und andere soziale &Uuml;bel, sondern die Unternehmer und ihre Regierung in Berlin; Deutsche und Nichtdeutsche sind gleicherma&szlig;en von diesen Problemen betroffen und d&uuml;rfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen; die S&uuml;ndenbockpropaganda nutzt nur dem Kapital und den Regierenden, die von ihrer eigenen Verantwortung ablenken k&ouml;nnen; nur ein gemeinsamer Kampf aller betroffenen ArbeiterInnen, Jugendlichen und Arbeitslosen gleich welcher Nationalit&auml;t und Hautfarbe kann etwas erreichen!<br \/>  Wenn AntifaschistInnen auch solche deutschen Jugendlichen und ArbeiterInnen erreichen wollen, die auf die Propaganda der Faschisten hereinfallen k&ouml;nnen, sollten sie sich selber den Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Sozialabbau auf die Fahnen schreiben. Solche Forderungen k&ouml;nnen eine notwendige Br&uuml;cke zum Bewusstsein der breiten Masse, die noch keine konsequenten antifaschistischen und antirassistischen Schlussfolgerungen gezogen hat, sein.<br \/>  Forderungen nach gleichen Rechten f&uuml;r alle in Deutschland lebenden Menschen und gegen Sondergesetze f&uuml;r Nichtdeutsche, gegen Abschiebungen usw. kann man so nicht nur von einem humanistischen Standpunkt erkl&auml;ren, sondern vom Standpunkt der gemeinsamen Klasseninteressen und des gemeinsamen Kampfes f&uuml;r eine lebenswerte Zukunft.<\/p>\n<p>  F&uuml;r eine Bewegung von unten<\/p>\n<p>  Aus den ausgef&uuml;hrten &Uuml;berlegungen beantwortet sich auch die Frage, wer die Faschisten erfolgreich bek&auml;mpfen kann und wer das nicht kann. <br \/>  Um eine antifaschistische Politik zu betreiben, die auf die wahren Verursacher von sozialen Problemen und Rassismus hinweist, muss man die Dinge beim Namen nennen. Versucht man CDU\/CSU, FDP, B90\/Die Gr&uuml;nen, SPD, Unternehmer, Kirchen und Medien in solche B&uuml;ndnisse einzubeziehen, wird man zwangsl&auml;ufig auf klare politische Aussagen verzichten m&uuml;ssen. Ohne politische Antworten zu den dr&auml;ngenden sozialen Fragen wird aber eine antifaschistische Bewegung nicht dauerhaft aufzubauen sein. Der rein moralische &#x84;Lichterketten&#x93;-Ansatz konnte zwar 1992\/93 Hunderttausende zu einmaligen Aktionen mobilisieren, aber die Faschisten waren wenig beeindruckt. Das Scheitern dieses Ansatzes ist vielen bewusst und deshalb sind &auml;hnliche Aktionen bisher weniger erfolgreich. Dazu kommt, dass viele kritische Menschen, vor allem ImmigrantInnen, gar nicht mit den HeuchlerInnen der etablierten b&uuml;rgerlichen Parteien zusammen demonstrieren wollen. <br \/>  Eine Abgrenzung vom b&uuml;rgerlichen Establishment bedeutet nicht, dass SPD- und Gr&uuml;nen-W&auml;hlerInnen und -Mitglieder bzw. untere Gliederungen dieser Parteien bei solchen Demonstrationen nicht willkommen w&auml;ren. Von einem eindeutigen antirassistischen Programm und einer Abgrenzung von Sozialabbau und der Regierungspolitik f&uuml;r die Reichen sollten antifaschistische B&uuml;ndnisse aber keinen Abstand nehmen, um SPD- oder Gr&uuml;nen-Gliederungen zu erreichen.<br \/>  Mit dem b&uuml;rgerlichem Establishment gegen die Faschisten zu k&auml;mpfen w&auml;re genauso dumm, wie einen Pyromanen zum Feuerl&ouml;schen einzuladen.<br \/>  Stattdessen sollte sich die antifaschistische Bewegung darauf orientieren Gewerkschaften, Immigrantenverb&auml;nde, Sch&uuml;ler- und Studierendenvertretungen, PDS und andere linke Parteien und Organisationen zusammen zu bringen und auf der Grundlage eines gemeinsamen Aktionsprogramms den Faschisten die Stra&szlig;e streitig zu machen. <br \/>  Eine besondere Verantwortung haben hier die Gewerkschaften, die acht Millionen deutsche und nichtdeutsche ArbeiterInnen organisieren und die Kraft haben, den Faschisten das Handwerk zu legen. Wenn Gewerkschaftsf&uuml;hrerInnen diese Kraft nicht einsetzen wollen, muss von innen und au&szlig;en Druck ausge&uuml;bt werden und untere Gliederungen m&uuml;ssen selbst&auml;ndig in Aktion treten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SAV vom Oktober 2000<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10033"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10033"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10033\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10033"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10033"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10033"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}