{"id":10024,"date":"2002-08-28T11:03:26","date_gmt":"2002-08-28T09:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10024"},"modified":"2012-07-18T15:12:30","modified_gmt":"2012-07-18T13:12:30","slug":"10024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10024\/","title":{"rendered":"Kapitalismus bedeutet Korruption"},"content":{"rendered":"<p>  Thesen der Sozialistischen Alternative zum Korruptionsskandal im Jahr   2000<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>&quot; Mit entsprechendem Profit wird Kapital k&#252;hn. Zehn Prozent sicher,   und man kann es &#252;berall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50   Prozent, positiv waghalsig; f&#252;r 100 Prozent stampft es alle menschlichen   Gesetze unter seinen Fu&#223;; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen,   das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und   Streit Profit bringen wird es beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und   Sklavenhandel.&quot;<\/i><\/p>\n<p>  <b>T.J. Cunning zitiert von Karl Marx in Band I von &quot;Das Kapital&quot;<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>&quot;Die Wege des Kapitals sind nicht im mindesten wunderbar. Mit der   gleichen naturgesetzlichen Notwendigkeit, die das Wasser den Berg   hinuntertreibt, str&#246;mt das Kapital an den Ort des h&#246;chsten Profits. Ihm   moralische Skrupel welcher Art immer ansinnen, hie&#223;e, dem Wasser   zumuten, bergan zu laufen oder dem Felde zuzufliegen. Aber die Wege des   Kapitals sind dennoch wunderbar. Nicht in ihrer Gesetzm&#228;&#223;igkeit, sondern   in ihrer unersch&#246;pflichen Mannigfaltigkeit&#8230;Verborgene Maulwurfsg&#228;nge,   geheime, geheimste Kan&#228;le, ein weitverzweigtes unterirdisches   R&#246;hrennetz, leiten in politische Parteien, die zu einem guten Teil   geradezu die Ausgehaltenen gewisser kapitalistischer   Interessentengruppen sind, leiten in allerhand scheinbar unabh&#228;ngige,   oft sich h&#246;chst idealistisch geb&#228;rdenden Vereinsorganisationen, leiten   vor allem auch in die Presse. Oft auf Schleichwegen, die selbst den   Stipendiaten unbekannt sind.&quot;<\/i><\/p>\n<p>  <b>Karl Liebknecht in seiner Rede zum Krupp-Skandal im Reichstag am   21.4.1913<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p>  1. Nachdem die &#196;ra Kohl im September 1998 von der deutschen   Arbeiterklasse durch die Bundestagswahlen beendet wurde, f&#252;hrt der   CDU-Spendenskandal nun zum Sturz des Denkmals Kohl &#8211; und mit ihm   erleidet nicht nur die CDU, sondern das ganze System der   b&#252;rgerlich-parlamentarischen Demokratie zurecht eine bedeutende und   nachhaltige Einbu&#223;e an Vertrauen.<\/p>\n<p>  F&#252;r die CDU weitet sich der Skandal zu einer Existenzkrise aus. Die   Zukunft der Partei ist vor dem Hintergrund t&#228;glich neu an die   &#214;ffentlichkeit kommender krimineller Aktivit&#228;ten (die immer noch nur die   Spitze des Eisbergs repr&#228;sentieren) alles andere als sicher.<\/p>\n<\/p>\n<p>  2. Die dadurch bedingte St&#228;rkung von SPD, B&#252;ndnis 90\/Die Gr&#252;nen und FDP   vollzieht sich nur auf der Wahlebene und wird einen kurzfristigen   Charakter tragen. So wie die Krise der Schr&#246;der\/Fischer-Regierung im   Jahr 1999 die tieferliegende Krise der traditionellen b&#252;rgerlichen   Parteien &#252;berschattet hat, so &#252;berschattet nun der CDU-Spendenskandal   die tieferliegende Krise der Sozialdemokratie und der gr&#252;nen Partei.   Letztlich werden aber die elementaren Krisenprozesse in allen Parteien   zum Tragen kommen und eine grundlegende Ver&#228;nderung der politischen   Landschaft der &quot;Berliner Republik&quot; auf die Tagesordnung setzen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  3. Der Skandal hat weitgehende Auswirkungen auf das Massenbewu&#223;tsein.   Die Entfremdung von den b&#252;rgerlichen Institutionen und dem politischen   System, die in den 90er Jahren breite Kreise der Arbeiterklasse und der   Jugend erfasst hat, vertieft sich und trifft neue Teile der Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<\/p>\n<p>  4. Doch Korruption ist nicht die Folge falsch funktionierender   Institutionen oder eines falschen politischen Systems. Korruption geh&#246;rt   zum Kapitalismus, wie die Lohnarbeit und das Profitstreben.<\/p>\n<p>  Politik ist konzentrierte &#214;konomie &#8211; wie Lenin einmal etwas zugespitzt   formulierte.<\/p>\n<p>  Hintergrund des aktuellen Korruptionsskandals ist der Charakter der   kapitalistischen Gesellschaft. In der kapitalistischen Wirtschaft gibt   es keine Demokratie. Die Besitzer gro&#223;er Aktienanteile und Kapitaleigner   haben das alleinige Sagen. Die Einflussnahme durch gewerkschaftliche   Mitbestimmung oder das parlamentarische System ist gering und nicht   ma&#223;geblich f&#252;r getroffene Entscheidungen. Die Klasse der Kapitalisten   ist aber auch politisch herrschende Klasse durch ihre entscheidende   Einflussnahme auf den und Kontrolle des Staatsapparates und der   b&#252;rgerlichen Parteien, um politische Entscheidungen und Gesetzgebungen   zu erwirken, die ihr Privateigentum an Produktionsmitteln und ihre Macht   verteidigen. Bestechung und Korruption, ob nun legal durch offizielle   Parteispenden und &#252;berh&#246;hte Abgeordnetendi&#228;ten und   Aufsichtsratstantiemen oder illegal wie beim CDU-Skandal, sind ein   wichtiger Faktor f&#252;r die Schaffung einer &#220;bereinstimmung von Interessen   der Kapitalisten, der Staatsspitzen und der F&#252;hrungen der b&#252;rgerlichen   Parteien.<\/p>\n<p>  Die Spitzen des Staatsapparates (Verwaltung, Justiz, Armee, sonstige   bewaffnete Einheiten) sind &#252;ber vielf&#228;ltige F&#228;den miteinander und mit   der Kapitalistenklasse verbunden: durch gemeinsame Herkunft und   Ausbildung, sorgf&#228;ltige Auswahl der wichtigen Funktionstr&#228;ger, soziale   Gemeinsamkeiten. Bei den Parteien ist die Sache etwas komplizierter,   insbesondere bei gr&#246;&#223;eren Massenparteien. Hier setzt die   &quot;Landschaftspflege&quot; in Form von Spenden ein, oder auch politische und   finanzielle Einflussnahme zur gezielten F&#246;rderung bestimmter Karrieren.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig ist Korruption ein Mittel im Konkurrenzkampf der   unterschiedlichen Konzerne um Zuschl&#228;ge f&#252;r &#246;ffentliche Auftr&#228;ge,   staatliche Subventionen oder Zuschl&#228;ge f&#252;r den Kauf von zu   privatisierenden Betriebe zu bekommen.<\/p>\n<p>  Die illegale Parteienfinanzierung ist aus folgenden Gr&#252;nden eine   Notwendigkeit aus Sicht der Kapitalisten: nachdem die deutschen   Kapitalisten Hitler massiv finanziell unterst&#252;tzt und ihn an die Macht   gebracht hatten, hat die Arbeiterbewegung nach Ende der faschistischen   Diktatur Reformen durchgesetzt, die eine &#228;hnliche Parteienfinanzierung   in Zukunft verhindern sollten. Dazu geh&#246;rte die Begrenzung steuerlicher   Absetzbarkeit von Parteispenden und die Offenlegungspflicht von   Parteispenden ab 20.000 DM. Um diese zu umgehen und als Spender   Anonymit&#228;t zu bewahren (damit die direkte Verbindung von Parteispenden   und politischen Entscheidungen nicht offensichtlich wird) wurde zum   Beispiel die Staatsb&#252;rgerliche Vereinigung gegr&#252;ndet, die als   Geldwaschanlage f&#252;r Parteispenden diente bzw. werden Parteispenden nicht   angegeben.<\/p>\n<\/p>\n<p>  4. Jedoch ist Korruption nicht ein rein kapitalistisches Ph&#228;nomen,   sondern ein Ph&#228;nomen von Gesellschaften, die auf sozialer und   politischer Ungleichheit beruhen und von bestimmten Klassen oder Eliten   beherrscht werden. So gab es Korruption auch in fr&#252;heren   Klassengesellschaften. Und es gab sie bekanntlich auch in den   nichtkapitalistischen, stalinistischen Systemen. Dort nicht ausgehend   von der &#246;konomischen, auf Privateigentum an den Produktionsmitteln   beruhenden Macht, sondern ausgehend vom diktatorischen Regime der   stalinistischen B&#252;rokratie, das den Staatsapparat beherrschte und &#252;ber   diesen politischen Hebel ihre privilegierte Stellung halten und ausbauen   konnte.<\/p>\n<\/p>\n<p>  5. Die Existenz b&#252;rgerlich-parlamentarischer Demokratien &#228;ndert weder an   den wirtschaftlichen und politischen Machtverh&#228;ltnissen noch an der   Rolle der Korruption etwas.<\/p>\n<p>  Solche &quot;Demokratien&quot; bieten der Arbeiterklasse und anderen unterdr&#252;ckten   Schichten eine gewisse Einflussnahme &#8211; mehr jedoch durch demokratische   Rechte, wie Organisations-, Demonstrations- und Streikrecht als durch   die direkte Einflussnahme in Parlamenten, die sehr begrenzt ist.<\/p>\n<p>  Vor allem aber bleibt der Kern des Staatsapparates vom Parlamentarismus   unber&#252;hrt. Wie Friedrich Engels sagte besteht der Kern des   Staatsapparates aus den &quot;Haufen bewaffneter Formationen&quot;, dem Justiz-,   Milit&#228;r-, Polizei- und Beamtenapparat. Abgeordnete und Minister kommen   und gehen, der Apparat bleibt. Er ist weder w&#228;hl- noch abw&#228;hlbar. Eine   Kontrolle des Staatsapparates und der Kapitalistenklasse durch das   H&#228;uflein Abgeordneter ist kaum m&#246;glich. Es ist de facto umgekehrt:   seitens des Staatsapparats und der Kapitalistenklasse das H&#228;ufchen   Abgeordneter in Schach zu halten, ist ein Leichtes, besonders wenn es   sich um solche handelt, die den Rahmen des Systems akzeptieren.<\/p>\n<\/p>\n<p>  6. Unter anderem deshalb kann der Kapitalismus nicht auf   parlamentarischem Weg abgeschafft werden. Auch eine starke   revolution&#228;r-sozialistische Fraktion in einem Parlament w&#252;rde die Macht-   und Kontrollverh&#228;ltnisse nicht durch ihre parlamentarische Arbeit   &#228;ndern. Sie k&#246;nnte allerdings daf&#252;r Sorge tragen, dass alle gesetzlich   m&#246;glichen Kontrollmechanismen tats&#228;chlich ausgenutzt w&#252;rden, was zur   Zeit nicht einmal der Fall ist. Deswegen zielt parlamentarische Arbeit   von MarxistInnen vor allem darauf, diese Machtverh&#228;ltnisse offenzulegen   und das Parlament als Trib&#252;ne f&#252;r Aufkl&#228;rung und revolution&#228;re   Propaganda zu nutzen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  7. Sozialisten k&#246;nnen ihre Position im Parlament nutzen, um Skandale an   das Licht der &#214;ffentlichkeit zu bringen, &#246;ffentlich gegen die   herrschende Klasse Anklage zu erheben und alle b&#252;rgerlich-demokratischen   Mittel zur Blo&#223;stellung und Verurteilung von in Skandale verwickelten   Politikern und ihrer Geldgeber auszusch&#246;pfen. Bis zu einem gewissen Grad   spielten die franz&#246;sischen Sozialisten um Jean Jaur&#232;s Ende des 19. und   Anfang des 20. Jahrhunderts in der Dreyfuss-Aff&#228;re diese Rolle. Rosa   Luxemburg bescheinigt der Gruppe Jaur&#232;s, dass sie in der Dreyfuss-Aff&#228;re   eine &quot;der gr&#246;&#223;ten Schlachten des Jahrhunderts&quot; geschlagen habe.<\/p>\n<p>  Karl Liebknecht nutzte am Vorabend des Ersten Weltkriegs   Reichstagssitzungen, um einen Bestechungsskandal, in den Krupp-Manager,   Heeresoffiziere und Regierungsbeamte verwickelt waren, zu enth&#252;llen. Der   Krupp-Skandal war ein Weltskandal. Die Bewegung gegen den Krieg erhielt   damit international Auftrieb. Alle Versuche von Regierung, Industrie und   Presse den Krupp-Skandal zu vertuschen scheiterten an Liebknechts   hartn&#228;ckigem Kampf, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Liebknecht   schaffte es, dass ein Prozess stattfand und leitende Angestellte von   Krupp verurteilt wurden. Aufgrund des Drucks durch die Stimmung in der   Bev&#246;lkerung sah sich der Reichstag sogar gezwungen eine Kommission zur   Untersuchung einer Verstaatlichung der R&#252;stungsindustrie einzusetzen.   Liebknecht war sp&#228;testens mit dem Krupp-Skandal der gehassteste Gegner   der deutschen Kapitalisten. Ein Krupp-Direktor forderte ihn sogar zum   Duell auf.<\/p>\n<\/p>\n<p>  8. Die Beziehung Krupp-Staatsapparat l&#228;uft bis heute, auch Schreiber ist   ein Koffertr&#228;ger des Krupp-Thyssen-Konzerns. Dies zeigt nochmal die   Kontinuit&#228;t solcher Verbindungen, nicht nur &#252;ber alle Regierungen   hinweg, sondern auch durch alle verschiedenen Regierungsformen hindurch:   Kaiserreich, Weimarer Republik, Faschismus, BRD.<\/p>\n<\/p>\n<p>  9. Auch die Medien erf&#252;llen nicht die Funktion einer ernstzunehmenden   Kontrollinstanz, als die sie sich selber gerne darstellen. Sie sind   selbst kapitalistisch beherrscht bzw. Zielpunkte kapitalistischer   Einflussnahme. Dies schlie&#223;t aber nicht aus, da&#223; die Medien eine gewisse   Warnfunktion vor unerw&#252;nschten Tendenzen haben, z.B. bei zu gro&#223;er   Einflussnahme einzelner kapitalistischer Interessengruppen oder bei zu   gro&#223;em Unmut in der Bev&#246;lkerung. Denn die b&#252;rgerliche Klasse ist   interessiert a) am Gesamterhalt des Systems und b) daran, da&#223; der Staat   nicht zur alleinigen Beute einer kleinen Kapitalfraktion wird. Der Staat   soll die Gesamtinteressen der Kapitalisten als gesellschaftlich   herrschender Klasse vertreten und &#252;bernimmt auch die Funktion eines   Schiedsrichters zwischen verschiedenen Kapitalfraktionen bzw. der   Arbeiterklasse und bestimmten Teilen der Kapitalistenklasse. Er ist der   &quot;ideelle Gesamtkapitalist&quot;.<\/p>\n<\/p>\n<p>  10. Alle b&#252;rgerlichen Parteien oder solche, die im Sinne des Systems   funktionieren, erhalten finanzielle Zuwendungen durch Banken,   Versicherungen und Konzerne. Die Finanzquellen einer politischen   Organisation oder Partei sind daher auch ein wichtiges Indiz f&#252;r ihre   politischen Inhalte und ihre Haltung zur kapitalistischen Ordnung.<\/p>\n<p>  Je n&#228;her eine Partei dem Kapital steht, umso mehr Zuwendungen erh&#228;lt   sie. Wobei sich die Sache noch steigert, wenn sie an der Regierung ist   und somit politische Entscheidungen f&#228;llt.<\/p>\n<p>  In der BRD profitieren meist alle etablierten Parteien mehr oder   weniger, da sie im f&#246;deralen System alle in irgendeiner Form an   Entscheidungen auf Bundes-, L&#228;nder- oder kommunaler Ebene beteiligt sind.<\/p>\n<\/p>\n<p>  11. Manchmal sind es auch unterschiedliche Kapitalfraktionen, die je   nach Interessenlage die Mittel verst&#228;rkt der einen oder anderen Partei   zukommen lassen. So hat z.B. Ende der 60er\/Anfang der 70er Jahre die SPD   massive Unterst&#252;tzung von jenen Teilen des Kapitals erhalten (damals   u.a. auch von Krupp), um u.a. eine &quot;Normalisierung&quot; der Beziehungen zu   Osteuropa zu erreichen und endlich verst&#228;rkte Handelsbeziehungen   einf&#228;deln zu k&#246;nnen. Modernisierung nach innen und eine besssere   Ausbildung von Fachkr&#228;ften waren ebenfalls f&#252;r den internationalen   Wettbewerb n&#246;tig. Dem entsprach damals eher das bildungspolitische   Programm der SPD (Stichworte: Bildungoffensive, Geamtschule,   Arbeiterkinder an die Uni). Die konservativeren Kr&#228;fte des Kapitals   blieben der CDU verhaftet. Beim versuchten Sturz der Regierung Brandt   per Mi&#223;trauensvotum im Jahr 1972 kam es daher zu Abgeordneten-K&#228;ufen auf   beiden Seiten: die Union zog &#220;berl&#228;ufer aus dem Regierungslager her&#252;ber   (z.B. Vertriebenenfunktion&#228;re), die SPD kaufte Abgeordnete &quot;zur&#252;ck&quot;   (Wienand-Aff&#228;re).<\/p>\n<\/p>\n<p>  12. Der Flick-Skandal war der gr&#246;&#223;te Korruptionsskandal der Bonner   Republik. Der Milliard&#228;r Flick erreichte &#252;ber Schmiergeldzahlungen in   den 70er und Anfang der 80er Jahre in H&#246;he von 26 Millionen Mark an   CDU\/CSU, FDP und SPD und an Abgeordnete und Regierungsmitglieder aus   deren Reihen u.a., dass die sozialliberale Koalition ihm die aus dem   Verkauf von Daimler-Aktien im Wert von 1,9 Milliarden Mark f&#228;lligen   Steuern in H&#246;he von 840 Millionen Mark erlie&#223;. &#220;ber Zuwendungen an den   damaligen Wirtschaftsminister Lambsdorff wurde au&#223;erdem direkte   Einflussnahme ausge&#252;bt, &#252;ber einen Koalitionswechsel der FDP den   Regierungswechsel zu Kohl herbeizuf&#252;hren. Weil alle Parteien au&#223;er den   Gr&#252;nen von dem Skandal betroffen waren, gab es ein Gro&#223;e Koalition bei   der Vertuschung der Aff&#228;re und zwei Versuche &#252;ber eine Amnestie   Schmierer und Geschmierte straffrei davonkommen zu lassen. Am Ende   musste Lambsdorff als Wirtschaftsminister und Rainer Barzel (CDU) als   Bundestagspr&#228;sident zur&#252;cktreten. In einem Prozess der sich von 1985 bis   1993 hinzog, machte Kohl eine Falschaussage. Otto Schily als damaliger   Berichterstatter der Gr&#252;nen im Flick-Untersuchungsausschu&#223; erstattete   Strafanzeige gegen Kohl. Das Verfahren wurde aber eingestellt. Kohls   Image sollte zu diesem Zeitpunkt nicht besch&#228;digt werden.<\/p>\n<p>  Ex-SPD-Finanzminister Friderichs, Graf Lambsdorff und CDU-Schatzmeister   Leisler Kiep wurden wegen Steuerhinterziehung zu Geldstrafen verurteilt,   aber vom Vorwurf der Korruption freigesprochen. Die Flick-Aff&#228;re diente   den Herrschenden als Vorwand daf&#252;r im Parteiengesetz h&#246;here staatliche   Zusch&#252;&#223;e an die Parteien festzuschreiben. Der illegalen   Parteienfinanzierung sollte, so die offizielle Behauptung der Parteien,   dadurch ein Riegel vorgeschoben werden. Das Ergebnis ist jetzt bekannt.<\/p>\n<\/p>\n<p>  13. Die Flick-Aff&#228;re war nur der Anfang der Skandalisierung der BRD.   Einen weiteren H&#246;hepunkt erreichte sie mit dem Pfeiffer\/Barschel-Skandal   1987. Der Unternehmer Ballhaus bezahlte die Bespitzelung von   SPD-Spitzenkandidat Engholm, der Springer-Verlag stellte den dubiosen   &quot;Medienreferenten&quot; Pfeiffer ab, und f&#252;hrenden CDU-Politikern um den   schleswigholsteinischen CDU-Ministerpr&#228;sident Barschel waren alle Mittel   recht, um an der Macht zu bleiben. Am Ende wird Barschel tot in der   Badewanne eines Hotelzimmers gefunden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  14. Regierungswechsel oder sonstige Umbruchphasen sind h&#228;ufig genau die   Perioden, in denen Skandale hochkochen. Die Bildung neuer Seilschaften,   das Kn&#252;pfen neuer Verbindungen und das Abr&#228;umen der alten Beziehungen   stehen dann h&#228;ufig an. Wenn der alte Filz besonders dicht und langlebig   war, ist es dann manchmal n&#246;tig, den Deckel &#252;ber dem konspirativen Sumpf   etwas zu l&#252;ften und einzelne Figuren blo&#223;zustellen. Diese Vorg&#228;nge sind   nicht immer ganz unter Kontrolle und k&#246;nnen gelegentlich nach hinten   losgehen. Beispiel: Am Ende der &#196;ra Nixon wollte das Kapital in den USA   den Wechsel, der Watergate-Skandal wurde aufgedeckt und Nixon   amtsenthoben. Bill Clintons Lewinsky-Aff&#228;re war eher ein Betriebsunfall.   Diesen, im Sinne des Kapitals, erfolgreichen Pr&#228;sidenten wollte man   nicht abs&#228;gen, und so kam es trotz politischer Machtinteressen der   Republikaner nicht zu einer Amtsenthebung.<\/p>\n<\/p>\n<p>  15. Dieser Zusammenhang scheint auch bei der Aufdeckung des aktuellen   CDU-Spendenskandals zu bestehen. 16 Jahre Kohlregierung haben einen Filz   hinterlassen, der scheinbar selbst aus Sicht der Kapitalistenklasse zu   weit geht. Nach einem Jahr haben sich SPD und B&#252;ndnis 90\/Die Gr&#252;nen als   eine f&#252;r das Kapital verl&#228;ssliche Regierungskoalition bewiesen.   Entscheidende Teile der Kapitalistenklasse sehen in dieser Regierung f&#252;r   die kommende Periode die besseren Sachverwalter f&#252;r ihre Interessen.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem kann eine Besch&#228;digung der CDU auch zu einem Rechtsruck im   politischen System genutzt werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  16. Die &quot;Aufr&#228;umarbeiten&quot; im Zusammenhang mit der Aufdeckung von   Skandalen k&#246;nen dabei umso &#246;ffentlicher vonstatten gehen, je weniger das   kapitalistische System bedroht oder zumindest eine starke sozialistische   Kraft vorhanden ist, die solche Aff&#228;ren nutzen k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Mit dem Zusammenbruch des Stalinismus beherrscht der Kapitalismus wieder   den gesamten Globus, eine Systemalternative (war sie in Form der   stalinistischen Staaten auch noch so b&#252;rokratisch-diktatorisch   deformiert) existiert nicht mehr. Das Kapital f&#252;hlt sich also weniger   bedroht, kann Krisen besser &quot;aussitzen&quot; und innerkapitalistische   Konflikte (sowohl zwischen verschiedenen imperialistischen Staaten als   auch unterschiedlichen Kapitalfraktionen) werden offener ausgetragen, da   ein einheitliches Vorgehen gegen&#252;ber den planwirtschaftlich   organisierten Staaten bzw. gegen&#252;ber starken stalinistischen oder   sozialdemokratischen Arbeiterparteien weniger n&#246;tig ist.<\/p>\n<p>  Beispiel: In den USA gab und gibt es ein st&#228;rkeres Kontrollsystem, denn   man war und ist im Parlament und politischen System unter sich, mit zwei   b&#252;rgerlichen und ohne Arbeiter-Partei.<\/p>\n<p>  In Italien gab es in den 80er Jahren die Aufdeckung einer Geheimloge mit   dem Namen P2, eine Verbindung von Christdemokraten, B&#228;nkern,   Industriekapit&#228;nen, oberen Milit&#228;rkreisen, Mafiakreisen und Vatikan, die   eintr&#228;chtig zusammenwirkten und Ende der 60er\/Anfang der 70er Jahre in   der damals vorrevolution&#228;ren Situation Italiens sogar einen   Milit&#228;rputsch geplant hatten. Dies f&#252;hrte jedoch bei weitem nicht zu   solch gr&#252;ndlichen Auf&#228;umarbeiten wie Anfang der 90er Jahre die Aktion   &quot;saubere H&#228;nde&quot;, in der zahlreiche mafi&#246;se Verbindungen aufgedeckt und   die Christdemokratische wie Sozialistische Partei praktisch zerschlagen   wurden und es zu einer Neuformierung der italienischen   Parteienlandschaft kam. Zum einen entstand das &quot;linke&quot;   Olivenbaumb&#252;ndnis, dass zeitweise die Regierung stellte, zum anderen   entwickelte sich eine neue rechte Parteienkonstellation mit den Kr&#228;ften   um Medienmogul Berlusconi herum, der rechten &quot;Lega Nord&quot; und der   neofaschistischen &quot;Alleanza Nazional&quot;. Mit dem Zusammenbruch des   Stalinismus und der kompletten Einbindung der ehemaligen Kommunistischen   Partei wurde diese Aktion ohne gr&#246;&#223;ere Gefahren f&#252;r das Gesamtsystem   m&#246;glich.<\/p>\n<\/p>\n<p>  17. Die zeitweilige Schw&#228;che der internationalen Arbeiterbewegung ist   auch der politische Hintergrund f&#252;r die Aufdeckung von Skandalen und die   Krise konservativer Parteien in einer Reihe von L&#228;ndern, mit   langj&#228;hrigen Regierungszeiten, Filz und Seilschaften, die selbst f&#252;r die   Herrschenden zu teuer und in ihrer Skandaltr&#228;chtigkeit zu risikoreich   wurden. Derzeit f&#252;hlen sich die Herrschenden nicht mehr von links   bedroht sondern haben durch die vollst&#228;ndige Verb&#252;rgerlichung ehemaliger   Arbeiterparteien mit b&#252;rgerlichen F&#252;hrungen Alternativen: In Japan   regierten sie zeitweilig durch und &#252;ber die Sozialistische Partei, die   flugs ihr Programm und das &quot;sozialistisch&quot; im Namen abwarfen, in Italien   ist die fr&#252;her aufgrund ihrer Massenbasis in der Arbeiterklasse   unberechenbare Kommunistische Partei zur vertrauensw&#252;rdigen PDS   geworden, in Britannien ist Blairs New Labour zu einer von Grund auf   zuverl&#228;ssigen b&#252;rgerlichen Partei mutiert. Und auch in Deutschland   k&#246;nnen sich die Herrschenden auf Schr&#246;der samt seinen handzahmen Gr&#252;nen   vollauf verlassen. Das schafft Luft f&#252;r gewisse Aufr&#228;umarbeiten, solange   sie nicht allzu gr&#252;ndlich sind.<\/p>\n<\/p>\n<p>  18. Korruptionsf&#228;lle und politische Skandale k&#246;nnen unter bestimmten   Umst&#228;nden die ganze Gesellschaft in Aufruhr bringen und sogar zu   vorrevolution&#228;ren und revolution&#228;ren Situationen f&#252;hren. Als reaktion&#228;re   Kr&#228;fte in Frankreich 1894 den j&#252;dischen Offizier Dreyfuss zum Opfer   ihrer antisemitischen Hetze machten, ihn beschuldigten milit&#228;rische   Geheimnisse an Deutschland verraten zu haben und zu lebensl&#228;nglicher   Verbannung verurteilten entwickelte sich in Frankreich eine politische   Krise, die das Land an den Rand des B&#252;rgerkrieges brachte.<\/p>\n<p>  Als im italienische Koprruptionssumpf 1993 neue Skandale an die   &#214;ffentlichkeit kamen, gab es eine solche Wut in der Bev&#246;lkerung, dass   Tausende spontan auf die Stra&#223;e gingen. H&#228;tte es eine Partei gegeben,   die diese Wut zielgerichet gegen die Regierung und gegen das ganze   korrupte kapitalistische System organisiert h&#228;tte, h&#228;tte eine   revolution&#228;re Situation entstehen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  In Belgien brachte 1996 der Justizskandal und die Absetzung des   popul&#228;ren Untersuchungsrrichters im Falle des Kindervergewaltigers und   -m&#246;rders Dutroux das Fass zum &#252;berlaufen. Es kam zu einer sozialen   Explosion in Form von spontanen Sch&#252;ler-, Studenten und betrieblichen   Streiks, dem &quot;Wei&#223;en Marsch&quot; von 300.000 Menschen und einem   Generalstreik. Das Land war de facto f&#252;r einige Tage unregierbar.<\/p>\n<\/p>\n<p>  19. Der &#246;konomische Hintergrund f&#252;r die Zunahme an Korruption und   Skandalen ist die Krise des internationalen Kapitalismus.<\/p>\n<p>  Die internationale Konkurrenz wird mit noch h&#228;rteren Bandagen gef&#252;hrt,   was zu versch&#228;rftem Kampf um staatliche Auftr&#228;ge und   Milliarden-Subventionen, verst&#228;rktem Druck auf die Politik f&#252;r jeweils   &quot;g&#252;nstige&quot; Standortbedingungen (niedrige Steuern, Sozialabgaben,   m&#246;glichst wenig Schutzrechte, etc.) f&#252;hrt. Das Kapital braucht den   Wechsel zu einer h&#228;rteren Gangart gegen&#252;ber der Arbeiterklasse. Gro&#223;e   b&#252;rgerliche Parteien sind dar&#252;ber als erste in die Krise geraten, da   ihre Verbindungen zu einer breiteren Massenbasis ohnehin prek&#228;r sind.   Der Anhang der ehemaligen Arbeiterparteien ist zwar auch geschrumpft,   aber noch sind sie ein brauchbareres Instrument, besonders solange sie   noch relativ frisch an der Regierung sind und noch von der Nostalgie   vergangener Errungenschaften zehren k&#246;nnen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  20. Mangels ausreichend anderer profitabler Verwertungsm&#246;glichkeiten   wurden und werden &#252;berall &#246;ffentliche Betriebe und Einrichtungen   privatisiert, darunter so gro&#223;e Bereiche wie Telekommunikation. Beim   &#246;ffentlichen Ausverkauf, der durch politische Entscheidungstr&#228;ger   vorbereitet und durchgef&#252;hrt wird, sind engste Verbindungen mit diesen   notwendig, winken extrem hohe Profite. Im Zusammenhang mit   Privatisierungen gab es &#252;berall Schmiergeldaff&#228;ren und   Korruptionsskandale. In Deutschland kam noch die besondere Situation des   Ausverkaufs der verstaatlichten Wirtschaft in Ostdeutschland hinzu.<\/p>\n<p>  Die internationale Spekulationsblase an den Finanzm&#228;rkten mit ihrer   wundersamen Geldvermehrung bezieht immer breitere Schichten des   kapitalistischen F&#252;hrungs- und Verwaltungspersonals ein, zieht sie in   den Sog von Provisionen, internationaler Geldw&#228;sche und Finanztransfers,   Steuerhinterziehung, Insidertipps und schnellem Profit.<\/p>\n<\/p>\n<p>  21. Ziel der Kapitalistenklasse ist es, eine h&#228;rtere Gangart gegen die   Arbeiterklasse durchzusetzen, das heisst Sozialabbau, Dereglierung,   Flexibilisierung, den Abbau von Arbeitnehmerrechten zu beschleunigen und   zu verst&#228;rken, aber auch staatliche Aufr&#252;stung und rassistische Spaltung   voranzutreiben.<\/p>\n<p>  Auch wenn SPD, FDP, B&#252;ndnis 90\/Die Gr&#252;nen und die Gewerkschaftsf&#252;hrung   zur Zeit die CDU versuchen zu st&#252;tzen, um eine weitere Destabilisierung   zu verhindern (und wahrscheinlich darauf verzichtet werden wird die CDU   in den finanziellen Bankrott zu treiben, was rechtlich durchaus m&#246;glich   w&#228;re) werden sich aus der Krise der konservativen Parteien &#252;ber kurz   oder lang politische Umgruppierungen im b&#252;rgerlichen Lager ergeben. Es   ist auf Dauer eine zu schmale politische Basis f&#252;r das Kapital, nur   durch die ehemaligen Arbeiterparteien regieren zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Neuformationen vorherzusagen, ist ziemlich spekulativ. Aber es ist   unwahrscheinlich, da&#223; die Rekonstruktion gro&#223;er b&#252;rgerlicher Parteien   mit einer gewissen Basis in r&#252;ckst&#228;ndigeren Teilen der Arbeiterklasse   noch einmal gelingen kann, da deren Existenz mit der   &quot;Sozialpartnerschaft&quot; des Nachkriegsaufschwungs verkn&#252;pft ist, die es   nicht mehr geben kann und diese auch zuviel R&#252;cksicht auf ihre Basis   nehmen m&#252;ssten.<\/p>\n<p>  Der Aufstieg einer deutschen Haider-Partei ist eine m&#246;gliche   Perspektive, wenn sich denn ein &quot;deutscher Haider&quot; findet. Es ist auch   m&#246;glich, dass es zu einem Bruch von CDU und CSU kommt und Stoiber zur   Gallionsfigur einer bundesweiten nationalistischen Partei wird, die sich   in Folge einer kommenden Rezession und EURO-Krise gegen die Vollendung   der Europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion (EWU) einsetzen k&#246;nnte. Auch eine   Aufspaltung der b&#252;rgerlichen Kr&#228;fte auf mehrere Parteien ist m&#246;glich,   &#252;ber das ganze Spektrum von rechtsau&#223;en bis liberal, zum Abgrasen   m&#246;glichst unterschiedlicher W&#228;hlerschichten.<\/p>\n<\/p>\n<p>  22. Die DGB-Spitze und die F&#252;hrungen der Einzelgewerkschaften haben   bisher &#252;ber den aktuellen Korruptionsskandal kein Wort verloren.   Dahinter steckt, dass sie kein Interesse an einer Destabilisierung der   b&#252;rgerlichen Parteien haben. Die IG Metall l&#228;sst in ihrer   Mitgliederzeitung vom Februar den Ressortleiter Innenpolitik der   &quot;S&#252;ddeutschen Zeitung&quot; auf die MetallerInnen mit folgendem Kommentar   los: &quot;Man mu&#223; kein Anh&#228;nger der CDU sein, um jetzt Angst um sie zu   haben. Die Partei, die die Bundesrepublik gestaltet und gepr&#228;gt hat, ist   in verzweifelter Lage&quot;. Kein Wort mehr davon, da&#223; die CDU die Partei des   Gro&#223;kapitals ist, mit der es jahrzehntelang gegen die Arbeiterklasse und   ihre Gewerkschaften regiert hat. Die Gewerkschaftsf&#252;hrer haben wohl auch   Angst, da&#223; der Korruptionssumpf ihrer Tarifpolitik der Bescheidenheit,   festgeschrieben in der Vereinbarung im &quot;B&#252;ndnis f&#252;r Arbeit und   Wettbewerbsf&#228;higkeit&quot; einen Strich durch die Rechnung machen k&#246;nnte.   Nachdem klar ist, dass Unternehmer Millionen bzw. &#252;ber die Jahre   Milliarden &#252;brig hatten, um Politiker zu kaufen, wo nehmen sie dann noch   die Glaubw&#252;rdigkeit f&#252;r die Behauptung her, dass kein Geld f&#252;r   Lohnerh&#246;hungen da ist. Wenn alle fr&#252;heren Verhandlungsf&#252;hrer bei den   Lohnrunden im &#246;ffentlichen Dienst (Kanther, Schleu&#223;er, Ruschmeier) durch   Steuerhinterziehungen bzw. Beihilfe zur Steuerhinterziehung und andere   Tricks die &#246;ffentlichen Kassen gepl&#252;ndert haben und sie ihre   Machenschaften nach ihrem Abgang noch mit monatlichen satten   Pensionszahlungen belohnt bekommen, warum sollten die Arbeiter,   Angestellten und Beamten bei Bund, L&#228;nder und Gemeinden dem Argument der   leeren Kassen folgend weiter Lohnverzicht &#252;ben?<\/p>\n<\/p>\n<p>  23. Wir fordern von den Gewerkschaften, dass sie einen Kampf f&#252;r eine   l&#252;ckenlose Aufkl&#228;rung f&#252;hren. &#220;ber organisierten Druck in den Betrieben,   durch Betriebsr&#228;te und Vertrauensleutek&#246;rper, m&#252;ssen die Konzerne,   Banken und Versicherungen gezwungen werden, alle Zahlungen an Parteien,   Politiker und staatliche Institutionen offenzulegen. Die Gewerkschaften   m&#252;ssen einen radikalen Kurswechsel vollziehen: Schluss mit der   Zusammenarbeit mit Konzernherren, Regierungen und etablierten Parteien,   stattdessen ein offensiver Kampf gegen die Unternehmer und ihre   Regierungen. Die kommende Tarifrunde muss dazu der Startschuss sein. Um   das Abheben von Gewerkschaftsfunktion&#228;ren von der Basis zu verhindern,   m&#252;ssen ihre Geh&#228;lter auf einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn   begrenzt werden. Die neu formierte Gewerkschaftslinke sollte eine Rolle   dabei spielen, die Sprachlosigkeit der Gewerkschaften in Sachen   Korruptionsskandal in diesem Sinne zu beenden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  24. Der CDU-Korruptionsskandal ist eine Warnung an die Arbeiterklasse.   Er dr&#252;ckt aus, welches Verh&#228;ltnis die Herrschenden zu Recht und Gesetz   haben: dient es zum Schutze des Privateigentums und ihrer Profite, zur   Kriminalisierung von Demonstrationen, zur Abschiebung von   ImmigrantInnen, so pochen Wirtschaftsbosse und Regierungspolitiker auf   die strikte Einhaltung von Recht und Ordnung. Geht es aber um   &quot;Landschaftspflege&quot;, wird die Einhaltung von Recht und Ordnung nicht   mehr so eng gesehen. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass in   Zukunft, wie schon oft in der Geschichte der Herrschaft des Kapitals   geschehen, demokratische Rechte wie Streikrecht, Demonstrationsfreiheit   etc. mit F&#252;&#223;en getreten und abgeschafft werden, wenn die Aus&#252;bung dieser   Rechte durch die Arbeiterklasse der Kapitalherrschaft gef&#228;hrlich wird.<\/p>\n<p>  Kein Vertrauen in b&#252;rgerliche Politiker und Wirtschaftsbosse muss die   Schlussfolgerung aus dem Korruptionsskandal f&#252;r ArbeiterInnen,   Arbeitslose und Jugendliche sein!<\/p>\n<\/p>\n<p>  25. Der CDU-Skandal hat gro&#223;e Auswirkungen auf das Bewusstsein der   Massen. R&#252;ckst&#228;ndige Teile der Arbeiterklasse und der Mittelschichten   sind schockiert und blicken ungl&#228;ubig auf die t&#228;glichen Meldungen &#252;ber   die kriminellen Aktivit&#228;ten von Kohl und Konsorten. Bei Hunderttausenden   und Millionen ist ihr grundlegendes Vertrauen in die parlamentarische   Demokratie ersch&#252;ttert und ein Entfremdungsprozess setzt bei neuen   Schichten ein, die davon bisher noch nicht betroffen waren. Deshalb   vollzieht sich zur Zeit auch keine CDU-Krise, sondern eine Krise des   gesamten politischen Systems der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>  Die Schichten der Arbeiterklasse und der Jugend, die ihr grundlegendes   Vertrauen in die b&#252;rgerlichen Institutionen und den Parlamentarismus   schon in den 90er Jahren verloren haben, f&#252;hlen sich best&#228;tigt und die   Entfremdung vertieft sich. In einer Meinungsumfrage haben 44 Prozent   ausgesagt, sie w&#252;ssten nicht, ob sie an einer Bundestagswahl teilnehmen   w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Damit vertieft sich potenziell aber auch die Offenheit f&#252;r eine   politische Alternative.<\/p>\n<p>  Aufgrund der rechten Politik der PDS-F&#252;hrung (laut Spiegel hat der   PDS-Vorsitzende Bisky &quot;die Bem&#252;hungen zur Aufkl&#228;rung der Aff&#228;re als   Beweis f&#252;r die St&#228;rke des parlamentarischen Systems bezeichnet&quot;) und der   Gewerkschaftsf&#252;hrung, verwandelt sich die Wut &#252;ber die Korruption zur   Zeit nicht in eine Aktivit&#228;t der Massen. Aufgrund des Fehlens einer   starken linken Alternative (abgesehen vom Rechtskurs und der rein   parlamentarischen Orientierung der PDS-F&#252;hrung ist diese in den Augen   vieler ArbeiterInnen mit der Korruption des Stalinismus nach wie vor   verbunden) besteht die Gefahr, dass eine rechts-nationalistische Partei   entsteht und die Faschisten weiteren Zulauf erhalten.<\/p>\n<p>  Mit einer offensiven, systemkritischen Politik k&#246;nnen aber auch   sozialistische Kr&#228;fte aus dieser Situation profitieren.<\/p>\n<\/p>\n<p>  26. Die Antwort auf den Korruptionsskandal, auf die   arbeitnehmerfeindliche Politik aller von SPD, B&#252;ndnis 90\/ Die Gr&#252;nen,   CDU, CSU und FDP, auf die wachsende Bedrohung durch die Faschisten und   auf den b&#252;rgerlichen Anpassungskurs der PDS-F&#252;hrung muss der Ruf nach   dem Aufbau einer neuen Arbeiterpartei sein.<\/p>\n<p>  Eine solche Partei k&#246;nnte unter Beweis stellen, dass sie in den besten   Traditionen der sozialistischen Arbeiterbewegung steht und den   Korrumpierungsversuchen des Kapitals widersteht. Jederzeitige W&#228;hl- und   Abw&#228;hlbarkeit von Funktion&#228;ren, die Begrenzung von Funktion&#228;rsgeh&#228;ltern   und Abgeordnetendi&#228;ten auf einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn,   wie bei der SAV und den Mitgliedsparteien im Komitee f&#252;r eine   Arbeiterinternationale praktiziert, sind wirksame Kontrollmechanismen,   um eine Entfremdung der F&#252;hrung von der Basis zu verhindern.<\/p>\n<\/p>\n<p>  27. Die Sozialistische Alternative fordert:<\/p>\n<\/p>\n<p>  &#8211; sofortige Streichung aller Di&#228;ten und Pensionszahlungen an Politiker   wie Kohl und Kanther, die in die Betrugs- und Spendenaff&#228;ren verwickelt   sind<\/p>\n<\/p>\n<p>  &#8211; Bildung einer unabh&#228;ngigen Untersuchungskommission, die &#246;ffentlich   tagt, aus gew&#228;hlten VertreterInnen der arbeitenden Bev&#246;lkerung zur   Untersuchung der Parteifinanzen<\/p>\n<\/p>\n<p>  &#8211; Offenlegung der Gesch&#228;ftsb&#252;cher der Banken und Konzerne und   Untersuchung der Finanzen durch gew&#228;hlte VertreterInnen aus Betrieb und   Gewerkschaft<\/p>\n<\/p>\n<p>  &#8211; Keine Steuergelder zur Finanzierung der Parteien, keine steuerliche   Beg&#252;nstigung von Parteispenden<\/p>\n<\/p>\n<p>  &#8211; Schluss mit der Diktatur des Kapitals &#8211; &#220;berf&#252;hrung der Banken und   Konzerne in Gemeineigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung   durch die arbeitende Bev&#246;lkerung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Thesen der Sozialistischen Alternative zum Korruptionsskandal im Jahr<br \/>\n      2000\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[80],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10024"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10024"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10024\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10024"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10024"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}