{"id":10010,"date":"2002-08-25T19:35:04","date_gmt":"2002-08-25T19:35:04","guid":{"rendered":".\/?p=10010"},"modified":"2002-08-25T19:35:04","modified_gmt":"2002-08-25T19:35:04","slug":"10010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/08\/10010\/","title":{"rendered":"Scharons Politik in der Sackgasse &#8211; Blutvergie&#223;en bringt den Nahen"},"content":{"rendered":"<p>  Zehntausende SozialistInnen und AktivistInnen auf der ganzen Welt   feierten am Freitag, 8. M&#228;rz, den Internationalen Frauentag. In einem   schrecklichen Kontrast dazu war er im Nahen Osten durch ein   unglaubliches Blutvergie&#223;en gekennzeichnet, bei dem die Zahl der Opfer   von Minute zu Minute stieg.<br \/>Erkl&#228;rung des CWI, 19. M&#228;rz 2002<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Panzer, gepanzerten Fahrzeuge und schwerbewaffneten SoldatInnen der   IDF (Israeli Defence Force = israelische Armee) st&#252;rmten die   Fl&#252;chtlingslager&#160; auf der Westbank und im Gazastreifen, wobei Raketen   aus Hubschraubern abgeschossen wurden und F-16-Kampfflugzeuge &#252;ber ihren   K&#246;pfen ihre Kreise zogen. Zum Klang der explodierenden Granaten und mit   gr&#252;nen Strahlen von Waffen mit Lasersuchger&#228;ten, die von Geb&#228;uden   reflektiert wurden, errichteten sie eine t&#246;dliche Feuermauer in einer   Reihe von brutalen Operationen gegen eine aufgebrachte pal&#228;stinensische   Bev&#246;lkerung. In 24 Stunden wurden 44 Pal&#228;stinenserInnen abgeschlachtet,   einschlie&#223;lich einem zehnj&#228;hrigen Jungen, und ein IDF-Soldat wurde   erschossen. Unter den Opfern waren &#196;rzte des roten Halbmonds, die von   IDF-Streitkr&#228;ften aufs Korn genommen wurden, wenn sie versuchten,   Verwundete zu erreichen. Dies war die h&#246;chste Zahl an Opfern an einem   Tag w&#228;hrend der 17 Monate dauernden Intifada. Sp&#228;tere IDF-Operationen   waren die gr&#246;&#223;ten Milit&#228;rman&#246;ver seit der Invasion im Libanon 1982. Dies   war keine Milit&#228;roperation als Teil eines &#8222;Krieges gegen den   Terrorismus&#8220; durch das israelische Regime, sondern eine Kampagne des   Staatsterrors gegen die Pal&#228;stinenserInnen, die mit dem R&#252;cken gegen die   Wand einer &#252;berlegenen Feuerkraft gegen&#252;berstehen.<\/p>\n<p>Einen   Tag sp&#228;ter f&#252;hrten Selbstmordoperationen der Hamas und der   Al-Aksa-Brigaden zum Tod von 12 israelischen ZivilistInnen in der   K&#252;stenstadt Netanja und einem vollen Caf&#233; in Jerusalem. &#220;ber 84 Israelis   wurden in diesen schrecklichen Angriffen verwundet.<\/p>\n<p>Unglaublicherweise   sagte Gideon Meir, ein Sprecher des Au&#223;enministeriums der reaktion&#228;ren   Scharon-Koalitionsregierung nach diesen Selbstmordanschl&#228;gen: &#8222;Arafat   sucht heute Nacht einen regionalen Krieg und Israel wird das nicht   zulassen&#8220; (The Observer, 10. M&#228;rz 2002). Scharon skizzierte in einer   &#228;hnlichen Stimmung das, was die &#8222;Strategie&#8220; seiner belagerten Regierung   sein soll: &#8222;Wir sind im Krieg mit einem grausamen und blutd&#252;rstigen   Feind. Wir m&#252;ssen den Pal&#228;stinensern Verluste, Opfer zuf&#252;gen, so dass   sie verstehen, dass sie durch den Terrorismus nichts gewinnen. Wir   m&#252;ssen sie schlagen und immer wieder schlagen, bis sie verstehen&#8220; (The   Observer, 10. M&#228;rz 2002). Aber die Pal&#228;stinenserInnen verstanden &#8211; sie   hatten das Gef&#252;hl, dass die israelische Regierung die Absicht hatte die   Pal&#228;stinenserInnen zu besiegen, die Westbank und Gaza wiederzubesetzen   und vielleicht eine Neuauflage von 1948 zu machen, als Hunderttausende   Pal&#228;stinenserInnen aus ihren Wohnungen vertrieben wurden als Ergebnis   der Aktion der israelischen Milit&#228;rkr&#228;fte. Aber sie zogen andere   Schlussfolgerungen als die Scharonregierung erwartete. Mit dem R&#252;cken   zur Wand und der Bedrohung f&#252;r ihre Existenz weigerten sie sich, sich   einsch&#252;chtern zu lassen und wehrten sich.<\/p>\n<p>F&#252;hrende   IDF-Offiziere k&#252;ndigten vor dem Einmarsch in die Fl&#252;chtlingslager an,   dass &#8222;alle M&#228;nner zwischen 14 und 45 sich friedlich ergeben sollten und   bald wohlbehalten in ihre Wohnungen zur&#252;ckkehren k&#246;nnten. Wenn nicht,   k&#246;nnen sie verletzt werden.&#8220; Tausende, die gefangengenommen wurden,   bekamen die Augen verbunden und Handschellen angelegt, bevor sie   weggebracht wurden. Pal&#228;stinenserInnen haben geschichtliche Vergleiche   zu den Ank&#252;ndigungen gezogen, die die Nazis machten, bevor sie im   Zweiten Weltkrieg in den j&#252;dischen Ghettos in vielen europ&#228;ischen   St&#228;dten einmarschierten &#8211; besonders, weil in Tulkarem auf der Westbank   den Festgenommenen eine Nummer auf den Arm geschrieben wurde, bevor sie   in Gewahrsam genommen wurden. Doch Ma&#223;nahmen wie diese werden von allen   Regimes angewandt, die versuchen, ein revoltierendes Volk mit   milit&#228;rischer Gewalt klein zu kriegen.<\/p>\n<p>&#160;<\/p>\n<p>Ein   richtiger Krieg?<\/p>\n<p>&#160;<\/p>\n<p>Die letzten zwei Wochen waren die   angespanntesten seit dem Beginn der &#8222;Al-Aksa-Intifada&#8220;. Erneut stand die   Region auf der Kippe zu einem richtigen Krieg &#8211; aber diesmal war sie   viel dichter dran. Ein Angriff folgte mit wachsender Schnelligkeit und   Intensit&#228;t dem n&#228;chsten. Das israelische Regime war unf&#228;hig, die Flut   der pal&#228;stinensischen Vergeltungsangriffe aufzuhalten und trotz der   &#252;berw&#228;ltigenden St&#228;rke seiner Waffen war es unf&#228;hig, die Lage zu   kontrollieren. Arafat stand (zusammen mit den F&#252;hrern seiner   Sicherheitskr&#228;fte und dem Rest der F&#252;hrung der Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde)   abseits und verhandelte &#228;ngstlich mit US-Au&#223;enminister Colin Powell,   &#8222;die israelische Eskalation zu stoppen&#8220;, w&#228;hrend einfache   Pal&#228;stinenserInnen, die autonomen Tanzeem und Al-Aksa-Brigaden (die mit   Arafats politischer Organisation Fatah verbunden sind) und die Hamas   andere Taktiken anwandten, um sich den j&#252;ngsten IDF-Einf&#228;llen zu   widersetzen. Wenn diese Lage l&#228;nger fortbesteht, gibt es eine wirkliche   Gefahr von weitverbreiteten und m&#246;glicherweise unkontrollierten   Protesten der Massen in den arabischen Diktaturen des Nahen Ostens.   W&#228;hrend dem ganzen IDF-Einfall in den Fl&#252;chtlingslager gab es t&#228;gliche   Anti-US-Demonstrationen an der f&#252;hrenden Universit&#228;t von Kairo gegen den   Besuch von US-Vizepr&#228;sident Dick Cheney in &#196;gypten und gegen das   Andauern der israelischen Milit&#228;raktion.<\/p>\n<p>Der Konflikt   zwischen Israel und Pal&#228;stina macht einen Prozess der &#8222;Libanonisierung&#8220;   durch. Die IDF interveniert in nicht vertrautem und feindlichem Gel&#228;nde,   in dem sie das K&#228;mpfen nicht gew&#246;hnt ist &#8211; die Fl&#252;chtlingslager haben   hohe Geb&#228;ude und Bev&#246;lkerungsdichte und enge Stra&#223;en, sie stehen einer   extrem feindseligen Bev&#246;lkerung gegen&#252;ber, die nicht bereit ist, sich   unterkriegen zu lassen oder aus ihren H&#228;usern zu fliehen. Traditionelle   Angriffsmethoden wie der Einsatz von Panzern sind nicht oft anwendbar.   Die pal&#228;stinensischen Milizen haben weniger ausgefeilte Waffen, sind   aber sehr beweglich, motiviert und k&#246;nnen nach Zusammenst&#246;&#223;en schnell   verschwinden, indem die &#246;rtliche Bev&#246;lkerung sie versteckt oder ihnen   bei der Flucht hilft. Anders als im S&#252;dlibanon hat die israelische Armee   keine Hilfstruppe, auf die sie sich in den besetzten Gebieten st&#252;tzen   kann. Nachdem sich die IDF-Gener&#228;le und die Scharon-Regierung auf eine   Politik immer brutalerer Schl&#228;ge verpflichtet haben, bringen diese   Schwierigkeiten sie zu einer immer brutaleren milit&#228;rischen   Unterdr&#252;ckung der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung bei dem verzweifelten   Versuch, Erfolge zu erzielen.<\/p>\n<p>Libanonisierung<\/p>\n<p>Wie ein   israelischer Journalist in einem Artikel mit der Schlagzeile &#8222;Mein Herr,   es ist der falsche Krieg!&#8220; kommentierte: &#8222;Der Kommandeur und seine   Kollegen w&#228;ren &#8230; gut beraten, ein gutes Buch &#252;ber den Guerillakrieg zu   lesen, zum Beispiel Mao Tse-tungs Abhandlung, die dem Guerillak&#228;mpfer   sagt: Stell dich nie einer regul&#228;ren Armee entgegen. Wenn die Armee   angreift, verschwinde. Wenn die Armee nicht vorbereitet ist, greif&#8217; an.<\/p>\n<p>Zum   Beispiel: Die Armee umzingelt Arafat in Ramallah &#8211; zerst&#246;re einen   Merkava-Panzer in Gusch Katif. Eine ganze Brigade f&#228;llt in Balata ein &#8211;   schicke einen einzelnen K&#228;mpfer los, der ein Team an einem   Kontrollposten nahe Ofrah t&#246;tet. Eine Brigade greift Dschenin an &#8211; gehe   ihr aus dem Blickfeld und sickere in der Atzmona-Siedlung ein.<\/p>\n<p>Weil   Stabschef Mofaz und seine f&#252;hrenden Offiziere den Charakter dieses   Kampfes nicht mal verstehen, versagen sie &#8230; sie verwenden nach einander   die Methoden, die schon in Algerien, Kenia, S&#252;dafrika, Vietnam und in   Dutzenden anderen L&#228;ndern versagt haben&#8220; (Ha&#8217;aretz, 9. M&#228;rz 2002)<\/p>\n<p>Die   Gewaltspirale l&#246;ste Entsetzen unter den diktatorischen Regimes im Nahen   Osten aus. Es gab seit der Invasion des US-Imperialismus in Afghanistan   zahlreiche Warnungen aus dieser Ecke, dass die Flutwelle der Wut der   arabischen Massen auf die US-Regierung und die Rolle ihres   Klientenstaats in der Region &#8211; Israel &#8211; ansteigt. Seit die   Bush-Regierung klarmachte, dass sie Milit&#228;raktionen zum Sturz von Saddam   Hussein im Irak beabsichtigt, wurden sie lauter. Eine Gallup-Umfrage in   den arabischen Staaten am Vorabend von Vizepr&#228;sident Cheneys Besuch in   der Region zeigte, dass 45 Prozent der Bev&#246;lkerung &#228;u&#223;erst feindselig   gegen&#252;ber der Rolle und den Absichten des US-Imperialismus in der Region   waren. Diese Zahl stieg auf 70 Prozent als das Szenario eines   tats&#228;chlichen US-Angriffs gegen den Irak skizziert wurde.<\/p>\n<p>Dies   lag hinter dem letzten Friedensvorschlag von K&#246;nig Fahd von   Saudi-Arabien. Selbst die US-Regierung, die durch ihre Au&#223;enpolitik im   Alleingang charakterisiert ist, musste ihre fr&#252;here Haltung der   Unterst&#252;tzung f&#252;r Israels Versuch zur Zerschlagung des   Pal&#228;stinenseraufstands aufgeben und gab ihr durch Colin Powell, eine der   sogenannten &#8222;Tauben&#8220; in der Regierung, einen milden Tadel. Zum ersten   Mal in der Geschichte unterst&#252;tzte die USA eine Resolution im   UN-Sicherheitsrat, die &#252;ber die &#8222;Vision eines neben Israel bestehenden   Pal&#228;stinenserstaates&#8220; sprach. Fr&#252;her war die &#246;ffentliche Position der   Bush-Regierung, die schreckliche Lage in Israel und Pal&#228;stina zu   ignorieren. Die &#8222;&#196;nderung&#8220; im Ton ist nur ein Alibi und zielt zynisch   darauf ab, Unterst&#252;tzung unter reaktion&#228;ren arabischen Regimes f&#252;r eine   Milit&#228;raktion gegen den Irak zu gewinnen. Wie Al-Rajah in Katar   kommentierte: &#8222;Es scheint, dass die USA &#8230; wieder versuchen, ihr   historisches Spiel mit den Arabern zu wiederholen. Sie versuchen, im   Hinblick auf die zentrale pal&#228;stinensische Frage die Wogen zu gl&#228;tten   und ihr Schweigen zu einem Angriff auf ein arabisches Bruderland zu   erlangen&#8220; (13. M&#228;rz 2002)<\/p>\n<p>Die Unf&#228;higkeit des   US-Imperialismus, des israelischen Kapitalismus, der arabischen Regime   und der herrschenden Arafat-Clique, eine L&#246;sung umzusetzen, die den   &#228;u&#223;erst bitteren nationalen Konflikt in der Region l&#246;st, f&#252;hrte zu einer   qualitativ anderen Lage in Israel und Pal&#228;stina. Der Man&#246;vrierraum f&#252;r   alle kapitalistischen Politiker verengt sich st&#252;ndlich. Wichtige neue   Merkmale treten auf, die die M&#246;glichkeit eines allgemeinen Konflikts   kurzfristig vergr&#246;&#223;ern.<\/p>\n<p>Die Spirale des Blutvergie&#223;ens   &#8211; ein Gemetzel im gro&#223;en Stil, in dem ArbeiterInnen, Jugendliche und die   &#228;rmsten Teile der Gesellschaft auf beiden Seiten der nationalen Spaltung   die Opfer sind &#8211; hat einfache Menschen international entsetzt. Die   Brutalit&#228;t der IDF hat weitere Millionen emp&#246;rt. Es war nie klarer, dass   die im Nahen Osten beteiligten kapitalistischen Politiker blo&#223; zynisch   ihre eigenen Interessen verteidigen. Die beteiligten politischen Eliten   sind unf&#228;hig einen wirkliche Befreiung der pal&#228;stinensischen Massen zu   erreichen oder die Sicherheit und das soziale und wirtschaftliche   Wohlergehen der israelischen Bev&#246;lkerung zu garantieren. Sie wollen das   auch gar nicht.<\/p>\n<p>Es gab eine qualitative Steigerung im Ausma&#223; und   der Intensit&#228;t der IDF-Milit&#228;raktion. Die Entscheidung, in den   Fl&#252;chtlingslagern einzumarschieren, angeblich auf der Suche nach   &#8222;Terroristen&#8220;, ist in Wirklichkeit eine Kriegserkl&#228;rung an die   pal&#228;stinensischen Massen insgesamt und soll sie durch Terror zur   Unterwerfung bringen. Es ist auch klar, dass die israelische   Milit&#228;relite jedem israelischen Soldaten Gr&#252;nes Licht gegeben hat, auf   jeden bewaffneten Pal&#228;stinenser ohne Warnung zu schie&#223;en. Das   israelische Milit&#228;r hat auch offensichtlich seine Praxis beendet, ihre   pal&#228;stinensischen Gegenst&#252;cke zu warnen, bevor sie Ziele der   Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde bombardieren. Dies erkl&#228;rt den Anstieg der   Todesziffern in letzter Zeit. Beide Entscheidungen reichen f&#252;r sich   genommen aus, einen viel gr&#246;&#223;eren Konflikt zu entfachen, wenn ihre   Wirkung zunehmend sp&#252;rbar wird.<br \/>&#160;<\/p>\n<p>Verbissene   Entschlossenheit<\/p>\n<p>Die wachsende Brutalit&#228;t der IDF-Aktionen   bewirkte das Gegenteil des Beabsichtigten. Sie hat die pal&#228;stinensischen   Massen in Bewegung gebracht, die das Gef&#252;hl haben, dass ihre Existenz   bedroht ist. Apathie und Demoralisierung, die vorher gro&#223;e Teile der   pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung&#160; erfasst hatten, wurden durch eine   verbissene Entschlossenheit ersetzt, um die eigene Existenz zu k&#228;mpfen.   Die Verst&#228;rkung der IDF-Milit&#228;raktion in den Fl&#252;chtlingslagern nach der   US-Ank&#252;ndigung, sie w&#252;rden den &#8222;Friedenbotschafter&#8220; Zinni in die Region   schicken, emp&#246;rte die Pal&#228;stinenserInnen noch mehr. Sie betrachteten das   als zynisches Man&#246;ver des israelischen Regimes, vor der Ankunft von   Zinni&#160; Angriffe durchzuf&#252;hren , so dass sie nach seiner Ankunft eine   Show aus ihrem R&#252;ckzug machen konnten.<\/p>\n<p>Als Ergebnis folgte   niemand der Aufforderung der IDF an alle pal&#228;stinensischen   ZivilistInnen, die Gebiete der Fl&#252;chtlingslager zu verlassen, in die   einmarschiert&#160; werden sollte. Tats&#228;chlich zogen sich die Mitglieder der   pal&#228;stinensischen Milizen aus diesen Gebieten zur&#252;ck, um ihre Kampfkraft   zu behalten und anderswo Schl&#228;ge gegen israelische Ziele zu f&#252;hren. Dies   stellt eine ungeheure Entwicklung im Bewusstsein dar. Es zeigt eine   starke Identifizierung zwischen den pal&#228;stinensischen Massen und den   Milizen. Aber es zeigt auch an, dass die geschichtlichen Lehren in das   Bewusstsein der einfachen Pal&#228;stinenserInnen eingebrannt sind. 1948   terrorisierten israelische Paramilit&#228;rs Hunderttausende pal&#228;stinensische   ZivilistInnen und vertrieben sie aus ihren Wohnungen. Viele arabische   F&#252;hrer riefen die pal&#228;stinensischen ZivilistInnen auch auf, &#8222;wegen ihrer   Sicherheit&#8220; die Konfliktgebiete zu verlassen. Dies f&#252;hrte zur Schaffung   der Fl&#252;chtlingslager, die es in vielen arabischen L&#228;ndern des Nahen   Osten gibt und hei&#223;t unter den Pal&#228;stinenserInnen Al Naqba &#8211; die   Trag&#246;die.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen im Bewusstsein und eine   gewisse Steigerung in der Moral ergeben sich auch aus der Entwicklung   ausgefeilterer Taktiken des bewaffneten Kampfes auf Seiten der   pal&#228;stinensischen Milizen. Dies f&#252;hrte zusammen mit der verbissenen   Entschlossenheit der Pal&#228;stinenserInnen, um ihre Leben zu k&#228;mpfen, zu   einer Zunahme der Zahl der get&#246;teten israelischen SoldatInnen. W&#228;hrend   der vergangenen 16 Monate der Intifada wurde pro get&#246;tete f&#252;nfundzwanzig   Pal&#228;stinenserInnen ein israelischer Soldat get&#246;tet. Jetzt ist das   Verh&#228;ltnis ein Soldat auf drei Pal&#228;stinenserInnen. Im letzten Monat   wurden 33 israelische Soldaten get&#246;tet &#8211; das ist eine h&#246;here Zahl als   jemals w&#228;hrend des Libanonkriegs.<\/p>\n<p>Am 14. Februar 2002   griffen K&#228;mpfer der Al-Aksa-Brigaden einen Merkava-3-Panzer an und   zerst&#246;rten ihn, der als Vergeltung f&#252;r fr&#252;here Angriffe auf   pal&#228;stinensische Stellungen ins Pal&#228;stinensergebiet geschickt worden   war. In zwei F&#228;llen wurden von Hamas hergestellte Kassam-2-Raketen aus   dem Pal&#228;stinensergebiet nach Israel geschossen. Ereignisse wie diese   versetzen dem Prestige der israelischen Milit&#228;relite schwere Schl&#228;ge. Es   zeigt die Priorit&#228;ten der israelischen Milit&#228;r- und politischen Elite   klar, dass die Reaktion auf Angriffe wie diese viel brutaler ist als   wenn Selbstmordattent&#228;ter zahlreiche ZivilistInnen in Israel t&#246;ten.<\/p>\n<p>Eine   Reihe von Angriffen hat auf milit&#228;rische Kontrollposten &#8211; &#252;ber hundert,   die jetzt Dauereinrichtungen sind &#8211; stattgefunden. Diese Kontrollposten   sind mehr als alles andere die verhasstesten Symbole der   Nach-Oslo-Herrschaft geworden. Ihr Vorhandensein bedeutet eine t&#228;gliche   Dem&#252;tigung, Misshandlung und Ermordung Tausender Pal&#228;stinenserInnen. Die   Kontrollposten, die ein pal&#228;stinensischer Analyst als &#8222;Fabriken f&#252;r   Selbstmordattent&#228;ter&#8220; bezeichnet, haben deutlich gemacht, dass die   Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde kein zusammenh&#228;ngendes Gebiet hat, sondern eine   Reihe von geteilten und eingekreisten Bantustans. Die IDF nennt dieses   Arrangement &#8222;Tigerfell&#8220; &#8211; die Westbank ist in 63 Landst&#252;cke eingeteilt   und Gaza in sechs verschiedene Zonen. Kontrollposten erinnern die   Pal&#228;stinenserInnen t&#228;glich daran, dass sie in Gef&#228;ngnissen leben, deren   W&#228;chter sowohl israelisch als auch pal&#228;stinensisch sind. Die   Kontrollposten wurden die Mittel, mit denen die Wirtschaftsblockaden   umgesetzt und kollektive Bestrafungen durchgef&#252;hrt werden. Sie   kristallisieren die Erinnerung an das Leiden, das die Pal&#228;stinenserInnen   seit der Unterzeichnung des Osloer &#8222;Friedensabkommens&#8220; von 1994 hatten.<\/p>\n<p>Die   Gesellschaft zerf&#228;llt<\/p>\n<p>Nicht nur die Infrastruktur der   Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde zerf&#228;llt als Ergebnis der Milit&#228;rangriffe &#8211; auch   die Gesellschaft. Hunderttausende Pal&#228;stinenserInnen wurden seit   September 2000 periodisch an der Arbeit in Israel gehindert. Das Embargo   auf Exporte von pal&#228;stinensischen Waren hat die Landwirtschaft schwer   gesch&#228;digt, eine der S&#228;ulen der pal&#228;stinensischen Wirtschaft. Die Zahl   der Totgeburten hat sich verdoppelt und psychische Erkrankungen sind   empor geschnellt. &#220;ber 65 Prozent der Bev&#246;lkerung in Gaza leben unter   der Armutsgrenze. 400.000 Pal&#228;stinenserInnen von 845.000 Erwerbspersonen   sind seit mehr als einem Jahr arbeitslos. Selbst der Lebensstandard von   Mittelschicht-Pal&#228;stinenserInnen wurde verheert, die Ersparnisse sind   bei Null. Einer der wenigen Faktoren, der die Gesellschaft zusammenh&#228;lt   &#8211; und zwar ein starker Faktor &#8211; ist der Kampf f&#252;r nationale Befreiung   und gegen eine Wiederbesetzung. Diese Zahlen sind trockene Statistik.   Aber hinter jeder Zahl steht ein Beispiel daf&#252;r, dass die   pal&#228;stinensischen Massen nichts zu verlieren haben und unbedingt eine   F&#252;hrung brauchen, die auf der H&#246;he ihrer Opferbereitschaft ist.<\/p>\n<p>Arafats   Versagen, w&#228;hrend dem letzten Angriff irgendwie zu f&#252;hren, hat seine   Autorit&#228;t weiter untergraben und umgekehrt die der Al-Aksa-Brigaden, von   Hamas und den Tanzeem erh&#246;ht. Dies zeigt, was f&#252;r eine gewaltige   Fehleinsch&#228;tzung der israelischen herrschenden Klasse die letzte   Steigerung der milit&#228;rischen Aktivit&#228;t war. Viele F&#252;hrer von Gruppen wie   den Al-Aksa-Brigaden und den Tanzeem sind auch Mitglieder der Fatah &#8211;   Arafats politischer Organisation. Es zeigt seine schrumpfende Autorit&#228;t   und den wachsenden Druck einfacher Pal&#228;stinenserInnen an, dass Gruppen   wie sie immer mehr an Selbstmordattentaten und Angriffen auf die IDF   beteiligt sind. Aber dies bedeutet nicht, dass sie unter seiner Leitung   st&#252;nden. Sie handeln autonom, bleiben aber in der Fatah, weil sie nicht   w&#252;nschen, in offenen Konflikt mit Arafat und der F&#252;hrung der   Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde zu geraten, solange diese Verbindung kein Hindernis   ist, die Unterst&#252;tzung in der Bev&#246;lkerung zu behalten.<\/p>\n<p>Manche   Berichte haben auf eine Zunahme der Unterst&#252;tzung f&#252;r Arafat   hingewiesen. Dies stellt ein Sich-Sammeln gegen einen Feind dar, der die   Absicht der Zerst&#246;rung der Pal&#228;stinenserInnen zu haben scheint. Sie hat   die Haltung der vielen AktivistInnen gegen&#252;ber seinem Verrat an den   pal&#228;stinensischen Massen nicht ge&#228;ndert. Sie fand nur wegen dem   Hausarrest statt, den es w&#228;hrend der letzten zwei Monate als Folge der   IDF-Blockade seines Geb&#228;udes in Ramallah in der Westbank gab. Die   Haltung vieler Pal&#228;stinenserInnen ist wohl gewesen, dass w&#228;hrend der   Blockade Arafat unter den selben Bedingungen gelitten hat wie die   Mehrheit der Bev&#246;lkerung, ohne die Knie zu beugen.<\/p>\n<p>Seine   Weigerung, Zugest&#228;ndnisse zu machen, hielt nicht lange an &#8211; als   Gegenleistung f&#252;r die Festnahme aller f&#252;r die Ermordung des israelischen   Tourismusministers f&#252;r verantwortlich gehaltenen, hob die IDF die   Blockade auf. Meinungsumfragen und Stra&#223;enproteste w&#228;hrend der n&#228;chsten   Wochen und Monate werden zeigen, wie kurzlebig die Zunahme von Arafats   Popularit&#228;t war, wenn er wahrscheinlich weiterhin Kompromisse mit dem   US-Imperialismus und dem israelischen Regime macht. Vor den letzten   Milit&#228;roperationen der IDF gab es eine Reihe von Demonstrationen vor den   Gef&#228;ngnissen der Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde als Protest gegen Verhaftungen von   Pal&#228;stinenserInnen, die angeblich f&#252;r &#8222;terroristische&#8220; Anschl&#228;ge   verantwortlich waren, durch die Beh&#246;rde auf Anweisung des israelischen   Regimes. In vielen F&#228;llen verwandelten sie sich in Krawalle, die dazu   f&#252;hrten, dass Gefangene befreit wurden &#8211; manchmal gewaltsam.<\/p>\n<p>Wenn   Arafats Autorit&#228;t v&#246;llig zerf&#228;llt und Teile seines Sicherheitsapparats   sich von ihm abspalten, werden Tanzeem-F&#252;hrer wie Marwan Barghoutti auf   der Westbank ihre Verbindungen mit Arafat beenden. Barghoutti ist einer   der F&#252;hrer, der auf verzerrte Weise den Druck unter den Massen und die   Debatten &#252;ber Taktik, die unter den AktivistInnen stattgefunden haben,   zum Teil widergespiegelt haben. Es gibt Unterschiede in der   Herangehensweise zwischen den pal&#228;stinensischen Milizen. Hamas und   Al-Aksa-AktivistInnen haben weiterhin Selbstmordattentate durchgef&#252;hrt.   Es zeigt die Verzweiflung der Pal&#228;stinenserInnen an, dass Eltern von   Selbstmordattent&#228;tern nach deren Tod sagen, dass sie w&#252;nschten, dass   alle ihre Kinder auf diese Weise die Ehre h&#228;tten, M&#228;rtyrer zu sein. Die   Selbstmordattent&#228;ter werden durch das motiviert, was sie als Heroismus   sehen, und durch eine riesige Wut auf die vom israelischen Regime   begangenen Gr&#228;ueltaten. Massenwiderstand gegen bewaffnete   IDF-Intervention ist eine Sache, aber Selbstmordattentate eine andere.<\/p>\n<p>Das   CWI meint, dass die Taktik von Selbstmordattentaten nicht richtig ist   und das Gegenteil des Beabsichtigten bewirkt. Sie untergr&#228;bt nicht die   Unterst&#252;tzung der [israelischen] Bev&#246;lkerung f&#252;r die milit&#228;rische   Kampagne des israelischen Regimes gegen die Pal&#228;stinenserInnen, sondern   treibt gro&#223;e Teile der Bev&#246;lkerung in die Arme der reaktion&#228;rsten   Elemente der Gesellschaft. Sie untergr&#228;bt die Unterst&#252;tzung f&#252;r den   pal&#228;stinensischen Kampf f&#252;r nationale Befreiung unter den ArbeiterInnen   und Jugendlichen international. Sie f&#252;hrt zum Tod von AktivistInnen, die   mit richtiger Taktik und Strategie jahrelang eine entscheidende Rolle im   Kampf spielen k&#246;nnten.<\/p>\n<p>Rolle des bewaffneten Kampfes<\/p>\n<p>Barghoutti   hat eine etwas andere Herangehensweise. Fr&#252;her rief er zu einer   Wiederaufnahme des Massenkampfs der Pal&#228;stinenserInnen auf, die das   Anfangsstadium der Intifada kennzeichnete. K&#252;rzlich argumentierte er f&#252;r   bewaffnete Selbstverteidigung und dass die Kontrollposten zu den Zielen   des Kampfes der Pal&#228;stinenserInnen geh&#246;ren sollten. Unter den heute   bestehenden Bedingungen haben die Pal&#228;stinenserInnen keine Wahl als sich   zu verteidigen &#8211; mit Waffen in der Hand. Aber welche Rolle sollte die   milit&#228;rische Taktik spielen und wie sollte sie geleitet werden? Es   stimmt, dass die gegenw&#228;rtigen IDF-Operationen zeigen, dass die   israelische herrschende Klasse keine milit&#228;rische L&#246;sung gegen die   pal&#228;stinensischen Massen erreichen kann. Aber die Pal&#228;stinenserInnen   k&#246;nnen durch einen rein milit&#228;rischen Kampf auch keine wirkliche   nationale Befreiung erlangen. Die F&#228;higkeit des israelischen Regimes,   milit&#228;risch einzugreifen, beruht letztlich auf den sozialen Grundlagen   der israelischen Gesellschaft, das hei&#223;t auf der Unterst&#252;tzung f&#252;r ihre   Aktionen unter der israelischen j&#252;dischen Arbeiterklasse und   Mittelschicht. Die Untergrabung dieser Unterst&#252;tzung ist ein   entscheidender Schritt auf dem Weg wirklicher sozialer und nationaler   Befreiung. Dies bedeutet nicht, dass die pal&#228;stinensischen Massen ihren   Kampf vertagen sollten, bis die Mehrheit der israelischen J&#252;dinnen die   Notwendigkeit eines wirklichen pal&#228;stinensischen Staates akzeptiert hat.   Teil der Ziele des Kampfes sollte die Beschleunigung des Verst&#228;ndnisses   unter israelischen j&#252;dischen ArbeiterInnen und Jugendlichen sein, dass   der israelische Kapitalismus Fortsetzung des Krieges in der Region und   soziale und wirtschaftliche Verheerung f&#252;r diejenigen bedeutet, die f&#252;r   die israelische herrschende Klasse k&#228;mpfen sollen. Die gr&#246;&#223;te Waffe in   den H&#228;nden der pal&#228;stinensischen Massen ist die Entwicklung politischer   Ideen und einer Strategie, die sowohl Massenopposition gegen die   Besatzung organisieren als auch die soziale, wirtschaftliche und   milit&#228;rische Unterst&#252;tzung f&#252;r den israelischen Kapitalismus selbst   unter den israelischen J&#252;dInnen untergraben kann. Fragen von   milit&#228;rischer Strategie und dem Selbstverteidigungsrecht der   Pal&#228;stinenserInnen ergeben sich daraus.<\/p>\n<p>Ein erfolgreicher   Kampf w&#252;rde einen Massenkampf der Pal&#228;stinenserInnen unter der   demokratischen Kontrolle gew&#228;hlter Volks-Kampfkomitees bedeuten.   Demonstrationen von Zehntausenden in den von Kontrollposten umgebenen   Gebieten w&#252;rden die vereinigte Opposition gegen die fortgesetzte   Besatzung durch die IDF demonstrieren. Ein Element dieses Kampfes w&#252;rde   die Bildung von Selbstverteidigungskomitees erfordern, aber auch ihre   T&#228;tigkeit sollte unter der demokratischen Kontrolle der Massen sein.   Durch den Einsatz von Lautsprechern, Flugbl&#228;ttern und Wandparolen   k&#246;nnten die AktivistInnen den in die Gebiete geschickten Wehrpflichtigen   erkl&#228;ren, dass die israelischen j&#252;dischen ArbeiterInnen und Jugendlichen   zwei M&#246;glichkeiten haben: entweder einen fortgesetzten Kreislauf von   Krieg und Blutvergie&#223;en (in dem die Pal&#228;stinenserInnen bis zum Ende   k&#228;mpfen w&#252;rden) oder einen Kampf&#160; f&#252;r den Sturz des Kapitalismus in   Israel und Pal&#228;stina, dem echte und offene Verhandlungen zwischen   gew&#228;hlten VertreterInnen von beiden Seiten der nationalen Spaltung   folgen w&#252;rden, die ihre Beratungen auf die Anerkennung der nationalen,   religi&#246;sen und ethnischen Rechte aller Beteiligten st&#252;tzen w&#252;rden und   diskutieren w&#252;rden, wie die Ressourcen der Region die Sicherheit und den   Lebensstandard aller sichern k&#246;nnten, die dort leben.<\/p>\n<p>Aber   selbst F&#252;hrer wie Barghoutti werden nie diesen Weg beschreiten. Sie   dr&#252;cken zwar die Wut der pal&#228;stinensischen Massen aus, sehen sich aber   als die k&#252;nftigen F&#252;hrer eines pal&#228;stinensischen Staates mit dem   Reichtum, der Macht und dem Prestige, die eine solche Stellung bringt.   Die Tanzeem-F&#252;hrer wissen, dass die Entlarvung der Rolle des   Kapitalismus in der israelischen Gesellschaft, ihr Fehlen an wirklicher   Demokratie und die damit verbundene Klassenspaltung, dazu f&#252;hren w&#252;rde,   dass sich die einfachen Pal&#228;stinenserInnen sofort die selben Fragen &#252;ber   die Bedingungen stellen, unter denen sie leben. Sie verstehen auch   instinktiv, dass die &#220;bernahme eines ArbeiterInnen-Kampfprogramms in   irgend einer Form auch eine Gefahr f&#252;r die anderen arabischen Regime in   der Region darstellen w&#252;rde, von denen sie zum Teil Unterst&#252;tzung haben   wollen.<\/p>\n<p>Das Paradoxe an der Lage ist, dass die Bedingungen f&#252;r   solch einen Ansatz trotz des reaktion&#228;ren Charakters der   Scharon-Regierung und des extrem hohen Gewaltniveaus nie g&#252;nstiger   waren. Die neoliberale Politik, die die einander folgenden Regierungen   in Israel verfolgt haben, hat die Staatsunterst&#252;tzung ersch&#252;ttert, die   es in den fr&#252;hen Jahren des Staats gab. &#220;ber 70 Prozent der israelischen   Bev&#246;lkerung f&#252;hlen, dass Scharon in sozialen und wirtschaftlichen Fragen   die Erwartungen nicht erf&#252;llt. Es gibt ein intensives Gef&#252;hl von Verrat   unter der Mehrheit der israelischen Bev&#246;lkerung, dass w&#228;hrend die   Mehrheit ihre Leben in f&#252;nf Kriegen opfern musste, die korrupte   Minderheit ihre Taschen mit einem ungeheuren Reichtum gef&#252;llt hat. Wie   Ha&#8217;aretz am ersten Jahrestag von Scharons Regierung kommentierte:   &quot;Scharon beendet sein erstes Jahr mit einem Land im Zustand des   R&#252;ckschritts in den Bereichen Verteidigung, Wirtschaft, Politik und   sozialer Wohlfahrt&quot; (5. M&#228;rz 2002). Ein Anzeichen f&#252;r das Ausma&#223; der   Bitterkeit war der Umstand, dass zum ersten Mal in einer Lage von   beinahe Krieg&#160; die israelischen ArbeiterInnen weiter gestreikt und gegen   die Sozial- und Wirtschaftspolitik der Regierung demonstriert haben. Wie   ein Gemeindef&#252;hrer aus Sderot, einer israelischen &quot;Entwicklungs&quot;stadt &#8211;   eine Sch&#246;nf&#228;rberei f&#252;r verarmte St&#228;dte, in denen sich neuankommende   EinwanderInnen ansiedeln sollen &#8211; k&#252;rzlich kommentierte: &quot;Armut betrifft   uns viel mehr als Kassam-Raketen&quot; (The Observer, 10. M&#228;rz 2002).<\/p>\n<p>W&#228;hrend   den letzten paar Wochen gab es eine deutliche &#196;nderung in der   Medienberichterstattung &#252;ber die Ereignisse im Nahen Osten, die die   ver&#228;nderte Lage widerspiegelt. Vorher war die Presse voller Artikel, die   die Schw&#228;che von Arafats Stellung skizzierten. Jetzt ist Scharon in der   Schusslinie. Das liegt am Zusammenbruch der Unterst&#252;tzung f&#252;r ihn in   Sicherheitsfragen, die bedeutet, dass in den letzten zwei Wochen 49   Prozent der Bev&#246;lkerung das Gef&#252;hl haben, dass er keine Antwort in den   Sicherheitsfragen hat. Die rechtere westliche Presse hat ihr Feuer auf   Scharon gerichtet, weil er als jemand gesehen wird, der die Kampagne   behindert, den Irak aufs Ziel zu nehmen.<br \/>&#160;<\/p>\n<p>Sabra-und-Schatilla-Mann<\/p>\n<p>Zeitungen   wie Ha&#8217;aretz haben ihm den Spitznamen &quot;Sabra-und-Schatilla-Mann&quot; gegeben   und ihn vernichtend kritisiert, Artikel gedruckt, die erkl&#228;ren, dass   selbst seine engsten Freunde glauben, seine Regierung sei mausetot und   gaben einem Kommentar zu seiner Jubil&#228;umsrede den Titel: &quot;Der L&#246;we   miaute&quot;. Das liegt ziemlich klar daran, dass seine Politik zur   Unterdr&#252;ckung der Pal&#228;stinenserInnen nicht funktioniert hat und zu einer   Zunahme der Selbstmordattentate gef&#252;hrt hat. Avischai Margalit, ein   israelischer Kommentator, fasste die Stimmung in Israel kurz und b&#252;ndig   zusammen: &quot;Ich glaube nicht, dass es einen rationalen Plan hier gibt,   der irgendwo hin f&#252;hrt. F&#252;r die meisten Leute gibt es keine Alternative.   Ich erinnere mich nicht, dass die Menschen jemals so deprimiert waren,   auch nicht, als ich w&#228;hrend des Unabh&#228;ngigkeitskriegs ein Kind war und   w&#228;hrend der schlimmsten Tage in Jerusalem, als die Zukunft auf der Kippe   stand&quot; (Washington Post Service, 7 Februar 2002). Zum ersten Mal in der   israelischen Geschichte haben j&#252;dische Eltern ihre Kinder ermutigt, ins   Ausland zu gehen, weil sie keine Zukunft f&#252;r die n&#228;chste Generation&#160;   sehen. Dies ist eine &#228;u&#223;erst bedeutsame Entwicklung in einem Land, das   in der Vergangenheit durch einen gro&#223;en Nationalstolz gekennzeichnet war   und dessen Existenz auf der Zuwanderung aus dem Rest der Welt beruhte.<\/p>\n<p>Nirgends   werden diese Fragen sch&#228;rfer gestellt als von den 322 ReservistInnen,   die einen Brief unterschrieben haben, in dem sie sich weigern, in den   Besetzten Gebieten Dienst zu tun. Das Tempo, mit dem sich diese Bewegung   entwickelte und die Sprache, die sie verwendet, ist auch ein Zeichen f&#252;r   die Stimmung unter breiten Schichten in der Gesellschaft. Es stimmt,   dass im M&#228;rz 1978 eine Gruppe von Reserveoffizieren einen Brief   unterschrieb, indem sie ein Ende des Regierungsabenteuers im Libanon   forderte &#8211; der schlie&#223;lich zur Bildung von Peace Now [Frieden jetzt]   f&#252;hrte. Aber die Sprache, die diese ReservistInnen verwendet haben, ist   viel sch&#228;rfer, wie folgendes Zitat zeigt: &quot;Wir, die wir wissen, dass die   Gebiete nicht Israel sind und dass alle Siedlungen schlie&#223;lich ger&#228;umt   werden m&#252;ssen, wir erkl&#228;ren hiermit, dass wir diesen Krieg der   Siedlungen nicht weiter f&#252;hren werden. Wir werden nicht mehr jenseits   der Grenzen von 1967 k&#228;mpfen, um ein ganzes Volk zu beherrschen, zu   vertreiben, auszuhungern und zu dem&#252;tigen&quot;. Selbst VertreterInnen der   Elitebrigaden haben riesige Zweifel bez&#252;glich der j&#252;ngsten Einf&#228;lle in   die Fl&#252;chtlingslager. In einem Artikel in dem Massenblatt Yedioth   kommentierte ein Soldat der Golani-Brigade: &quot;Sterben, um einen Gesuchten   zu fangen? Wenn der erste Panzer seinen Motor anwirft, wird der Gesuchte   weg sein. Warum sterben, um H&#228;user zu zerst&#246;ren? F&#252;r jedes Haus, das   f&#228;llt, wird Israel dreimal von Terroristen getroffen werden. Warum f&#252;r   Alarm sterben? Werdet ernst. Eines Tages, wenn wir gehen, werden sie mit   der &#220;berraschung des Jahrhunderts warten.&quot; (4. M&#228;rz 2002) Ein   Milit&#228;ranalytiker in der selben Zeitung beschrieb die IDF als   &quot;t&#246;lpelhafte Armee, die sich m&#252;hsam bewegt, und immer wieder das Bild   von David gegen Goliath heraufbeschw&#246;rt&quot; (International Herald Tribune,   15. Februar 2002).<\/p>\n<p>Es scheint, als ob die Scharon-Regierung die   Lehren der ersten Intifada v&#246;llig vergessen hat &#8211; dass es keine   dauerhafte milit&#228;rische L&#246;sung der pal&#228;stinensischen Frage gibt. Dies   liegt nicht nur daran, dass Scharon &#8211; oder andere F&#252;hrer -dumm oder   brutal sind, obwohl dies zweifellos ein Faktor ist. Es spiegelt den   extrem begrenzten Man&#246;vrierraum wider, den Scharon hat. Bei einem   verzweifelten Versuch, die herrschende Koalition zusammenzuhalten, macht   er Zickzacks zwischen verschiedenen Politiken, befriedigt erst die   reaktion&#228;ren rechten Parteien und dann die Arbeiterpartei. Er glaubt   auch&#160; &#8211; wie die Gener&#228;le &#8211; dass die Angriffe auf Israel das Prestige der   Armee und daher langfristig ihre eigene Stellung untergraben. Diese   einander widersprechenden Einfl&#252;sse haben seine Handlungen in den   letzten Wochen geformt. Unter Druck hat er die Taktik hinter dem ganzen   Friedensprozess ausgeplaudert, als er k&#252;rzlich sagte: &quot;Es wird nicht   m&#246;glich sein, eine Vereinbarung zu erreichen, bevor die Pal&#228;stinenser   hart getroffen werden. Jetzt m&#252;ssen sie hart getroffen werden. Wenn sie   nicht kr&#228;ftig geschlagen werden, wird es keine Verhandlungen geben. Erst   nachdem sie geschlagen worden sind, werden wir Gespr&#228;che f&#252;hren k&#246;nnen.&quot;   (International Herald Tribune, 5. M&#228;rz 2002) Mit anderen Worten &#8211;   schafft Fakten vor Ort, drescht die Pal&#228;stinenserInnen in den Boden und   dann geben wir ihnen ein paar Kr&#252;mel. Das sind keine   Friedensverhandlungen, sondern aufgezwungene Kapitulationsbedingungen.<\/p>\n<p>Scharon   ist selbst aus dem Blickwinkel der herrschenden Klasse auf dem Weg zu   einer Katastrophe. Ein Interview mit Ami Ayalon, dem fr&#252;heren Chef von   Schin Bet (israelische Geheimdienste), kommentierte, &quot;Jassir Arafat   bereitete die Intifada weder vor noch l&#246;ste er sie aus. Die Explosion   war spontan, gegen Israel&#8230;und gegen die Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde, ihre   Korruption, ihre Ohnmacht &#8230;Der Friedensprozess erm&#246;glichte es Arafat als   Chef der nationalen Befreiungsbewegung und nicht als Kollaborateur von   Israel erscheinen. Ohne das kann er weder gegen die Islamisten noch   gegen seine eigene Basis k&#228;mpfen, die Pal&#228;stinenser w&#252;rden ihn   anschlie&#223;end auf einem &#246;ffentlichen Platz aufh&#228;ngen&quot; (Le Monde, 22.   Dezember 2001)<\/p>\n<p>W&#228;hrend Scharon vielleicht nicht darauf abzielt,   Arafat zu st&#252;rzen oder zu ermorden, kann doch die Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde   zerfallen und Arafat st&#252;rzen als Gesamtergebnis der Angriffe. Manche   extremen Reaktion&#228;re haben fr&#252;her Arafats Abgang ermutigt und hofften,   dass ein Hamas-gef&#252;hrtes Regime ihn ersetzen k&#246;nnte, so dass die IDF sie   zerschlagen k&#246;nnte, ohne sich um die internationale Reaktion zu sorgen.   Es ist wahrscheinlich, dass das israelische Regime schon Diskussionen   mit f&#252;hrenden Mitgliedern der Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde wie Saeb Erekat oder   den Sicherheitschefs Dahlan oder Rajoub hat in der Hoffnung, dass   &quot;Gem&#228;&#223;igte&quot; wie diese Arafat folgen. Aber dies ist eine &#228;u&#223;erst riskante   M&#246;glichkeit f&#252;r Scharon. Wenn Arafat als Ergebnis der israelischen   Aktionen verdr&#228;ngt wird, k&#246;nnte die Reaktion unter den Massen die   Tanzeem-F&#252;hrer an die Spitze der F&#252;hrung bringen. Und selbst dies wird   wahrscheinlich keine einfache Ersetzung Arafats durch andere F&#252;hrer   sein. Arafat hat &#252;berlebt durch das Manipulieren und Verst&#228;rken von   Spannungen und Unterschieden zwischen seinen Gegnern und Untergebenen.   Dies wird an die Oberfl&#228;che kommen, wenn er entfernt wird, und k&#246;nnte   dazu f&#252;hren, dass die Spannungen in der Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde   m&#246;glicherweise zu Konflikten und Elementen von B&#252;rgerkrieg f&#252;hren.<\/p>\n<p>Scharon   hat unter Druck des US-Imperialismus angedeutet, dass er seine   Forderung&#160; nach sieben Tagen Ruhe bevor er f&#252;r neue Verhandlungen bereit   sei, fallengelassen habe. Er hat einen Abzug der israelischen Kr&#228;fte aus   den Fl&#252;chtlingslagern befohlen, gerade als Zinni, der US-Unterh&#228;ndler,   in Israel ankam. Kofi Annan, der Chef der Vereinten Nationen, dr&#252;ckte   die Furcht vieler kapitalistischer Politiker international vor den   destabilisierenden Wirkungen der j&#252;ngsten israelischen Einf&#228;lle aus, als   er sagte: &quot;Sie m&#252;ssen die illegale Besetzung beenden. Sie m&#252;ssen die   Bombardierung ziviler Gebiete beenden, die Morde, die unn&#246;tige   Verwendung t&#246;dlicher Gewalt, die Zerst&#246;rung und die t&#228;gliche Dem&#252;tigung   einfacher Pal&#228;stinenser.&quot; Aber vielen einfachen Pal&#228;stinenserInnen wird   es schwer fallen, sich die &quot;Vision eines pal&#228;stinensischen Staates&quot;   vorzustellen, die der UN-Sicherheitsrat beschlossen hat, wenn sie   gegenw&#228;rtig nur Blutvergie&#223;en in gro&#223;em Umfang sehen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>Die   Position der Unterst&#252;tzung der Bush-Regierung f&#252;r ein hartes Vorgehen   gegen Arafat hat sich nicht grundlegend ge&#228;ndert. Sie sind, was Israel&#160;   betrifft, Gefangene ihrer Propaganda seit dem 11. September &#252;ber ihren   &quot;Krieg gegen den Terrorismus&quot;. Wichtiger ist, dass die Republikaner bald   vor wichtigen Halbzeitwahlen stehen, wo die j&#252;dischen Stimmen f&#252;r sie   wichtig sein werden. Ihr Druck ist auch kalt kalkuliert, um den Weg f&#252;r   die Unterst&#252;tzung der arabischen F&#252;hrer bei der vorgeschlagenen&#160; Aktion   gegen den Irak zu bereiten. Deshalb haben sie den Friedensplan des   saudischen Kronprinzen Abdullah k&#252;hl unterst&#252;tzt. Aber wahrscheinlich   wird nur das Zugestehen wirklicher nationaler Befreiung und voller   IDF-Abzug aus den Besetzten Gebieten die arabischen Massen zufrieden   stellen. Dies wird kurzfristig sicher nicht passieren, nicht vor einem   US-gef&#252;hrten Angriff gegen den Irak, und ist unm&#246;glich, solange   Kapitalismus und Imperialismus die Region beherrschen.<\/p>\n<p>Eines der   Merkmale der neunziger Jahre war der ungeheure Abscheu vor den   Politikern unter der Arbeiterklasse international. In der neokolonialen   Welt wurde diese Stimmung vertausendfacht, wenn es um die Rolle des   US-Imperialismus in Afrika, Asien und Lateinamerika ging. Aber dieses   Merkmal hat sein Spiegelbild in der ungeheuren Arroganz und dem Mangel   an Verst&#228;ndnis des US-Imperialismus gegen&#252;ber den&#160; Massen in der   neokolonialen Welt. Dies ist besonders in der arabischen und   moslemischen Welt der Fall. Bushs Berater untersch&#228;tzen das Ausma&#223; der   Wut, die es gibt und wie sie explodieren k&#246;nnte, wenn die USA den Irak   angreifen. Sie glauben, dass eine minimale Unterst&#252;tzung f&#252;r den   saudischen Friedensplan in Worten w&#228;hrend einem neuen &quot;W&#252;stensturm&quot; Ruhe   erkaufen k&#246;nne. Aber sie verstehen &#252;berhaupt nicht, dass die Weltlage   v&#246;llig anders ist als die, die es zur Zeit des Golfkriegs 1991 gab. Man   versteht allgemein, dass das Osloer &quot;Friedensabkommen&quot; im Gefolge des   Golfkriegss entstand. Aber gerade die Erfahrung von Oslo und die   wachsende Unterdr&#252;ckung, die es gebracht hat, bedeutet, dass der selbe   Vertrauenstrick&#160; nicht wieder gemacht werden kann. Ein Wirbelsturm von   arabischer Wut erwartet den US-Imperialismus, wenn er eine Invasion im   Irak versucht. Dies k&#246;nnte eine ganze Reihe arabischer Regime mit Sturz   bedrohen, wenn sie die Kriegsziele des US-Imperialismus nicht   entschlossen ablehnen.<\/p>\n<p>Saudischer Friedensplan<\/p>\n<p>Der   saudische Plan schl&#228;gt die Normalisierung der Beziehungen zwischen allen   arabischen L&#228;ndern und Israel vor als Gegenleistung f&#252;r den israelischen   R&#252;ckzug auf seine Grenzen von 1967 und das Zugest&#228;ndnis eines   unabh&#228;ngigen pal&#228;stinensischen Staats mit seiner Hauptstadt in   Ostjerusalem. Dies ist grundlegend das, was in den Camp-David-Gespr&#228;chen   im Dezember 2000 angeboten wurde, als Bill Clinton einen letzten Versuch   organisierte, eine Vereinbarung zwischen Arafat und Ehud Barak, dem   damaligen israelischen Ministerpr&#228;sidenten zu erzielen. Tats&#228;chlich   haben die Saudis in privaten Gespr&#228;chen schon vor jeden Verhandlungen in   der Frage Jerusalem, der pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlinge und Land mehr   Zugest&#228;ndnisse als Arafat gemacht. Damals weigerte sich Arafat wegen dem   riesigen Druck von unten, das Abkommen zu unterschreiben.<\/p>\n<p>Kronprinz   Abdullah f&#252;rchtet einerseits die Folgen fortgesetzter IDF-Angriffe auf   die arabischen Massen. Andererseits m&#246;chte er seine eigene Herrschaft   innerhalb Saudi-Arabiens festigen und nach k&#252;rzlich durchgesickerten   Presseberichten &#252;ber Spannungen in ihren Beziehungen und wachsendem   Druck der Saudis auf die USA, ihre Basen aus Saudi-Arabien abzuziehen,   bei den USA Punkte sammeln.<\/p>\n<p>Aber es ist fast unm&#246;glich f&#252;r die   Scharon-Regierung, diesen Forderungen zuzustimmen. Es ist bei seiner   geschw&#228;chten Stellung und vor dem Hintergrund des schlimmen Charakters   der letzten 17 Monate Intifada unwahrscheinlich, dass Arafat solch ein   Friedensabkommen den pal&#228;stinensischen Massen verkaufen kann. Das   h&#246;chste, was man kurzfristig erwarten kann, ist der Beginn von   Verhandlungen, ein Waffenstillstand oder eine Verringerung des Ausma&#223;es   der Gewalt.<\/p>\n<p>Zwei extrem rechte Minister der Nationalen Union   haben die Koalitionsregierung verlassen. Es ist m&#246;glich, dass Netanjahu,   der fr&#252;here Likud-F&#252;hrer und Ministerpr&#228;sident&#160; sich mit diesen Kr&#228;ften   verb&#252;ndet, um eine Kampagne f&#252;r die n&#228;chsten Wahlen entweder innerhalb   oder au&#223;erhalb&#160; von Likud zu beginnen. Die Zerbrechlichkeit der   Koalition wird t&#228;glich klarer. Eine starke Alternative mit starker   Unterst&#252;tzung gibt es gegenw&#228;rtig nicht. Es w&#228;re unter den gegenw&#228;rtigen   Bedingungen f&#252;r die israelische herrschende Klasse verheerend, wenn   Netanjahu wiedergew&#228;hlt wurde. Aus diesem Grund k&#246;nnte ein Kandidat wie   Ami Ayalon, der fr&#252;here Schin-Bet-Chef, eine nicht mit der Beteiligung   an der israelischen Politik befleckte Person, &#252;berzeugt werden, seinen   Hut in den Ring zu werfen.<\/p>\n<p>Ayalon bef&#252;rwortet, was er den   bedingungslosen Abzug der IDF nach Israel bei voller Anerkennung eines   pal&#228;stinensischen Staats nennt. Aber es ist leicht, von au&#223;en   vorzuschlagen, was eine vern&#252;nftige L&#246;sung des Problems zu sein scheint   &#8211; selbst aus einem liberalen kapitalistischen Blickwinkel. Aber solch   eine Politik umsetzen, wenn man an der Macht ist, ist eine ganz andere   Sache wegen der Opposition der rechten reaktion&#228;ren Kr&#228;fte in der   israelischen Gesellschaft. Eine Forderung nach bedingungslosem IDF-Abzug   k&#246;nnte unter Bedingungen von fortgesetztem Blutvergie&#223;en in der   israelischen Gesellschaft Schwung bekommen. Aber die Folgen dieses   Handlungsverlaufs w&#252;rde alle kniffligen Fragen an die Oberfl&#228;che   bringen, die das Scheitern aller anderen Versuche einer Vereinbarung auf   kapitalistischer Grundlage verursacht haben. Dies sind die Siedlungen,   Jerusalem und die heiligen St&#228;tten, die Besetzung des Golan und die   Frage der Fl&#252;chtlinge. Jeder Versuch der Zwangsr&#228;umung der Hunderte   Siedlungen w&#252;rde, selbst wenn er anf&#228;nglich erfolgreich w&#228;re, zu   Racheangriffen auf Pal&#228;stinenserInnen f&#252;hren, die in Israel leben und   den Weg f&#252;r Elemente des B&#252;rgerkriegs und die ethnische S&#228;uberung der   israelischen Gesellschaft bereiten.<\/p>\n<p>Pufferzonen<\/p>\n<p>Alles,   was Scharon angeboten hat, ist die Schaffung von Pufferzonen, die das   Annektieren von pal&#228;stinensischem Gebiet beinhalten w&#252;rde als Versuch,   Selbstmordattent&#228;ter rauszuhalten. Dies k&#246;nnte der erste Schritt zu   einer einseitigen Trennung&#160; sein, in der die israelische Regierung   erkl&#228;ren w&#252;rde, wo die Grenzen eines pal&#228;stinensischen Staats sein   w&#252;rden. Dies k&#246;nnte nur erreicht werden durch einen vorherigen Einmarsch   in dem pal&#228;stinensischen Gebiet und seiner Besetzung, in dem manche   israelische j&#252;dische Siedlungen stehen, und die R&#228;umung anderer. Wie das   CWI vorher erkl&#228;rt has, k&#246;nnte das Ergebnis einer solchen Aktion eine   balkanartige Lage in Israel sein mit der ethnischen S&#228;uberung   Hunderttausender israelischer Pal&#228;stinenserInnen und einem b&#246;sartigen   und blutigen B&#252;rgerkrieg.<\/p>\n<p>Die Grundlage jeder wirklichen   L&#246;sung f&#252;r den Kreislauf aus Gewalt im Nahen Osten liegt in den armen   B&#228;uerInnen, ArbeiterInnen und Jugendlichen auf beiden Seiten der   nationalen Spaltung, nicht in den korrupten kapitalistischen Politikern,   die im Namen von Friedensabkommen Krieg f&#252;hren. Der Sturz des   Kapitalismus in der Region und seine Ersetzung durch einen   sozialistischen pal&#228;stinensischen Staat und ein sozialistisches Israel   als Teil einer sozialistischen Konf&#246;deration der Region bleibt die   einzige Antwort auf die d&#252;steren Aussichten, vor denen sonst k&#252;nftige   Generationen in der Region stehen. Deshalb ist der Aufbau einer starken   Arbeiterbewegung auf beiden Seiten der nationalen Spaltung in Israel und   Pal&#228;stina, die diesen Ideen verpflichtet ist, eine so dringende Aufgabe   f&#252;r SozialistInnen in der Region.<\/p>\n<p>Das CWI k&#228;mpft f&#252;r:<\/p>\n<p><strong><big>&#183;<\/big>   Den sofortigen Abzug der israelischen Armee aus allen Bereichen der   Besetzten Gebiete&#160; &#8211; Gaza und Westbank<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big>   Schluss mit der Blockade pal&#228;stinensischer St&#228;dte und D&#246;rfer.<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big>   F&#252;r einen Massenkampf der Pal&#228;stinenserInnen unter ihrer demokratischen   Kontrolle, um f&#252;r echte nationale und soziale Befreiung k&#228;mpfen.<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big>   F&#252;r die Errichtung von Basis-Volkskomitees, die die Grundlage f&#252;r eine   wirkliche Arbeiterf&#252;hrung bilden werden. Diese Komitees sollen zum Zweck   der Verteidigung unter der demokratischen Kontrolle der Massen bewaffnet   sein.<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big> Ein Kampf der pal&#228;stinensischen   ArbeiterInnen und Jugend (in Gaza und der Westbank) gegen ihre doppelte   politische und wirtschaftliche Unterdr&#252;ckung durch den israelischen und   pal&#228;stinensischen Kapitalismus und f&#252;r die Erh&#246;hung ihres   Lebensstandards.<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big> Ein Ende der Verwendung   israelischer&#160; SoldatInnen als Kanonenfutter durch die israelische   herrschende Klasse und Armeegener&#228;le. F&#252;r das Recht aller   Wehrpflichtigen und Reservisten, den Dienst in den Gebieten zu   verweigern.<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big> F&#252;r einen Kampf der israelischen   Pal&#228;stinenserInnen gegen den institutionalisierten Rassismus und ihre   Behandlung als B&#252;rgerInnen zweiter Klasse.<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big>   F&#252;r ein Ende von Massenarbeitslosigkeit und Armut. F&#252;r eine massive   Steigerung der &#246;ffentlichen Ausgaben in israelisch-pal&#228;stinensischen   St&#228;dten und D&#246;rfern in Infrastruktur, Arbeitsbeschaffung, Gesundheit,   Wohnungsbau und Bildung und f&#252;r die Streichung aller kommunalen Schulden.<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big>F&#252;r   einen Kampf der israelischen Arbeiterklasse &#8211; j&#252;disch und   pal&#228;stinensisch &#8211; zum Sturz des Kapitalismus.<\/p>\n<p><big>&#183;<\/big>   F&#252;r ein sozialistisches Pal&#228;stina neben einem sozialistischen Israel als   Teil einer freiwilligen sozialistischen Konf&#246;deration des Nahen Ostens   mit garantierten demokratischen Rechten f&#252;r alle nationalen Minderheiten.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zehntausende SozialistInnen und AktivistInnen auf der ganzen Welt<br \/>\n      feierten am Freitag, 8. M&#228;rz, den Internationalen Frauentag. 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