{"id":10002,"date":"2005-10-18T14:47:21","date_gmt":"2005-10-18T14:47:21","guid":{"rendered":".\/?p=10002"},"modified":"2005-10-18T14:47:21","modified_gmt":"2005-10-18T14:47:21","slug":"10002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/10\/10002\/","title":{"rendered":"Gro&#223;e Koalition gegen ArbeitnehmerInnen und Erwerbslose"},"content":{"rendered":"<p>  Die VerliererInnen der Bundestagswahl vom 18. September haben sich   geeinigt, eine Gro&#223;e Koalition unter Angela Merkel als Bundeskanzlerin   zu bilden. Das Abfallen der gro&#223;en sogenannten Volksparteien unter 70   Prozent der abgegebenen Stimmen (zum ersten Mal seit 1953) war Folge der   breiten Ablehnung gegen weiteren Sozialabbau und neoliberale Politik in   der Masse der Bev&#246;lkerung.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <pspd cdu=\"#DEFAULT\" und=\"#DEFAULT\">  CSU werden keine gro&#223;en Schwierigkeiten haben, sich auf eine gemeinsame   Regierungspolitik zu einigen. Schlie&#223;lich wurden die gro&#223;en Angriffe auf   die Rechte der ArbeitnehmerInnen und Erwerbslosen, Agenda 2010 und Hartz   IV, einvernehmlich beschlossen und existierte in vielen Fragen &#252;ber die   letzten Jahre eine faktische Gro&#223;e Koalition des Neoliberalismus und der   arbeitnehmerfeindlichen Politik.<\/p>\n<p>  Unter dem Druck der Massenproteste der Jahre 2003 und 2004, sowie der   Bildung der WASG als neuer linker Partei, versuchte die SPD im   Bundestagswahlkampf sich als soziale Kraft zu pr&#228;sentieren. Sie sprach   sich gegen eine Mehrwertsteuererh&#246;hung und f&#252;r den Erhalt von   Tarifautonomie und K&#252;ndigungsschutz &#8211; und damit gegen die von Merkel   geforderten Ma&#223;nahmen &#8211; aus.<\/p>\n<p>  Die SPD-F&#252;hrung versucht nun auch die bisherigen Vereinbarungen mit der   CDU\/CSU als einen politischen Erfolg zu pr&#228;sentieren. Schlie&#223;lich sehe   die Vereinbarung vor, dass die Tarifautonomie erhalten bleibt und es   keine Besteuerung von Feiertags- und Nachtzuschl&#228;gen geben wird. Dass   die neue Regierung nicht sofort den ganz gro&#223;en Hammer auspacken kann,   h&#228;ngt aber weniger mit einer ver&#228;nderten SPD-Politik, als mehr mit dem   Druck zusammen, den das Wahlergebnis und die Stimmung in der   Arbeiterklasse aus&#252;ben. Dies f&#252;hrte sogar dazu, dass ein rechter   Gewerkschaftsb&#252;rokrat wie der IG BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt im   Falle gesetzlicher Eingriffe in die Tarifautonomie mit politischen   Streiks drohte, die ja in der Bundesrepublik als illegal gelten.<\/p>\n<p>  Doch diese Regierung wird eine Politik gegen abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte und   Erwerbslose machen und die Agenda-Politik fortsetzen. Verschlechterungen   im K&#252;ndigungsschutz sind zu erwarten, ebenso eine Erh&#246;hung der   Mehrwertsteuer. Auch die Tarifautonomie ist alles andere als gesichert.   Die Vereinbarung von CDU\/CSU und SPD beinhaltet einen Aufruf an die   Gewerkschaften, mehr betriebliche &#214;ffnungsklauseln zu akzeptieren. Dies   w&#252;rde schon eine Untergrabung des Fl&#228;chentarifs bedeuten. Schnell kann   die Regierung aber da weiter machen, wo Schr&#246;der schon vor zwei Jahren   ein mal war, als er gesetzliche Eingriffe in das Tarifrecht ank&#252;ndigte,   sollten die Gewerkschaften nicht zu mehr &#214;ffnungsklauseln, also einer   freiwilligen Zerst&#246;rung des Fl&#228;chentarifs, bereit sein.<\/p>\n<p>  Ebenfalls ist ein neues Sparpaket in Diskussion, das weitere   Verschlechterungen bei den sozialen Sicherungssystemen mit sich bringen   w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig geht die Offensive der Kapitalisten in den Betrieben   weiter. Mercedes, Siemens, AEF, Volkswagen und viele andere Firmen haben   massiven Arbeitsplatzabbau angek&#252;ndigt. L&#246;hne und Arbeitszeiten werden   weiter angegriffen.<\/p>\n<p>  Aber das Wahlergebnis hat vor allem die Linke gest&#228;rkt und ist eine   Motivation f&#252;r f&#252;r AktivistInnen der Gewerkschaften und sozialen   Bewegungen. Die neue Bundestagsfraktion von Linkspartei- und   WASG-Mitgliedern hat nun die Aufgabe, ihre parlamentarische Position und   die damit verbundenen Ressourcen zum Aufbau einer starken Bewegung gegen   diese pro-kapitalistische Regierung zu nutzen und k&#228;mpfende   Belegschaften zu unterst&#252;tzen. Auf dieser Basis k&#246;nnte eine starke   sozialistische Partei der deutschen Arbeiterklasse und der Jugend   aufgebaut werden.<\/p>\n<p>  Doch die reformistische Politik der F&#252;hrungen von Linkspartei\/PDS und   WASG, vor allem die Beteiligung der Linkspartei\/PDS an Sozialabbau   betreibenden L&#228;nderregierungen, sind eine Blockade f&#252;r eine solche   Entwicklung. Deshalb ist es umso dringender, im Verlauf des   Vereinigungsprozesses von WASG und Linkspartei\/PDS einen starke   sozialistische Kraft zu schaffen, die sich gegen jede Form von   Sozialabbau und Arbeitsplatzvernichtung auf allen Ebenen und f&#252;r eine   wirklich antikapitalistische Politik stark macht.<\/p>\n<p>  Dass Gegenwehr m&#246;glich ist, zeigen die Besch&#228;ftigten der   Universit&#228;tskliniken in Baden-W&#252;rttemberg mit ihrem Streik. Die hohe   Beteiligung an den Streikaktionen &#8211; in einem Sektor, der wenig   Kampftradition hat &#8211; zeigt einmal mehr, die bestehende   Kampfbereitschaft, die durch klare Aufrufe der Gewerkschaftsf&#252;hrungen   mobilisiert werden kann.<\/p>\n<p>  Die neue Regierung wird in jedem Falle eine Koalition der Instabilit&#228;t   und Krise. Die &#196;u&#223;erungen von M&#252;ntefering und Stoiber, die Merkel eine   Richtlinienkompetenz absprechen, sind nur ein Vorbote von den   Spannungen, die sich entwickeln werden, wenn die Regierung mit einer   starken und handlungsf&#228;higen Linken im Parlament und wachsendem   Widerstand in den Betrieben und auf den Stra&#223;en konfrontiert sein wird.   Ob Merkel vier Jahre Kanzlerin bleiben wird, ist deshalb mehr als   fraglich.<\/p>\n<p>  <i><span>  <\/i>Sascha Stanicic, Berlin <\/span><\/p>\n<p>  <i><span>  <\/i>12.10.2005 <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Die VerliererInnen der Bundestagswahl vom 18. September haben sich<br \/>\n      geeinigt, eine Gro&#223;e Koalition unter Angela Merkel als Bundeskanzlerin<br \/>\n      zu bilden. 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